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Religionen II

3. Oktober 2016

Im vorigen Post ist von Religionen die Sprache, dabei werden als Hauptaufgaben der Religionen: Neugierde und Erklärpodium bezeichnet. Und es wird als wichtig erachtet, dass sie dabei nicht dogmatisch wird, denn dann werden die Hauptaufgaben von Gruppendynamik dominiert und damit korrumpiert. Religion erklärt selbst nicht, bietet aber den Raum und Gelegenheit zum Erkennen und Erklären.

Das liegt daran, dass die ersten Religionen die Welt erklärten: Warum alles so ist, wie es zu sein scheint. Oft war es auch eine Sammlung von Legenden, die halbwegs stimmig sein sollten. Später wurden immer mehr Podien eingerichtet – immer, wenn das ursprüngliche Podium dogmatisch wurde (Philosophie, Wissenschaften etc.).

Eine Religion, die die Welt erklären kann, bildet Gruppen aus. Diese entwickeln eine Eigendynamik, die die ursprünglichen Ideen überdecken oder ablösen. Nun liegt ein dogmatisches System vor, das der Gruppendynamik zuzuschreiben ist und nicht mehr der Religion an sich.

Religion und Gruppendynamik werden oft miteinander verwechselt. In denselben Topf wird gerne auch Tradition und Gesellschaft geworfen. Gesellschaftliches und Religiöses unterscheiden sich darin, dass Religionen (vom Kerngedanken her) aufzeigt, dass man sich (verbal und „unter uns“) einigen kann, die Gesellschaften aber die Aufgabe umsetzt. Das tun sie nur ungern, denn die Trägheit der Gruppe (manchmal auch: Tradition genannt) stellt sicher, dass vieles, was vorher schon war , bleiben wird.

Beispiele: Christus ist mit recht grosser Sicherheit eher im Sommer geboren (im Winter waren die Hirten nicht auf dem Feld). Der Geburtstag wurde unter anderem in den Winter verschoben, weil es ein grosses Fest bei den Kelten und Germanen in dieser Zeit gab. Oder: Das bekannte Intro: „Am Anfang war das Wort …“ ist typisch altgriechisch, stilistisch sicher nicht jüdisch oder so.

So mancher unterscheidet streng zwischen z.B. Gott und Religion. Es ist absolut erstaunlich, wie flexibel dieser Begriff gerne gebraucht wird. Und – was macht das schon? Wird jetzt gerne gefragt. Das bedeutet, dass man schnell in Missverständnisse gerät, denn wenn unter Religion die Zugehörigkeit zu einer Tradition oder gar zu einer Gruppe verstanden wird, dann wird die Frage: „Hast Du eine Religion?“ keineswegs zur Gretchenfrage. Hier lugt die Frage der Ehre und der Streitkraft um die Ecke, das ist aggressive Gruppendynamik pur.

In diesem Fall ist die Aufgabe eine ganz andere: Denn mit einem religiösen Diskurs redet man dann aneinander vorbei, es gilt dann aufzuzeigen, dass hier Familien und Gruppen eine ganz andere Aufgabe und Stellenwert haben: Der Staat ist hier die Gruppe, stellt die Regeln auf und setzt sie durch. Weder Ehre noch Gewalt sind hier verhandelbar: Niemand kann einem anderen die Ehre absprechen (Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“), wer es probiert, macht sich lächerlich; und der Staat hat das Gewaltmonopol, Recht wird hier nicht durch Masse und Faustrecht sondern durch unabhängige Richter gesprochen. Das hat seinen Effekt, seine Grund und ein Ziel, das kann man erklären.

Der Unterschied zum Gesetz der Familien und des Stammes ist, dass es vorausgesetzt wird, dass die Menschen die Würde des Menschen respektieren, davon wird ausgegangen. Wer dagegen verstösst, wird eher als zu emotional oder als „noch nicht ganz mit der Impulskontrolle zurechtkommend“ eingestuft. Das gleiche gilt für Menschen, die Gewalt anwenden. Und eben weil davon ausgegangen wird, dass die Menschen sich an diese Regeln halten, sind sie auch alle gleich. Eine Frau und ein Mann – beide sind sie Menschen. Auf eine Frau muss nicht aufgepasst werden (man hilft aber jedem, der von anderen in Bedrängnis gebracht wird – jedem. Das ist Pflicht, Es gibt keine Ausnahme).

Soweit das Ideal, es ist die Aufgabe der Menschen, die hier sind, das mit Leben zu füllen. Wie das bei allen Idealen der Fall ist. Und ja, es gibt auch hier Leute, für die das eine Überraschung ist oder die es lieber anders hätten.

In den meisten Gesellschaften sind ca. 80% aller Menschen schlicht daran interessiert, in und mit der Gesellschaft leben zu wollen. Die restlichen zwanzig Prozent haben die Aufgabe, alles zu hinterfragen, es ändern zu wollen und etwas zu machen. Doch von ihnen soll hier nicht die Rede sein, ausser, dass sie der Grund sind, warum es Organisation und Staat braucht (denn Gruppen unterdrücken diese Leute gerne). Die 80% sind hier relevant. Diese 80% wollen in Ruhe diese Regeln (ein Geben und Nehmen – mit Vorteil Geben) mit Leben füllen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten Flüchtlinge zu den 80% gehören wollen – sonst hätten sie keinen Grund gehabt, zu flüchten.

Es ist aber wichtig, dass auch die Europäer selbst (wieder) wissen, was die Grundideen waren (und immer noch sind, die hinter den verschiedenen Verfassungen und der EU stehen), sie sollten das mitteilen und mit jedem, der es teilen will, es zusammen mit Leben füllen werden.

Es ist auch so, dass dieses Verhältnis auch in etwa bei den Politikern besteht – doch sieht man da noch viel zu wenig, man kann sie kaum wahrnehmen. Erklärt Euch und lebt es. Kleiner Vorschlag: Fasst jeder kann sich heute einen eigenen Button machen (oder kennt einen, der es kann) Eine Acht steht für die 80% eine zwei für die 20%, Wenn ihr wollt, macht Photos und schickt sie her. Da dürfen Politiker mitmachen aber auch Bürger und Gruppen. Geht hinaus und redet.

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