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wirtschaftliche Vor- und Nachteile rund um SynErgy und IvaP

5. April 2017

Es scheint so manchem schwer zu fallen, die Vorteile von Vorschlägen wie SynErgy und IvaP zu sehen.

Da das nun doch etwas theoretisch wird, hier eine allgemeinverständliche Fassung vorab: Weil SynErgy und IvaP an der Stellschraube Zentralisation/Dezentralisation und dadurch indirekt an der „Gewinnmaximierung“ drehen, wird einiges geradegerückt, was aktuell schiefläuft. Details folgen.

Die kurze Variante ist, dass unsere Gesellschaft bewusst und gewollt an einer Wirtschaft festhält, die einige Konstruktionsfehler hat: Sie basiert auf einer übertriebenen Gewinnmaximierung und sie setzt zu sehr auf Auseinandersetzung statt auf Kooperation.

Kooperation ist in einer arbeitsteiligen Wirtschaftsorganisation die zentrale Schnittstelle zwischen den Beteiligten. Damit sie funktioniert, ist es notwendig, unter mehreren Anbietern ohne Spezialwissen vergleichen und einen wählen zu können. Monopole sind auch in diesen Bereichen für die gesamte Wirtschaft schädlich. Ebenso, wenn Schlüsseltechnologien oder Infrastrukturen ihre Position eher korrumpiert erfüllen, z.B. ein Kartell bilden und so massiven Einfluss auf alle anderen Märkte haben.

Kompetitive Strukturen und Motive in einer fairen (zumindest geregelten) Konkurrenz, sichern die Leistungsbereitschaft der Beteiligten, man kann auch „die altruistische Ausrichtung der aktuellen unternehmerischen Tätigkeit“ sagen. Geht diese allgemeine Ausrichtung verloren, dann bleibt der Egoismus übrig. Das ist ab einer bestimmten (Markt-) Dominanz (durch Grösse, Monopole oder Protektionismus in jeder Form) der Fall. Wenn der Markt sich nicht mehr am Kunden orientiert, dann lenkt und drängt (ond gängelt) der Markt einen nahezu hilflosen Kunden

Die alte These, dass Egoismus als Motivation dienen kann, stimmten – wie alle „kann“-Regeln gelegentlich. Wir haben viel Energie aufgewendet, um den Menschen den Egoismus nahezubringen und sie darauf zu konditionieren. Die meisten, die die Vorzüge interagierender Gruppen kennenlernen, tendieren ganz von selbst dazu, sich auch einzubringen, denn das wird vorgelebt – Egoismus dagegen baut auf Zerstörung, ist destruktiv und wird instinktiv abgelehnt. Egoismus muss sich eine Gesellschaft leisten können.

Bei der Gewinnmaximierung ist ein längerer Weg von einer konstruktivem Moment entwickelt sie sich schrittweise zum Destruktiven hin. Glaubt man dem Kredo, dass Gewinnoptimierung immer gut ist (die Grenzen zeigen dann die Märkte auf) stimmen nur, wenn die Märkte funktionieren – das tun aber die wenigsten Märkte, denn die meisten sind gesteuert – freie Märkte gibt es sehr selten und sie sind gefürchtet, denn man kann es sich in ihnen nicht gemütlich machen.

Zur Gewinnmaximierung gehört alles, was unternommen werden kann, damit es das Produkt gibt, es verbessert, variiert und es besser am Markt positioniert und wie man es billiger und / oder schneller produzieren (manuell, Klein- / Mittel- Grossserie oder industriell, automatisiert) kann. Die Tätigkeiten, um und am Produkt selbst sind weniger kritisch (vor allem dann, wenn es wirklich weiterentwickelt und wenn sich daraus ergebende neue Produkte weiterverfolgt werden) aber bei den Aktivitäten am Markt und bei den Interaktionen mit der Politik wird es schnell kritisch.

Die Grenzen der Maximierung erkennt man, wenn der Aufwand gegenüber dem erhofften Gewinn einfach zu gross und damit nicht mehr lukrativ wird. Das ist ein Zeichen dafür, dass aus dem Produkt ein voll angepasstes / durch optimiertes Spezialprodukt wurde. Wer in diese Situation gerät hat sicher den Markt aus den Augen verloren oder vertreibt ein Nischenprodukt. Der Ausweg ist über weitere, dem eigenen naheliegenden, Nischenprodukten den Markt zu erweitern um wieder einen breiteren Markt zu finden..

Übrigens: Wer es mit der Optimierung übertreibt, der landet schnell in einem unflexiblen Moment, das durch die kleinste Änderung des Marktes vollständig einbricht und neu gemacht werden muss. Bei 70% liegt i.d.R. das vernünftige und noch flexibelste Maximum.

Das bedeutet in der Gegenrechnung ca. 30% manuelle oder zu steuernde Produktionsanteile übrig. Ein weiteres Moment ist auch interessant: Wenn die Produktion verbessert wird und die nun erreichbaren neuen Kunden um denselben Betrag wachsen, bleibt alles gleich. Das sollte aber mit etwas Vorsicht gebraucht werden, denn es ist nicht sicher, dass die aktuellen Mitarbeiter die neuen Arbeitsschritte leisten können.

Volkswirtschaftlich ist Gewinnoptimierung neutral, wenn durch die Optimierung neue Märkte oder Kunden erschliessen und dadurch die Abläufe mehr Personal benötigen und die neuen Märkte andere Märkte (z.B. die, in die sie dringen) nicht zu sehr belasten, oder wenn sie den Markt entsprechend beleben.

Volkswirtschaftlich sind die Grenzen der Gewinnoptimierung schneller erreicht als betriebsintern. Sie werden erreicht, wenn die Gewinne zentralisiert und die lokalen Arbeitskräfte massiv abgebaut werden und wenn es keine ausgleichenden Momente gibt. Mit anderen Worten: Wenn die Innovationen weniger Arbeitsplätze schaffen als durch Gewinnoptimierung verloren gehen, dann werden die Effekte hier spürbar und bringen evtl. die Politik ins Spiel.

Durch grosse Produktionseinheiten kann man „für die ganze Welt“ produzieren. Nach der „idealen Theorie“ produziert jeder ein Teil für die Welt und kauft alles andere ein – das gleicht sich aus? Nur dann, wenn die zentral einfliessenden Gewinne lokal verteilt und nicht abgezogen werden.

Die Politik hat nicht viele Eingriffsmöglichkeiten. Zwar kann über einen Bann von Optimierungen, die einzig der Zentralisierung der Gewinne dienen und nur deshalb dem Arbeitsmarkt massiv schaden, gesprochen werden, aber ihn über die Gesellschaftsarbeit wie z.B. der Aufforderung, dass der Markt diese Entwicklung nicht unterstützen soll (und da gibt es das grosse Argument, dass kein Kunde einen spürbaren Schaden hat sondern meist den Vorteil einer höheren Qualität geniessen kann) diese in Gesetzen umsetzen zu wollen, dürfte schwer werden, da sollten sich Leute dazu äussern, die das besser beurteilen können.

Politisch gibt es jedoch ein gewichtiges Interesse, dass die minimale Grundversorgung bestimmter Regionen gegeben ist und es deshalb auch sicherzustellen ist, dass es das benötigte Wissen und handwerkliches Können vor Ort gibt, ebenso dass die Versorgung für eine bestimmte Zeit gegeben ist. Kombiniert mit Landschafts-, Kultur- und Traditionspflege kann das mit „Urlaub in der Region“ (Bauernhof, Altertum, Theater usw.) finanziell unterstützt werden.

Globalisierung ist ein Thema für sich, ist aber von den hier genannten Faktoren oft betroffen, da sie heute so gestaltet ist, dass die pure betriebswirtschaftliche und egomanische Sichtweise mit einer Fixierung auf Gewinn und Finanzmarkt betreibt, weil sie der Meinung ist, dass es den Staat an sich nicht braucht, da alles Markt ist und die Massen nur Kunden, keine Menschen und erst recht keine Kultur oder Bildung benötigen, falls sie es sich nicht leisten können (das ist praktisch, denn es schützt die eigenen Märkte und Möglichkeiten weil so viele Talente in der Versenkung bleiben und die eigenen Planspiele nicht mehr stören können).

Würde die Wirtschaft in mindestens drei Bereiche (lokal, regional, überregional (national / international)) unterteilt und dort die minimale Grundversorgung für eine bestimmte Zeit angestrebt (was passiert heute im Katastrophenfall? Wie lange dauert es, bis Hilfe von Aussen kommen könnte, würde es die geben? Was wäre nötig und wie kann das organisiert werden?) würde, am besten über einen längeren Zeitraum, sagen wir zehn Jahre, und das kombiniert mit einer Absicherung der Gefahren der industriellen Produktion (z.B. Monokulturen, Hagel mag in diesen Grössenordnungen nur die Gewinne reduzieren aber eine Krankheit oder Frost würde Totalverlust und evtl. einen weiteren Anbau auf dem Boden unmöglich machen. Es werden entsprechende Massnahmen in der Landschaft nötig um industrielle Bereiche soweit wie möglich zu trennen und zu schützen, dass lokal auf andere Produktionsweisen umgeschaltet werden kann usw..

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