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Platon, Gemeinschaft, Rechts und TTIP

12. Juni 2016

Platon sagte: Auf jede Demokratie folgt eine Diktatur, weil es immer genug Trittbrettfahrer geben wird, die bei Gelegenheit die Macht an sich reissen werden. Er geht weiter: Es werden Schmarotzer sein, die in jede Lücke der Macht kriechen und sie letztlich ergreifen.

Er rechnet mit einer sukzessiven, subversiven Übernahme.

Es ist gut, wenn man weiss, was für Plato die Demokratie war: Eine anarchistische, herrenlose alle und alles gleichmachende Regierungsform, eine Regierungsform, die zu den drei ausser Rand und Band geratenen, eben den anarchistischen, kranken Staatsformen, die Oligarchie und die Tyrannei nehmen die Demokratie in die Mitte.

Die Antike (und das Mittelalter) geht von etwas aus, das man die natürlich oder göttliche Ordnung nennen kann, in der von Gott jeder an seinen Platz gestellt wird und dort zu bleiben hat. Dennoch konnte man in der Antike durchaus auf- oder absteigen. Für sie war das eher eine Legende, die die Anfänge, so, wie es einmal war, heute aber nicht mehr sein muss, erzählt.

Für Plato war wichtig, dass bei denen, die Herrschen, das Beste zusammenkommen sollte, damit sie für die schwerste und verantwortungsvollste aller Tätigkeiten im Staat, gewachsen und vorbereitet sind.

Da es keine allgemeine Schulpflicht gab, lernten die Kinder das „Handwerk“ ihrer Eltern durch die tägliche Beobachtung. Um Wissen aufbauen zu können benötigte man „freie Zeit“ das griechische Wort dafür ist Schule und umfasst alles, was man an Privilegien benötigt, die es zum Nachdenken braucht. Für den Pflug und zum Ernten braucht es keine solche Gehirntätigkeit entsprechend auch keine Schule. Dennoch forderte Plato, dass ein jeder sein Bestes im Staate gebe und einbringe.

Eine Übersetzung seiner Worte in eine heute verständliches Bild könnte sein: Dass Demokratie ein Beweis dafür ist, dass es zu viele und viel zu viele schlechte Köche zur selben Zeit gibt.

Im Sinne von Leanmanagement, zügigem und effektivem Arbeiten und einer gewissen Stabilität oder Kontinuität forderte er, ganz der Legende entsprechend, dass sich die Besten um diese (und jeweils die Besten in allen anderen Branchen) kümmern. Man könnte von einem Wettbewerb der bestens ausgebildeten Individuen um die beste Leistung im und für den Staat (und jeder anderen Branche) vermuten.

Betrachtet man die Änderungen, die sich seit Platon bis heute ergaben, dann erkennt man, dass heute niemand mehr auf den Job des Vaters festgelegt ist, sondern dass in jedem Segment ein gewisser Wettkampf erlaubt ist, dass die Leistungen aber korrekt eingeschätzt und respektiert wird.

Heute sollte es Standard sein, dass jeder, der etwas zu einem Thema beitragen konnte, einen Achtungserfolg erhält, dass Moden oder Verdrängungsmethoden als destruktiver Beitrag abgelehnt werden.

Platons Aristokratie (in jeder Branche) ist einer heute zu Tage Demokratie mit verlässlichem Recht, Gewaltenteilung und Konzentration auf das Beste des Staates (heute gibt es einen grossen Konflikt zwischen den Interessen der EU und der Einzelstaaten).

Bereits Platon hat behauptet, dass diese Aristokratie von einer „Herrschaft der Geehrten“ oft als die „Neureichen“ oder „Geldadel“ bezeichnet, abgelöst werden.

Heute vermuten viele, dass gerade dieses passiert. Doch was ist dran, an dieser Befürchtung? Fasst jede Wirtschaft – solange sie nicht vernünftig betrieben wird – schwankt zwischen Mini- und Maxima, sie verläuft nicht linear und gleichmässig, sie verläuft in Wellen.

Diese Wellen spülen immer wieder Einzelne an die „Spitze“. Es kann Glück gewesen sein, weil man zum rechten Zeitpunkt zur Stelle war oder das richtige Produkt an den Markt gebracht hat, dann kann es auch mit viel Arbeit gepaart sein, eine heftige Arbeit, auf die man sich nicht gerne einlässt. Viel besser ist es, einfach die Lebensdauer des eigenen Produkts zu schützen und oder zu verlängern, wenn es geht.

Gelingt es einem gewissen Prozentsatz von Marktteilnehmer durch Monopole oder andere Schutzmassnahmen / Protektion ihre Produkte zu schützen, dann steht eine Marktsättigung an und auf die folgt gerne ein Zusammenbruch des Marktes. Je grösser der Teilnehmer ist, kann er andere Produkte oder Märkte mitreissen (systemrelevant sein oder werden).

Was auf dem Finanzmarkt passieren kann, kann auch für Märkte und Länder zutreffen: Ist man einseitig ausgelegt, dann kann es schnell von ganz oben nach ganz unten gehen. Ein Staat tut gut daran, möglichst breit aufgestellt zu sein und das in allen Segmenten und Bereichen.

Beispiel Agrar: Die Grundlast sollte sowohl industriell aber auch von vielen kleinen und mittleren Betreiben getragen werden, dazu sind Spezialisierungen nötig, mit anderen Worten: Möglichst viele Produkte, die aus demselben Grundmitteln hergestellt werden. Wenn es zu viel Milch im Markt gibt, dann verkaufe ich nicht mehr an die wenigen industriellen Betriebe sondern an viele lokale zumindest kleine Betriebe bzw. versuche selbst einen auf die Beine zu stellen.

Der Markt versucht die Produkte so billig zu kaufen und so teuer wie möglich zu verkaufen. Wer immer bessere Konditionen liefern kann, der wird bevorzugt, Wettbewerber werden verdrängt – um, wenn das Monopol erreicht wurde, den Preis bestimmen zu können (das gilt auch bei Daten: Wenn sich die Anbieter sicher sein können, dass ihr Produkt gekauft wird und es keine Alternative dazu gibt, dann merkt man das schnell am Preis und an der Leistung (das eine steigt, das andere fällt).

Die Produktionskosten werden gesenkt, Mitarbeiter freigestellt und andere Produkte unterdrückt. Es gibt dann in dieser Branche keine Arbeitsplätze mehr, deshalb weniger Nachfrage, das kann zum Kollaps des gesamten Markt führen.

Aber auch bei der Entwicklung neuer Produkte wird eine grosse Lücke gerissen da jedes stagnierende Produkt entweder durch ein ganz neues, innovatives ersetzt wird oder durch Kombinationen und Varianten anderer Produkte variiert wird, entfallen die Impulse des grossen Markts, wirkt sich das auch auf die kleineren aus – das Ergebnis sind gemeinsame Schwankungen aller Märkte.

Die Automobilbranche ist so ein Kandidat, die Chemieindustrie und andere stehen stark im Verdacht. Angenommen Tesla schafft das, dann ist die Autoindustrie praktisch komplett in den USA, China wird schnell Druck aufbauen und selbst Werke bekommen, die EU würde aber am Tropf der USA und Chinas hängen, dürfte max. in Lizenz produzieren. Fasst 50/50 steht es bei den Meinungen, dass sich das die Automobilindustrie selbst zuzuschreiben hat, andere meinen die USA sei schuld (habe das ganze geplant) oder es sei eine Verschwörung gewesen.

Für einen grossen gemeinsamen Wirtschaftsraum ist es das beste, wenn es vor Ort genügend Arbeitsplätze gibt und die Produkte und Arbeiten ineinandergreifen können: IvaP leistet genau das. Übrigens wäre das auch gut für die USA und für China – zumindest aus Sicht der Wirtschaft und weniger aus Sicht des max. Gewinns, man kann eben nicht immer alles haben.

Um es also deutlich zu sagen: Ja, so grosse Branchen, Konzerne und Betriebe bekommen über die Marktmacht, Kapitalflüsse und Steuerkonkurrenz den Status der Neureichen und können bis dahin gut aufgestellte (aber bereits protektionierte Staaten und Märkte komplett dominieren. Dass sie es können, das kann heute deutlich erkannt werden (es sei denn, man will wegschauen – aber die gibt es immer).

Obwohl der Markt bereits verstanden hat, dass es so nicht weitergehen kann, wird dennoch mit TTIP versucht, die alten Regeln „für alle Zeiten“ (wie das so „schön“ heisst) fest zu schreiben. Es ist ein, vielleicht letztes Aufbäumen, des Neoliberalismus. Kommt es, gehen wir in eine weitere Runde, die wieder durch eine platzende Blase (die Kandidaten können bereits genannt werden, z.B. ist der Finanzmarkt wieder dabei (SynErgy könnte den Druck herausnehmen! Sowohl der Autoindustrie (neue Produkte) als auch beim Finanzmarkt(sinnvolle Investitionen mit guter Rendite) ) auf die Missstände hinweist und uns eine Chance geben, es anders zu machen.

Alles in allem: Kommt TTIP geht es auch schnell wieder – falls wir vernünftig sind. Ansonsten spricht viel dafür, dass die Neureichen die Politik übernehmen, dem Protektionismus durch den Investorenschutz sei Dank.

Wenn in allen Branchen und Bereichen ein gesunder Wettbewerb und faire Regeln herrschen, dann kann man von einer Herrschaft der Besten (im Besten und aktuellsten Sinn) reden. Dann gibt es auch eine Gemeinschaft. Macht jeder sein eigenes Süppchen, dann wird immer seltener die Leistung zählen (weil die Produkte einfacher werden, weil keine Impulse von aussen kommen bzw. zugelassen werden) dann, werden die nach oben gespült, charmant oder die den grössten Unterhaltungswert oder den grössten Gewinn (direkte und persönliche Auszahlung bitte), die beste Variante ist vielleicht noch ein solider Verwalter bieten oder sind.

Gesellschaft wird dann klein geschrieben bzw. vermisst. Da die meisten Menschen nun mal in Familien organisiert sind und sehr genau wissen, dass das Gewohnte und Gewollte nicht alleine sondern nur zusammen (mit vielen anderen zusammen) aufrecht erhalten werden kann, der Staat aber keine Gemeinschaft mehr verspricht oder pflegt, schafft man sich das Paradies dort, wo man es kann: Im Kleinen. Dieses Zusammenrücken wird oft als Rechtsruck beschrieben, wirklich rechts ist es erst, wenn autoritär und elitär rigoros durchregiert wird.

Z.Z. geht das Gerücht um, bei der Jungen Union sei (im Scherz?) gesagt worden: Ermächtigung! diesmal machen wir es richtig. Warum? Weil man das Leben eines Herrschers, wenn der Durchregieren kann, nicht einfacher machen kann.

Es hängt aber von den Entscheidungen ab, nicht von der Leichtigkeit des Regierens. Aber eine gewisse Leichtigkeit wird durch das Parteibuch geboten – und um die anderen ist es eh nicht schade.

Man sieht, wenn Gruppendynamik statt Demokratie herrscht, ist nichts anderes mehr als nur noch die Gruppe wichtig – das ist wie bei einer Sucht und hat dieselben Folgen.

Ein paar Leute wollten einen grossen Überblick bekommen – es ist wohl wieder nur ein kleiner oder teilweiser geworden. Für die wenige Zeit, die ich z.Z. für diese Dinge haben, scheint es gelungen, aber ich erwarte eine Flut von Fragen. Bitte nicht sauer sein, wenn es etwas dauert.

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