Skip to content

Ist Kapitalismus gegen Kapitalismus?

7. Februar 2016

Der Post über den Kapitalismus, der gegen den Kapitalismus ist, wurde mehrfach angemahnt: „Geht das deutlicher und kompakter?“ war der einhellige Wunsch. Euer Wunsch war mir Befehl:

Für alle, die es besonders kurz haben wollen: Wirtschaft (und damit auch der Kapitalismus) ist eine Erscheinungen der Gruppendynamik und ist an deren Regeln gebunden. Damit wäre alles ganz kompakt gesagt: Wende diese Regeln an und Du verstehst es. Und für alle, denen diese Regeln nicht ganz gegenwärtig sind:

Wie alle Erscheinungen der Gruppendynamik, durchläuft auch die Wirtschaft mehrere Phasen, auch gewalttätige. Jede Gruppe entwickelt sich. Wie bei allen Gruppen spielen Unterschiede anfangs eine übersteigerte Rolle, während der Entwicklung werden Unterschiede immer mehr zu interessanten aber im Grunde unwichtigen weil vorliebenbehaftete oder einfach genetische Randerscheinungen.

Unser aktuelles Wirtschaftssystem übertreibt es noch mit den Unterschieden. Der Effekt ist, dass die Gruppenstärke beschränkt bleibt. Es gibt immer nur kleine Gruppen. Wachsen können sie nicht. Auch, wenn sie es wollen.

Nach aussen hin scheint es eine Weltwirtschaft zu geben, aber es ist keine echte Weltwirtschaft, denn eher kleine Gruppen wollen das Sagen und den Profit haben. Dazu teilen sie „die anderen“ in weitere Gruppen – so kleine Gruppen, wie möglich.

Das Potenzial der Wirtschaft ist enorm – und wird praktisch nicht genutzt. Wenn der Kapitalismus einen Fehler im eigenen System thematisiert, dann tut er das sehr wahrscheinlich um bald mit den Fingern auf andere zu zeigen um diesen die Schuld zuzuschieben.

Falls die Meldung kein Lückenfüller oder eher zufällig in die Zeitung gerutscht ist, dann ist zu erwarten, dass eine weitere Runde „Deregulierung“ oder eine Kampanie: „Gesellschaftsverträge werden nicht eingehalten, wir regeln das auf unsere Weise: Individuell“ gestartet werden soll.

Damit könnten alle, die weniger gut Verträge machen können (oder in einer schwächeren Position sind) zügig unterworfen werden. Den Machern und Verfolgern dieser Idee scheint nicht klar zu sein, dass, sollten sie erfolgreich sein, so ein System nicht mehr funktioniert. Oder es ist ihnen klar, dann rechnen sie damit, dann gehen sie von ihrem Scheitern aus. Diese Leute sollten keine wichtigen Positionen besetzen, denn sie leben eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ und nehmen alle mit, die sich ihnen anschliessen – aber das kennen wir ja schon.

Das würde auch den Eindruck erklären, warum diese Menschen ständig Angst haben und immer wie Getriebene wirken.

<>

Der Kapitalismus wird gerne als die „Alles Regelnde Kraft“ dargestellt, die vor allem Politiker vor Einmischung abschrecken soll. Wie bei allen Religionen gibt es Phasen, in denen sie sich mit der Politik anlegen und die Machtfrage stellen. Aus Sicht des Kapitalismus gibt es nur Einzelverträge und die Deutungshoheit des Stärkeren über Verträge, es gibt für ihn keinen Gesellschaftsvertrag.

Volkswirtschaft ist aus dieser Sicht purer Unsinn, ein Widerspruch in sich, ein schlechter Witz.

Der Kapitalismus verspricht, das stärkste Regelwerk am Platz zu sein. Es kann per definitionem und wegen seiner schieren Grösse von nichts und niemandem manipuliert werden. Das ist ein ewiges Gesetz. Anders kann es nicht sein.

Das Kredo wird von Monopol und Kartell (aber auch von Grösse und anderen möglichen Fehlern) in Widersprüche verwickelt; der Ruf nach weiteren Regeln wird laut. Deshalb koexistieren Staat, Recht und Kapitalismus manchmal. Doch aus den Berechnungen des Kapitalismus werden die Einflüsse der anderen Beteiligten, als „externe Faktoren“, schlicht herausgerechnet. Für sie gibt es diese Faktoren weiterhin nicht, sie gelten als Naturgewalten, die ein Investitionsrisiko darstellen.

Kommt nun die Vermutung auf, dass der Kapitalismus angreifbar oder gar sein Regelwerk in sich nicht stimmig sein könnte, dann kommt in diesen Kreisen Panik auf. Sie wird nicht gezeigt, aber sie ist da und drückt sich z.B. in Form solcher Meldungen aus. Die inneren Kräfte des Kapitalismus reagieren typisch für Erscheinungen des WIRs mit: „Die anderen sind Schuld“. Das Ergebnis der Untersuchungen, die auf solche Meldungen folgen, steht fest, bevor sie beginnen:

Nur eine Stärkung der Regeln des Kapitalismus kann den Fehler beheben, den erst die Staaten mit ihrem (Un-) Recht und Regulierungen kreierten.

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen, sie behaupten, dass nur weitere Deregulierung die Missstände, die durch Deregulierung entstanden, beheben können. Und ausserdem: Erst der Wunsch der Politik (in den USA), allen und jedem ein Häuschen zu verschaffen und bei den Krediten praktisch wegzusehen, zwang den Kapitalismus dazu, die Gefahren durch Verteilen der Risiken zu minimieren.

Das sollte, nach dem Wunsch der Kapitalisten, so stehen gelassen werden. Andere ergänzen, dass der Vorschlag, dem die Politik nachgab, aus den Kreisen der Kapitalisten kam. Doch das sollen die Historiker klären; hier ist nur wichtig, dass es die Tendenz gibt, immer selbst am bestens dazustehen und dass alles Schlechte von anderen kommt. (Auch das sollte nicht ganz neu sein).

Wenn also der Kapitalismus feststellt, dass er manipuliert wurde, dann tut er das mit dem Ziel, bald anderen an den Karren zu fahren. Um es auf die Spitze zu treiben.

Wer nun denkt, dass ich hier Wirtschaftsbashing betreibe, der irrt. Dass Kapitalismus in die Nähe einer Religion (aber auch einer Sucht) gestellt wird, ist nichts Neues und stellt an sich nur das Fakt dar: Wirtschaft (und damit auch der Kapitalismus) ist eine Kreation der Gruppendynamik, diese bringt auch Religionen und Gruppen zu Tage, und arbeitet nach den Prinzipien derselben. Deshalb ist es kein Wunder, dass auch die Wirtschaft Züge dieser anderer Kreationen trägt.

Wirtschaft wird zu eine friedlichen und die Gruppe stärkenden Kraft sein, wenn der Unterschied nicht mehr als wesentlich sondern als kurios bis interessant aber unwichtig erkannt wird.

Diese Regel gilt für alle Erscheinungen der Gruppendynamik. Allerdings kann das auch anders formuliert werden – doch nicht hier, denn es soll keine Doktorarbeit werden sondern möglichst kurz und knackig dargestellt werden: Je kleiner der Wettkampf, umso konstruktiver wird er; je grösser die beteiligten Gruppen, je dominierender sie sind, umso mehr Menschen verwickeln sie in ihren oft tödlichen Wettkampf um Unterschiede.

Die Konsequenz wäre, dass die Aufgaben, die Arbeit geteilt wird. Die Lösung des Problems war von Anfang an bekannt und wurde genutzt und unterdrückt, denn wir streben an, nur die „gross“ werden zu lassen, die alles können. Mit anderen Worten: Von der Arbeitsteilung waren wir noch nie so weit entfernt, wie heute: Und damit auch von der Lösung.

Die Wirtschaft (oder ihre Systematik) kann sich noch entwickeln. Wir, oder die, die meinen das Sagen haben zu wollen, wollen es nur nicht. Sie ziehen die gute alte Zeit vor. Wollen zurück. Wohin wollt ihr, wohin wollen wir?

Die Diskussion sollte begonnen werden. Erste Vorschläge finden sich im Blog.

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: