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Gruppendynamik rund um G20

12. Juli 2017

Der Chat quillt über. Thema: Randale bei G20 und was die Politik daraus macht. Die Begriffe WERDEN und WIR (in den Formen: leidend, neutral, integriert) werden als bekannt vorausgesetzt. Dennoch folgt eine Minieinführung und darauf dann der eigentliche Text, in dem es darum geht, dass „leidende WIRs“ häufiger sind als wir uns vorstellen und warum wir diese Phasen oft kaum bemerken obwohl wir leiden, dann darum, wie sich das politisch auswirkt und ganz zum Schluss geht es darum, warum Frau Merkel über dieses Thema stolpern könnte (manche meinen: stolpern sollte), warum es dennoch zum Wahlkampfthema gemacht werden soll und wieso die offensichtlichen Widersprüche nicht auffallen.

Im WERDEN geht es grob gesagt um den Prozess, wenn etwas Neues aufkommt. Man kann es annehmen oder leugnen (das hat viel mit Trauerarbeit, um die „gute alte Zeit“ oder nostalgischer Konservativität zu tun – und ist, politisch, der typische Zustand von CDU/CSU Mitglieder und Wählern, man kann es auch „nostalgischer Narzissmus“ nennen), wie man z.B. an der Atomkraft oder dem Klimawandel (aber nahezu allen anderen Themen dieser politischen Richtung) sehen kann.

Nach den ersten Fehlschlägen, kommt man mit dem Neuen immer besser zurecht und bekämpft es immer weniger, man erkennt es auch zum ersten mal bei anderen, sieht, dass man nicht der einzige ist, der sich damit auseinandersetzt oder man gibt es aktiv weiter bzw. räumt seinen direkten Gegenüber dieses Recht ebenso wie sich selbst ein. Nach dem ICH („ich alleine gegen die grosse böse Welt“) und dem gerade durchlebten DU (ich und meine Familie, Stamm, Clan – direkte Verwandte und Bekannte) Bereich kommt der dritte Bereich, das WIR. In ihm wird die Frage diskutiert, wie sich Gruppen (und damit nicht mehr autarke und weitgehend selbstähnliche Mitglieder einer Familie etc.) organisieren um im IHR dann mit Regeln, Gruppen und Interaktionen allgemein und mit Leichtigkeit umzugehen zu lernen – nun ist das ursprünglich Neue, das es allem Anschein nach und damals ganz persönlich auf einen selbst abgesehen hatte, vollständig in dieses Selbst integriert. Doch wer nun denkt, dass er es nun hinter sich gebracht hat, der irrt, den schon steht Neues vor der Tür.

Die Organisationsform des leidenden WIR ist der aggressive Nationalstaat der negativsten Art mit Ausgrenzungen und Unterwerfung, der zwanghaften Verbreitung der eigenen Meinung, dem extremen Kapitalismus und dem allgegenwärtigen Einsatz von Gewalt. Das ist ein Überwachungs-, Unterdrückungs- und / oder Polizeistaat.

Das leidende WIR hat ein Problem mit anderen Meinungen und Ansichten – es kennt nur seine eigene kleine Welt und denkt, dass alle anderen genauso denken und sein müssten, wie sie. Sie können nicht anders als zu missionieren und Inquisition zu betreiben. Dazu werden Feinde benötigt, die durch immer engere Grenzen und Regeln auch gerne in den eigenen Reihen gefunden werden. Man sollt sich keinen Illusionen hingeben: Es wird immer Feinde geben und irgendwann ist man selbst an der Reihe, weil die Regeln und Grenzen immer enger gezogen werden.

Das leidende WIR sieht überall Widerstand und Mangel, es erhebt auf alle Ressourcen und Macht Anspruch und stellt sich über alle andere, es legitimiert damit jegliche Art von Unmenschlichkeit und Übergriffe. Zudem manipulieren sie, wann immer sie können, damit sich ihre Vorhersagen auch erfüllen – mit der Wahrheit, Realität oder mit der Meinung anderer neben sie es nicht so eng denn, das ist alles nur ein Fake. Zudem vermutet es immer und überall Gegner, Putsch und will auch selbst die Gewalt, verherrlicht sie in Folter und Krieg – dabei geht es nie um Ritualisierung, es geht nur um Schmerz, Gewalt und Tod.

Bezogen auf die Gewalt beim G20 vermuten nun manche, dass dies „Angelas Putsch“ war, bzw. den der Regierung, um selbst mal durchgreifen und aufräumen zu können. Die CDU/CSU sei schon viel zu lange brav gewesen und, da alles von grosser, langer Hand vorbereitet sei, wäre es nun, solange die Unannehmlichkeiten sich noch verstecken lassen, an der Zeit, die Maske fallen zu lassen und die Weltherrschaft zu übernehmen. Sie begründen das mit der grundsätzlichen Tendenz auf der Welt und denen dieser Parteien, die (also bestimmte Mitglieder dieser Parteien) sich ja zu vielen dieser Autokraten hingezogen fühlen und es so nur naheliegend sei, dass sie genau das auch in Deutschland etablieren wollen.

Soweit zu der den Chat in Aufregung versetzenden Meinung. Jetzt sehen wir uns mal die bekannten Fakten an. Es ist bekannt, dass sich die Randalierer seit über einem Jahr dazu verabredet haben. Mir fehlt allerdings die Information, seit wann wir das wissen. Der Unterschied ist in meinen Augen wichtig, denn dann wären wir sehenden Auges da hineingegangen, hätten es „riskiert“ nur, um den „starken Staat“ einfordern zu können. Auf Kosten der Polizisten, die ihre Knochen für dieses zu statuierende Exempel hinhielten – wie der grösseren Sache zu opfernde Soldaten. Das wäre dann schon etwas willkürlich.

Wie hätten die Alternativen ausgesehen? Da, nach Aussage des einen oder anderen Polizisten, die Lagebilder nahezu exakt eingetreten sind, dürften die Vorbereitungen und die vorliegenden Informationen gut und sicher ausreichend gewesen sein. Dann wurden die Lagebilder aber nicht berücksichtigt, sie wurden – politisch? – verworfen. Man weiss nicht, wie die Polizei für diese Lagen sich vorbereitet hätte. Hätte sie nichts geändert, dann ist klar, dass da die Polizei etwas entschieden hat, das sie zu erklären hat. Wenn nicht, evtl. auch – aber das ist für mich dann eher eine innerpolizeiliche Sache und gehe davon aus, dass diese es dann schon richtig machen würde. Wenn es aber eine politische Entscheidung war, dann stehen wir vor der Frage nach Gewaltenteilung und zivilem Ungehorsam oder nach der Forderung von U-Booten von der Polizei gegenüber dem Dienstherrn.

Wie ihr seht, stellen weit grössere Fragen wie die nach der Willkür von Politiker, ob bestimmte Gutachten nach einer bestimmten Regierungszeit Pflicht werden sollten oder ob die max. Regierungszeit begrenzt werden sollte. Und ob und wenn wie die Arbeit der Polizei weiterhin zu kontrollieren sei – denn die Hierarchie sollte gegen evtl. unfähige Politiker und Vorgesetzte abgesichert werden. Die Alternativen machen es nicht gerade einfacher – vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Aus welchem Grund wann wer wie entschied, ist bislang nicht bekannt. Egal wie: Da die alles auslösende Anordnung bekennend von Frau Merkel gekommen war, trägt letztlich sie die politische Verantwortung. Warum will so mancher aus der Union dann das Thema zum Wahlkampfthema machen? – das können doch nur Umstürzler sein!? Resümieren viele nun.

Um es an dieser Stelle nun in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich habe schlicht zu wenig Informationen, um mir eine echte Meinung bilden zu können. Her wurde leider relevantes noch nicht publiziert, ich nehme mal an, weil Urlaub ist und / oder es noch zu recherchieren ist.

Zum Abschluss: Ein leidendes WIR kann nur in seinen engen Bahnen denken und alles andere macht ihm Angst, macht es aggressiv. Aber es sollte einem bewusst sein, dass alles Neue einmal so beginnt. Für den einen oder anderen stellt das eine Art Nervenkitzel dar, für den anderen ist es das pure Leid, wieder andere bemerken es kaum noch, denn sie haben derart viel Übung darin, dass sie bei Neuem fasst direkt in die neutrale oder gar integrierte, glückliche Ebene springen – das Ziel ist ja schliesslich nicht das ICH, DU oder das WIR, es ist das IHR – und noch viel weiter und mehr: Neues. Es braucht keine Angst, es sei denn, die eigene Welt ist noch zu eng, kann das noch nicht. Aber das kann man lernen.

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