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Post-faktische-Zeiten, sachlich

23. September 2016

Der Begriff meint, dass auf eine Zeit, in der die Dinge durchdacht und beredet wurden, eine folgt, in der Gefühle und Gruppe wichtiger als Fakten sind.

Es ist wichtig zu betonen, dass neben Gefühlen (die letztlich immer eine Rolle spielen) Gruppen das Sagen übernehmen. Passiert das, dann besteht die Gefahr, dass die Dinge so gesehen werden, wie sie gesehen werden sollen. Das Recht wird ausgehebelt und in die eigene (Gruppen-) Hand genommen. Begriffe wie Ehre, der konkreten Person und der Gruppe, werden über das Gesetz gestellt.

Wir reden von einer Zeit, in der sich Gruppen der unangenehmen Ausprägung bilden. Mit der Zeit sehen sie, dass dieser Weg nur dazu führt, dass sie sich gegenseitig umbringen werden und dass sie zusammen die Dinge besser gestalten und mehr erreichen könnten.

Diese Phase wurde in Deutschland und Europa nach dem zweiten Weltkrieg erreicht, es setzte Vernunft ein und versuchte die Dinge zu gestalten statt auf der internationalen Strasse (mit Krieg) auszumachen.

Die Aussage warnt vor Rückschritten, mahnt dazu, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen und verweist auf die negative Seite bzw. Effekte, die sich damit einschleichen: Wenn das Denken verschwindet, verliert man die Kontrolle und überlässt sich ganz den Gefühlen – die können ein guter Ratgeber sein, müssen das aber nicht. In der Politik sind sie meist schlechte Ratgeber, da es nicht um einen Zug geht, sondern um ein Gemenge von Interessen und Zügen, in komplexen Themen. Dazu sind ein paar Leute beteiligt, die auf Gefühlen gut spielen können.

Als Beleg kann die Art, wie das Brexit-Votum zustande kam, genommen werden. Manche wollen wissen, dass diese Art der Politik aus der Wirtschaft, genauer aus dem Verkauf abgeleitet wurde: Der Begriff „Mitnehmen der Bürger“ weisst in diese Richtung und das wiederum bedeutet, dass sich Politiker (wie der Verkäufer) als Leitfigur sieht, der die Aufgabe hat (für seine Gruppe) die Sache zu erledigen, sie durchzusetzen – übrigens: Koste es, was es wolle.

Mir ist klar, dass manche sich genau darin wohlfühlen würden, dass sie es genau so haben wollen. Diesen Menschen sei mit auf den Weg gegeben, dass sie selbst meist aus der Wirtschaft kommen oder unter der Wirtschaft leiden und nun entweder auf „geteiltes Leid ist halbes Leid“ plädieren oder endlich Gerechtigkeit einfordern bzw. dass sie der Meinung sind, dass früher alles besser war und einfach die Zeit zurückdrehen wollen.

Politisch aktiv werden, sollten keine Menschen, die aus dieser Motivation heraus arbeiten, denn sie sind es, die „immer dagegen“ sind und ausser einem „weiter so“ oder „zurück in die gute alte Zeit“ keine praktikablen, realistischen Lösungen anbieten, denn die Gefühle mögen sagen, dass früher alles besser war, weil diese Zeit hinter einem liegt und man weiss, dass man aus allem irgendwie „herausgekommen“ ist, bei den aktuellen Herausforderungen ist man sich da nicht so sicher. Und ein einfaches „weiter so“ ist wirtschaftlich fatal, weil es wirtschaftliche Stagnation bedeutet, man wird überholt werden und verliert die Kontrolle. Wer mit „geteiltem Leid ist halbes Leid“ argumentiert, stellt sich über die Anderen, ist einer, der seine Lehre missioniert, es besser weiss und meint, dass das Leben ihn viel zu hart heran genommen hat und die anderen fühlen sollten, was sie ihn angetan haben.

Keiner dieser Kandidaten wird ein konstruktives Ziel verfolgen.

Es gibt auch Menschen, die sagen, dass diese Zeiten bzw. Tendenzen (gerade in der Politik) viel älter bzw. verwurzelter sind, als man das annehmen sollte. Parteien sind Gruppen und Wahlkampf kann so geführt werden, wie das Brexit-Votum oder eben etwas verkauft werden kann (an der Haustür von einer Drückertruppe) oder man arbeitet die Themen durch, bietet Alternativen und zeigt Optionen auf – und lässt wählen, nach einem ehrlichen, fachlichen und sachlichen Disput.

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