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Helfen will gelernt sein

11. Juni 2017

„Soll anderen geholfen werden und wenn wie?“, diese Frage wird mir auf kleiner Flamme aber kontinuierlich gestellt. Anfangs war ich etwas irritiert, denn diese Frage stellt sich dem Menschen normalerweise nicht, er hilft aus einem Impuls und aus freien Stücken heraus.

Das kann an Kindern erkannt werden: Ab einem bestimmten Alter helfen sie von sich aus, wenn sie erkennen, dass jemand Hilfe benötigt. Sie hören damit nur auf, wenn sie mit dem Prinzip der Belohnung konfrontiert werden.

Geld, eher die Idee, dass alles gehandelt werden kann, stört diesen unmittelbaren Impuls.

Die Frage führt schnell in ganz andere Gefilde und das trotz der grossen Bandbreite, die dieser Frage innewohnt. Sie betrifft immer mindestens die Objektivität und Subjektivität zwei Personen – wissenschaftlich betrachtet wird die Frage schnell komplex bis chaotisch.

Dennoch kann auch in diese Frage eine Einführung gegeben werden.

Nicht jede Hilfe wird komplex. Bei „physischer“ Hilfe (z.B. bei „über sie Strasse helfen“, einen Krankenwagen rufen, wenn man eine verunglückte Person am Boden vorfindet, oder eine Navigationsfrage zu beantworten usw.) wird sie zur einfachen Interaktion, nur der Kontext kann komplex bis chaotisch werden.

Nahe an diesem Fall scheint die „Nebensatz“hilfe positioniert zu sein. Um sie leisten zu können ist jedoch Empathie, Menschenkenntnis und viel (Lebens- und Kommunikations-) Erfahrung nötig (oder eine riesige Gruppe, die gut kommuniziert).

Dem Impuls kann nicht gefolgt werden, wenn der Rahmen dessen, der helfen könnte, nicht ausreicht. Wenn nun Aktionismus aufkommt oder (sehr viel öfter) das eigene oder allgemeine Weltbild der Person übergestülpt werden soll, dann kann die gut gemeinte Hilfe schnell kontraproduktiv werden. In diesem Fall ist es meist besser, wenn man die Hilfe „delegiert“ indem einem, der das kann, die Sache übergeben wird.

So mancher meint nun, dass dieser evtl. Hilfe benötigende, psychologische Hilfe benötigen würde. Das ist jedoch nur selten der Fall. In den meisten Fällen, ist lediglich ein Tipp und etwas Mut bzw. Aufbauarbeit nötig.

Ob ein Mensch weiter weiss oder nicht, liegt oft mehr daran, ob er noch den Willen und den Mut hat, weiterzumachen – ein Mensch, der aufgegeben hat, kann alle weiter notwendigen und / oder sinnvollen Schritte / Techniken kennen und beherrschen, nutzt sie aber nicht.

Manchmal, weil sie ihm nicht einfallen (dann wird die Situation für ihn oft von anderen Momenten dominiert oder weil Gefühle (hier im Sinne von „nicht krankhaften Gefühlen“) ihn von der Aktivität abhalten bzw. in einer Schleife halten); manchmal, weil er die Situation als „gerecht“ einschätzt und jede Aktion von seiner Seite als eine Aggression gegen das Recht betrachten würde – dann lässt er es laufen, gibt max. zaghaft Antworten; manchmal, weil er jede Aktivität als unangebracht, übertrieben oder unrecht empfunden werden – dies passiert meist, wenn er sich das erste Mal in einer solchen Situation befindet und von sich aus kein adäquates Verhalten findet oder meint, dass die wenigen Mittel, die ihm einfielen, bereits verpufften (Siehe im WERDEN die erste Phase (ICH) Vermutung des Unbekannten, der Handlungsunfähigkeit, der Alternativlosigkeit etc.).

Die Nebensatzhilfe

In all diesen Fällen kann die „Nebensatz“hilfe effektiv sein. Wem auffällt, dass ein Mensch in einer solchen Falle steckt (das ist weit vor der psychischen Erkrankung und überfordert somit jeden, der das behandeln will – das führt meist nur zur Geldmacherei) und diese gut genug kennt, kann das Gespräch in eine Richtung führen, die ihm Gelegenheit bietet, in einem Nebensatz die Lösung fallen zu lassen.

Der Adressat hat die volle Bandbreite der Reaktionen zur Verfügung. Und der Sender wird oft genug attackiert werden, kann das aber meist mit dem Hinweis auf einen ungerichteten Nebensatz, auf etwas gerade Nebensächliches, das man gerne im Nachhinein im kleineren Rahmen diskutieren könne, beilegen.

Der Adressat lässt meist ab, wenn klar ist, dass er nicht direkt adressiert war bzw. korrigiert wurde. Der Hinweis wirkt jedoch – wenn man Geduld hat. Oft sucht der Adressat nach ein paar Tagen von sich aus das Gespräch, das in der Regel allgemein und theoretisch gehalten wird. Nun darf der Sender gerne selbst vom Thema abschweifen, den der Adressat wird sich dem eigentlichen Thema in einer Spirale nähern wollen, die Abschweifungen geben ihm die Gelegenheit dazu. In dieser Phase bleibt der Nebensatz das wichtigste Hilfsmittel, denn der Adressat bestimmt das Tempo, mit dem er sich der allgemeinen und theoretischen Lösung nähern kann und / oder will.

Der Sender kann indirekt auf das Tempo wirken, indem er mehr oder weniger oft, den Kern beiläufig anspricht. Doch nicht selten wird der Sender selbst derjenige sein, der überrascht wird oder etwas lernt, denn beim Meandern oder Spiralieren zum Kern, kann der Adressat zu einer Lösung kommen, die weit besser zu seiner Situation passt, als die, die der Sender als Kern sah.

Menschen sind unterschiedlich, ebenso die Situationen und da der Sender aufgrund seiner Erfahrungen die Lösung anbietet, die konkreten Parameter und Stellschrauben aber unterschiedlich sind, können sich unterschiedlichen Kernen bzw. Lösungen ergeben.

Wann funktioniert die Nebensatzhilfe?

Immer wenn es eine Alternative zu Tätigkeiten, Kommunikation oder Aktivitäten gibt. Alternativ kann im Grossen etwas ganz anderes oder, im Kleinen, eine Variante und alles zwischen diesen beiden Polen sein. Zudem funktioniert es auch gut als Überleitung oder zur Einleitung in etwas Neues oder Grosses. Sie kann unmittelbar oder indirekt eingesetzt werden. In der Rhetorik gehen die Stichworte von allgemeinen Fragen über rhetorische Fragen bis zur Suggestivfrage. Im WERDEN sind die Stichworte leidendes ICH, die erste Konfrontation mit dem neuen Thema und wie damit umgegangen wird (vom Ignorieren bis zur Verdrängung und dem Leugnen).

Wann funktioniert die Nebensatzhilfe nicht?

Wenn die Motivation eines Senders „geteiltes Leid ist halbes Leid“ (um ein eigenes Leid zu erleichtern) oder der eigene Vorteil das eigentliche Ziel ist, denn dann fällt der Adressat vom Regen in die Traufe. Das führt früher oder später dazu, dass er eine Stagnation bemerkt und wieder in der scheinbaren Hilflosigkeit landet – aus der ihm nun sehr viel schwerer heraus geholfen werden kann, weil es diesmal um eine Sammlung von mehreren Punkten geht.

Wenn der Adressat sozial eingebunden ist, dann ist es besser, wenn verschiedenen Personen die Nebensätze bringen. Das erhöht die Möglichkeit, dass einige Punkte durchkommen.

Grundsätzlich ist die Aufgabe nicht leicht. Dieses Vorgehen ist nicht für Jedermann geeignet und selbst wenn einer „es“ bei einem Thema kann, dann bedeutet das nicht, dass er es bei jedem Thema kann, denn immer ist es wichtig, dass der, der mit einem Nebensatz hilft, über die Sache selbstverständlich und glaubhaft als „bewältigbar weil selbst erlebt“ reden kann. Der Schwank aus dem eigenen Leben macht die Aussagen erst glaubhaft und das Meandern und Spiralieren um den Kern herum ermöglicht es dem Adressaten eine „Eigenleistung“ einzubringen, die ihm das Gefühl der Kontrolle zurück gibt.

Im WERDEN sollte darauf geachtet werden, dass jedes Level allein sein Weltbild als richtig (und oft auch als wichtig) erachtet, Fehleinschätzungen bei Menschen die auf einem anderen Level leben, sind dann an der Tagesordnung. Im WIR kommt dazu, dass Gruppen, die so agieren, meist in der missionarischen Phase sind und selbst Zwang, Druck und Folter bis hin zum billigend in Kauf genommenen Tod des „Ziels“ akzeptieren.

Hilfe als soziales Konzept

Neben dem Nebensatz gibt es weitere Hilfen, die sich alle im sozialen Konzept der Kommunikation wiederfinden: Zuhören, Lernen durch Weitergabe von Erfahrungen und Wissen und Sammeln von Alternativen zusammen mit der Bewertung derselben durch (non-) verbale Kommunikation usw..

Wer sich halbwegs sozial verhält, kann nicht anders und wird früher oder später helfen – ohne es gewollt oder bemerkt zu haben.

Dies ist auch der Grund, warum ich den Post so lange vor mir herschob: Mehrfach wurde mir gegenüber behauptet, dass ich Mitarbeitern in persönlichen Belangen geholfen und dass sich diese Dinge auch in Bewertungen und Leistung der Mitarbeiter niederschlagen hätten. Mehr als wie oben beschrieben und mit Mitarbeitern täglich ca. fünf Minuten zu kommunizieren und ihnen Arbeiten nach ihren aktuellen Möglichkeiten bzw. Bedürfnissen und diese im Sinne eines aufbauenden Trainingsplans zu vergeben, habe ich nie gemacht. Die Hilfe ergab sich aus dem Kontext und im Sinn des Arbeitsauftrags – es war rein geschäftlich und sollte nicht persönlich gesehen werden.

Vorbeugen statt Auflaufen-lassen

Diese Art von Hilfe ist vorbeugend konzeptioniert und funktioniert vorbeugend am besten. Wenn bereits von aussen bemerkt werden kann, dass ein Mensch Hilfe benötigt, dann sind bereits mehrere Dinge schief gegangen. Die Hilfe umfasst dann oft vielmehr Aufbauarbeit und Motivation als konkrete Prozederevermittlung.

Oft ist wohlgemeinte Gruppendynamik oder falsch verstandene pseudo- psychologische Unterstützung wie „künstlicher Aufbau von Leidensdruck um jemanden zu zwingen zu „lernen““ die Motivation. Meist sind diese „Hilfen“ nur ein Missbrauch der Technik um etwas anderes zu erreichen. Hilfe als bewusstes Mittel zum Zweck in diesem Sinn verpufft in den meisten Fällen oder hilft nur temporär und macht es für den Betroffenen letztlich schlimmer.

Pseudo-psychologisch sind diese Hilfen, denn, sieht man genauer hin, sind diese Hilfen eher gruppendynamisch begründet und die Hilfe wird meist nur vorgeschoben bzw. wird es zum Mittel zum Zweck. Dies fällt vor allem bei vielen Führungstechniken auf, wenn sie in diesem Sinn eingesetzt werden: Zu jeder Motivation gehört der persönliche Vorteil und der Gruppe (z.B. 72 Jungfrauen und der Vorteil, meist das Überleben, der Gruppe); zumindest der persönliche Vorteil ist dann meist nur vorgeschoben: z.B. tragen die 72 Jungfrauen, damit sie wiederverwendet werden können, Keuschheitsgürtel. Diese Gründe / Geschenke sind meist vergiftet – die Betroffenen sammeln negative Eindrücke und verlieren das Vertrauen in „die dort“.

Gruppen in solchen Situationen sind meist Gruppen, die Härten gegenüber anderen, oft ehemaligen Mitgliedern, verargumentieren wollen – sie suchen Ausreden für ihre Unredlichkeit. In der Regel tun sie das, weil sie der Meinung sind, dass ihnen irgendwelche Ressourcen fehlen würden, doch solchen Gruppen fehlt es immer an allen Ressourcen. Oft versuchen sie auch an Dingen festzuhalten, die bereits überholt sind, und sie tun weder sich selbst noch allen anderen einen Gefallen.

In der IT sind z.B. seit langer Zeit neue Arbeitskonzepte und Vorgehen nötig, die jedoch verweigert werden, weil sowohl die akademische als auch die Arbeitswelt hierarchisch organisiert sind und intern fasst alle Energien auf diese Hierarchie verwenden, statt in fachliche sachliche Leistungen.

Selbstdarstellung statt konkrete Leistung ist oft das eigentliche „Problem“ wenn Gruppen Dinge vorgeworfen wird, dass sie nur mit sich selbst beschäftigt seien und die Bedürfnisse aller anderen übersehen würden (oft kombiniert mit dem Festhalten an alten „Lösungen“ die nicht mehr greifen usw.).

In solchen Fällen werden Kriterien zum Verbleib in einer Gruppe deklariert, die oft rein äusserlich sind und sicher nichts mit echter Leistung oder Optimierung zu tun haben. An dieser Stelle ist nur noch zu sagen, dass das auch wirtschaftlich kontraproduktiv ist bzw. max. alte Claims schützt. Das kann das Unausweichliche verzögern, prinzipiell aber nicht lösen, den Wechsel zu gestalten statt sich gegen ihn zu stemmen wäre vernünftig – sich beleidigt auf den eigenen Claim zurückzuziehen ist auf die Dauer nicht hilfreich – und „Hilfen“, die auf diese Art motiviert sind, verstärken letztlich nur die eigene Misere und die Schwierigkeiten der Geholfenen. Man multipliziert die Schwierigkeiten statt sie abzubauen, man vergrössert sie, statt sie abzubauen, man schafft Neue, statt sie abzubauen. Konstruktiv und zielführend ist das nicht.

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