Skip to content

Die Grenzen der Wichtigkeit

22. November 2016

Kann man alles managen oder alles auf Wirtschaft und / oder Verwaltung reduzieren? Die Frage wird immer wieder gestellt, meist, wenn es ans Aufräumen geht und nach den ersten Diskussionen mit den betroffenen Abteilungen. Diese beschweren sich grundsätzlich darüber, dass sie zu wenig beachtet und ihr Anteil an der Sache doch viel wichtiger sei, als aktuell eingeschätzt. Lässt man sich auf die Diskussion ein, dann scheint diese Abteilung allein für jede bislang erbrachte Leistung zuständig zu sein, sie scheint die zentrale Kraft hinter allem zu sein. Ist sie das?

Zumindest grössere Aufgaben haben alle wechselnde Anteile wirtschaftlicher, administrativer und organisatorischer Art. Allein schon die Tatsache, dass es diese drei Anteile gibt, beweist, dass einer allein nicht allein entscheidend sein kann.

Doch wie kommt es, dass jede der Meinung ist? Die Frage habe ich mir das erste Mal gestellt, als ich durch die Abteilungen einer meiner ersten Aufträge tingelte und jeden bat, mir Vorschläge zur Organisation zu unterbreiten (allseits als Anfängerfehler bekannt). Das Ergebnis war (nach einigen harten Analysen): Dass alle Organisationen die eigene Abteilung zentral sahen, nur für mich war die allgemeine Organisation die effektivste Abteilung 😉

Jede Abteilung organisierte alles andere um sich herum. Damit lief es in dieser Abteilung hervorragend, alle anderen hätten gute Gründe gehabt, sich zu beklagen.

Erstaunlicherweise brauchte es nur wenige Minuten in den einzelnen Abteilungen, in denen die Schwachstelle aufgezeigt wurde – noch erstaunlicher war deren Reaktion darauf: „Das stimmt! – oh Mann, das müssen wir ändern!“. Wir machten uns daran – einfach war das nicht.

Bei einem informellen Treffen und eine ganze Zeit lang später, lange nachdem ich dort aktiv war, wurden die Konsequenzen thematisiert und das einhellige Urteil war, dass diese Zeit für alle wichtig war, weil sie in den anschliessenden Gesprächen erst den „Sinn ihrer Arbeit durch den neu gewonnenen Überblick über die Firma und ihre Ziele“ gewahr wurden.

Die Antwort ist demnach, dass dieser Effekt einsetzt, wenn man den Bezug zu dem Grossen und Ganzen verloren hat – zumindest ist das ein relevantes Indiz dafür. Das Gegenmittel ist: Tuchfühlung! Bleibt in Kontakt und versucht den signifikanten Beitrag zu finden, den Eure Abteilung liefern kann, um die Arbeit anderer zu erleichtern. Und hütet Euch davor, deren Arbeit zu übernehmen.

Das kann aber vorkommen und sinnvoll sein – dieses Ausschalten einer Abteilung. So manche Abteilung fällt mit der Zeit aus der Verantwortung für das Produkt. Das ist so ähnlich, wie bei den Arbeitsschritten: Wann immer ich in eine Abteilung komme und mit die Arbeitsprozesse ansehe, dann stelle ich viele Fragen. Es dauert nicht lange, bis ich über Arbeitsschritte Fragen stelle, die unbeantwortet bleiben: Oder ich zur Antwort bekommen, dass wir das machen müssen auch, wenn niemand mehr weiss, warum. Nach ein paar Testläufen werden die Aufgaben entweder gefunden oder der Schritt verworfen: Um 20% bis 70% schnellere Prozesse sind mit diesen ersten und einfachen Arbeiten drin.

Muss man Mitleid mit den Arbeitsschritten und den Abteilungen haben? Nein. Den Arbeitsschritten ist es egal und die Abteilungen – blühen auf. Die Mitarbeiter kennen oder vermuten ihren Beitrag recht gut. Stellt man ihnen eine vernünftige neue Aufgabe (die Suche danach dauert selten lang), sind viele derart erleichtert, dass es selten und wenn nur wenig Widerstand gibt – die meisten sind froh wieder einen Beitrag leisten zu können, nur wenige wollen den Zustand aufrechterhalten (auch da kann es gute Gründe geben).

Wenn nun eine Abteilung / Rolle sich überbewertet, warum reduzieren diese sich dann noch auf ganz wenige zentrale Regeln? Weil sie sich in einer existenziellen Situation wähnt und nun eine Begründung sucht – dazu baut man ein Dogma auf. Das Dogma wird nötig, weil etwas passend gemacht werden soll, was so nicht passt – Dogma und Realitätsverlust stehen sich sehr nahe. Um das Dogma aufstellen zu können, sucht man die Kernaussage und überbrückt alle Schwierigkeiten. Bei einem Realitätsverlust wird ein Interesse fokussiert und alles andere darum drapiert.

Beides fusst auf dem Versuch sich zu rechtfertigen bzw. die Dinge zu legitimieren. Da Überlegungen schlicht eine Kombination von Daten und Logik ist und dabei die relevante und flexibelste Grösse die Gewichtung der Daten ist, erreicht man das Ziel am einfachsten, indem die Gewichtungen passend gemacht werden. Das Gegenmittel ist, die Gewichtungen erneut zu hinterfragen und den eigenen gegenüber zu stellen. Das ist ein intensiver und selbstkritischer Akt. Deshalb wird er selten gegangen.

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: