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Machtfrage

21. Februar 2016

Das Telefon klingelt. Ein Bekannter fällt mit der Tür durch das Telefon: „Hay – was ist Macht?“. Es ist OK, wenn man zügig zum Punkt kommt, etwas Zeit zum Umschalten wünscht man sich dann doch. Da hilft alles nichts. Den Teil des Telefonats, den ich brauchte, um mein Thema beiseite zu legen und mich dem neuen zu stellen, gebe ich hier nicht wieder. Aber nehmt Euch ruhig die Zeit, macht es Euch bequem und stellt Euch auf einen neuen Dialog ein.

Weiter geht es an dem Punkt, der für den Blog wichtig ist:

Macht ist eine Frage der Gruppendynamik, des WERDENS. Weder im ICH, DU oder IHR ist Macht eine relevante Frage. Das ICH macht, was es selbst kann und nimmt alles andere stoisch. Das DU sorgt sich um andere und merkt bald, dass dem enge Grenzen gesetzt sind, sehen es aber fatalistisch: Gruppen sind ein überschaubarer Haufen. Das WIR versucht diese Grenze zu durchbrechen und zu meistern. In bestimmten Phasen, indem es versucht andere zu oktroyieren, zu kontrollieren, zu manipulieren, zu nötigen und zu brechen. Das IHR hat die Gruppen überwunden, es sucht und findet allgemeingültige Regeln. Im WIR kommt Macht von „Machen“, von Meinungs-mache von Mehrheiten-machen und Durchsetzen.

Durchsetzen? Ist das nicht ein „männliches“ Attribut? Ist Macht nicht männlich? Macht ist Gruppe, ist Organisation von Vielen. Macht ist eine Stilfrage – und insofern ist sie eher weiblich. Wenn macht männlich wird, wird sie das meist, weil Macht und Gewalt miteinander verwechselt zu werden. Viele Gesellschaften organisieren sich durch Übergriffe, die mit Menschenrechte nicht vereinbar sind; auch diese Übergriffe sind Gewaltakte – Gewalt ist, in Deutschland, dem Staat vorbehalten, „wir“ regeln das anders, typischer Weise durch Denken und Gespräche. Wer sich durchsetzen will, der macht es sich zu einfach.

Aber „durchsetzen“, das hören und sehen wir überall! Firmen fordern dieses können, die Politik, selbst der Pfarrer setzt sich durch und wenn Regeln nicht durchgesetzt werden, werden Kinder orientierungslos?! Ohne „durchsetzen“ geht nichts – in dieser Welt?!

Bei den Beispielen zeigt sich schon, dass ganz unterschiedliche Situationen in einen Topf geworfen werden. Am deutlichsten wird das bei dem Begriff „durchsetzen“ bei Firmen. Wenn darunter verstanden wird, dass nicht alles zerredet wird, sondern zeitnah Ergebnisse geliefert werden sollen, dann ist das etwas ganz anderes als wenn erwartet wird, dass im „Kampf Abteilung gegen Abteilung“ das Beste für die eigene Abteilung herauszuholen ist.

Aber geht das eine ohne das andere?

Was das Beste für die Abteilung ist, ist Sache der Auslegung. Da aber jeder gegen jeden kämpft, kämpfen alle auch gegen die Firma. Typisch ist, dass Aufgaben und Wege prinzipiell abgelehnt oder auf andere abgewälzt werden sollen. In diesen Firmen wird alles zerredet und zerrieben. Wenn es das eine ohne das andere nicht gibt, dann nur in der Sequenz: Das eine korrigiert, was mit dem anderen falsch gemacht wurde – oder es gibt die Abteilungen und oder Firmen bald nicht mehr.

Aber der Pfarrer, der dürfte bei diesen Vorwürfen doch aussen vor sein?

Warum denn? Gerade dem Pfarrer geht es letztlich nur um die eigene Gruppe. Verstosse mal gegen seine Regeln und versuche dagegenzuhalten gegen das, was da kommen wird. Wenn er sein Geld wert ist, wirst Du nicht viel dagegensetzen können. Sie sind rhetorisch geschult und Du begibst Dich auf sein Terrain – einfacher kann man es sich nicht vorstellen. Entsprechend routiniert wirst Du abgearbeitet werden. Meist auch beeindruckend schnell. Solltest Du (zu lange) dagegenhalten können, dann bricht so mancher Pfarrer entnervt ab und behauptet, dass man sich ungebührlich verhalten hätte – je nach Gruppe, können die Strafen drastisch sein, bis zum Tod.

Aber die Kinder?! Die brauchen doch Härte?

Erfahrungen und Klarheit. Beispiel: Fällt einem Kind (in einem gewissen Alter) ein Ei von der Palette, dann stehen die Aktien gut, dass, voller Freude, alle anderen Eier einzeln ebenfalls auf dem Boden landen und zerbrechen – zerbricht eines nicht, dann werden die Experimente anderweitig fortgesetzt werden: Bis die Erfahrung verstanden und bestätigt wurde. Mit derselben Hartnäckigkeit werden alle Grenzen und Regeln getestet. Bestätigung der Regeln ist nicht gleichzusetzen mit Härte – die folgt häufiger einem beinahe Nervenzusammenbruch.

Und Politiker?

Ein Politiker, der sich die Machtfrage stellt, hat keine politischen Ziele mehr, für die sich ein Machterhalt lohnen würde. Hätte er die, hätte er keine Zeit sich diese Frage zu stellen. Macht wird gerne zum Selbstzweck, zur Sucht. Es gibt nur eine Art von Politiker, die die Macht aus gutem Grund nicht abgeben: Diktatoren und solche, die ungerade Wege gegangen sind. Andere meinen, dass sie der Welt so viel gegeben haben, dass die Welt es ihnen nun schuldig ist, das Erreichte zu geniessen – oder zu bewahren – dann beginnt die Stagnation und der Rückzug von der Zukunft, der Untergang oder die Schwierigkeiten. Dann beginnen schwere Zeiten, anfangs sind sie vielleicht noch bequem, aber das ändert sich. Dasselbe gilt für Parteien: Will sie die Macht erhalten, weil die ehemaligen „Macher“ nicht mehr zurück in bürgerliche Berufe könnten, wird die Macht ebenso zum Selbstzweck und Selbsterhalt. Die Effekte sind bekannt.

Macht und Meinungsmache?

In der Gruppe geht es darum eine Gefolgschaft aufzubauen und zu erhalten. Eine Gruppe ohne Widersacher wird aufgegeben, die Sache ist erreicht, die Mitglieder wenden sich wieder ihrem Alltag zu. Gruppenbildung ist eine Art Notfallprogramm der toleranten Gesellschaft. Jugendliche kennen noch keine Meinung aus fundiertem Wissen und sie haben gewichtige Fragen für sich zu klären: Was übernehmen wir von den Älteren, was verwerfen wir und was ändern wir. Sie bilden eine Gruppe, die ohne vertieftes Wissen ihre Zukunft bauen. Dabei greifen sie auf alte „Intuitionen“ zurück: Wer sich sicher ist, den Weg zu kennen, dem schliesst man sich an. Das geschieht meist nonverbal über Körpersprache. Ein Wechsel der Führung kann jederzeit vollzogen werden. Wer sich sicher ist, geht voran.

Aber das ist doch keine Meinungsmache!

Wenn Du so tust, als wärst Du sicher – dann schon.

Aber das macht doch heute keiner.

Da wäre ich mir nicht so sicher. Die repräsentative Demokratie wurde mit der Begründung gewählt, dass es dem Bürger nicht zugemutet werden könne sich in komplexe Themen wie Atomkraft etc. einzuarbeiten. Von allen Politikern arbeitete sich nur einer ein: Der Energieminister. Alle anderen schliessen sich dessen Meinung (oder der des Parteiverantwortlichen für das Fachgebiet) an, tun dem Volk gegenüber aber so, als wären sie Hans Dampf in allen Gassen und als könnten sie alles mit einem Streich erledigen.

Politzeremoniell. Das Volk braucht ein Gesicht, dem es sich anschliessen kann.

Dann ist die Galionsfigur jemand, der Früchte der Arbeit anderer für sich requiriert?

Ja, klar.

Und tut die Galionsfigur dann nicht nur so, als wüsste sie alles?

Aber das kann doch nicht verglichen werden! Er hat sich das Wissen vielleicht nicht selbst erarbeitet, hat aber einen fachlich fundierten Bericht bekommen. Also wissen tut er schon etwas!

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From → Politik, Wirtschaft

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