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Wie „Reden“ und was „machen“?

26. Juli 2016

Wie kann ein „verschlossener“ Mensch „geöffnet“ werden?

Manchen reicht es, wenn ihnen die Chance gegeben wird, aus den Qualen, Wut und Zorn eine positive Kraft zu machen. Sie verfallen in Arbeitswut. Kreative neigen zu dieser Lösung. Vorerst. Es kann sein, dass wenn genug „abgearbeitet“ wurde, das Gesprächsniveau erreicht wird, andere steigen gleich auf diesem Level ein:

Für die meisten „Verschlossenen“ ist das Wort „Beziehung“ ein Fremdwort bzw. wurde zu einem Fremdwort. Andere Menschen sind schlicht eine zu bewältigende Aufgabe und sie werden immer besser bei der Lösung dieser Aufgabe. Sie lernen schnell zu erraten, was das Gegenüber hören oder sehen will und geben es ihm schlicht, damit er wieder weg geht. Das ganze Ziel ist Einsamkeit, weil „die“ das nicht verstehen können.

Ein Betroffener öffnet sich meist nur dem, der gezeigt hat, dass er die Situation selbst erlebt hat. Der beste (Initial-) Therapeut kommt daher aus den eigenen Reihen – falls er „es“ geschafft hat.

Das war erst der Anfang, denn alles was erreicht wurde ist, dass die Person über das reden kann, was passiert ist – aber nur gegenüber bestimmter Personen. Der Kreis sollte erweitert werden. Das Trauma soll besprechbar, vor allem aber in Sicherheit erinnert und bewusst gemacht werden, dass es vorbei ist, heute keine Gewalt oder Bedeutung mehr über einen hat und dass damit gearbeitet werden kann. Es gibt da viele Wege, die gegangen werden können, an dieser Stelle sollte einer, der sich damit auskennt das Ganze begleiten.

Gibt es keinen, der das selbst erlebt hat, dann bleibt nur übrig es selbst zu versuchen. Durch unaufdringliche, angenehme Anwesenheit, die langsam zur Nähe (i.d.R. nicht körperlich, das baut schnell Mauern auf) wird. Offen sein für Sprechen aber auch zusammen schweigen können. Die Bedürfnisse des Verschlossenen werden beachtet.

Was kann der Staat tun? Das einfachste wäre, den Flüchtlingen die Teilnahme an einer Trauma-Studie anzubieten: Die Teilnehmer führen Tagebuch. Sie melden sich täglich an und notieren, ob sie (Nacht- oder Tag-) Träume hatten und zu welchem Thema. Es sollen bewusst nachvollziehbare themenbezogene Stichworte sein, es kann zu jederzeit Zusatzfragen geben, die beantwortet werden sollten und gelegentlich werden Gespräch angeboten, um Vertiefungen aber auch Verbesserungen der Site oder des Vorgehens zu ermöglichen.

Bedacht werden sollte, dass die Teilnehmer nicht zu „zu therapierende“ werden sondern zu Teilnehmer an einer Trauma-Studie, die freilich auch Gesunde Teilnehmer benötigt, damit was zu vergleichen hat. Es ist ein einfache kleine Hilfe, ein erstes Zurückgeben, die der gesamten Gesellschaft nutzten wird.

Was ist dazu nötig? Eine Uni, die eine solche Studie machen und auswerten kann. Einer, der das Ganze sinnvoll aber auch schnell umsetzen kann (das bedeutet: das Format beginnt nahe an improvisiert und wird dann kontinuierlich verbessert) zudem die Infrastruktur und evtl. einen Staat, der das konstruktiv und (im Sinne der Studie und der Teilnehmer) zielorientiert unterstützt.

Was bringt das? Eine Gelegenheit eine bessere und umfassendere Studie wie diese durchführen zu können, wird es wahrscheinlich nicht mehr so schnell geben. Echte gute und belastbare Daten zu bekommen, das ist ein wichtiges Ergebnis. Wie diese gespeichert und aufbereitet bzw. ausgewertet werden, ist das zweite wichtige Ziel.

Mit ziemlicher Sicherheit können viele erkannt werden, die zwar traumatisiert sind, aber aktuell damit kein Problem haben – deren Einträge können dann digital und per Stichprobe vom Fachmann ausgewertet werden. Wie mit den anderen umgegangen wird, das ist dann Sache der Therapeuten und der Studie.

Um einen Ausgangspunkt zu haben, schlage ich vor: Eine individualisiertere Form der Zusatzfragen und gelegentliche Gespräche, evtl. ein Zusammenziehen der Kandidaten da, wie oben ausgeführt, der beste Mensch, um das Eis zu brechen, der ist, der es auch erlebt hat.

Sollten sich im Vorgehen herausstellen, dass es entsprechende Kandidaten gibt, dann kann es sinnvoll sein, diesen vorzuschlagen, dass sie in einem bestimmten Bereich kommen, in dem sie sich frei bewegen (und, falls gewünscht, Hilfe bekommen), wirtschaftlich etc. aktiv werden können, ihn aber ihn alleine verlassen sollen.

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Warum sollte das jemand mit sich machen lassen? Weil jeder in dem Bereich vor der Versuchung es zu tun bewahrt ist, denn er kann nicht an die Materialien heran – es wird vor sich selbst bewahrt, kann sich ansonsten aber frei bewegen. Er entlastet sich und die Polizei im Gastland. Zudem weiss er, wo er akut Hilfe finden kann und er kann sich in einer Selbsthilfegruppe tummeln. Es nimmt schlicht Druck weg. Doch was für einen Druck?

Es folgt eine frei erfundene Geschichte: Ein junger Afghane hat miterlebt, wie seine Familie gefoltert und getötet wurde, wie seine Freunde nacheinander starben und sieht nur noch eine Chance: Er wechselt die Seite. Er beweist sich dort und, da seine Vergangenheit in zum „idealen“ Kandidaten macht, wird er als Flüchtling in die EU geschickt. Er schafft es, wird gut aufgenommen und bekommt seine Chance. Alles ist gut.

Die neue Seite beginnt zu drängeln, beginnt zu drohen und tötet einen Freund. Daraufhin erfüllt er seinen Auftrag. Gegen sein eigenes Empfinden, gegen seinen Wunsch, gegen seine Überzeugung und Religion, Gegen alles, was ihn ausmacht – aber anders geht es nicht, leider.

Eine Person in einer solchen Lage, leidet heftige Qualen. Evtl. kann man ihr aber helfen. Afghanistan ist gross, die Freunde kann vielleicht man an einen – für sie, ungefährlichen – Ort bringen, die Person hier soweit ausbilden, dass er sie von hier aus unterstützen kann oder dort eine tragende Säule werden kann.

Es wird Hilfe zur Selbsthilfe geboten. Durch das „Auffliegen“ wird er nutzlos, er hat aber eine mächtige Motivation und wird sich – soweit das physisch und psychisch möglich ist – engagieren. Alles was er lernen müsste ist, den Kontakt zu einer hiesigen Import- Exportfirma zu pflegen, herauszufinden was man dort auf die Beine stellen könnte, lernen wie das geht und er kommuniziert das.

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