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Fragen zu Blog II

24. Oktober 2016

Wie ist das mit dem WERDEN? Mir persönlich wurde das WERDEN als alte Technik, die noch zwischen Philosophie und Religion steckt, vorgestellt. Es basiert auf Ähnlichkeiten und Analogien.

Es diente eher der Strukturierung, zum Erfassen, zum Begreifen der Umgebung, als dass Regeln erarbeitet werden. Das Erarbeiten der Regeln wäre der nächste folgerichtige Schritt – wer beide Schritte gleichzeitig gehen will, scheitert meist (IT-ler verstehen das sofort, denn es entspricht der Trennung von Daten und Algorithmen).

Das WERDEN, bzw. seine Darstellung in diesem Blog, passt auch zu den aktuellen Systemen, die in den Sozial- und Geisteswissenschaften gepflegt werden – wahrscheinlich, weil nur ein erster Einstieg geliefert wurde.

Abstrahiert beschreibt das WERDEN einen Prozess, den Menschen ständig erleben: Sie entdecken etwas Neues und stehen vor der Frage, wie sie damit umgehen sollen. Scheinbar normal sind die beiden Endpunkte: Ignorieren – Integrieren (politisch z.B.: Gettoisieren oder mitmachen lassen). Dazwischen gibt es beliebig viele Abstufungen. Ausgeschmückt wird dieser Grundgedanke mit weiteren Eigenschaften, z.B. den Gegensätzen (Ergänzend (Mann/Frau) und ausschliessend (Schwarz oder Weiss) und es wird auch hier ein Übergang (Grau) angeboten), und weitere Ausschmückungen.

Zur Basis des WERDENs gehört die eigene Persönlichkeit. Im ersten Schritt geht es um das Neue. Hier das Ich. Zusammen mit dem ergänzenden Gegensatz: Alles, was nicht Ich ist. Das wird anfangs schlicht ignoriert oder hart bekämpft (wenn es einem zu nahe kommt (aus Erfahrung kann man dann Furcht lernen usw.)).

Wird die Umgebung ignoriert, bleibt nur das Ich übrig, deshalb wird diese Phase treffend mit ICH bezeichnet. Über DU, WIR und IHR wird die Umgebung integriert. Diese Ebenen können auch mit Annäherung, Lernen und „sicher handhaben“ überschrieben werden.

Was ist ein „leidender“ Aspekt? Letztlich ist das nur ein Teil einer wiederholte Anwendung des Grundkonzepts: Von der Konfrontation zur Integration. Mit anderen Worten: Neues kann einen verunsichern, kann einen zur Flipperkugel zwischen dem Wunsch, dass alles wieder so sein soll wie vorher, der Neugier, dem Drang es lernen zu wollen und der Angst vor dem Scheitern usw. machen.

Ein „Leidendes“ befindet sich in dieser ersten Phase und es kommt mit dieser Neuerung überhaupt nicht zurecht, hat die Kontrolle verloren.

Hilft das WERDEN irgendjemand? All denen, die ein gewisses Bauprinzip, einen Einstieg in die „mechanistische“ Beschreibung der Welt benötigen – also vielen und die sind meist in einem bestimmten Alter.

Wie das? Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Wenn es ein (Bau-) Prinzip gibt, dann will man das auch kennen. Soziale Interaktionen lassen sich im Konzept des WERDENs gut beschreiben ebenso viel Mathematisches und Künstlerisches – es ist eine Art flexibles Grundprinzip, das die Denkarbeit scheinbar zielgerichteter werden lassen kann. Das mag aber auch daran liegen, dass man gut trainiert wird auf dem Weg „vom Groben zum Detail“, auch die Kombinatorik wird gut trainiert usw.

Empfiehlst Du es zu lernen? Das kann ich nicht, denn so, wie es im Blog verwendet und zu was es in diesem Kontext geworden ist, kann nur aus dem Blog „gelernt werden“ – das reicht aber nicht. Da es praktisch kein Material dazu gibt, werden sich bestimmt Menschen finden, die es ganz genau wissen werden, was dahinter steckt.

Um das WERDEN zum nützlichen, einsetzbaren System auszubauen, wäre mindestens ein Fragenkatalog nötig, der die resultierende Ebene liefert usw. Das ist ein hübsches Stück Arbeit. Bis man es überhaupt Lernen und einsetzen könnte, würde es noch etwas dauern.

Es gibt aber genügend anderes Material, es muss nicht unbedingt das WERDEN sein, das geht – weniger eingängig – auch in den aktuellen Wissenschaften.

Wie hilft das WERDEN? In Ähnlichkeiten und Analogien zu denken, ist eine der ersten Arten, wie der Mensch lernt. Das Exzerpieren der Regeln (Erfahrungen abstrahieren, den logischen Aufbau aufzeigen und versuchen die Schlüsse zu falsifizieren) sollte sich dann anschliessen, bei Talentierten etwas intensiver.

Aber das war jetzt zu theoretisch. Gehen wir es schrittweise mit einem Beispiel an: In der Musik ist die Sekunde (der kleinste Abstand zwischen zwei als benachbarten empfundenen Noten) wichtiger Bestandteil der Melodie, in der Begleitung wird sie eher selten eingesetzt. Wer einmal vor einer grossen Gruppe gesprochen hat, stellt schnell fest, dass der Sprecher bzw. Solist auf der Bühne, wie die Melodie ist, und das Publikum die Rolle der Begleitung übernimmt. Wer einen Streit hatte, findet gelegentlich einen Akkord, der diesem Streit ähnelt (oder wie er sich in einer Phase des Streits fühlte). Wer sich etwas damit auseinandersetzt, kann erkennen, dass dieser Akkord aus mindestens zwei Akkorden besteht, die nicht ganz harmonisieren. Durch entsprechende Vor- bzw. Nachspiele kann dieser Akkord aber logisch und harmonisch eingebunden – und aufgelöst werden.

Über die Musik werden diese Dinge erleb- und verwertbar. Das ist ein persönlicher Vorteil. Wirklich interessant wird es aber, wenn die gemeinsamen Regeln erarbeitet werden. Der Solist geht schrittweise vor, das Publikum setzt Rhythmus und Betonungen. Den Streit kann auf verschiedene Art und Weise harmonisiert werden: Einer der beiden gefundenen Akkorde wird zur Melodie, der andere zur Begleitung oder wie oben beschrieben, dann werden die Akkorde quasi zur Melodie – und damit die Sekunde brauchbar. Oder man macht aus den Noten, die wenig harmonisch sind eine Melodie und behält die Akkorde als Begleitung. Wer Reden halten oder Bücher schreiben soll, kann nun die Regeln der Komposition verwenden, der Streitende lernen, wie man wieder zu Freunde werden kann usw..

Macht man das weiter, dann kann man die mathematischen Beschreibungen der Musik nutzen und diese in den sozialen Wissenschaften einsetzen, verifizieren und in BigData echte belastbare Lösungen anbieten. Letztlich läuft das aber auf eine Simulation und Szenarien hinaus.

Ist das das, was hinter Lingua steckt? Das war ein Beispiel, wie das WERDEN genutzt bzw. eingesetzt werden kann und wie schon betont, es ist nicht voll ausgearbeitet. Man kann es als Inspiration oder Ideengeber und um versuchen die Vollständigkeit zu gewährleisten verwenden, es kann die Basis für Idee und Konzept aus der Kombination verschiedener Spezialisierungen liefern – selbst ist und bleibt es aber nur das (unvollständige) WERDEN.

Lingua geht weit über das hinaus. Und im Prinzip müsste es in „Wissensdatenbank“ umbenannt werden, um treffender zu beschreiben, was es macht und kann.

Mehr bekomme ich nicht über Lingua? Nein.

Kann das WERDEN in der Politik eingesetzt werden? In den sozialen, kommunikativen und lösenden Bereichen sicher.

Dennoch läuft vieles schief. Was fehlt heute? Die Menschheit nutzt so gut wie nichts, lässt sich im Prinzip alles entgehen, verarmt auf diese Art und Weise geistig, wird unflexibel und reduziert sich auf Gleichmacherei, Gewohnheit und Wiederholung. Es fehlt viel, mittlerweile eigentlich fasst alles.

Aktuell geht es in dieser Zeit nur noch um Kontrolle und Machtausübung – eben: Gleichmacherei, um Abweichler denunzieren zu können oder um beim Quartett spielen etwas zum Vergleich zu haben usw..

Zudem scheinen alle zurück ins leidende WIR zu wollen – dieses Ziel kann ich nicht teilen.

Und was bedeutet das? Im WIR geht es um die Gruppenbildung und um Regeln bzw. Organisation. Ein leidendes WIR kommt mit diesen Dingen nicht zurecht, damit gibt es weder Rechtssicherheit noch Beständigkeit und kaum Köpfchen, weil die dazu nötige Stabilität fehlt. Zudem gilt in der Gruppe das Faustrecht und dass Gewalt ein legitimes Mittel ist. Zudem Kontrolle und Zwang. Das alles mit den aktuellen technischen Möglichkeiten. Die Ziele sind effektiver und billiger zu erreichen als jemals zuvor! Diesmal, so meinen sie, wird das Experiment gelingen.

Aber was bedeutet das? Man hat die Wahl: Brav sein oder Sanktionen bis hin zum Tod, evtl. unterhaltsam für das Volk inszeniert. Ein Menschenleben hat keinen Wert – also fasst keinen: ca. 150 bis 500€. Sklaven waren meist teurer – heute gibt es Roboter. Das angepeilte Ziel, das mir gegenüber genannt wurde, ist ein paar Millionen (manche wollen nur ein paar hunderttausend) Menschen teilen sich die Welt. Wie es zu diesem Wert kommt? Sie meinen, dass sie in dieser Grössenordnung keine Rücksicht auf Ressourcen und Natur nehmen müssen und tun und lassen können, was sie wollen.

Aber warum wollen diese Leute das? Sie bilden eine kämpferische Gruppe (nach eher feudalen Regeln) und sie unterwerfen sich diesen Regeln. Werden die Regeln im Heute angewendet, dann kann das formulierte Ziel, das folgerichtige Ergebnis sein.

Wieso machen die das? Im WIR wird mit Regeln gearbeitet. Ein leidendes WIR kommt mit dem Konzept „Regel“ nicht gut zurecht: Sie können nur beobachten, tun sich aber mit der Abstraktion und der Logik schlicht schwer – sie können nicht hinter die Dinge blicken, sie können sie nur sammeln. Erkennen nicht den Sinn dahinter. Sie ersetzen die Zusammenhänge durch deren Vermutung. Eine beliebte Vermutung ist Gott – der schafft den Sinn, wird ihn schon kennen.

Bis heute imitiert die Elite dieses Denken mit dem Spruch: „Ihr wisst und kennt doch gar nicht alles, was da zu beachten war – das ist alles viel zu kompliziert für euch!“. Aktuelle Beispiele sind „alternativlos“ und „das ist alles so kompliziert geworden, das kann man nicht mehr darstellen und erklären …“ (wie um alles in der Welt, haben die das dann begriffen – haben sie das überhaupt?).

Und wie geht es nach dem Sammeln von Beobachtungen weiter? Wer genug Material gesammelt hat, erkennt engere und weitere Gruppen von Beobachtungen, die scheinbar zusammengehören. Die erste Abstraktion ist die Wiederholung: Alles, was durch Wiederholung bestätigt werden kann, gilt als anerkannte Regel (eine Regel zu erkennen, macht uns glücklich). Die zweite Abstraktion ist dann schon die Ähnlichkeit und Analogie. Die die oben genannten Gruppen erkennen lassen. Nun kann der Mensch kategorisieren – in den meisten Umgebungen des Menschen hat das völlig gereicht. Je weniger Kriterien zu beachten sind, umso schneller und effektiver geht es. Das ist oft entscheidend: Feind oder Freund, Gefahr oder Freude? Deshalb wird dieses Prinzip bevorzugt – es kann aber trainiert und damit den Änderungen angepasst werden. Das „Änderungen erkennen können“ und das Trainieren will gelernt und geübt sein – nun kann der Mensch verstehen: Dass es Änderungen gibt und wie man damit umgehen kann – das entspricht dem Verstehen und Erkennen. Da es jetzt Änderungen gibt, kann damit auch Szenarien aufstellen, sie durchspielen, nun ist der Mensch Vernunft begabt, hat Phantasie und kann Planen.

Aber die Frage kann auch anders beantwortet werden: Auf das Sammeln von Tatsachen, die wie Regeln betrachtet werden, folgt das Erkennen von Zusammenhängen und je besser diese abstrahiert werden können, umso stabilere Regelwerke entstehen. Waren die ersten Tatsachen noch „gottgegeben“ bildet sich mit der Zeit ein Regelnetz – und dieses ist dann gottgegeben. Wird aus dem Regelnetz ein interaktives, komplexes Regelsystem ändert sich das Weltbild erneut, denn nun gibt es etwas, das es einem erlaubt, mit vielen Weltbildern gleichzeitig hantieren zu können – die Welt ist nun nur eine Interpretation, eine Regel ein Element von vielen und die Interaktionen erlauben es, dass man ständig neue Regeln erkennen, machen und anwenden kann. Da die Welt der Regeln nun etwas Normales geworden ist, wurde sie integriert und wird schlicht verwendet wie alles andere, was ganz normal ist.

Gott ist der grosse Erklärer und die Erkenntnis vertreibt ihn? Die Erklärerrolle ist nur eine von mehreren, Gott ist auch der Ausdruck und der Wille, Teil von etwas Grösserem sein zu wollen. Und Regeln als Handwerk oder Instrument zu betrachten, vertreibt nichts und niemanden, das Regeln und das System zulässt. Diese Teile der Religion, die Philosophie und Wissenschaftsersatz darstellen, können dann z.B. als das, worauf man damals zurückgriff erkannt werden. Sie können jedoch noch nützlich sein, falls sie interpretiert werden.

Ansonsten ist Gott ein Ausdruck der Weltsicht des Menschen: Ob die Welt ganz allgemein belebt ist oder nicht, kann entscheidende Auswirkungen auf die Aktivitäten des Menschen haben. Aber auch, ob es ein übermächtiger, zorniger Wettergott ist, an den man glaubt, ist in dieser Richtung wirksam: Man tritt mit diesem in einen Wettstreit, freut sich diebisch über jeden Streich, den man ihm spielen kann und das rechtfertigt dann auch, wenn er sich um den ganzen Dreck kümmern muss, mit dem man die Allmacht Gottes heutzutage gerne in Frage stellt.

Hier wird auch deutlich, warum Religion oft kritisiert wird, denn: Man gibt die Verantwortung ab und kapituliert vor einem scheinbar übermächtigen Regelwerk. Nun ist man brav und tut, was von einem verlangt wird, nun ist das Leben der Spielplatz des Leidens und das Glück wird kommen – nicht in diesem Leben, irgendwie – danach.

Was ist Religion? In der Entwicklung des Menschen etwas, das ihn Teil etwas Grösserem werden lässt, ihm letztlich Ziel und Regel gibt. Dazu ist es etwas Persönliches, denn der eine braucht es, kann nicht ohne, und der andere kann damit wenig anfangen. Dass Religion gerne eingefordert wird, zeigt die negativen Eigenschaften von Gruppen: Sie werden dogmatisch, verherrlichen die Regeln und stellen sie über alles – wollen die Welt in ihr Weltbild zwängen und zwingen.

Auch Religionen können auf einfache Gruppen und Gruppendynamiken reduziert werden, dann widersprechen sie in aller Regel aber den Regeln der Religion. Religion kann missbraucht oder auf Teile reduziert werden. Das ist bei allen Regelwerken so. Das Regelwerk des Geldes kann über alles gestellt werden. Gemeinsam ist all diesen Weltbilder, dass sie einfach nur reduziert sind, vieles nicht sehen und erkennen, zwingend und als übermächtig betrachtet werden und so zum Grund des Leides auf der Erde werden, statt als Instrument dienen, es zu reduzieren.

Und wie verhält sich Religion und WERDEN? Im WERDEN ist Religion ein möglicher Bestandteil des Weltbildes des Menschen. Religionen nihilieren das WERDEN.

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