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Reichen Reiche der Wirtschaft?

27. Mai 2017

Wie war das: „Wirtschaft funktioniert ohne Reiche?“

Richtig: Solange der Geldfluss in Gang bleibt und alle sich darauf verlassen können, dass nur kurze „schlechte“ Zeiten zu überwinden sind, dann schaden Reiche sogar, weil sie ihren Reichtum, das Geld, aus dem Umlauf nehmen – wirtschaftlich ist das schlecht, bzw. beginnt es instabil und damit kompliziert zu werden. Tausende Jahre Erfahrungen zeigen, dass die Rechnung auf Dauer nicht aufgeht.

Was ist das nun? Neid-Populismus? Neoliberalismus-Bashing?

Nein, ganz einfache Wirtschaftstheorie aus der ersten Vorlesung. So, wie sie in jedem Lehrbuch zu finden ist. Es ist max. drastisch zusammengefasst – aber was ist zu erwarten, das ganze Gespräch, das wir geführt haben, findet sich in diesen Sätzen wieder. Ganz einfach gesagt: Solange das Geld fliesst, ist alles in Ordnung, kommt es ins Stocken, dann beginnen die Probleme. Nur Reiche können Geld im relevanten Umfang parken und damit den Geldfluss ins Stocken bringen – ohne Reiche wäre es leichter. Der Schluss ist trivial, denn er sagt dasselbe aus, ist nur umformuliert (und auf diesem Level ist der Schluss auch noch erlaubt). Ob er zu sehr vereinfacht, kann diskutiert werden.

Warum redet keiner drüber?

Neben weiteren handwerklichen Grundlagen beschäftigt sich das gesamte weitere Studium mit den Konsequenzen und Möglichkeiten, die daraus folgen – alles Dinge, die den Arbeitsplatz des Mitarbeiters schaffen und sichern. Am Ende des Studiums, sind viele der Meinung, dass es nichts anderes gibt – und irren sich dabei ohne es zu wissen, denn gelehrt werden Alternativen nicht. Und selbst wenn es einer weiss, kennt er sich nicht richtig damit aus, dass diese ungern darüber reden, ist nachvollziehbar. Doch ist das Thema bei weitem nicht so gefährlich, wie es oft erwartet wird, denn es würden sich auch diesmal einfach nur Konsequenzen und Möglichkeiten ergeben. Diesmal aber andere. Ein Wissenschaftler sollte andere Szenarien durchdenken können – oder er nennt sich in Zukunft einfach „Ritter der Wirtschaft für Reiche“, das wäre zumindest ehrlich, denn sie sehen sich selbst so.

Dagobert Duck füllte seinen Geldspeicher, es mag sein, dass dieses Geld fehlt – aber das Geld wird doch wieder investiert! Heutzutage.

Der Finanzmarkt ist heute der globale Geldspeicher. Aber nicht missverstehen: Ein gewisser Anteil einer spezifischen Art von Finanzmarkt ist gut, weil er Spitzen nach oben und unten abfangen kann. Andere Arten von Finanzmarkt dienen aber nur dem Parken von Geld, denn sie sind so konstruiert, dass sie sich unter bestimmten Aspekten aus dem Realmarkt heraushalten. Die Gelder dort sehen nie den Realmarkt. Die Übergänge sind fliessend und jede Generation versucht an den Grenzen zu rütteln, jedes mal verschieben sie sich leicht und ein paar Generationen (zwei bis drei reichen neist) macht dann die Erfahrungen ein weiteres mal.

Aspekte von Finanzmärkten?

Eben weil sie sich angeblich aus dem Realmarkt heraushalten, werden sie z.B. nicht besteuert. Ein anderer Aspekt ist, dass das Geld von irgendwo her kommen muss. Wenn das Gewinne sind, die im Finanzmarkt gemacht wurden, dann fehlt zumindest eine Runde durch den Realmarkt, alle anderen Gelder wurden dem Realmarkt entnommen – und fehlen dort definitiv. Es gibt weitere.

Und Geld, das nie den Realmarkt sieht – warum schadet das?

Die elementarste Regel einer Geldwirtschaft ist, dass das Geld fliesst – ansonsten verliert es seinen Wert. Im Finanzmarkt wird – aus Sicht des Realmarkts – ein Scheinwert verwaltet, denn es fehlt in vollem Umfang im Realmarkt. Nach der Definition von Geldmenge darf dieses Geld nicht mitgerechnet werden – kann aber jederzeit in vollem Umfang in den Realmarkt eingebracht werden. Dass dieses Geld geparkt ist, ist überdeutlich. Und freilich fliesst ständig Geld aus dem Real- in den Finanzmarkt ab. Das Geld im Finanzmarkt ist quasi magnetisch und reisst Löcher im Realmarkt.

Aber wenn Geld im Markt fehlt, dann müssten doch die Preise steigen?

Nicht, wenn die (für das Volk relevanten) Produkte im Rahmen der Restgelder einen ertragbaren Preis haben. Das geht nicht ohne die Produktion auszulagern. Mit anderen Worten: Würde im Lande produziert und würden die Gewinne auf ein angemessenes Mass reduziert werden und würden die Löhne entsprechend steigen, dann funktioniert es im Sinne der Wirtschaft – im Sinne der Gewinne: Nicht.

Woran hängt es?

Der Wettkampf nimmt aktuell eine viel zu grosse Rolle ein und „reich sein“ stellt einen Fetisch dar. Wirtschaftlich reicht die Perspektive und die Zuversicht, dass das Geld weiter seine Kreise ziehen wird – das kann es aber nicht, wenn es geparkt wird: Um Kampfmasse oder eine Versicherung zu haben. Auch das zeigt, dass dann das Geld geparkt wird – weil man ja jederzeit über es verfügen können will, braucht man einen Geldspeicher. Der Finanzmarkt hat allerdings einen weiteren Vorteil: Wer gut Spielen kann, kann das Geld dort vermehren. Durch die angestrebte Inflation würde es sonst an Wert verlieren.

Muss ein Markt ständig wachsen?

Jeder, der gut in einer Sache ist, optimiert z.B. seinen Produktionsprozess und produziert damit entweder bessere und / oder mehr Produkte. Beides wirkt sich auf den Preis aus, wer aber mehr Produkte hat, braucht in der Regel auch mehr Kunden und er wird sich räumlich ausdehnen – sein Markt sollte wachsen oder er kann nur noch preiswerter werden und stösst damit bald an Grenzen.

Und aus Sicht des Geldes?

Es gibt gleich mehrere Gründe dafür, warum die Geldmenge immer etwas grösser sein sollte als die Produkte. Ein Grund ist, dass dadurch eine leichte Inflation und damit eine relativ stabile Wirtschaft angestrebt wird, ein anderer, weil genug Geld da sein muss, um Kredite vergeben und die entsprechende Institutionen zu finanzieren und damit „Innovation“ sowie „Forschung“ vorfinanziert werden können. Es gibt aber noch viele weitere Gründe bzw. kann das wesentlich kleinteiliger ausführt werden.

Warum die Anführungsstriche?

Weil jeder Markt sich selbst schützt und in diesem Sinn echte Innovation und erfolgreiche Forschung eine massive Gefahr darstellen. Wirklich gewollt sind sie nicht, es werden max. Varianten bzw. Optimierungen des Bestehenden angestrebt. Übrigens, wenn es dem Markt an Innovationen und Forschung fehlt, wird er über kurz oder lang zu einem stagnierenden Markt, der irgendwann verebbt. Kurz vor dem Fall der Mauer war es das letzte Mal im allgemeinen westlichen Markt so weit – der Mauerfall rettete damals den Westen.

Kann der „Optimierungswahn“ konkretisiert werden?

Sicher, fasst jeder, der in der Produktentwicklung sein Geld verdient, kennt die Situation, dass selbst notwendige Änderung so spät wie möglich ausgeliefert werden – um mit dem alten Produkt so lange wie möglich Geld zu verdienen und den Markt nur dann durch Neuerungen anzukurbeln, wenn er zu stagnieren droht. Das sind ganz normale Marketingaktionen. Es besteht in der Regel auch darauf, dass die Schritte möglichst klein sind. Aus Marketinggründen gibt es Produkte, deren Änderungen bereits auf Jahre hinaus feststehen und die Entwicklungsabteilungen nur noch dafür da sind um sagen zu können, dass man mit Nachdruck an den dringend benötigten Änderungen arbeite.

Am deutlichsten wird es durch Produkte, die fertig entwickelt aufgekauft und nie auf dem Markt angeboten werden. Dass für die Schublade entwickelt und geforscht wird, ist allgemein bekannt. Eine gewisse Zeit lang kursierten sogar Listen von Schubladenprodukten und -forschungen des jeweiligen Jahres.

Wenn das gängige Praxis ist, was ist dann so schlecht daran?

Weil das nur dem möglich ist, der Markt (und Kundenwunsch) dominiert. Dominierte Märkte sind für andere Anbieter uninteressant, die Entwicklung der Produkte und Märkte wird dadurch stark abgebremst, der Markt wird künstlich in die Stagnation geführt, doch wer das Marktmonopol hat, kann sowohl die Wahre, die Aussichten und die Preise kontrollieren. Ein freier Markt ist das nicht mehr sondern nur noch ein mit mathematischer Genauigkeit zu optimierendes Monopol.

Gibt es solche Berechnungen auch für andere Marktarten?

Da die meisten sich diese nicht einmal vorstellen können, müssten die Alternativen erst einmal vorgestellt werden, damit Formeln aufgestellt und verstanden werden könnten. Aber es wäre keine seriöse Auskunft ohne den Hinweis, dass solche Berechnungen eher Annahmen unter bestimmten Bedingungen sind, die sind dann aber sehr genau und genau deshalb darf man kein Jota vom Plan abweichen. Aber das ist keine Wirtschaft, wie sie und verkauft wurde, das ist sogar das Gegenteil von freiem Markt.

Wie ist das bei IvaP?

Das ist die im Blog vorgeschlagene Variante. IvaP nutzt eine dezentrale Organisation und setzt auf (Voll-) Automation, dabei wird intensiv auf digitale Techniken und Netzwerke gesetzt, jeder kann sich dadurch überall einarbeiten und einbringen. Idee, Design, Konstruktion, Individualisierung, Produktion und Vertrieb, jeder arbeitet für sich. Das schafft lokal viele kleinere Einheiten, die sich aber zusammentun können. Diese kleinen Firmen beziehen ihr Wissen weltweit und sie kooperieren weltweit – das sind die grossen Strukturen, aber sie bleiben im Hintergrund, sind nicht mehr das wichtigste sondern sie ergeben sich.

Und wie sehen dort die Formeln aus?

Man kann es ganz ohne Formel machen: IvaP arbeitet dezentral und damit eher für den lokalen Markt. Durch das Digitale kann aber an jeder Stelle der Erde eine Idee oder Lösung eingegeben und ebenso überall genutzt werden. Produziert wird lokal, die Produkte können individualisiert werden, Ideen und Optimierungen aber greifen weltweit und erreichen dadurch ein sehr grosses Publikum, wodurch sich die Entwicklungskosten sehr wahrscheinlich auf viele Produkte verteilt: Forschung, Ideen, Innovation und Entwicklung lohnt sich nun – für jedermann, auch für den Produzent, weil er diesen Teil aus seinem Aufgabengebiet streichen kann aber sicher ist, dass sich andere darum kümmern. Auch der Verkäufer kann verkaufen, was er will, gleiches gilt für Konstrukteure, selbst wenn sich die Sicherheitsvorschriften ändern, wirkt sich das belebend für das Geschäft aus. Disruptiv verliert bei IvaP jeden Schrecken.

Also verkraftet IvaP jede Art von Wachstum?

Richtig. Es kann nahezu beliebig wachsen und kleiner werden. Als Wirtschaftssystem braucht es alles (Wettkampf, Ideen und andere Arten von Motivation) es braucht aber kaum grosse Strukturen und belässt so den Spielplatz für die Wettkämpfe etc. eher im Privaten als Grösse zu fordern.

Wie soll man IvaP verstehen?

Zunächst ist IvaP eine von mehreren möglichen Entwicklungen, denn wir bewegen uns bereits mit grossen Schritten in diese Richtung (nur die digitale Spionage hält viele noch davon ab). Überlassen wir diese Entwicklung aber den Geschäftemacher, wird etwa ganz anderes als IvaP daraus: Einer oder wenige grosse Konzerne werden dann alles zentral steuern und alle werden von deren Gutwill abhängig sein – das hat dann noch weniger mit freiem Markt zu tun.

Wenn man den Wandel demokratisch und mit der Zustimmung der Gesellschaft gestalten will, dann bietet IvaP die Diskussionsgrundlage.

Ist die Geldverteilung eine reine „politische“ Aufgabe?

Wenn man es sich einfach machen will und die Welt nur aus einem Blickwinkel betrachtet (z.B. Gewinn), dann ja. Wirtschaftlich ist das aber etwas komplizierter denn: Geld muss fliessen. Dass es fliessen kann, dafür kann auch die Wirtschaft mit entsprechenden Löhnen und anderen ureigenen Werkzeugen der Wirtschaft sorgen – im eigenen Sinn, denn alle Wirtschaftsformen, die das ignorieren, denen gehen entweder die Kunden oder der soziale Friede abhanden.

Kann es also der Markt alleine richten?

Theoretisch, ja. Aber dazu müssten die Theoretiker bessere Theorien vorlegen – mit dem gerade angebotenen Material geht es nicht – es würde nur in sozialen Unfrieden und in den Kampf von jedem gegen jeden führen. Mit anderen Worten: Heute fehlen der Wirtschaft noch die dazu nötigen wirtschaftlichen Theorien und sehr wahrscheinlich würde es nicht ohne die eine oder andere unabhängige Instanz gehen – zum Schlichten und Regeln. Also: Nein, die Wirtschaft kann es nicht alleine regeln.

Und ob sie jemals ein Interesse an solchen Theorien entwickeln würde – sagen wir, dass das offen bleibt, denn der „Gewinn an sich“ spielt aktuell in der Wirtschaft einen viel zu grossen Rolle, er ist quasi ihr Alleinstellungsmerkmal (hat aber als Gruppe vergessen, dass sie die anderen Gruppen auch braucht – sie träumt heute davon, dass sie alle anderen wird digital ersetzen können, bislang schafft sie nur sich selbst (bzw. die eigenen Mitarbeiter) ab).

Wie ist das mit den staatlichen Überschüssen?

Solange ein Staat mit „schlechtem“ Geld gute Güter bezahlen kann, hat er kaum einen Grund sich zu beklagen – es sei denn, das Volk murrt, weil es an Arbeitsplätzen fehlt (doch wer sich dann an den Überschüssen abarbeitet, arbeitet an der falschen Stelle). Politisch kann in bestimmten Fällen gegensteuern werden, z.B. wenn Gewinne geparkt werden.

Hat Trump also recht?

Sicher nicht. Was er vor hat schafft zwar mehr Gewinn, macht das aber auf Kosten staatlicher Aufgaben wie z.B. der Infrastruktur, auf die die Wirtschaft angewiesen ist, ohne die es nicht geht, und es ist ziemlich sicher, dass diese neuen Gewinne eher im Finanzmarkt verschwinden als dass sie in den Realmarkt fliessen (Steuern würden das sicherstellen – allerdings müsste mit dem Geld auch etwas bewirkt werden). Einfach mal vorstellen: Alle Schwierigkeiten werden von Staat abgenommen, die fehlende Wettbewerbsfähigkeit wird durch Strafzölle kompensiert und die Gewinne steigen – hört sich an, als hätte man alles richtig gemacht. Aber: Jede weitere Änderung würde die eigenen Gewinne schmälern. Was wäre dein Herzblatt?

Fazit: Der Wirtschaft reichen Reiche nicht.

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