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ce fix und Tump nochmal

14. November 2016

Die USA hat gewählt. Es kann sein, dass er der beste aller Präsidenten wird oder der schlechteste. Wir wissen es noch nicht. Aber wir wissen, dass der Wahlkampf kein Aushängeschild für die Demokratie war. Schaustücke und Unterhaltung wurden bislang eher in Theatern aufgeführt (der Begriff „Polittheater“ wird hier reaktiviert und zeigt, dass und wie die Demokratie hier beschädigt wurde). Sollte man es bewerten müssen, wäre das Urteil schlicht eine ziellose Themaverfehlung.

Doch das mag auch am deutschen Auge des Betrachters liegen, für das es bei einer Abstimmung dieses Ausmasses um Ziele und Wege gehen sollte (auch, wenn hierzulande jeder, der das tut, beklaut wird. Auch das wird der Sache nicht gerecht, beschädigt sie. Aus Sicht der Demokratie sollten solche Leute nicht gewählt werden, weil wer keine Ziele hat oder sie klauen muss – warum will er dann gewählt werden? Sie werden gewählt, damit sie etwas tun, nicht dafür, dass sie die Hände in den Schoss legen. Auch bei uns ist nicht alles gut.).

So mancher brach bereits den Stab über Trump. Hat eine feste Meinung zu ihm. Mal sehen, worauf diese Positionen basieren könnten. Von allgemein Bekanntem ausgehend, weiss man über „Leute wie ihn“ etwas und man weiss aus dem Wahlkampf, dass er nutzt, was ihm nutzt. Dass er sich nicht gern an Regeln hält – zumindest, dass er die (zerstörerische) Lücke sucht.

Genau diese Eigenschaft soll es gewesen sein, die von Wähler gewählt worden sein soll: Er soll das Establishment Washingtons aufmischen – quasi von innen heraus als Saboteur. So sieht er sich selbst („ich kann das, weil ich diese Leute kenne“). Doch der Zerstörer, der Rambo des Establishments, soll die Gräben, die er zu einem guten Teil selbst gerissen hat (das hat etwas von dem Geschäftsmodell, das den Fresstempel und die Diätbude unter einen Hut bringt), zuschütten und den USA perfekte Harmonie zurückbringen.

Einige werden an dieser Stelle sagen: „Da es notwendig war, die „Missstände“ zu nennen, zerriss er nur Masken und versachlichte damit den Prozess“ andere wieder: „Wie sachlich ist es, Falsches zu behaupten oder Dinge zu versprechen, von denen klar ist, dass man sie nicht halten kann (auch ein amerikanischer Präsident kann nicht alles)?“

Viele vor ihm haben es versprochen, warum soll er es schaffen – und wie vertrauenswürdig ist jemand, der es nicht mit der Wahrheit oder auch nur mit Fakten hat? Wie verzweifelt müssen die Bürger sein, die sich an solche „Hoffnungen“ klammern?

Konstruktiv ist diese Hoffnung nicht – das bedeutet, dass bislang nicht nur Porzellan zerschlagen, dass die Zeichen übersehen wurden und werden. Dass Dinge anstehen und in Ordnung gebracht werden müssten, dass das aber unterlassen wird. Trump sei die folgerichtige Konsequenz, sei deshalb ein hausgemachtes Problem.

Dieses Etwas wird gerne als eine falsch gesteuerte Wirtschaft beschrieben, im Blog wird die These vorgezogen, dass die Gesellschaft es nicht schafft bestimmte Entwicklungsschritte (z.B. den Umgang mit Regeln) zu gehen – unter anderem, weil bestimmte Kräfte in frühere Stufen zurück wollen, sich der Entwicklung aus vielen Gründen entgegenstemmen.

Einer dieser Gründe ist, dass Regeln grundsätzlich als unterlaufbar und austricksbar betrachtet werden und ihnen somit unterstellt wird, dass sie grundsätzlich nicht funktionieren können: Diese Menschen suchen in allen Regeln den Schwachpunkt und wenden ihn gegen die Regeln selbst. Man kann das Regelkriminalität nennen.

Alternativ liefert ein dynamisches Regelsystem (mit Regeln über Regeln / -interaktionen) ein belastbares Regelsystem, das ständig Regeln schafft und verwirft. Wer kann, der kann – die anderen toben sich an den kleinen Regeln ab – um sie zu vernichten.

Trump will einen „freien“ Markt. Gemeint ist, dass Vertragspartner alles selbst regeln können sollten ohne von Recht und Ordnung gegängelt zu werden. Zumindest will Deregulierung (der Banken sei, was er wolle) genau diese Freiheit. Die Würde des Menschen wird damit zur Wahre, kann gehandelt werden, der Mensch wird letztlich zur Wahre, zum Sklave, denn: Wer das Geld hat, der hat das Sagen. Wer sich dagegen auflehnt, verstösst gegen (dann) geltendes Recht. Wer kämpft, stirbt – publikumswirksam, Todesstrafe zur besten Sendezeit – eine mords Unterhaltungshow, nur nicht so andauernd wie Wahlkampf (aber vielleicht kann man da was machen).

Alternativ steht auch Hierarchisierung bereit. Beides schliesst sich gegenseitig nicht aus. Beides kann gleichzeitig etabliert werden. Das ist sogar recht wahrscheinlich denn: Wo immer es keine Regeln gibt, etablieren sich sofort neue. Das ist wie bei der Macht: Machtvakua werden sofort gefüllt (hier vielleicht vom Geld). Eine triviale, unmittelbare Form der Macht ist das Faustrecht oder eben die Hierarchie.

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Wissen, was Trump machen wird, kann man nicht wirklich – das ist bei zukünftigen Dingen immer so, egal, ob einem das gefällt oder nicht. Es bleibt Spekulation und es besteht die Möglichkeit, dass man mehr oder weniger daneben liegt. Darüber hinaus basiert alles auf Annahmen. Das nennt man Gegankenexperiment oder Szenarium. Hier nur eine kleine Auswahl:

Wer ist Trump?

Wer etwas „erreichen“ will, der tut gut daran zu imaginieren, dass er es bereits getan und mit welchen Schritten er das erreicht hat. Man beginnt mit dem Endpunkt, imaginiert sich die Welt, die erreicht werden soll, und arbeitet sich nun Schritt für Schritt zurück bis zum heutigen Tag und der initialen Tat.

Für den einen ist das Esoterik, für den anderen eine Motivationstechnik und wieder andere sehen es als Dummheit an. Was es ist, soll hier nicht diskutiert werden. Hier dient es nur als eine von abertausend Regeln, denen sich Menschen wie Trump unterwerfen. Davon werden sie getrieben. Das ist ihr Weltbild.

Dabei geht es nur um die Auseinandersetzung – die Sache selbst tut nichts zur Sache, ist nur Staffage, ein auswechselbarer Gegenstand, um irgendetwas muss es ja gehen. Der Einsatz kann existenziell sein, falls der Akteur nur genug davon überzeugt ist.

Für Menschen wie Trump ändert ein „Gewinn“ den Besitzstand von etwas. In seinen Augen gehört Amerika `s Leitung nun ihm und er kann mit Amerika machen, was er will. Nach ein paar Dankeschön Aktionen ans (ihn wählende) Volk, wird er schnell merken, dass andere an seinem Stuhl sägen, und er wird entscheiden, dass das nun wichtiger ist, dass die Dankeschöns nun dorthin fliessen werden wo sie seine Position sichern – Amerika, Wähler und Volk werden schnell zweitrangig werden.

Er hat die amerikanische Präsidentschaft gewonnen. Nun ist und bleibt er Präsident – auf ewig. Zudem meint er nun Gesetze machen und Machenschaften vertuschen zu dürfen, zu können und zu müssen – weil für ihn andere Regeln gelten als für den Rest der Menschheit. Schliesslich macht er die Regeln, also auch die Ausnahmen – und er tut schliesslich nur, was zu tun ist. Das alles hat nichts mit der (amerikanischen) Realität und Verfassung zu tun, das ist aber die Vorstellungswelt von Leuten wie Trump.

Der Gedanke, dass er die Präsidentschaft nur anstrebte, weil er nur auf diesem Weg seinen Hals aus der Schlinge ziehen kann, liegt ebenso nahe – das ist jedoch nur Spekulation. Aber es liegt nahe, weil es ansonsten nur wenig Motivation für Menschen wie ihn gibt: Entweder meint er, er habe sich das verdient (in diesem Fall vergrössert Amerika seinen persönlichen Besitz) oder eben, dass er etwas von sich abwenden kann. Etwas für andere zu tun, sich für andere anzustrengen, liegt ihm fern. Wenn das die Motivation wäre, wäre es essenziell zu wissen, wer da im Hintergrund die Fäden zieht – dann regiert eigentlich ein anderer (-e).

Menschen wie er sind oft fremdgesteuert, weil sie so manipulierbar sind. Dadurch kann man sie leicht Dinge tun lassen, die andere nicht tun würden (Bush war auch so ein Kandidat). Sie sind Getriebene und wollen deshalb andere treiben – das (empfundene / erlittene) Naturgesetz bestätigen.

Was wird passieren?

Typisch wäre es eine Art Familienclan aufzubauen – wer selbst „bestes genetisches Material“ ist, kann nur auf das Zweitbeste, auf die um sich herum zurückgreifen. Ansonsten wird nach „divide et impere“ ein widersprüchliches, bald zerstrittenes Team aufgestellt, in dem die Mitglieder nach Gusto gegeneinander ausgespielt werden können.

Mit anderen Worten: Entweder es wird ein Aufbau einer Dynastie (Mitglieder (Nachfolger und Arschkriecher) first) oder eine Truppe, die sich gegenseitig ausbremst und übertreffen will. Beides ist anfällig für Lobbyarbeit, das eine Mal wegen dem persönlichen Vorteil, das andere Mal wegen der Unterstützung von aussen.

Ist Emotionalität und Ziellosigkeit unberechenbar – Nein. Es macht den Verhandlungspartner sogar manipulierbar. Weit manipulierbarer als er selbst glaubt. Unberechenbarkeit verhindert nicht, dass nach der Show die Fakten zu klären sind, spätestens jetzt ist die Verleit- und Verführbarkeit, die Kehrseite des Konzepts, ein Nachteil – zumal es nun schnell gehen muss. Der Trick funktioniert nur bei einer „asymetrischen“ Verhandlung – mit anderen Worten: Wenn Bittsteller auf den (gewähnten) Besseren treffen und der ihn das spüren lassen will.

Ist Trump gefährlich? Ob die amerikanische Demokratie ihn einbremsen kann? Vielleicht. Bislang funktioniert das jedenfalls nicht. Dann: Bush etablierte die NSA, das zeigt, dass der amerikanische Präsident durchaus Macht hat – warum sollte Trump nicht die Macht haben, sie zu missbrauchen? Schliesslich sind die Grenzen bereits überschritten worden, die nächsten Forderungen werden nach dem Motto: „Ist nur für vier Jahre, da müssen wir eben durch und Schuld hat er“ erfüllt werden.

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From → Politik

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