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Einig Volk und „starke“ Männer

1. August 2016

Ein richtig „starker“ Mann. Eine Menge, die ihm zujubelt. Eine Menge, die Todesstrafe und Rechtsbeugung gut findet. Eine Menge, die eigentlich nur ein Mittel zum Zweck sucht und Ruhe will, damit ihre Familie und Freunde, die zu Hause blieben, leben können.

Die Gastarbeiter gingen, weil das Chaos in der Türkei es erforderten und das Ausland eine Chance bot. Ein richtig starker Mann scheint das Chaos meistern zu können – in der Regel, schafft er das aber nur bis zu einer, meist vorläufigen, Wirtschaft. Sie leidet noch an vielen Krankheiten: Korruption und andere, nahe an der Kriminalität schrammende Aktivitäten. Wer an dieser Macht ist, erhält sie, weil er sonst mit Gefängnis zu rechnen hat. Eine weitere gesunde Entwicklung – darf nicht sein.

Ein wirtschaftliches Aufwachen, ist relativ leicht. Eine solche Wirtschaft zu stabilisieren, benötigt, was es noch nicht gab: Rechtliche Sicherheit, funktionierende Institutionen etc. kurz: eine funktionierende, stabile gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Umgebung.

Ein starker Mann kann in so einer Umgebung nicht existieren und schaltet auf Selbsttverteidigung um – auf Kosten aller anderer. Ein starker Mann ist alleine stark – in der Gruppe geht er unter, in der Wirtschaft kann er nicht existieren, es sei denn, er ändert die Regel oder bleibt unentdeckt. Ein starker Mann bleibt allein und isoliert alle anderen.

Mit einem starken Mann mag es in einem chaotischen Staat anfangs aufwärts gehen – dann aber stagniert alles und das bedeutet, dass es wieder schlechter bis schlecht wird. Nun müssen andere daran Schuld sein: Bei Putin ist es die EU. Bei Erdogan ist es die EU. Warum ist es scheinbar immer die EU?

Weil der „Kampf“ gegen die EU, gegen einen vermeindlich „starken“ Gegner, wieder einen starken Mann braucht. Ebenso wird er im Inneren benötgt, wenn es Krieg gibt u.s.w.. All das sieht man in der Türkei und in anderen Staaten. Die EU sollte daraus lernen, dass autokratische, diktatorische Staaten keine guten Partner sind, dass das anders gemacht werden sollte – wenn man wieder einmal in eine solche Situation gerät.

Aktuell sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die EU und der Westen oder eben die „Anderen“ zur Projektionsfläche für alles „Schlechtes“ wird, damit der „starke“ Mann weiter machen kann. Die „Anderen“ legitimieren den Despoten. Propaganda nennt man das.

Propaganda bedeutet, dass der „starke“ Mann die politische Deutungshoheit hat und sie sichert, indem allen anderen vorgegeben wird, was sie zu denken haben. Dem starken Mann wird gern geglaubt, er weiss schliesslich, wie das geht. Es wird dabei gerne vergessen, dass die alten Tricks kein zweites Mal wirken – und so auch der „starke“ Mann improvisieren muss. Oder auch nicht, es gibt in der Geschichte genug Vorlagen für solche Entwicklungen. Lesen können und eine gute Bibliothek / Internet sollte reichen.

Mit anderen Worten: Ein gutes Leben kann man nicht delegieren. Als Volk kann man es aber so weit bringen, dass es geht. Alles, was es braucht, ist ein gutes Recht, Rechtssicherheit und Missbrauch zu strafen – da braucht es keine Todesstrafe, Jeden Tag eine Folge einer alten amerikanischen Serie im Gefängnis ansehen zu müssen ist schon grausam genug.

Mit anderen Worten: Man darf sie nicht an andere weiterreichen, die Aufgabe ein gutes Leben aufzubauen. Eine Gesellschaft, die weiss, was sie tut, die sich koordinieren kann, die nicht den alten Zeiten nachhängt (das geht nur, wenn man in einer Art Museum leben will – da hat die Jugend etwas dagegen und die meisten Eltern auch) wird benötigt.

Religion kann helfen, sie kann aber auch alles unmöglich machen. Religion ist nicht gegen Wirtschaft und Erneuerung – im Gegenteil, sie braucht beides selbst. Sie sollte sich da nichts vormachen. Weder sich selbst, noch den Glaubenden. Denn Religionen klären die grossen Fragen. Die Details klärt immer die Gesellschaft, und da sollte es, aus der Sicht der Menschheit, in mehrere Varianten geben. Die Grundregeln bleiben, die aktuelle Interpretation und wie sie gelebt werden, ändert sich – stetig.

Es gibt im Leben und in der Geschichte genug Beispiele, dass es Völker schaffen können – oft auch, in der eigenen Geschichte. Wer vergisst, dass es das Volk selbst ist, das das entscheidet, und es an andere delegieren möchte, der sollte immer bedenken, dass der „starke“ an sich und seine Chancen denkt, andere sind nur Mittel zum Zweck.

Starke Männer teilen und herrschen. Das Volk ist sich in den grundsätzlichen Fragen einig: Wollt ihr leben und arbeiten können? Die Antwort ist meist: Ja. Nutzt dieses Ja, und einigt Euch – das geht. Auch die Türkei war einmal einig und kann sich wieder darauf einigen, ebenso Russland und so weiter.

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From → Politik, Veränderung

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