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Begriffe wie Individuum, Gruppe, Projekte etc.

4. November 2019

Während in den warmen Jahreszeiten meist konkretes Wissen oder Themen bei mir nachgefragt werden, werden die Fragen in den kalten Jahreszeiten abstrakter und grundlegender. Manchmal werden sie so grundlegend, dass ich befürchte die ganze Welt erklären zu sollen – in einem Post!

Manchmal aber geht auch mir ein Knopf auf, z.B. wenn ich erkenne, dass es sich nur um eine Begriffsverwirrung handelt – das macht es wieder machbar! Und obwohl die Verwirrung mehrere Ebenen und mehrere Fachgebiete umfassen wird, wird es ein kurzer Post, denn es gibt ein Zentrum, folgender Einschub soll helfen es heraus zu arbeiten:

In einer Hierarchie ist das Leben einfach: Einer gibt die Parole aus und alle anderen wiederholen sie bzw. halten sich daran. Hierarchien funktionieren nur in einfachen Umgebungen und reduzieren die Möglichkeiten aller auf die des Einen. Hierarchien müssen durchgesetzt werden, meist greifen sie dafür auf Gewalt zurück.

Es gäbe subtilere Wege. Doch die setzen eine „erweiterte Kommunikation“ voraus, damit einen engeren und direkteren Kontakt – evtl. sogar auf Augenhöhe. Nichts fürchten die Hierarchie mehr als „Kommunikation auf Augenhöhe“ – es muss immer einen entscheidenden Unterschied geben, die Hierarchie muss gewahrt oder – meist durch Gewalt – geklärt werden.

Für die Soziologie ist eine hierarchische Organisation effektiv, da sie die Gewalt in der Gruppe ritualisiert und sie damit auf ein Minimum reduziert. Auch die anderen Seiten der Hierarchie sind soziologisch relevant: Hierarchien erfinden den Stand, Status, Macht und den Wettkampf.

Soweit mit dem Auszug, das wird für unsere Zwecke reichen, denn alles was wir brauchen ist jetzt da: Viele Begriffe, die in vielen Fachgebieten vorkommen und deren Bedeutung sich manchmal nur leicht unterscheiden, in anderen Fällen aber schon fasst gegensätzlich sind oder bewertet werden können.

So ist Hierarchie nur eine Organisationsform, die soziologische, wirtschaftliche, ethnische aber auch religiöse Aspekte und viele andere Aspekte kennt. Das selbe gilt für die meisten Begriffe, die im Auszug vorkommen: Wer einen Kontextwechsel verpasst, der kann den Rest missverstehen oder meint etwas verstanden zu haben, was gänzlich anders gemeint war. Das kann u.U. soweit gehen, dass alle Gesprächspartner davon überzeugt sind, sich ganz genau verstanden zu haben – erst mit der Zeit tun sich die Abgründe auf und es zeigen sich die Missverständnisse.

Juristisch bzw. bei „Verträgen“ kann man das nutzen, denn es basiert auf Ungenauigkeiten und Interpretationen. Die meisten Sprüche des delphischen Orakel fallen in diese Kategorie. Beim Orakel wurde es praktisch zu einer Kunstform, bei anderen passiert es aus Unwissenheit, wieder andere können einfach nicht anders, weil man ja irgendwo und irgendwie „beginnen“ muss, und wieder andere instrumentalisieren es, um sich Vorteile zu verschaffen, damit sie hinterher immer sagen können, dass das „selbstverständlich so gemeint war! Das wisse doch jeder! Und der habe sein Geld nicht bekommen, weil Dummheit bestraft werden muss, das sei man schließlich der Gesellschaft schuldig“.

Übrigens hört man genau dieselben Sprüche, wenn eine Person „gebrochen“ werden soll. Auch bei diesem Vorgang wird mit leeren, noch zu interpretierenden Worthülsen gearbeitet, die zu brechende Person wird absichtlich in diese Falle tappen gelassen, um ihr ihre „Dummheit aufzuzeigen“, ihr Angst zu machen, um immer Recht zu bekommen und somit klar zu machen, dass „selbst denken“ nur zu Schwierigkeiten führen wird.

Gebrochene Personen tun, was man ihnen sagt, und sie werden nie selbst aktiv werden. Sie wurden zu reinen Maschinen degradiert – und die werden in Zeiten der Automation und Digitalisierung nicht mehr gebraucht. Manche Menschen schließen nun darauf, dass in naher Zukunft nur noch die wichtige Oberschicht benötigt werde und auf die „unteren Klassen verzichtet werden könne!. Andere sagen: Toll, dann können sich die Menschen anderen als der sinnlosen Plackerei zuwenden.

Auch der Begriff „globales Dorf“ fällt in diese Kategorie, denn die einen verstehen den Begriff so, dass damit gemeint sei, dass die neuen Möglichkeiten die Welt quasi verniedlicht werden und dass „jeden Ort und jeden Menschen auf der ganzen Welt jederzeit für jedermann erreichbar sein werde, da man nur über den Dorfplatz gehen müsse, um alles und jeden zu erreichen“. Die anderen wollen zurück ins Dorf und damit die „alten Gruppendynamiken wieder aufleben lassen: Zurück in eine Zeit in der jeder alles über alle anderen wusste und ihn jederzeit sanktionieren kann, wenn er nicht in der Spur bleiben will“.

Beides sind nur Interpretationen eines schnell dahingeworfenen, scheinbar aussagekräftigen und für jeden scheinbar selbsterklärenden Begriffs, doch beide könnten nicht weiter von einander entfernt sein: Die einen wollen die Zeit zurückdrehen, die anderen wollen auf „Schnellvorlauf“ schalten. Die einen wollen die „gute alte Zeit zurück bekommen“ und die anderen „eine Zukunft haben“.

Um es kurz zu machen: Da hilft nur Reden und die Definitionen klären.

Jetzt naht das schnelle Ende dieses Posts, denn wie bei allen Missverständnissen gilt auch hier, dass man zu früh meinte alles verstanden zu haben oder jemand anderen suggerieren wollte, dass dem so sei. Kommunikation ist nichts für Voreilige. Und so manchem wird nun ein Licht aufgehen: Ach deshalb macht er bei jedem Projekt diese seltsamen „Begriffs-Wikis“. Richtig, deshalb.

Und noch etwas: Dem ganzen vorbeugen zu wollen, indem man nur auf homogene Gruppen setzt, irrt, denn das kann immer vorkommen, gerade in Projekten wandeln sich die Bedeutung der Begriffe ständig, das ist ein Prozess, kein Zustand, wie so mancher meint. Und weil wir gerade dabei sind: Homogene Gruppen sind wie eine Einmann-Lösung: Alle liefern dieselben Lösungen – und alle gehen gemeinsam unter, wenn es mal keine Lösung gibt.

 

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