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Paula und Paul

16. Mai 2016

Paula und Paul entdecken die neue EU

Es klingelt. Nein ER klingelt – der Wecker! Dieses uralte, mechanische Schepperdings wurde vererbt, ebenso wie der niedrige Blutdruck, der das Aufstehen und den Tag zum ewigen Mühsal machen kann. Nicht jeden, aber wenn, dann beginnt es gleich morgens. Nur der Schepperer nervt genügend, dass man aufsteht. Das ist schon seit ein paar Generationen so, seit 1960 um es genau zu sagen.

Paula erwartete, das Paul, dieser – Frühaufsteher!, das Ding ausmacht. Aber das macht er nicht!? Er meint: „Der macht doch nur seinen Job.“ Aber er, mein Mann – macht der auch seinen Job?, wäre es nicht seine Aufgabe, seine Frau vor Schlechtem – wie einem absolut nervigen Wecker! – zu bewahren? Sagt sie das, dann er: „Tu ich doch: Weil ich ihn klingeln lasse, stehst Du auf und behältst Deinen Job.“

Normalerweise nörgelt und ärgert sie sich weiter. Irgendwann steht Paul dann vor ihr, schüttelt den Kopf und kann es nicht glauben, dass man sich mit so wenig Blutdruck derart aufregen kann. Paula bereitet innerlich eine Eruption vor, doch dann merkt sie: Ja, jetzt habe ich den richtigen Blutdruck und sagt: „Danke mein Schatz – und einen schönen guten Morgen“.

Manches ändert sich nie, anderes schon. Paula und Paul sind ein gutes Beispiel dafür. Vor den Genderdebatten hiess es Paul und Paula, der weichere Ausklang von Paula ist am Ende der Aufzählung besser. Die Genderdebatte hat die Kunst durch „politische Korrektheit“ zensiert: Nicht mehr das Versmass zählt. Wie immer, wenn zensiert wird, wird die Kunst und Kultur dann subtiler und damit wirksamer und in den Augen der Betroffenen „gefährlicher“. Manches ändert sich nie: Sie lernen es nie – aber bitte! An wen die Runde geht, ist ja bekannt.

Die Genderdebatte stand für ein Phänomen, das sich über lange Zeit entwickelt hat. Es gibt dazu verschiedene Geschichten, eine lautet: Der Krieg ist der Vater des Feminismus, denn er und die Industrialisierung riefen die Frauen zur Männerarbeit und dort erkannten die Frauen, was sie können. Aber auch, dass eine Frau, die keinen Mann nicht mehr nur die Wahl zwischen Haushälterin, Lehrerin oder (die meisten nur zur) Hure hatten. Es gab genug Arbeit und sie konnten sie leisten, unabhängig werden.

Die letztlich gesetzlichen und gesellschaftlichen Regeln, die Frauen diskriminierten, wurden in Deutschland kurz vor der Jahrtausendwende, widerrufen. Wer damals meinte, dass der Feminismus bereits ein alter Hut wäre, der irrte, auch das ewige Wiederaufkeimen des alten Familienbildes wies auch in diese Richtung.

Anfangs hiess es: Die Frauen haben sich emanzipiert, jetzt sind die Männer dran. Aber dann viel der Industrie nur ein, dass Männer nun auch Kosmetik kaufen sollen. Andere sagten: The Winner takes it all und die Männer befürchteten, dass sie nun zu Frauen werden müssen – gut einige befürchteten das nicht so sehr.

Aber es blieb dabei: Das alte Weltbild, die Welt, die nach Geschlechtern aufgeteilt war, wurde in Frage gestellt. Ein wichtiger Grund war, dass sie sich in Kriegszeiten als Farce und Mythos erwiesen und man es auch nicht mehr für den lieben Gott tun wollte.

Letztlich stand man vor der Frage: Wie lauten unsere neuen Regeln? Alle dachten: Schade, da ist keiner der sie uns vorsagt und -schreibt. Das wird wohl nichts. Deshalb setzte man wieder auf das Altbekannte und variierte es. Und wenn es sein muss, dann so lange bis es passt – hiess die Device.

Die Politik hielt sich heraus. Dabei wäre es an ihr gewesen, diese Diskussion zu führen. Da befürchtet wurde, dass solche Diskussionen nur die Wähler verschrecken, mied man das Thema und kümmerte sich um die viel wichtigere Frage wie Rentengeschenke und wie man sich von anderen unterscheiden sollte.

Paul war bei diesem Thema der Meinung, dass man nur darüber hätte sprechen müssen, dass Begriffe wie Würde, Ehre und so weiter durch andere, besser bekannte und konkretere Begriffe hätten ersetzt werden sollen. Das hätte gereicht. Statt dessen gewannen die Kirchen für eine gewisse Zeit die Oberhand und wollten diese auch behalten. Gleichzeitig wollte die Finanzwelt ernten und die Herrschaft übernehmen – man hatte es schliesslich lange genug vorbereitet und hatte es sich nun verdient, meinte man – aber da schossen die Kirchen quer und der Bürger geriet zwischen zwei Fronten.

Paula wäre in der Zeit sicher auf der Seite der Kirchen gelandet. Paul hätte „Demokratie“ gerufen und beide wären sich nie begegnet. Paula hätte damals sicher gesagt: Wir hätten uns schon gefunden vielleicht hätte sie sogar gesagt, dass Gott das schon gerichtet hätte; aber Paul wusste, dass die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien keinerlei Beziehungen zu anderen Parteien geduldet hätten – die Religionen hätten jedenfalls gesagt, dass Gott das nicht wolle. Es wäre wohl wie bei Romeo und Julia (das A ist immer am Ende), das bekanntlich nur für Shakespeare gut ausging.

Die Genderdebatte endete abrupt und erstaunlich: Man beschloss, dass Frauen Kinder bekommen. Darüber hinaus beschloss man, dass die Gesellschaft bei der Erziehung hilft. Das wurde von allen getragen, selbst von der Wirtschaft. Der Wirtschaft gefiel die Vereinbarungen, weil sie praktisch nichts kostete aber versprach sehr viel besseres Material zu liefern.

Konkret wurde vereinbart, dass die Schulen um ein paar Schlafplätze erweitert wurden, die 24 Stunden und fasst 365 Tage betreut waren. Dann wurde noch beschlossen, dass das Schulwesen umgemodelt wird, da die Digitalisierung den reinen Wissenstransfer übernahm waren die Aufgaben der Erzieher soziale Kompetenzen und persönliche, gruppendynamische Fragen zu beantworten und die Entwicklung zu fördern.

Die Schulen wurden quasi zu einer Art Ganztages-Jugendzentrum, in denen betreutes Entwickeln angeboten wird.

Vielleicht geht es irgendwann mal weiter

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From → Politik, Prosa, Wirtschaft

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