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Bewertung und Personalfragen

26. September 2016

Nach all den Diskussionen am Wochenende und alle dem, was sich anbahnt, hier nur so viel: Wer eine andere Person beurteilen soll, sollte folgende Fehler nicht machen:

  • Rede mit den Leuten, nicht über sie. Aus folgenden Gründen:
    • Du machst Dir nur mehr Arbeit, weil statt einer Person nun mehrere Personen und die Dynamiken zwischen diesen zu recherchieren und zu bewerten ist – zu viel Arbeit, ein riesen Umweg und letztlich nur eine günstige Gelegenheit für ein paar Menschen, die sich profilieren wollen – warum auch immer.
    • Der Spruch: „Zeig mir Deine Freunde, und ich sage Dir, wer Du bist“ stimmt – aber er sagt ausdrücklich, dass die Freunde von der Person genannt und zu welchem Zweck sie befragt werden sollen – von Zufallsbekanntschaften im Privat- und Arbeitsleben ist da keine Rede!
    • Mit anderen Menschen über eine nicht anwesende Person zu sprechen endet meist in einem der zwei Punkte:
      • Die Personen reden indirekt über sich selbst, nutzen die andere Person lediglich als Beispiel und Aufhänger (diese Person wird eher undeutlicher)
      • Die Person weckt Gefühle und die Menschen verfallen in eine Standardreaktion, deren Natur privat, öffentlich oder gruppendynamisch ist. Alle Informationen dieser Art können beiseite gelegt werden, denn: Das Private wäre stark gefärbt (mindestens zwei Seiten müssten dazu gehört werden), das Öffentliche sagt etwas über Rollen aus, selten jedoch über Rollen, in die Arbeit oder Privatleben (private und öffentliche Personen können sehr unterschiedlich sein) und die Gruppendynamik ist aktuell nicht interessant, da das Team nicht bekannt und auf die Gruppendynamik eingewirkt werden kann.
  • Die eigenen Grenzen sind nicht die Grenzen der Welt. Mindestens in einer Sache sind wir alle gut – in den anderen aber schlechter als andere. Wenn einer etwas gut / besser kann, dann kann das geprüft werden und stimmt es, dann hat man was gelernt. Das hat sich dann meist schon gelohnt.
  • Keine Fragenkataloge aufstellen. Wer mit einem Fragebogen zu Beurteilung den Raum kommt, kann nur noch das vertreten, was auf dem Fragebogen steht – er ist bereits festgefahren, bevor die erste interessante Antworten auch nur eine Chance hatte, kann diese nicht mehr erkannt werden, weil sie nicht ins Schema passt.
  • Sei kein Oberlehrer. Und gib auch nicht vor der Psychologe vom Dienst zu sein. Wozu die Beurteilungen in der Schule dienen, sei an dieser Stelle dahingestellt sein – im richtigen Leben kommt es jedoch nicht darauf an, aus dem Eff-Eff die gewünschte Antwort zu liefern (vielleicht bei einigen Bewerbungsgesprächen) sondern darauf, eine der vielen richtigen zu finden. Wenn einer einen anderen Weg kennt, die Dinge anzugehen, dann ist das meist ein Gewinn, hat er Biss, ebenso, kommt beides zusammen, ist es nur noch eine Frage der Dynamiken – aber man bildet solche Gruppe, damit sich was tut, nicht dafür, dass sich nichts tut. Das ist dann genau das Richtige.
  • Wer ein oder zwei oder ein paar Seminare gemacht hat, ist noch lange kein Spezialist oder Könner auf dem Gebiet. Zudem sprechen sich solche „Befragungssysteme“ rasch herum und der ursprüngliche gültige psychologische Kontext ist hinüber. Gefährlich ist das von dieser Seite: Wo spricht es sich zuerst herum? Meist in der gewünschten Zielgruppe! Letztlich kann öffentlich bekannt werden, dass alles wissenschaftlich korrekt zuging – die indirekte Vorabselektion durchs Durchsickern von Informationen führt aber zur Homogenisierung der Teams und macht diese unflexibel.
  • Es geht nie um die einzelne Person, es geht immer um das Team. Ein Team braucht positive Stressfaktoren und Phasen, in denen es sich austoben bzw. wieder sammeln kann.
  • Es geht immer um die einzelne Person. Weil auf die Gruppendynamik leichter eingewirkt werden kann, als Einzelne zu Veränderungen zu drängen.
  • Sich nie von Widersprüchen in Verlegenheit bringen lassen. Sie zu erkennen, ist das eine. Nicht sofort eine Lösung parat zu haben, das andere (deshalb heisst es auch Arbeit). Es auf sich beruhen zu lassen, das ist ein grosser Fehler.
  • Fehler sind zum Lernen da. Auch das ist ein grosser Unterschied zur Schule. Wer im Leben einen Fehler macht und nichts daraus gelernt hat, der wird diesen Fehler wiederholen; macht einer in der Schule einen Fehler, dann wiederholt es der Lehrer (oder die ganze Klasse). Ziel ist es in beiden Fällen: Daraus zu lernen. Das ist eher eine Frage von aktiv und passiv als von wie in der Schule, so im Leben – meint man das, dann hat man etwas wesentliches nicht gelernt: Aus Fehlern kann man lernen. Und Beurteilungen sind temporär, Momentaufnahmen, nichts, was bleibt – es sei denn, man ist ein ganz sturer Bock.

Mir ist klar, dass die Fragen aus vielen verschiedenen Bereichen, Gründen und Themen stammen, die in diesem einem kleinen Post „beantwortet“ werden sollte. Aber sie haben alle etwas gemein: Redet nicht über die Menschen, redet mit ihnen – sonst geht ihr in die Gruppendynamik und die beurteilt Vergangenes statt Mögliches, Privates und evtl. Interessenskonflikte, die es mit anderen Personen so nicht oder stark verändert gibt und da im Arbeitsteam die Gruppendynamik eine ganz andere ist, da es ganz andere Menschen betrifft, kann nur ein Fehler gemacht werden: Alte Fehler wiederzubeleben, die es eigentlich gar nicht mehr geben sollte.

Um es mit anderen, kräftigen Worten zu sagen: Wer per Gruppendynamik beurteilen will, der ist nachtragend und kann sich nicht mehr bewegen. Der sollte keine anderen Menschen beurteilen und auch nicht mit anderen Menschen eng und / oder auf Dauer zusammenarbeiten.

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