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Weihnachtspost für mich?

24. Dezember 2016

Zu Weihnachten bekommt man das eine oder andere Mail (oder Post / SMS / usw.). Masse hat die Eigenschaft, dass unweigerlich auch (mehr oder weniger freiwillig) Lustiges darunter zu finden ist. Um es kurz zu halten, wird gelegentlich etwas überzeichnet – wenn gewünscht kann ich aber gerne auch langatmig und langweilig dafür brav gestalten (freilich: Auf Biss loses folgen auch keine Taten – aber vielleicht ist es ja gerade das, was gewünscht ist).

Wenn aber Leute, die sich menschlich disqualifiziert haben, die gezeigt haben, dass sie sich allem unterwerfen, was ein bisschen stärker ist als sie, dass sie einzig und allein auf Macht, Gewalt und die Auseinandersetzung zwischen Einzelnen und freilich auf Geld bis in den Tod setzen, zum Prediger und Missionar seiner Sache werden, wenn er meint seine Sache und Missetaten begründen zu müssen – was für eine Predigt würde das wohl werden?

Diese (absolut drängende) Frage (der Menschheit), ist nun beantwortet worden. Sie lautet: „Wo stehe ich?!“. Ja wo steht er denn? Nun, er verteidigt sich und versucht so viel wie möglich hinter sich zu scharen. Er macht das mit den (dort) üblichen Mitteln: Scheinbarer Realismus – die Grund-ausrede schlecht hin, denn sie steckt in jeder Ausrede: „Was hätte ich denn tun können?“, „Man zwang mich dazu.“ und „Eigentlich hat der doch selber Schuld“ usw..

Was unterscheidet den „scheinbaren“ von „richtigen“ Realismus? Die scheinbare Variante dient nur dazu, die eigene Meinung und die eigenen Aktionen, durch die Fehler anderer, zu legitimieren, er ist alternativlos und benötigt einen Missionar dieser einzig wahren Lehre.

Realismus an sich beginnt mit Einschätzungen und Alternativen und endet mit einer Entscheidung, die jedoch ständig hinterfragt wird. Realismus endet nicht in einer absoluten und simplen Lehre, sein Ziel ist letztlich jedes Meer und jeden Wind mit der Nussschale (gut, die Grösse ist offen aber aus dramaturgischen Gründen ist die kleine schwache Nussschale besser geeignet, um den Wind stärker zu machen) des eigenen Ichs segeln zu können.

Er endet unmittelbar in einer Erfahrungswelt – Lernen ist in dieser Welt unerwünscht, nur, was gefühlt werden kann, ist wahr, ist real. Denn Lernen ist nur die Weitergabe von Erfahrungen der Alten – das kann heute ganz anders sein. Alles, was gelernt werden kann, ist auch zu überprüfen. Wer aber die Dinge prüft, denkt, ist kritisch und stellt Fragen – der macht die Welt der Macht unbequem, deshalb beugt man vor und macht diesen Fragern die Welt unbequem, sehr unbequem, dazu vergreift man sich bereits an Kindern, bricht den Willen, will, dass sie sich unterwerfen. Ziel ist jedoch nicht die Eingliederung sondern das er gleichgemacht werden soll. Um es deutlich zu machen: Realismus scheitert meist bei Machtfragen; mit anderen Worten Realismus ist schwächer als Machtfragen, zu deren Bequemlichkeit das Gleichmachen gehört.

Es gibt zwei Ebenen des Gleichmachens: Eine nach innen und eine nach aussen. Nach aussen ist es das Einstimmen in den Chor, man synchronisiert sich. Da das simuliert werden kann, wird es nach innen durch Glauben und Selbstzensur erweitert. Ich will hier nichts gegen Glaube etc. sagen, es soll auf die stetige Gefahr hingewiesen werden, die dem Glauben innewohnt, die als „sich selbsterfüllende Prophezeiung“ bekannt ist. Das ist, wenn sich Menschen durch Glaube und Selbstzensur unbewusst aber dafür verantwortlich derart selbst fokussieren, dass ihnen alles andere verloren geht und ihnen das egal ist. Gleichmachen bedeutet Verlust (für die Flexibilität der Gruppe / Menschheit / Allgemeinheit / usw.). Für den Mächtigen ist die Einfachheit der Handhabung des Gleichmachens verführerisch.

Aber ist Macht Realität? Nein. Wer Macht verspürt spielt nur nach bestimmten Regeln und, weil es diese Regeln gibt, wird ihm Macht zugesprochen (bzw. sprechen sich die meisten die Macht selbst zu). Jemand, der Machen kann, weiss, dass Regeln nicht zu trauen ist – sie können jederzeit etwas Neues schaffen, die Interaktionen ändern oder einfach abgelöst werden. Kurz: Sie sind menschlich weil sie von Menschen gemacht wurden. Wer also Macht verspürt, verspürt nur, dass er tut, dass er erfüllt, dass er spürt, was von ihm erwartet wird. Macht ist vorauseilender Gehorsam (und deren Ausübung wird gerne als „Dienen am Grossen und Ganzen“ beschrieben). Macht gehört zu den Phänomenen der „scheinbaren Realität“.

Aber da gibt es doch auch die physische Macht!? Gemeint ist Gewalt. Ist Gewalt Macht? Nein. Gewalt ist einfach nur Gewalt – das ist wie beim Brexit. Sie kann von Macht instrumentalisiert und damit mit Macht verwechselt werden, aber Gewalt ist letztlich eine Art Adjektiv: Wie mache ich etwas? Mit Gewalt kann eine Antwort sein. Es gibt jedoch Alternativen – immer. Zudem gibt es immer auch eine mögliche Gegengewalt. Gandhi zeigt die friedliche Variante, das Massenargument greift gern auf aggressivere Methoden zurück. Gewalt kennt nur zwei Phasen: Androhung und Anwendung. Gewalt ist etwas, aus dem man nicht herauskann, es steigert sich nur; wird immer extremer, eskalliert – wer auf Gewalt setzt, zerstört, muss zerstören.

Wirtschaftlich wird gerne behauptet, dass sie nur durch Zerstörung bestehender Systeme funktionieren kann. Treffender scheint dagegen zu sein, dass Wirtschaft Entwicklung, vielleicht so etwas wie Evolution benötigt. Zerstörung ist nur dann nötig, wenn etwas nicht weichen will, wenn es statisch ist und die Dynamik verloren hat.

Unsere Art zu wirtschaften basiert darauf etwas gegen alles andere durchzusetzen; immer unter der Annahme, dass alles erlaubt ist, wie in der Liebe (zum Produkt) und im Kampf (um Marktanteile). Um es deutlich zu sagen: Die aktuelle Art zu wirtschaften, basiert auf und zelebriert Gewalt. Dadurch wird Mars zum Wirtschaftsgott und Vertreter der Wirtschaft zu Soldaten, die dem Kredo folgen, das von dem Vertreter dieser Religion zu Beginn des Posts in scheinbarem Realismus formuliert wurde: Der Rollenspieler, der nicht mehr aus der Rolle kommt, der gefangen ist und der gebrochen wurde und der sich selbst verloren hat.

Jemand, der andere in derselben Falle sehen will und lehrt, wie das geht.  Und, wie alle Scheinrealisten, dabei die bessere Geschäfte völlig übersieht. Zumindest in Sache Wirtschaft kennen diese Menschen sich nicht aus.

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