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Was war das Ziel des WIRs – nochmal?

Im WIR steht die Zusammenarbeit im Fokus. Die ersten Versuche von Kindern gemeinsam einen Tisch zu Decken scheitern oft kläglich. Es gibt viel Geschrei und weil sie alle merken, dass es nicht klappen will, ist jeder enttäuscht und gibt sich und allen anderen die Schuld – dabei konnten sie sich einfach nicht koordinieren und kooperieren, in einem bestimmten Alter können sie das noch nicht, die dazu nötigen Fähigkeiten sind schlicht noch nicht ausreichend entwickelt.

Bereits ein paar Monate später, kann das ganz anders sein, im Vorbeigehen werden kleine Fehler korrigiert und mit einem Blick weiss jeder was noch fehlt und was wer wahrscheinlich machen wird und was er machen wird. Dies gilt für den Alltag und ist selbst bei Änderungen recht stabil. Grösseres zeichnet sich meist früh genug ab und wird zunächst in Nebensätzen im fast privaten Gesprächen thematisiert; je mehr es in den Fokus gerät umso offizieller wird es diskutiert.

Und warum klappt das nicht bei uns? Weil viele noch eine geschichtete Weltsicht bevorzugen bzw. per Erziehung als „normal“ empfinden. In einer geschichteten Welt hat jeder eine ihn zur Existenz berechtigende Aufgabe – ohne diese Arbeit existiert dieser Mensch für die (-se Art von) Gruppe nicht und er bekommt das zu spüren. Alles, was den eigenen Bereich angeht wird wie ein Schatz gehütet, der Informationsfluss gerät ins Stocken. Nur noch nach oben wird das Nötigste gemeldet und nur noch Oben verfügt scheinbar über alle notwendige Informationen, um die Gespräche erfolgreich durchführen und beenden zu können.

Nun ist das Ergebnis aber nach unten zu kommunizieren, nach dem Prinzip: „Nicht Denken, Gehorchen!“ geht das schnell, denn man funktioniert nur. Doch da die Betroffenen Dinge machen sollen, von denen sie das Warum Wieso und oft auch das Wie nicht richtig kennen, sind sie – unmotiviert und werden für Fehler anfällig. Begriffe wie „Faulheit“ und „Saboteur“ sind nur in diesem Kontext aussagekräftig.

Ist das schlecht? Wenn Informationen sich ausbreiten können, dann geben sie überall mehr oder weniger starke Impulse ab, betrachtet man das dazugehörige Wissen als Membran und der Fluss der Informationen als Bewegungen auf dieser Membran, dann wäre diese ständig in Bewegung und überall werden die Impulse auf ihre Tauglichkeit im eigenen Kontext geprüft und Auswirkungen und Ausblicke werden notiert, evtl. getestet einiges dann freigegeben.

Wenn nur nach oben „gemeldet“ wird, gehen viele Informationen und Gelegenheiten verloren, alles wird wage und undeutlich, unbrauchbar und immer weniger Leute, die sich damit auskennen beschäftigen sich mit der ständig wachsenden Sache. Wenn Informationen nicht frei fliessen können, wird auch das Wissen ausgebremst, das bremst auch die Wirtschaft und die Politik. Alles verkrampft sich und man sucht Ausreden für die nun „nötig gewordenen Härten“. Fest in dieses Weltbild eingebaut ist die Vorteilsuche, die Auseinandersetzung, Streit, Kampf und Krieg. Ja, ich glaube: Das ist schlecht.

Ein paar Monate später kann alles schon ganz anders sein – sie werden ja so schnell gross. So schnell kann es bei Kindern gehen – Erwachsene brauchen etwas länger. Es sieht fasst so aus, als ob sie Generationen brauchen, um zu lernen „wie man zusammen einen Tisch zu deckt“. Die aktuell Aktiven können sich bereits über allgemeine Ziele einigen, bei der Umsetzungen glauben sie dann aber noch an die Göttlichkeit ihrer Eingebungen und Lösungen. Sie leben ihre Imagination und gruppendynamische Werte wie Image, Status und Durchsetzungsfähigkeit etc., statt nach echten Lösungen auch nur zu suchen. Lösungen können von allen getragen und mit Leben erfüllt werden, weil sie es verstanden, vielleicht sogar etwas dazugelernt haben und sich entwickeln konnten. Entscheidungskämpfe brauchen nur Material für die Schlacht. Es scheint nur einfacher zu sein alles zu zerstören, doch die Destruktivität, die zu diesem Weltbild gehört, kann man maximal den Status Quo halten, in der Regel weicht man aber immer weiter zurück, verliert an Boden und wird immer nervöser.

Wer in seiner eigenen Meinung die einzig wahre Lösung sieht und diese durchsetzen will, der mag vielleicht in der Lage sein seine Horde in den Krieg und für die Schlacht zu „motivieren“. Er – und andere – werden Soldaten (bitte erinnern: Menschen) verlieren; das war so sicher, dass er sie auch gleich selbst hätte töten können. Ohne diese Aktionismus, hätte zumindest eine Chance auf ein normales oder gutes Leben für diese Menschen bestanden.

Das WIR steht für die Fähigkeit zur Kooperation. Wer den Kampf, Krieg und Streit vorzieht oder zu einem entweder-oder oder Alles-oder-nichts tendiert, lebt das WIR leidend, missionarisch und will der Welt seine Heilung und göttlich inspirierte oder durch ihn beauftragte Lösung aufzwingen.

Neutral kann sich die Person anderen gegenüber öffnen, kann deren Meinung verstehen, kann sich erstmals eine eigene Meinung zur Meinung, die seine Gruppe vertritt, bilden und kann zumindest Brücken zwischen diesen Meinungen bauen – statt nur dem Befehl von oben oder der offiziellen Meinung der Gruppe blind zu folgen. Wer es so will: Regeln werden zu Richtlinien. Wer es etwas ernster will: Es heisst „du sollst“ nicht „du musst“.

Im nächsten Schritt ist Kooperation kein Thema mehr, sie ist normal, integriert. Allerdings wird in dem Prozess, der bislang eher intuitiv oder „aus der inneren Einstellung heraus“ betrieben wurde, etwas anderes zunehmend auffälliger: Das Thema „Regeln“ gerät in den Fokus. Im WIR werden Regeln kaum abgesprochen sie entwickeln sich aus der Situation heraus. Mit „Try And Error“ wird Material beschafft, das ausgewertet und variiert wird bis Anspruch und Gelungenes übereinstimmen.

Im WIR entwickeln sich Regeln „wie von selbst“. Im Ihr wird aus der Praxis Theorie, die einem Anfangs wenig attraktiv erscheinen mag, oft weil sie einen in den früheren Phasen heraus- und überfordert hat. Erst die theoretische Durchdringung von etwas das bereits praktisch erreicht wurde, stellt das nötige Material bereit, das benötigt wird, um für den nächsten Schritt vorbereitet zu sein, denn erst die Abstraktion ermöglicht es dem Denken bzw. dem Thema vollumfänglich zur Verfügung zu stehen. Erst dann ist es „integriert“ erst dann ist die Integration abgeschlossen, weil die letzten Grenzen: „Es steht für sich selbst“ durchbrochen wurde und nun allgemein einsetzbar ist.

Aus etwas, das weder zugeordnet noch eingeschätzt werden konnte, wurde etwas das entweder als ein Fremdkörper eingeschätzt wurde und „einfach nicht hineinpassen wollte“, wird schrittweise etwas, „irgendwie Hilfreiches“ und bald „Selbstverständliches“, um dann nahtlos ins Regelwerk integriert zu werden, um es allgemein einsetzen zu können.

Warum wurde das WIR hier breit besprochen ohne einen echten Bezug zur Gruppe, Dynamik oder Gesellschaft zu stellen? Weil es nicht nötig ist. Diese Begriffe können durch die oben genannten fasst vollständig ersetzt bzw. durch sie beschrieben werden – zumindest auf einem einführenden Level.

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Kurzes zur aktuellen politischen Tragikkommödie

Da diese Fragen ständig gestellt werden, hier eine Zusammenfassung zum aktuellen Geschehen:

Eine Beschreibung, wie es zur aktuellen Situation gekommen ist, soll vorne weg gegeben werden, denn das kürzt die anderen Themen erheblich:

Die Union verlegte sich bei Bundeswahlkämpfen darauf, dem politischen Gegner den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem dessen Themen schlicht übernommen werden. Was (vielleicht) gut für den Wahlkampf ist, ist schlecht für die folgenden Koalitionsgespräche (zu wenig Verhandlungsmasse) und die gesamte Legislatur (man steht für ungeliebte Ziele), in denen nun Dinge zu vertreten wären, zu denen die Union im Vorfeld meist schon gezeigt hatte, dass sie das eigentlich ganz anders machen würden – da sie aber nur das Thema aufgegriffen haben und nie gesagt haben, wie sie es machen wollen, können sie die Themen im Nachhinein schwärzten. Das Ergebnis ist für alle Wähler der beteiligten Parteien unzufriedenstellend.

Das schadete bislang allen beteiligten Parteien, alle verloren einheitlich in der Wählergunst, wenn das so weitergeht, dann werden selbst die Grossen klein werden, die Kleineren trifft es jedoch schneller. Immer gilt aber auch, dass sie das mit sich haben machen lassen und dass sie, meist in Verzweiflung, selbst weitere Fehler gemacht haben.

Die FDP wurde ganz aus dem Parlament gewählt, die SPD spürt es, selbst die CSU kann ein Lied davon singen. Die eigenen Fehler der CSU sind vielschichtig:

Sie versucht es mit einer neuen, genaueren Positionierung – nach den Wahlen und die eingenommen Positionen sind oft so weit weg von den im Wahlkampf vertretenen Meinungen und oft so nahe an den der sogn. Populisten, dass so mancher beginnt von Wahlbetrug zu reden: „Das habe er nicht gewählt“.

Ein weiterer Punkt ist, dass sie es gegen das Konzept und gegen den grösseren Partner durchsetzen wollen. In Bayern nennt man das aufmannderln, im Rest von Deutschland „auf verlorenem Posten stehen“. Bestenfalls nerven sie nur, im Mittelfeld werden sie zum Don Quichotte und im schlechtesten (oder in jedem?) Fall als Nachzocker, Streitsüchtige und Erfolgslose abgewählt und sicher machen sie sich dadurch selbst zum willkommen Sündenbock für den Rest der Union.

Die Liste ist nicht vollständig, aber dieser Teil sollte reichen um zu erkennen, wohin die Reise geht: Man stärkt den politischen Gegner – in dem Fall auch die CDU – und betreibt den Bruch der Union. Auch dadurch, dass man Sondierungsgespräche platzen lässt (Sündenbock – erinnern Sie sich?). Ohne den Makel CSU kann die Union eine „solide Regierung“ mit der SPD und den Grünen schliessen. Die CSU hätte nun die Wahl: Sich ruhig verhalten und diese Regierung dulden oder massiv dagegen anzugehen, mit anderen Worten: In der Union bleiben oder sie ganz oder teilweise, auf Zeit oder für immer aufzukündigen. Sie könnte auch Bedingungen stellen wie „Nach der Hälfte gibt es Neuwahlen“(ginge das überhaupt?) oder: „Bei der nächsten Wahl tritt die Union zwar als Union an, der Wähler kann aber entweder die CDU oder die CSU ankreuzen“ und was sonst noch einfällt.

Deutschland leidet seit Jahren an einer schläfrigen und stagnierenden Politik, die zu einem guten Teil von den Machtinteressen der Union und von dem sich-das-gefallen-lassen der anderen Parteien getrieben wird. Letztlich wird der Bürger entmündigt, da er durch die allgemeine Unterstützung dieses „Stils“ an keiner politische Entscheidung teilnimmt, sondern die Parteien sollen das vollständig für ihn übernehmen, egal, wie die Zusammensetzung im Parlament ist.

Immer wird gefragt, wie es weitergeht und die meisten hoffen, dass es bald eine Regierung geben wird. Wenn die CSU das kürzlich Proklamierte wieder in den Sondierungen durchsetzen will, wird es wieder keine Koalition zumindest bis Ende dieses Jahres 2018! geben. Also gemach. Entweder dauert das noch lange oder die Union zerbricht. Dann dürfte es zügig eine Koalition von CDU/SPD/Grüne geben. Von vielen Personen, über die heute aktiv diskutiert werden soll, wird wahrscheinlich kaum noch die Rede sein. Über diese Zeit werden wir uns nur kopfschüttelnd erinnern, uns über die vertane Zeit und Chancen beklagen und entweder sagen: Damals wurde die Demokratie in Deutschland gestärkt oder geschwächt.

Destruktive CSU. Einmal Sündenbock, immer Sündenbock, wahrscheinlich wird dann Bayern aus Deutschland raus wollen, vielleicht mit BW und vielleicht schliessen sie sich Österreich an – übrigens: Dann gäbe es die Bürgerversicherung in Bayern.

Egal was sie tut: Aktuell steht die CSU auf verlorenem Posten – und will unbedingt Deutschland mitnehmen. Also mit strategisch hat das alles nichts zu tun – aber sie sind ja noch im Wahlkampf, 2019 wird dann alles wieder gut – vielleicht, es werden sich schon welche finden, die nachzocken werden.

Es ist nicht mein Ding, andere in den Selbstmord zu reden oder treiben, deshalb schweige ich zu diesen Dingen, die für mich zudem immer noch unter Wahlkampf verbucht werden, das ist der Hauptgrund, warum ich nun seit September zu diesen Themen schweige. Ich hoffe, dass das hier die letzte Ausnahme sein musste. Da wäre ja Trump unterhaltsamer.

In diesem Punkt bin ich übrigens enttäuscht: Ich will nicht wissen, was er twittert sondern was er macht – entweder macht er nichts, oder wir erfahren es nicht. Warum?

 

Kurz und fündig

Was kann die Politik in der Wirtschaft bewirken? Das kann schön an der Atomkraft gezeigt werden: Sie wurde gegen den Willen der Wirtschaft etabliert.

Was will die Wirtschaft? Gewinne einfahren, solange es noch geht. Und wenn die Gewinne gesichert erscheinen, dann geht es um die Absicherung derselben, meist durch schiere Grösse bzw. Dominanz des Marktes. Die Wirtschaft hat ständig Angst, dass bald alles kaputt geht – deshalb verhält sie sich oft so, dass alles kaputt gehen muss.

Was kann der Kunde? Solange es den Wettbewerb durch den Markt dominierende Firmen nicht gibt, hat der Kunde keine Wahl und damit keine Macht / Möglichkeiten. Ansonsten hängt es davon ab, was er weiss und Kleinigkeiten wie: Ob er in einer restriktiven Umgebung lebt.

Gibt es sichere Software? Nein.

Woran liegt das? Komplexität ist das Stichwort, das einem hier ständig begegnet. Sie wächst mit dem Faktor der Fakultät. Das ist grösser als die Potenz. Etwas vereinfachend gesagt steigt bei einem Programm nach dem Schema: Fakultät der Codezeilen. Deshalb kann nicht alles getestet werden. Das wäre aber nötig, um absolut sicher gehen zu können, zudem schreitet die Entwicklung fort und es ergeben sich täglich neue Dinge, auf die zu achten (gewesen) wäre – dafür ist es gelegentlich zu spät.

Was kann man dagegen unternehmen? Viel – aber das ist nicht gewollt.

Warum? Da gibt es unterschiedliche Ansätze: Auftragnehmer und Mitarbeiter sichern ihren Auftrag bzw. Arbeitsplatz; Politik und Wirtschaft wollen möglichst unsichere Standards und wenig Regelung; Wirtschaft und Politik wollen an persönliche Daten; die Politik will ermitteln können – und schiebt das vor, damit sie auch spionieren kann; die Wirtschaft erhofft sich weitere Geschäftsfelder, durch die Kommerzialisierung der Sicherheit der digitalen Welt usw..

Und wie sicher wäre IT, wenn alle am gleichen Strang (und daran in die gleiche Richtung) ziehen würden? Im Leben gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Das gilt auch für die IT. Deshalb wird Sicherheit in der IT daran gemessen, wie hoch der Aufwand wäre. Daran gemessen wäre die Sicherheit, die bei sorgfältiger Programmierung und Melden von Einfallstoren, ausreichend hoch: Selbst mit viel Hardware und Können wäre es ein fasst unglaublicher Zufall, eine Lücke zu finden und nutzen zu können.

Aber warum macht man das nicht? Man verspricht sich viel davon.

Was zum Beispiel? Die Wirtschaft meint oft, dass viele Informationen Klarheit schaffen und dass alles Wissen Allmacht bringen würde. Die Politik fürchtet sich vor Unterwanderung und beide zusammen würden gerne die Meinung im Volk steuern können.

Und was ist schlimm daran? Man nennt das auch Spionage, Stimmungsmache, Populismus, Unterdrückung und Cäsarensyndrom. Zudem führt es zu einer allgemeinen Gleichmacherei und da Gleichmacherei jede Gemeinschaft schwächt, wird das meist blutige Ende dieser Herrschaft (die definitiv undemokratisch wäre) eingeläutet. Kurz: So was geht selten lange gut (eher ein paar Jahre denn Jahrzehnte). Denn sie glauben nicht, dass der Zweck die Mittel nicht heiligt. Das kann in der Geschichte vielfach nachgelesen werden.

Und warum macht man es dennoch? Es gibt eine Gruppe von Leuten, die das seit etlichen tausend Jahren versuchen – und regelmässig scheitern bzw. sich die Sache als zu kurzlebig erwies. Die Gründe sind vielfältig: Meist können sie einer „Versuchung“ nicht widerstehen; viele geben offen zu, dass sie „das solange machen werden, bis es ihnen verboten wird“, diese Leute wollen andere erziehen und legitimieren das meist durch einen früheren Erfolg, der ja wohl den Willen Gottes offenbare, dass sie das so machen sollen. Es ist Selbstüberschätzung, Anmassung, Gier und Geiz – kurz: alle Todsünden bzw. Cäsarenwahn.

Aber lernen die denn nie etwas dazu? Es gibt heute eine nie dagewesene Verlockung, die das Unterfangen für solche Leute geradezu zur Pflicht macht: Die Digitalisierung. Bislang galt, dass einer allein weder alle Informationen beziehen noch alle Informationen verarbeiten könne, mit der Zeit wuchs die Verzweiflung, denn man scheiterte bereits an der Masse des allgemeinen Wissen und dem Aufwand und der Organisation. Die IT scheint das heute jedoch wieder möglich zu machen – und das relativ billig und exklusiv für eine sehr kleine Gruppe. Bei solchen Möglichkeiten kochen die Allmachtsphantasien über.

Und – kann das funktionieren? Nein. Wissen und Können sind stark von dem Kontext und Verhalten (u.a. Übung) einer Person abhängig. Das geht nicht parallel sondern würde eine ganz andere Person bilden – aber eben wieder nur eine.

Zu den Kontexten einer Person gehören auch deren Eigenschaften. Das führt dazu, dass es bei offenen Fragen so viele Antworten (oder mehr) gibt, wie Personen gefragt werden. Wer also alles Wissen können wollte, bräuchte schon eine ausgeprägte multiple Persönlichkeitsstörung – es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Person nicht effektiv handeln könnte.

Was bekommt man stattdessen? Das grosse Scheitern. In den meisten Fällen entdeckt man alles und nichts, kann sich aber eine Welt basteln, wie sie einem gefällt und die wird sehr wahrscheinlich alle Befürchtungen bestätigen, was diese verstärkt und einen selbstverstärkenden Effekt aufweist, der alles andere verdrängt – das dürfte zu tiefer Verzweiflung und diese zu Panik und Manie führen.

Was würde stattdessen helfen? Nur eine offene Gesellschaft hilft, in die sich jeder einbringen kann und die mit allen ehrlich redet.

Aber es heisst, dass der Mensch nur in der eigenen Gruppe gerne gibt! Wie offen kann eine Gruppe sein? Wie diese Gruppe definiert wird, liegt im Auge des Betrachters: Wer sich von anderen ab- und diese deshalb auch ausgrenzen muss, der wird nur innerhalb dieser selbstdefinierten Gruppe „gut“ sein, im Umgang mit Nichtmitglieder aber ausgesprochen „böse“. Aber was spricht dagegen, dass die Gruppe etwas grösser ist – sagen wir die Menschheit umfasst?

Welche Rolle spielt dabei die Globalisierung? Wirtschaftlich gilt, dass Märkte sich ausbreiten. Je erfolgreicher ein Produkt bzw. Produktionsprozess wird, umso schneller breitet es/er sich aus. Daran ist nichts schlimmes – es kommt darauf an, wie man es macht. Darüber sollte man sich zeitig Gedanken machen, denn Wirtschaft funktioniert in aller Regel umso stabiler, je grösser das Gebiet ist, das sie umfasst. Das kann Vor- aber auch ein Nachteil sein.

Welche Vorteile? Nichts geht immer gut, Rückschläge kommen schlicht vor. Wenn der Hagel mein Feld niedergemacht hat und ich gut mit den Nachbarn kann, wird es nicht leicht aber es wird gehen. Grösse ist manchmal auch eine Versicherung. Gerät sie ins Wuchern, dann schlägt sie ins Gegenteil um.

Welche Rolle spielt Grösse? Im Wirtschaftlichen bedeutet Grösse letztlich nur Versicherung. Sie kommt spätestens ins Wuchern, wenn der Markt dominiert werden kann.

Wenn der Gewinn als gesichert gilt, sichert man sich den Markt – u.a. verhindert man dadurch Innovation und führt den Markt in die Stagnation, leitet den eigenen Untergang selbst ein, weil: Je länger ich einen Markt dominiere, umso gesättigter wird er, das wird an Absatzschwächen deutlich und der Markt wird irgendwann entweder untergehen oder von einem anderen, der mehr oder weniger zufällig, auf die notwendige Entwicklung gestossen ist und sie umsetzen kann, übernommen.

Wirtschaftlich sollte Grösse ein Warnsignal sein? Oft. Weil Zusammenbrechende Märkte zuvor kumulieren, da wird einer ganz gross und übrigbleiben – und einen Pyrrhussieg erringen bzw. die Asche hüten. Aber auch, weil Grösse mit viel Aufwand aufrechterhalten werden will, das führt schnell zu Rechtsbrüchen und Ungerechtigkeiten, immer aber auch zu einer Schädigung der allgemeinen Marktlage führt, denn sie wird eingeschläfert, bewusst geschwächt.

Was kann man dagegen unternehmen? Die Wirtschaft / der Staat sollte darauf achten, dass Innovationen immer und ohne Rücksicht auf bestehende Märkte gemacht werden können. Eine erste Massnahme wäre es, z.B. in Zusammenarbeit mit den (Hoch-) Schulen, Umsetzungszentren zu etablieren. Sie greifen Ideen auf, prüfen sie auf Machbarkeit, auch in Kooperation mit anderen Ideen, und setzen sie um. Das kann als „Start-Up Geburtsstation“ bezeichnet werden. Firmen können die Produkte kaufen, doch gehen die Rechte nach relativ kurzer Zeit wieder zurück, wenn die Produkte nicht auf den Markt kommen.

Und wie würde das wirken? Entweder führt das dazu, dass die Firmen auf diese Zentren setzen und die Eigenentwicklungen komplett einstellen oder dass sie die Eigenentwicklung hochfahren.

Was wäre wahrscheinlicher? Dass sie mit dem Auslagern beginnen – weil viele Konzerne sowieso der Meinung sind, dass ihre Produkte nicht zu verbessern seien, bzw. dass sie sich zurückhalten und sich die Sache erst mal ansehen. Wenn sich die Zentren als effektiv erweisen, was ein oder zwei Jahre dauern kann, dann werden sie versuchen Leute abzuwerben, gelingt das, dann werden sie versuchen den lästigen Markttreiber auszutrocknen und kaputt zu kriegen. Gelingt das nicht, werden sie in die Schubladen greifen und versuchen den Markt mit Neuerungen zu fluten um so den alten Zustand wiederherzustellen. Gelingt das nicht, werden sie die Eigenentwicklung hochfahren und zum Teil in die InnoCents auslagern. Letztlich verlagert sich die Grob-Entwicklung in die Zentren und die Firmen kümmern sich dann um die Detailarbeit, die ja auch firmenspezifisch ist. Etliche Produkte werden aber auch zu neue Firmen führen.

Wie sähe eine Wirtschaft aus, die auf dem Stand der Zeit wäre? Wie oben bereits angedeutet: Die einzelnen Komponenten, die heute unter einem Dach sind, werden getrennt und selbstständiger: Idee und Umsetzung separieren sich von der Produktion, der vom Handel und Wartung. Wenn die Produktion quasi vollautomatisch abläuft, dann sinken auch die Preise für kleine Serien und einzelne Produkte, wenn diese dann auch noch individualisiert werden könnten, dann würden sich um die Produktionsstätten herum Handwerker ansiedeln, da diese Stätte fleissig Aufträge liefern.

Die Stichworte für den Blog sind IvaP und ForschungsInseln.

Weil wir gerade dabei sind: Wie viele arbeiten aktuell an City-SynErgy? Keiner. Angestellte gibt es nicht und die Arbeiten daran sind soweit, dass es bereits Lösungen / Umsetzungsmöglichkeiten für jede Aufgabe gibt, die nun zusammenarbeiten müssten, damit es klappt. Bei CSE braucht es die Leitschiene, die etwas vom Antrieb abhängt, dafür gibt es mehrere Kandidaten, die Pfeiler und die Kabinen sind nahezu trivial – es geht um die Massenproduktion. An der scheinbar niemand ein Interesse hat

Deutungshoheit – geht mich das was an?

Definitiv: Ja. Eine Aufgabe kann das klären: „Einfach eine Zeitung aufmachen und sich zu jedem Thema die Frage stellen „Habe ich eine Meinung dazu – und wenn ja, welche?“. Ehrliche Menschen (egal ob klug oder dumm!) stellen schnell fest, dass sie zu vielen Themen keine solide Meinung haben – können, denn niemand kann alles oder vieles tief genug wissen, dass er eine dazu eine solide und begründete Antwort geben kann.

Ohne Menschen, denen man in bestimmten Fragen vertraut und diese das Thema laiengerecht diskutieren, geht es nun nicht mehr. Kennt man nur einen, der in diesem Fall vertrauenswürdig erscheint, sollte man sich parallel dazu selbst schlau machen und weitere Stimmen suchen.

Solche Prozesse dauern. Vieles bleibt liegen. Ohne Vertrauen geht nur das, was ein Mensch allein an einem Tag schafft. Das ist nicht viel – jedenfalls gemessen an dem, was zu machen wäre. Es wird schnell einseitig, gerät in Schräglage und droht zu kentern – so oder so:

Die Dinge funktionieren dann nicht und deshalb wenden sich die Menschen ab und regeln die Dinge selbst, irgendwie, aber es ist geregelt. Auch diese Regelungen funktionieren nicht, falls sie überhaupt zustande kommen. Schnellschüsse fördern Gewohnheits- und Vertragsrecht, auf die Dauer ist rechtsstaatliches Verhalten kaum möglich.

Wenn einer oder eine Gruppe allein die Deutungshoheit hat, passiert genau das: Andere Meinungen sind dann bereits diskreditiert, der Schritt zur Kriminalisierung, ist dann nicht weit. Eine Gesellschaft, in der es nur eine Meinung gibt, kennt auch nur eine Möglichkeit sich „zu wehren“, diese Gesellschaft wird unterdrücken und auf Zwangsmassnahmen zurückgreifen, letztlich bleibt ihr immer nur die Gewalt – sie kann nicht mehr reden, sie kann nur noch zwingen.

Es gibt Weltbilder, in denen es „nur einen geben kann“. Sie befürchten, erwarten und führen im Fall des Falles das absolute Chaos herbei, wenn gegen diese Regel verstossen wird. Begründet wird das mit: „Was sein muss, muss sein. Sie werden es schon lernen. Und wenn nicht, ist es nicht schade um diese blinden, dummen, aufmüpfigen Besserwisser, die doch nichts wirklich wissen und ausser sinnlosen Experimenten nichts können.“

Sie sind aus Überzeugung Bewahrer. Solche Menschen halten an den absurdesten Momenten fest und halten sie aufrecht, sie achten das Gesetz, sagen aber auch, dass es für sie bei ihrer Aufgabe nicht wichtig sei, das andere stehe über allem und überhaupt: Sie sind und machen das Gesetz.

Solche Überzeugungstäter und Missionare gibt es überall, wie es dazu kommt – eine Einführung kann man sich im Blog über das Stichwirt „WERDEN“ holen. Für sie ist es selbstverständlich, dass nur sie die Deutungshoheit haben, dass die Welt und jedermann sich nach ihren Ansichten zu richten hat und sie achten darauf, dass das so bleibt.

Die Deutungshoheit von Lehrer und Ausbilder steht auf einem anderen Blatt, steht aber oft auch für einen schlechten Ausbildungsstil. Die Deutungshoheit von Hierarchien steht nur einen Schritt vor dem Abgrund, die oft geforderte Durchsetzungsfähigkeit steht zwei Schritte vor dem Abgrund. Viele von diesen wollen weiterkommen und -machen.

Heutzutage gehen wir sehr fahrlässig mit der Deutungshoheit um. Es gibt da den Spruch „Wissen ist Macht – ich werde noch Präsident“. Ganz abgesehen davon, dass wer viel oder alle Informationen bzw. Daten hat, noch lange nicht über Wissen sondern maximal über Interpretationen verfügt, überlassen wir einigen Wenigen die Deutungshoheit über unsere Daten. Diese Wenigen müssen nicht zu den gerade genannten Überzeugungstäter gehören, sie laufen aber Gefahr zu solchen zu werden. Das nennt man dann einen Cäsarenwahn usw..

Wenn der Begriff „Elite“ als Bezeichnung einer gesellschaftlichen Schicht benutzt wird, dann wird oft auch gefordert, dieser „Elite“ die Deutungshoheit zu überlassen. Die Geschichte ist voll von Berichten darüber und je unfreier eine Gesellschaft wird, umso mehr Wert wird auf die angebliche Deutungshoheit gelegt. Sie ist ein Mittel der Stimmungsmache zur Unterdrückung und Steuerung aller anderen. Sie ist schlicht ein Machtmittel. Und sie dient der Selbstüberhöhung.

Alle sind davon betroffen, Gruppen fordern mindestens in einem Thema die Deutungshoheit für sich und je unsicherer man sich ist, umso häufiger requiriert man die Deutungshoheit für sich. Wie kommt das? Wenn man nur einen Weg kennt, um etwas zu machen, dann behauptet man schlicht, dass es andere Wege nicht gibt. Dann kann das nichts werden. Man meint, dass man sich sicher ist und kennt das andere nicht und will es nicht, weil es da doch eine bereits lang praktizierte Lösung gibt. Man ist sich selbst sicher, dass das alles nicht nötig ist – die anderen sollen sich anpassen.

Aber wie kann es Unsicherheit sein, obwohl diese Menschen nur darüber sprechen, dass sie doch so sicher wie kein anderer zu sein scheinen? Ein Mensch, der in sich ruht, schaut sich um und probiert mal was aus, weil er lernen will und nicht, weil er Experimente liebt. Wer sich seiner Selbst sicher ist, ist neugierig, wer nicht, der sagt schnell „das haben wir bislang immer so gemacht, da könnte ja jeder kommen“. Oder mit anderen Worten: Wer eine gewisse Selbstsicherheit aufweist, kann sich neuen Dingen stellen, der andere kämpft noch mit sich und dem Altem, es sagt meist: Da ist noch viel drin – auch, wenn dem nicht so ist.

Deutungshoheit ist ein zentrales Mittel über das diejenigen, die ihr unterworfen sind, effektiv gesteuert werden können. Sie macht es dem Machthaber leichter, besteht man darauf, dann kann der politische Meinungsgegner kriminalisiert werden.

Wenn die Gesellschaft aber alle Fähigkeiten, nicht nur die einer Einzelperson und dem daraus resultierenden Schema F, aller Mitglieder nutzen will, diese Gesellschaften werden miteinander konstruktiv reden. In Gesellschaften mit Deutungshoheit wird nur übereinander gesprochen bzw. geurteilt.

Krieg und Frieden, Weltfrieden ein Kommentar zur zeit-online Diskussion

Auf Zeit-online wurde heute über Krieg und Frieden und ob der Weltfrieden möglich ist diskutiert. Da das Thema im Blog einige mal angesprochen wurde, hier eine Zusammenfasse der Meinung des Blogs:

Der erste schriftlich dokumentierte Krieg wurde scheinbar im Zweistromland geführt, dort rühmte sich ein Herrscher „als erster aus dem ritualisiertem Kampf einen echten gemacht zu haben“. Krieg gab es schon vorher, war aber ritualisiert, weil echte Tote zu teuer waren – dass man sich echte Tote „leisten“ konnte, dürfte daran gelegen haben, dass es nun „genug“ oder gar „zu viel“ Menschen gab.

Die Basis liegt jedoch viel tiefer: Der Mensch kennt einen Flucht-oder-Kampf-Modus, als Individuum verfällt er in diesen, wenn Gefahr-für-Leib- und-Leben besteht. Das Individuum identifiziert sich jedoch auch mit der Gruppe und so greift auch der Gruppe gegenüber dieser Modus.

Um die Gruppe selbst bilden zu können, ist eine friedliche Grundeinstellung nötig. Wenn aber der Kampf/Flucht Reflex des Individuums die ganze Gruppe erfasst und es ein Feindbild gibt, dann kann es Krieg werden.

Aber ist das Krieg? Wenn es rein affektiv ist, dann neige ich dazu es als gewaltbereiten, aggressiven Schub zu sehen, denn das Organisierte fehlt. Wird für den Kampf jedoch trainiert, dann kann es als organisierte Gewalt betrachtet werden – was, wenn auf die Jagd in der Gruppe Trainierte die Waffen gegeneinander richten? Ein Graubereich – denke ich.

Grundsätzlich: Mit der Gruppe in Kombination mit dem Kampf/Fluchtreflex, kamen Aggressionen zwischen Gruppen in die Welt, die irgendwann zur organisierten und geplanten Gewalt, zum Krieg werden kann. Affektive Gewalt sollte zur Unterscheidung lediglich als „kriegsartig“ bezeichnet werden, sie zeichnet sich durch übermächtige Gefühle, Chaos und Unüberlegtheit aus – zumindest am Anfang.

Wenn zwei Gruppen von Jäger-und-Sammler aufeinandertreffen, dann kann es gut sein, dass gegenüber Menschen der Fluchtreflex bevorzugt wird, auch, weil jeder Tote der eigenen Gruppe fehlen wird.

Mit dem Besitz und der Sesshaftigkeit wurde Flucht immer seltener möglich – die letzte Ausfahrt war dann Krieg. Doch die Gruppen können Eskalationsstufen einführen und so auf der Autobahn in den Krieg ein paar weitere Ausfahrten anbieten.

In aller Regel werden diese Angebote angenommen werden, doch bei Ressourcenmangel und / oder Überbevölkerung steigt die Bereitschaft zum Krieg – einfach weil der Druck im Kessel immer grösser wird. Dabei reicht es, wenn das Gefühl oder die Befürchtung von derartigem vorhanden oder genutzt werden kann.

Ein weiterer Grund für Krieg bzw. Gruppenaggressionen ist, wenn eine Gruppe sich so richtig sauwohl fühlt, meint, dass alles bestens sei und die Augen vor den sich abzeichnenden und sich aufdrängenden Problemen zumacht – oft, weil sie gedenkt, genau diese Welle reiten zu wollen, den gewünschten eigenen Vorteil bewusst nutzen will, koste es das Volk, was es wolle. Ein Vorsicht des politischen Gemütlichkeit / Narzissmus / Selbstüberhöhung. Da „die anderen“ die Zeche zahlen, mag es stimmen: Einem selbst, geht es gut, wenn nicht besser – doch die, die die Zeche zahlen werden sie einem in Rechnung stellen.

Fazit: Aus dem Kampf/Flucht-Reflex kann in der Gruppe Krieg werden, die Flucht wird unter Menschen wahrscheinlich vorgezogen. Wer sesshaft ist, kann nicht mehr flüchten, es sei denn, es gibt Eskalationsstufen und eine ritualisiert Auseinandersetzung – Aussterben ist die andere Option.

Demnach ist eine kriegerische Gruppe, eine, die das evolutionäre Ziel, das Überleben der Art, auf die eigene Gruppe (wahrgenommen Individuen der eigenen Art) reduziert haben. Da gibt es sozusagen noch Luft nach oben.

Mensch, Politik, Wirtschaft, Gruppe, Arbeit, Freizeit – wie gehört das zusammen?

Da brühtet man über einer digitalen Aufgabe, wird unterbrochen und braucht eine ganze Weile, bis sich das Gehirn auf diese überraschende Frage eingestellt hat: „Mensch, Politik, Wirtschaft, Gruppe, Arbeit, Freizeit – wie gehört das zusammen?“.

Solche allgemeinen Fragen lassen einem, der sie beantworten soll, kurzfristig das Herz in die Hose rutschen zumindest, wenn man gerade an seinen Terminkalender denkt. Dann erinnert man sich aber an eine einfache Technik: „Fragen stellen, bis die Aufgabe kleiner geworden ist.“ und beginnt damit sich mit allgemeinen Hinweisen und Vorschlägen herauszureden oder eben mit Fragen, die Frage in den Griff zu bekommen. Doch der Fragesteller kennt diese Technik scheinbar auch.

Selbst Bücher zu nennen, die das Zeug dazu haben, die Frage zu beantworten, hilft nichts. Da wird mit ganz harten Bandagen verhandelt und die letzte Frage: „Willst Du, dass ich dazu ein Buch schreibe?“ nehme ich selbst nicht ernst, soll aber zeigen, was für ein Volumen eine Antwort auf diese Frage einnehmen würde, wird beantwortet mit: „Ich dachte eigentlich an eine kürzere Antwort“.

Eierlegendewollmilchsäue-Fragen haben den Vorteil, dass jeder weiss, dass es nur Teilantworten gibt und so trete auch ich auf die Bremse und antworte: Gemein ist den Fragen, dass es um den Menschen geht. Gedanklich lege ich nun auf, doch der Folterer fragt schnell noch und leider deutlich hörbar: „Plattitüden bin ich von dir nicht gewohnt.“

Wie stellt man das Telefon nochmal ein, dass bestimmten Anrufer immer vorgespielt wird, dass keiner da ist? Aber den Gedanken verwerfe ich schnell wieder, das wäre auch keine Lösung. Also wieder Fragen stellen: „Wie kommst Du auf die Frage?“. „Ist mir eben mal eingefallen.“ „Bei welcher Gelegenheit?“ „Ich habe mich gefragt, was sind die grossen Strukturen, die von Menschen aufgebaut wurden – und warum tun sie das und wie hängt das zusammen?“ „Mit anderen Worten: Die Frage war eine jungfräuliche Empfängnis?“ „Ungewöhnlich für einen Mann, aber im Prinzip: Ja.“ „Und was glaubst Du, was die Antwort sein könnte?“ „Dich fragen.“

So wird das nichts. Ich drohe damit, ab Freitagnachmittag nicht mehr ans Telefon zu gehen – dazu meint er nur, die Antwort wäre das Risiko wert. „Du weisst also, was Du da fragst?“ „Ich weiss, dass ich am ehesten von Dir eine halbwegs fassbare Antwort bekomme.“ „Warum glaubst Du, dass ich zaubern kann?“ „Du warst es doch, der uns Tolkien und Harry Potter vorgestellt hat.“ „Das eine war als Jugendlicher und das andere, weil das Kind einer Bekannten -“ „Also wenn es einen für so ein Thema gibt, dann Du. Wie es dazu gekommen ist, ist nicht weiter wichtig. Wie hängt das nun zusammen: Mensch, Politik, Wirtschaft, Gruppe, Arbeit, Freizeit.“. Ich gebe nicht auf, ich nenne es Notwehr, was nun folgt.

Im Prinzip ist das gemeinsame Thema die „Organisation“. Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben und je spezialisierter sie sind, umso höher wird der Organisationsgrad und der Interaktionsmuster der Menschen. Dabei gibt es ein Schema, das sich wiederholt: Es beginnt zentral bzw. an einem Punkt und wird dann dezentral, weil es sich ausweitet bzw. herumspricht.

Kants Kategorischer Imperativ wird dabei zum evolutionären Selektionsmechanismus, der irgendwann zu einem stabilen Gebilde wird, dessen Stabilität durch Veränderung irgendwann nicht mehr flexibel genug ist und deshalb oft komplett ersetzt wird. Es gibt viele Beispiele von Kulturen, die in kürzester Zeit zu neuen Erklärungen und Systemen wechselten. Die aktuelle Hausaufgabe für den Menschen ist es, zu erkennen, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn von hierarchischen Systemen zu selbstorganisierten übergegangen wird, im Gegenteil, dass das sogar Vorteile schafft.

Das Hauptthema ist die „Organisation“ von Menschen, die sehr viel unterschiedlicher sein kann, als das die „Weltbilder“ der Menschen vorgaukeln. Der erste Schritt ist, mehrere Weltbilder zuzulassen und zu erkennen, dass sie erklärbar sind, dass sie wechseln können und letztlich nur ein Narrativ sind, das mehr oder weniger zur aktuellen Situation passt und das es erstaunlich einfach sein kann, es zu wechseln, wenn es Zeit dafür wird.

Alle diese Weltbilder sind nur temporär und immer zumindest ungenau bis fehlerhaft. Letztlich kann es passieren, dass von den Begriffen nur der Mensch übrigbleibt und sich völlig andere Organisationen etablieren.

Unser Begriff „Arbeit“ basiert sehr auf einem hierarchischen Unterbau, das lässt sich leicht daran erkennen, dass Begriffe wie Faulheit und „sich einordnen“ mit ihr fest verbunden sind und der „Egoismus“ (das Verfolgen eigener Interessen) in die „Freizeit“ verbannt wird.

Der zukünftige Ersatzbegriff könnte „Beschäftigung“ sein, der betont, dass das Thema selbstgewählt und eigen motiviert verfolgt wird, dass die Ziele bekannt sind und immer auch gewählt wurden, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben und um seinen Teil beizutragen.

Politik umfasst das Setzen, Überprüfen und Umsetzen von Gesetzen. Sie regeln das Zusammenleben – immer nach dem aktuellen Weltbild. Die Politik steht dabei oft zwischen den zwei Stühlen: Religion und Wirtschaft. Wenn Religion ohne weltliche Macht (-missbrauch) betrachtet wird, dann weisst sie dem Gläubigen den Weg, wohin er sich entwickeln kann und sollte. Die Wirtschaft, speziell, wenn sie auf Gewinn (oder irgendeinen anderen ihrer Unterbegriffe) reduziert wird, zeigen ihm woher er kommt, sie fördert Urängste und befreit Extreme von ihrem zivilisatorischen Unterbau. Sie singt in dieser Ausformung das Hohelied des Egoismus, die Religion und Gesellschaft (immerhin 80% der Bevölkerung), solange sie kein Interesse an Macht haben, das des Altruismus.

Macht ist für unser aktuelles Weltbild das alles dominierende Thema. Sie ersetzt geradezu den Begriff „Organisation“ und zeigt, dass wir uns z.Z. in einer „zentralen“ Phase befinden, aus der wir herauskommen könnten, wenn wir Bildung nicht mehr als „gerade soviel, dass er auf Zuruf etwas machen kann“ verstehen würden sondern als etwas, das einem Menschen eigenständiges Verstehen und Denken ermöglichen sollte. Die aktuelle Entwicklung bei Schulen und akademischen Instituten geht in die andere Richtung bis auf wenige Ausnahmen, die fasst ausschliesslich, wie in ganz alten Zeiten, der Schicht zur Verfügung steht, die meint gerade das Sagen zu haben.

Fazit: 80% der Menschheit wäre in der Lage sich in einer sehr dynamischen Selbstorganisation ohne Machtzentren und -interessen frei zu entwickeln. Von den 20% von der die eine Hälfte sich über das aktuell Errungene weiterentwickeln will und die andere Hälfte sich irgendwie zurückentwickeln (am liebsten wieder in Muttis Schoss zurückkriechen) wollen, die verursachen den Ärger und halten die 80% auf Trab. Wenn die 80% zu träge werden und sich z.B. regieren lassen, dann setzt sich die eine oder die andere Hälfte der „Entwickler“ durch und tun so als ob sie das Sagen haben. Falls es ihnen gelingt die Massen weiter an ihrem Gängelband zu halten.

Du meinst: Mensch, Politik, Wirtschaft, Gruppe, Arbeit, Freizeit hängen über den Begriff „Organisation“ zusammen, wobei Politik, Wirtschaft, Gruppe, Arbeit und Freizeit lediglich Spielformen und aktuelle Ausprägungen sind, die vergänglich und letztlich frei definierbar sind?

Wenn man es ganz kurz mag – ja.

Und wie war das mit der Religion?

Letztlich versteht sich der Mensch und hat den Willen dazu, als Teil von etwas Grösserem. Gleichzeitig will er Teil des Grösseren sein anderseits fürchtet er das Grössere – wird er einfach untergehen, sich im Grösseren verlieren oder wird es fair und gerecht zugehen, wird er seinen Teil beitragen können oder wird er gar ausgeschlossen sein? Die Religion versucht diese Fragen zu klären: Ja, Menschen sind Teil von etwas Grösserem (oft sogar Teil von Gott); ja, das Ganze hat einen Sinn weil …; und ja, es wird fair und gerecht zugehen. Das jeweils vorherrschende Weltbild sagt, was fair und gerecht ist.

Also macht das Weltbild die Religion?

Zu einem guten Teil ja. Doch macht auch die Religion das Weltbild, denn eine ihrer ureigenen Eigenschaften ist, darauf hinzuweisen, dass es eine Entwicklung geben kann und wohin die Reise gehen wird, dass der Mensch über sich hinauswachsen kann und es eines Tages fair und gerecht sein wird. Ohne die Möglichkeit zur Entwicklung wäre jede Religion im Kern nichtssagend und unglaubwürdig. Sie versucht oft diese zentrale Eigenschaft zu kaschieren, z.B. indem sie behauptet, dass die Entwicklung bereits statt gefunden hat und wir heute und jetzt und für immer in der gottgewollten Welt leben und daran nichts ändern sollten.

Ist dann jede Religion erstunken und erlogen?

Die Narrative ja, der Kern, dass es Entwicklung gibt, sicher nicht. Aber da die Narrative auf dem jeweiligen Weltbild beruhen und es bilden, sind sie es, die die Lügen wahr werden bzw. für den Gläubigen absolut plausibel machen.

Und alles andere wird von Macht dominiert!

Auch die Religion kann von der Macht dominiert bzw. missbraucht werden, dann wird sie für den Gläubigen und für seine Nachbarn schnell gefährlich. Wie das die Macht nun mal so an sich hat.

Und alles endet, wenn wir die zentrale und hierarchische Organisation hinter uns lassen?

Nein, dann beginnt es erst, dann kommen wir in eine Zeit, in der sich Menschen ergänzen und sie in Gruppen lediglich zu Besuch sind und sie sich einbringen können, statt sich unterwerfen zu müssen.

Das hört sich fasst nach einem Paradies an!?

Da irrst Du Dich, denn wenn eine Aufgabe überwunden wurde, wurde mit ihr auch schon die neue Herausforderung gemacht. Für die hat die Menschheit dann das nötige Werkzeug, aber die Möglichkeit zur Entwicklung wird nicht aufhören – es geht immer weiter.

Und wohin?

Da wir dort noch nicht angekommen sind, bleibt das notgedrungen offen. Aber Ken Wilber hat in „Halbzeit der Evolution“ ein paar Thesen dazu beigetragen.

Und was beschreibt er da?

Letztlich nur, dass wir uns die Welt schaffen, von der wir meinen, wie sie sein sollte und dass wir es dadurch und letztlich selbst (als Menschheit) in der Hand haben, eine Welt zu schaffen, die – nun, wie sie vielleicht sein sollte, wer weiss das schon?

Kompakter

Um es einmal kompakt zu sagen: Es geht schlicht und einfach darum, dass es lokale, regionale, überregionale ( nationale ) und globale Märkte gibt, das selbe gilt für Berufe, Gruppen und Interessen.

Heute wird versucht alles nur global zu machen – das bereitet uns einige Schwierigkeiten. Doch begann es nicht mit der Globalisierung sondern es beginnt damit, dass beides, Politik und Wirtschaft, zu grossen Strukturen tendieren. Die Wirtschaft macht das, weil der Markt immer leichter und stabiler für dominierende Firmen ist, die Politik ist von Domination ebenso fasziniert.

Beide irren sich, bzw. denken zu kurzfristig – zu kurzfristig als dass sie mit den Prädikaten „stabil“ und „zukunftsorientiert“ werben dürften. Politisch scheint der Verfall spätestens nach zwölf Jahren einzusetzen, Wirtschaftlich gibt es mehrere Zyklen, der grösste dürfte bei sechzig Jahren liegen.

Wenn wir das berücksichtigen, wie müssten unsere Regelungen dann aussehen? Wenn es ein Merkmal für eine langfristig stabile Wirtschaft ist, dass es verschiedene Märkte und Ebenen gibt, auf denen gewirtschaftet wird, dann sollten Übergriffe ausgeglichen werden. Das kann auf vielen Wegen erreicht werden, einer wäre, dass, wer zu aggressiv in einen Bereich eindringen will, den anderen Markt unterstützen muss. Da jeder, der ein Standbein der Wirtschaft angeht, dieses Bein stützt, werden solche Versuche unwirksam – dennoch wird es weiter Überlegungen und Versuche geben, denn das Ziel bleibt verlockend.

Damit die Politik sich nicht den Vorwurf einhandelt, dass sie willkürlich in die Wirtschaft eingreift, ist es besser, wenn diese Regeln einmal festgelegt werden und zwar in der Form, dass Ursachen und Reaktionen in Bereichen vorgegeben werden.

Ein weiteres wichtiges Merkmal einer stabilen Wirtschaft ist, dass es Bereiche gibt, die dynamisch sind und die Änderungen zulassen. Warum ist Wirtschaft nur dann stabil, wenn sie instabile Momente aufweist? Jedes Produkt verallgemeinert. Dabei werden Kompromisse gemacht. Irgendwann werden sie zu gross und es ergeben sich mehrere neue Möglichkeiten die Lücken zu füllen – Nischenprodukte entstehen. Falls man das zulässt. Die gängige Praxis ist, dass solche Möglichkeiten unter den Teppich gekehrt werden, was zur Folge hat, dass der Markt kleiner wird.

Wenn ein Produkt nicht den gesamten Markt bedienen kann, dann macht es Platz für Wettbewerber. Weil die Produzenten das auch wissen, verschweigen sie die Möglichkeit von Nischenprodukten bzw. tun alles, dass diese sich nicht auf dem Markt etablieren können. So scheint es in der Autoindustrie eine Regel zu geben, die ungefähr so aussieht: Kein Produkt, das in einem Fahrzeug verbaut wird, darf unter einem Patent von einem Aussenstehenden (kein Mitglied der AI) stehen. Aber das dürfte auch in anderen Industrien gängige Praxis sein.

Warum sollte die Politik darauf achten, dass es neben dem lokalen und regionalen – tut mir leid, ich bin es leid das ständig auszuschreiben, vereinbaren wir eine Abkürzung „LoRInGl“ überregional und national werden hier verschwiegen aber die sind in der wirtschaftlichen Theorie nur Unterpunkte von regional und international – LoRInGl Wirtschaft gibt?

Hier nur die wichtigsten Gründe: Wettbewerb und Innovationen entstehen oft, weil eine bestimmte Aufgabe lokal aufkeimt und nach einer Lösung strebt – ohne die Möglichkeit diese lokal umzusetzen, wird die Idee max. in irgendeiner Schublade verschwinden.

Auf der anderen Seite: Eine reine lokale Wirtschaft schafft unnötige Beschränkungen: Um die lokale Versorgung sicherzustellen, werden beispielsweise eine Tonne Weizen benötigt, der Acker gab 1,2 Tonnen her – was machen wir mit dem Überschuss?

Zudem gibt es Fertigungstechniken, die die Kosten und Preise senken, auch hier gilt, wenn es nur den lokalen Markt gibt, was machen wir dann mit den Überschüssen? Letztlich verdrängt aber jede Produktion jenseits von lokal, die Produktion vor Ort. Das bedeutet u.U. dass vor Ort die Arbeitsplätze knapp werden. Eine Lösung könnte IvaP sein (näheres bitte im Blog nachlesen) wie immer: Das ist nur ein Vorschlag, es gibt auch andere Möglichkeiten – aber bitte selber denken, wenn ihr wieder die Wirtschaft (welche denn?) fragt, werden ihr wieder vorgeführt werden.