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Telefonat

15. September 2013

Was machst Du?

Ich mach mich schlau für die Wahl. Hab es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht und schau mir im Internet an, was welche Partei machen will.

Und – fündig geworden?

Die FDP meint die Grünen wollen einem alles vorschreiben. Wegen dem Vegi – Day oder so. Ist sehr erhellend und rückt die FDP in den Schatten. Freiheit für heisst es – die FDP ist scheinbar der pubertären Meinung, das es frei von heisst.

Komisch, ich dachte, Du bist im Lager der Koalition zu finden. Warum das Gerede über FDP?

Weil es mir nicht gefällt, wie der Wahlkampf gemacht wird. Als ob es nicht bessere Argumente und Themen gäbe. Ausserdem, in den meisten Kantinen, in denen ich war, ist der VegiDay schon längst Tatsache, vielleicht nicht Pflicht – das weiss ich nicht, aber es hat immer geschmeckt. Manche von den Essen gab es dann auch an anderen Tagen, hab gern mal zugegriffen …

Aber ging es der FDP nicht darum, dass es typisch für die Grünen wäre, alles „regeln“, „kontrollieren“ oder vorschreiben will?

Ich glaube, es geht einfach nur gegen die Grünen. Je primitiver – umso besser. Scheinbar. Bislang habe ich mich nicht um den Wahlkampf gekümmert, ganz entziehen kann man sich dem Ganzen ja nicht. Aber ich hatte ständig nur ein Deja vu, alle Argumente kenne ich schon so lang, schon seit der Zeit vor den Krisen – und jetzt sollen wir einfach so weitermachen? Mit den Argumenten, die uns auf den Weg in die Krisen führten, einfach weitermachen? Über die Klippe – und noch viel weiter? Wohin wollen Die denn – ist bergab nicht genug? Suchen wir die Hölle auf Erden?

Dich nicht bei CDU/CSU oder bei der FDP zu verorten – das Bild fällt mir schwer. Noch schwere scheint es mir, Dich woanders Dein Kreuzchen machen sehen! Schon eine Alternative gefunden?

Anfangs dachte ich die AfD. Wer der CDU/CSU den Wegseh- und Krisenkurs vorhalten will, der gibt mit dem AfD selbst wenn die Stimme unter die 5% fällt, scheint sie nicht verloren, weil mit einer quasi zweiten Stimme, der CDU eine Stimme entzogen wird. Organisatorisch scheinen die Brüder was drauf zu haben – aber freilich, die Ziele scheinen mir irgendwie unwirklich.

Wie siehst Du die Sache mit den Euro?

Wirtschaftlich ist das schwer zu sagen. Sicher gibt es einige in Deutschland, die durch den Euro gewonnen haben, die gibt es aber auch in allen anderen Ländern. Ob Deutschland selbst Gewinner oder Verlierer ist – die Frage will ich erst beantworten, wenn man etwas mehr weiss. Im Moment kann man vermuten, dass es bislang nicht geschadet hat – das kann sich aber schnell ändern.

Du als Wirtschaftler willst den Tag nicht vor dem Abend loben?! Die meisten sagen doch: Wir haben bereits gewonnen, wir werden nur gewinnen. Selbst wenn einiges zu zahlen sein wird – die Bilanz wird nicht kippen. Warum reihst Du Dich da nicht ein?

In Deinem Blog hast Du irgendwann geschrieben, dass Du es besser fändest, wenn Du in einem Land ohne Helden leben könntest. Das setzt voraus, dass man sich rechtzeitig einsetzen kann. Der bequeme Gruppenmensch, der sich nur der -dynamik hingibt, den darf man nicht mehr geben. Networking schön und gut – denken muss man aber selbst. Auch, wenn es manchmal etwas weh tut, hat es das Potenzial, die ganz grossem Schmerzen zu verhindern.

Oh!? Du bist der gewesen, der den Post gelesen hat?! Das wäre aber das erste Mal, dass Du Dich einfach so ergibst. Wie viele Jahre denkst Du schon darüber nach – wieder Person und Meinung zu werden statt Herde, Ducken und Nachmachen?

Erwischt. Seit einige Zeit. Dem grossen Motto: „Die Wirtschaft wird es richten, wenn man sie nur (frei) lässt“ der letzten paar Jahrzehnte, war mächtig und hatte etwas von der Atmosphäre in einem Fussballstadion. Da hat man eine Weile gern mitgemacht – aber immer auch ein skeptisches Auge, besonders seit bekannt war, dass die enormen Risiken einfach auf alle Papiere verteilt wurden und dadurch „neutralisiert“ werden sollten. Anfang war es toll, dann – heute würde man sagen, dass es ähnlich wie in den USA mit dem NSA war, gegen dessen Ziele wagte niemand sich zu widersetzen. Genauso wenig durfte man sich nicht gegen die wirtschaftlichen Thesen und Umsetzungen reiben, das hätte einen einfach zerrissen, war der Mühe nicht wert. Man hat sich auf das verlegt, was man selbst gestalten kann, ist zurück ins Wohnzimmer geflüchtet. Die angebliche Freiheit, Entfaltung und Möglichkeiten der neuen Zeit – liess auf sich warten, wir warten immer noch und während dieser Zeit war das Gefühl eher Enge und Druck.Da wurden alle auf Linie gebracht. Jeder ist zum Spass einmal an ihr entlang gegangen, jeder hatte was zu sagen – nicht immer Positives – aber heute traut sich niemand mehr etwas zu sagen – als hätten sie den NSA im Kopf. Dass es ihn auch real gibt, überraschte nicht mehr. Getrieben, gedengelt und kontrolliert – Linie statt Erfolg. Frei und wohl war da nichts. Kollektiverfahrung und Fangesänge – irgendwie deplatziert finde ich, aber ein mächtiges Gefühl, irgendwie überfahren und peinlich es zugeben zu müssen und befreiend, den eigenen Kopf wiederentdecken – ganz neues Gefühl, ganz gutes Gefühl..

Ich erkenne Dich nicht wieder.

Ich denke, das liegt daran, dass egal wie es kommt, man in der nächsten Zeit nur auf sich selbst verlassen darf. Die SPD gibt frei zu, dass es teurer werden wird, die CDU lässt die CSU dem Wähler zeigen, wie es gemacht werden wird: Viele neue Gebühren. Ausserdem erinnerte ich mich an etwas, das ich vor ein paar Jahren erlebt habe: ein paar CDUler unterhielten sich über eine Trassenplanung. Sie wussten genau, welche wie viel Ärger machen würden und rechneten sich die Prozentpunkte der nächsten Wahl aus, die die Proteste bringen werden. Erst das Land, dann die Partei, dann die Person?! Genau andersherum ist es. Ich habe ein paar Scheuklappen verloren.

Also, wen willst Du wählen?

Wenn ich Dir die Antwort gebe, höre ich dann auch, was Du wählst? Ich wühle mich noch durch die Infos, aber nach dem aktuellen Stand hätte ich keine Partei, die mich anspricht. Sie haben es ja auch schwer, die meisten sind ja alle an dem kollektiven Lauf über die Klippen beteiligt gewesen und es gibt noch viele, die den Scheuklappen noch nicht entkommen sind. Auch bin ich mir noch nicht im Klaren darüber, wie es weiter gehen soll. Das haben sie alle versäumt. Der Wähler ist allein in den grossen Fragen und es wird so getan, als gäbe es kein Morgen – nur ein „weiter so“ – also tiefer in die Krisen?

Ich glaube, Du hast zu viel in meinem Blog gelesen!

Wieso, schreibst Du da drüber? Ich denke, da geht es um Sachen wie Energie und IT und deine Projekte. Politik und grosse Fragen sind doch nicht Dein Ding?!

Anfangs sollte es nur das Infrastrukturprojekt vorstellen, dann wollte ich wissen, ob ich „schreiben“ kann – auch über die grossen Themen ….

und – kannst Du?

Das solltest Du Dir selber ansehen. Mir reicht es zu wissen, dass ich das könnte, es ist aber noch ein ganzes Stück Arbeit, bis das – sagen wir – wirklich professionell wird. Auch redaktionell ist das noch eine Herausforderung … ich weiss nicht, ob ich den Blog so weiter machen werde. Ich würde ihn gerne umbauen, kann man aber nicht so richtig. Also vielleicht einen Neuen machen oder – ich habe ja erfahren, was ich wissen wollte – es sein lassen. Das ist mehr Arbeit, als man denkt.

Und welche Meinung hast Du – in den grossen Themen – welche sind das?

Die Politik lässt sich von der Wirtschaft, Globalisierung und Entwicklung der Arbeit, wie Automation gängeln, täuschen und von diesen Dingen vor ihnen hertreiben. Sie hat keine eigenen Ideen, lässt sich aber von absehbaren Entwicklungen überraschen und bittet, die, die für die Probleme und Aufgaben ursächlich sind, die politischen Aufgaben zu übernehmen, die Antworten zu formulieren und feiern sich selbst, wenn es ihnen wieder mal gelungen ist, einen weiteren Teil der hochkomplexen Politikerarbeit, im Zusammenspiel von Parteien und Interessen etc. herausgefunden haben. Von Leitung, Strategien und … ist einfach nichts zu spüren, ich habe versucht, die Alternativlosigkeit der deutschen Politik, etwas bodenständiges Basiswissen als Material zum Aufbau neuer Alternativen zu geben. Dazu habe ich auch einige exakter ausgearbeitete Beispiele dargestellt. Die 150er, SynErgy und FAnNet sind Beispiele dafür.

Und was wählst Du?

Da geht es mir ähnlich wie Dir. Sie verstecken sich hinter politischen Kleinkram – nur, im nicht konkret sagen zu müssen, was auf uns zukommt und wie man es handhaben will. Man erwartet jeden Moment, dass die Schlage die Binde von den Augen nimmt und die Politiker sie plötzlich erkennen können. Man ist nicht von diesen Leuten überzeugt, da sie scheinbar nur gut die Augen zu machen und weggucken können. Ich will das nicht wählen! Da vertritt keiner auch nur annähernd meine Meinung – denn meine Meinung ist nicht Verschweigen und politischer Aktionismus, sondern konkrete Arbeit Lösungen. Weiter so ist mir zu allgemein.

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From → 150er, Politik, Wirtschaft

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