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Können wirtschaftlich disruptive Ereignisse gehandhabt werden?

12. April 2017

Das hängt ganz vom Wirtschaftssystem ab. Im aktuellen geht es bei disruptiven Ereignissen für die Betroffenen um alles. Sie haben einiges investiert und haben einiges zu verlieren, ausserdem haben sie gelernt, dass sie sich durchsetzen müssen, mit allen Mitteln, oder verlieren – alles. Kein Wunder, dass derart konditionierte Menschen dazu bereit sind fasst alles zu tun. Unser gegenwärtiges System unterstützt das nicht nur, es fordert es – heute ging es auch anders.

Wer „es“ geschafft hat, wer sein Produkt etablieren konnte, der hat viel geleistet: Zuerst hat er Gespür für den Markt bewiesen und er hat den Biss gehabt das Produkt und die Produktion aufzubauen und weitgehend zu optimieren. Dann hat er den Markt erschlossen, den Verkauf organisiert und / oder aufgebaut. Dann hat er versucht sich auf dem Markt zu halten, ihn auszuweiten, evtl. ihn zu dominieren, dabei den Kunden an das Produkt anzupassen, weil es einfacher wurde, den Kunden und Stimmungen zu „optimieren“ statt das Produkt selbst. Dabei hat er viel Kraft darauf verwendet alles, was „anders“ war, klein zu reden, die Befürworter und das Andere zu diskreditieren – mit allen Mitteln (hier beginnen die gruppendynamischen Effekte und die Hybris, den Markt steuern und lenken, zumindest ihn und den weiteren Verlauf des Marktes planen zu müssen (bitte immer im Hintergrund behalten: Das passiert, um lange verschleppte Entwicklung zu verhindern und zu verschleiern)).

Disruptive Ereignisse werden i.d:R. erst zu einem Thema, wenn das Produkt überaltert ist oder der Markt dominiert und Entwicklungen verhindert wurden. Eine andere Gelegenheit bietet sich für disruptive Ereignisse nur, wenn mehrere Produkte gleichzeitig versuchen den neuen Markt zu bedienen.

Dass ein solches Ereignis in anderen Phasen eines Produkts oder Marktes geschehen, ist sehr unwahrscheinlich, denn solange der Kunde mit dem Produkt zufrieden ist, tendiert er dazu, dass Änderungen in das bestehende Produkt aufgenommen werden sollen (er sieht die Änderung als eine interessante Erweiterung des Originals) – was meist verhindert werden soll (da sonst mit der Zeit immer mehr beim Produkt „mitreden“ wollen, was mit der Zeit die Dominanz des Marktes in Frage stellen würde.

Mit den Patentfragen geht es meist auch um viel Geld – und um viele verpasste Gelegenheiten: Rund um die aktuell geschützten Märkte gibt es massenweise patentierte Produkte, die der Kunde gerne kaufen würde, die aber nie angeboten werden, weil der Platzhirsch um seinen Einfluss bangt.

Wirtschaftlich wirken sich solche Dinge wie folgt aus: Die Produktion und die Geschäfte des Platzhirsches werden immer weiter optimiert und der Markt immer intensiver manipuliert. Neue Produkte sind teurer als bereits optimierte und der Platzhirsch hat ein Interesse daran, dass Ausstattungs- „Teile“ nicht mehr Gewinn abwerfen, als das Grosse und Ganze (denn wenn der Teil genauso erfolgreich ist, wie das eigene Produkt (was unumgänglich ist, wenn es „mit“ dem eigenen Produkt vertrieben wird), dann steigt die Gefahr, dass das Teil so viel gewinnt, dass es das „Grosse und Ganze“ kaufen könnte).

Basiert die Wirtschaft auf Auseinander- und Durchsetzung , werden selbst kleinste praktische Erweiterungen wie potenzielle disruptive Ereignisse behandelt, weil von diesen Gefahren ausgehen, die man den „Kleinen“ nicht zutrauen würde.

Dabei wird der Arbeitsmarkt zwei mal geschädigt: Die Produktion des „Grossen und Ganzen“ wird immer weiter optimiert und benötigt immer weniger Mitarbeiter und da die Innovationen kaum eine Chance bekommen (solange sie keinen bereits etablierten Hersteller finden), werden auch keine neuen Arbeitsplätze (Innovationen benötigen aktuell noch mehr manuelle Tätigkeiten) geschaffen.

Kann man das also handhaben? Kann es ein Wirtschaftssystem geben, das nicht destruktiv sondern konstruktiv aufgebaut ist? IvaP schafft das locker: Wer etwas erfindet, der kann das Produkt von Anfang an recht günstig produzieren (wenn es richtig gut geht, dann finden sich auch genügend, die den Herstellungsprozess verbessern).

Die Hersteller finden es nur gut, wenn neue Produkte auf den Markt kommen, weil es ihre Geschäfte belebt. Den Verkäufern, Designern und Individualisierer geht es ähnlich. Mit anderen Worten: Disruptive Ereignisse werden geradezu herbeigesehnt, geschehen aber immer seltener, weil es eine bei weitem kontinuierlicher Entwicklung gibt, als bisher.

Selbst der Erfinder kann sich gut mit den Ereignissen anfreunden, denn er wird nach Masse bezahlt und gewinnt, wann immer sein Produkt von anderen aufgegriffen wird, selbst wenn es disruptive Ereignisse geben sollte, dann haben seine Ideen längst den Weg in andere Produkte gefunden und werfen für eine gewisse Zeit kontinuierliche Gewinne ab.

Anfangs saniert er sich, könnte evtl. Privatier werden, doch selbst wenn seine Idee oder Produkt plötzlich verebben würde, würden die Gewinne nicht verebben, denn es gibt eine Weile noch etwas oben drauf: Oft mehr als er mit dem eigenen Produkt verdient hat, wenn die Idee oder beten Teile davon aufgegriffen und den Weg in viele andere Produkte findet, diese aufwertet und ihm einen Obolus zahlen.

Ein paar Menschen werden diesen Weg gehen, andere werden mit mehreren kleinen Ideen, kontinuierlich gut leben können, dazu kommen die „ganz normalen“ Arbeiten, denn Ideen sind „nur“ ein Zubrot, das aber eine gewisse Attraktivität hat.

Mit einem Wort: Disruptiv sind diese Dinge nur dann, wenn der Markt und das Wirtschaftssystem darauf setzen und das Gegeneinander und das „the winner takes it all“ statt „win-win“ Situationen zu bevorzugen – nötig sind diese Dinge nicht.

Hier soll nicht diskutiert werden, ob das auch früher hätte gemacht werden – diese Diskussion hätte von Menschen geführt werden sollen, die es heute schon lange nicht mehr gibt. Das ist vorbei. Es kann aber gezeigt werden, dass es heute anders gemacht werden könnte – falls man wollte.

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