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Suizid, Amok und Terror

26. Juli 2016

Es wird zwar überall beschreiben, aber auch hier werde ich mit Fragen zu den Begriffen Suizid, Amok und Terror überschwemmt. Deshalb hier eine kleine Übersicht über die Begriffe und „was man tun kann“:

Prinzipiell reden wir hier über Aggressionen. Aggressionen kann man gegen andere, ein Thema / Sachverhalt aber auch gegen sich selbst richten. Es gibt auch Mischformen. In der Regel entstehen Aggressionen in einem Spannungsfeld zwischen Menschen bzw. Gruppen.

Gesetzlich unterscheidet man zwischen einer Affekthandlung (sie entsteht spontan aus der Situation heraus) er wird meist mit Totschlag geahndet und vorsätzlichen Aktionen, mit Todesfolge aus Gründen wie seelischer Grausamkeit, Gier oder Habsucht, Eifersucht, Wiederherstellung der Ehre oder anderen gesellschaftlichen, religiösen bzw. politischen Gründen. Statt immer diese Liste aufzuzählen, heisst das im Folgenden gruppendynamische Effekte.

Darüber hinaus gibt es eine Unterscheidung, in der Töten zum Job wird: Krieg. Da gelten andere Regeln, die blenden wir hier aus (ebenso in der Liebe, die blenden wir hier aber auch aus).

Die Begriffe, um die es hier gehen soll, sind nicht alle wissenschaftlich definiert. Deshalb gibt es oft Überschneidungen zwischen den Begriffen, die Grenzen sind fliessend.

Die Basis zu allen diesen Begriffen ist der Selbstmord bzw. die Bereitschaft dazu. Es gibt ein paar feine Unterschiede, die da gemacht werden: Bereit sein sich für etwas zu opfern, ist in manchen Gesellschaften akzeptiert. Es gibt auch Zeiten, in denen das erwartet wird (Krieg). Manchmal ist eine Protesthandlung (gegen sich selbst, Harakiri oder so) akzeptiert.

Es gibt eine Ganze Reihe von „Gründen“ für Selbstmord im privaten Bereich:

  • Das Signal / der Hilferuf. Die Bandbreite ist riesig: Gegen Dominierung, mangelnde Freiheitsgrade (Klammern), mangelnde Liebe etc. Trotz aller Gründe, geht es immer nur um eins: „Hört auf damit, vielleicht mache ich sonst ernst“. Dieser Selbstmord bleibt meist beim Versuch. Gelingt er, ist das als Unfall einzustufen.
  • Das Beenden eines Zustandes, dem man sich auf keine andere Weise mehr entziehen kann.
  • Die Enttäuschung von der Welt. Sie unterscheidet sich von dem Beenden wollen darin, dass es nicht ein Thema sondern schlicht viele Themen gibt, mit denen die Person nicht klarkommt.

Es wird keine Garantie auf Vollständigkeit jeglicher Aufzählung in diesem und allen anderen Posts dieses Blogs gegeben (dies ist keine Dr. Arbeit).

Die Frage, was man tun kann, kann nun beantwortet werden: Eine richtig gute Beziehung zu der Person und kontinuierliche Gespräche lassen solche Situationen nicht aufkommen. Das ist Vorsorge.

Vorsorge kann nicht funktionieren, wenn in der Welt der Umgebung des Menschen, Rollenbilder, Traditionen und Zwänge wichtiger als Menschen sind. Dann gibt es in diesen Gruppen irgendwann eine Entscheidung nach dem Motto: Der / Die ist es nicht wert, der / die ist anders, in die Ferne mit ihm / ihr.

Diese Gruppen sind nur zur Eigenliebe fähig und sieben gnadenlos aus, was ihnen nicht ähnlich ist. In der Regel dauert es nicht lange, bis solche Gruppen aussterben, da die Grenzen immer enger werden. Toleranz bedeutet in solchen Gruppen: Ein bisschen frisches Blut tut gut, aber bei den Regeln werden wir strenger. Es müssen nicht immer Regeln und Gesetze sein, Vorurteile tun es auch.

Vorsorglich ist der Aufbau solider Beziehungen sehr wirksam. Grundsätzlich bleibt das auch das wichtigste Ziel, auch, wenn das immer schwerer wird, je tiefer der Mensch in die Schwierigkeiten gleitet. Das wird auch deshalb schwerer, weil die Person immer besser wird im Vertuschen seiner Schwierigkeiten. Es scheint mit ihr aufwärts zu gehen – gerade dann, wenn die Entscheidung die Tat zu begehen gefallen ist, dann steht der Silberstreifen am Horizont, dann scheint es oft, als wäre die Episode vorbei. Reingefallen.

Resümee: Je gleichgeschalteter eine Gruppe ist, umso weniger Anlaufstellen gibt es für Menschen, die irgendwie anders zu sein scheinen oder meinen das zu sein. Umso mehr finden keinen Ausweg mehr und beenden die Sache so oder so.

Übrigens: Es gibt kaum einen Menschen, der nicht selbst mal darüber nachgedacht hat, fasst jede „Sinnfrage“ wirft die Frage irgendwann einmal auf. Gerade in der Jugend ist man etwas anfälliger. Es gibt aber auch später Phasen oder Ereignisse, die die Frage stellen. Übrigens: Fast keiner macht es. Beginnt jemand damit sich die Sache auszumalen und bleibt das Bild präsent, beherrscht es die Person oder beginnt es ein Eigenleben zu führen, dann wird es kritisch.

Übrigens: Ähnlich wie bei einer Person, verhält es sich auch bei Gruppen.

Der „einfache“ Selbstmord will i.d.R. etwas beenden. Der Amokläufer gibt irgendwelchen anderen die Schuld und meint, dass es nur richtig ist, so viel wie möglich von „denen“ mitzunehmen. Von Amok redet man aber auch, wenn einer affektiv wütend oder rasend wurde und dabei mehrere Menschen verletzt oder tötet. Hysterisch werden kann eine Vorstufe sein und kann zum Amok werden, falls genug Wut etc. dazukommen. Der Amoklauf aus gruppendynamischen Gründen, ist meist bewusst und geplant. Ehrenmord und Krieg gehören oft in diese Kategorie. Asymmetrisch wird es dann gerne Terror genannt.

Auch beim Terror reichte das Sprechen nicht, bzw. es wird kategorisch von einer Seite verweigert. Eine Gruppe findet keine anderen Argumente mehr und greift zu massiven Mitteln, um die anderen aufzuwecken, zu bekehren oder gefügig zu machen. Oft sind es beide Gruppen, die zu massiven Mitteln greifen, wer „angefangen“ hat ist oft schwer zu sagen.

Fazit:

Selbstmord ist eine Aggression gegen sich selbst (der Grund ist meist im persönlichen Umfeld zu suchen).

Ein Amoklauf kann im Affekt geschehen, kann eine Aggression gegen andere sein, die den eigenen Tod als gerechte Strafe akzeptiert. Der Amok kann ein versteckter Suizid sein, falls er lediglich dazu benutzt wird, um anderen einen Grund zu geben, die Person zu töten. Ein Unterschied zum Terror ist, dass es etwas persönliches ist. Er kann geplant sein, dann finden sich oft Begründungen zumindest intensive Unterlagen zum Thema vor. Es bleibt aber die persönliche Demütigung von einer Gruppen, von den „anderen“ als Motiv.

Ein Terrorakt ist gesellschaftlich motiviert. Man regt sich über eine Norm, Gesetz, Regel oder Tradition auf. Es gibt zwar Vertreter dieser Gruppe, aber es ist die Sache selbst, die getroffen werden soll, da es sonst keine andere Kommunikationsmöglichkeit mehr gibt.

Die Bereitschaft zum Terrorakt, ist der interessante Punkt. Die Eigenschaften eines (potenziellen) Amokläufers können genutzt werden oder man idealisiert eine Person, schwört sie auf das Wohl einer Gruppe ein und fordert den Einsatz des Lebens für diese Gruppe. Der Unterschied ist: Der Amokläufer instrumentalisiert die Terrorgruppe oder die Terrorgruppe den Amokläufer. Nur die Taten, die durch „auf die Gruppe Eingeschworene“ verübt werden, sind in diesem Zusammenhang „echte“ Terrorakte, das andere sind nur Trittbrettfahrer oder beschönigen die Statistik. Um es deutlich zu sagen: Es wird zwischen dem Schrecken für die lokale, persönlichen Gruppe und dem Schrecken für den Staat unterschieden. Letzteres ist offiziell Terror, das andere offiziell ein gesellschaftlicher Unfall (für den der andere Schuld hat).

Achtet eine Mehrheit ihre Minderheiten nicht, dann kann Terror eine der Folgen sein. Übrigens: Es findet sich immer eine weitere Minderheit, achtet eine Mehrheit keine Minderheit, dann ist es gut möglich, dass sie sich selbst vernichtet. Das ist auch bei Ehrenmorden so, denn die Regeln der Gruppe werden über die Interessen der Mitglieder gestellt.

Fazit: Was kann man machen? Mit den anderen sprechen und sie ernst nehmen. Ausgeglichen genug sein, um den Blickwinkel der anderen verstehen zu können. Und bereit sein, Änderungen zu akzeptieren und durchzuführen. Gelegentlich über den eigen Schatten springen. Wenn Regeln des Sachverhalts („ist nichts Persönliches, ist nur wegen dem Geschäft“) oder einer Gruppe wichtiger werden als die (Bedürfnisse der) Mitglieder, oder schlicht geändert werden müssten, das aber nicht passiert, wenn man also stur bleibt, dann kann Suizid, Amok und Terror folgen.

Wer nicht mehr reden kann. wird kämpfen. Bricht eine Kommunikation ab, dann verspricht sich zumindest einer einen echten Vorteil davon – meist ist es ein Beenden eines Zustandes. Mit einem Abbruch einer Kommunikation trennt man sich von einem Teil des eigenen Seins. Und man macht sich vor, dass etwas geklärt wurde – es wurde aber nur verdrängt.

Was kann man in so einer Situation tun? Fragen stellen und verstehen wollen. Wer mit „ihhhh, das will ich nicht“ reagiert, macht zu, bricht ab. Er sollte verstehen, dass seine Welt gerade etwas kleiner wurde, denn von jedem Menschen kann man etwas lernen: Jeder Mensch denkt logisch – sein Datenmaterial mag merkwürdig sein und widerlegt werden können, aber jeder denkt logisch. So weit kann man jedem folgen.

Seine Meinung verstehen heisst nicht, seine Meinung zu übernehmen. Lernen ist definiert als eine Änderung im Verhalten aufgrund neuer Information. Verstehen heisst nur, dass einem eine ganze neue Welt geboten wird, was man davon übernimmt, steht auf einem anderen Blatt.

Neue Denkschemata können sehr hilfreich sein. Ich kenne immer noch nicht auch nur einen, der neue Denkschemata verwendet liess – sie sind logisch und können eingesetzt werden, das Datenmaterial macht die Schwierigkeiten, neue Denkschemata liefern nur eine weitere Möglichkeit.

Wer sich verpflichtet fühlt alles einfach zu übernehmen, was ihm gesagt wurde, sollte wissen, dass er ferngesteuert ist und die, die meinen, dass andere nur zu tun haben, was er sagt, sollte wissen, dass er fernsteuern will. Das mit dem Fernsteuern ist meist eine Sache für Spielzeuge und in der Arbeit oder effektiven Leben Sacher der Rechner.

Man sollte aber bedenken: Anfangs kann praktisch jeder diese Gespräche führen. Mit der Zeit braucht es speziellere Kaliber.

Aber dass es anfangs praktisch jeder sein könnte, zeigt die Geschichte von zwei Zwillingen, die getrennt aufgewachsen sind, beide in unvorteilhaften Pflegefamilien mit erstaunlich ähnlichen Lebensläufen, jedoch mit einem Unterschied: Der eine wurde eines Tages von einem Kind angesprochen, das nur fragte: „Warum bist Du so traurig?“ Es folgte ein Gespräch, das typisch für diese Kombination ist, und kurz war. Allein die Erkenntnis, dass es einen Menschen gibt, der „es“ sieht, beendete seine Einsamkeit und dass es ein Kind war, stärkte in ihm das Gefühl, dass er das auch kann. Nun war er es, der die Frage stellte. Bei seinem Bruder hatte er keinen direkten Erfolg – aber einen indirekten, denn sie gingen zusammen zur einer Therapie, die beiden gut tat.

Was ist ursächlich für solche Schwierigkeiten? Ein Mensch, der in einer Umgebung aufwächst, die ihm nicht geben kann, was er braucht. Oft sind das einfache Sozialisationsmechanismen, wie: „Das tut man nicht“. Der eine fürchtet Regeln und hält sie deshalb ein, der andere will sie verstehen. Bleiben zu viele solcher Fragen offen (oder soll er zu viele Begründungen lernen), oder werden sie nur mit Härte und Zucht und Ordnung beantwortet, dann wird dieser Mensch einer von denen sein, die sich häufiger die Frage stellen: Beenden oder nicht? Statistisch steigt nun auch die Zahl derer, die sich für beenden entscheiden – irgendwann einmal.

Die Zahl der Selbstmorde kann eine statistische Kenngrösse für die Repressalien innerhalb einer Gruppe sein und damit auch ein Qualitätsfaktor beim direkten Vergleich.

Was kann man aktuell politisch machen? Politischer Aktionismus wird nichts nutzen, treibt alle nur noch mehr in die gefühlte Hilflosigkeit und in eine weitere Runde auf der Spirale. Eine stabile, gute Gesellschaft richtet das von selbst. Solange es diese Gesellschaft nicht gibt, müssen wir so tun als ob und irgendwie die fehlenden Funktionen „liefern“. Sozialwesen nennt sich das wohl.

Etwas genereller: Aufruf zur Menschlichkeit; zum Leben im Hier und Jetzt; weniger im Vergleich und im Wettrennen um Wichtigkeit leben sondern zusammen leben (das geht! Das ist sogar eine der grundsätzlichen Aufgaben des Menschen).

Wem die Auseinandersetzung, die Sippe, Religion oder irgendwelche gruppendynamische Dinge wichtiger als die Menschen sind, dann sollte man wissen, dass man sich aktiv über andere stellt – und allen sein Potenzial vorenthält.

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