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Kapitalisten gegen Kapitalismus?

5. Februar 2016

In der Süddeutschen (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/goldman-sachs-kapitalisten-zweifeln-am-kapitalismus-1.2848835) wurde vermeldet, dass „die Kapitalisten eine statistisch relevante Unregelmässigkeit am Digitalen Markt beobachten, der mit den aktuellen Methoden und Theorien fasst nicht erklärbar sei – es sei denn, der Markt werde manipuliert. Die Frage wie und warum wurde übergangen.

An mich wurde die Frage gestellt: Kann das an den gechützten Märkten liegen, die im Blog bemängelt werden?“

Die kurze Antwort ist: Ja, muss aber nicht. Im folgenden wird aufgezeigt, dass es verschiedene Ursachen sowohl für die Meldung als auch für den Inhalt geben kann.

Dass letztlich, wenn es tatsächlich ein Kartell zur Manipulation des digitalen Marktes gibt, dieses aus Staaten, Diensten und Hersteller, besteht. Aus Sicht der selbsternannten „Wächter des Marktes“ handelt es sich um die massgeblichen Akteure desselben, die erst zusammen diese Macht hätten entwickeln können. Und somit die Märkte sabotieren.

Und warum gerade jetzt? Weil sich z.B. in den USA deutlich zeigt, dass die Bevölkerung den aktuellen Weg nicht mehr trägt, dass sich abzeichnet, dass es andere Formate gäbe, die ohne z.B. Ausbeutung auskähmen, da die nicht auf wirtschaftlichen sondern auf gesellschaftlichen Annahmen beruhen und damit geändert werden können – falls man will. Die Wirtschaft könnte dann global und gemeinsam funktionieren.

Die Meldung scheint einfach nur eine Bestätigung der These: „Geschützte Märkte,stören den Markt, können die Regeln ändern.“ Da das jedoch beinahe trivial und jedem bekannt ist (zumindest sein sollte), stellt sich die Frage, warum gerade jetzt, warum gerade die zentrale Branche?

Die erste Frage in diesem Zusammenhang ist: „Hätte das früher bemerkt werden können?“ Die, zu erwartende, Antwort wäre wohl: „Das sind Statistiken, die längere Trends aufzeigen, das dauert eine Weile.“. Also: Nein. Oder doch?

Wie lange geht das denn schon so? Schaut man genauer hin, dann geht das schon sehr lange so. Patente, die von Firmen aufgekauft aber nie umgesetzt werden. Das betrifft nur Firmen. Aber was ist mit denen, die behaupten, dass staatliche Regulierungen sich zu sehr an den Interessen von Firmen orientieren? Oft wird in diesem Zusammenhang die letzte „Verschärfung“ der Gesetze für den Schadstoffausstoss oder Safe Harbour, TTIP etc. genannt.

Da kann man zweierlei Meinungen sein: „Mehr als Machbares können wir nicht fordern“ und „Fordern für die Zukunft, nicht für die Gegenwart. Die Richtung weisen die Regierungen, die Fakten schaffen die Firmen.“. Es zeigen sich zwei Hauptströmungen: Politiker verwalten die Gegenwart; Politiker gestalten die Zukunft. Böse Zungen sagen: Politiker zelebrieren die Antike.

Ja, man hätte es schon früher wissen können. Es drängt sich wieder die Frage auf: „Warum wird die Frage gerade jetzt aufgeworfen?“ Reicht es, auf den Zeitbedarf zur Bestätigung des „Verdachts“ zu verweisen?

Wer weiss, was er will und wie es geht, kann Software zügig herstellen. Gerade für „Kopien“ gilt das. Und es bestätigt sich, da es viele „Konkurrenzprodukte“ zu den Platzhirschen gibt – sie werden nur nicht benutzt. Warum? Liegt es an der Werbung oder wurden andere „handwerkliche“ Dinge falsch gemacht? Wer diese Frage beantworten will, beantwortet auch die Frage, ob Microsoft und Co. solche Fehler unterlaufen würden – gerade weil sie viel Geld in die Rückeroberung gesteckt haben? Ausschliessen kann man nichts.

Entscheidender scheint zu sein, wer das Original ist, dem werden sogar gröbere Fehler verziehen, weil in diesem Märkten als das Original das Produkt empfunden wird, das die Site in der Masse bekannt machte.

Dann doch wieder Werbung? Wieder: Sehr wahrscheinlich nicht, denn es gibt einfach zu viele zu erprobte Firmen, denen so grobe Schnitzer (auf Dauer – und darum geht es gerade) nicht passieren sollten.

Sind es dann die Freunde, die man nicht allein in FaceBook zurücklassen will? Gerade FaceBook hat die Daten, doch die bekannt wurden, weisen eher darauf hin, dass FaceBook Fehler verziehen werden, weil es keine Alternativen gibt. Aber gab es nicht genug Alternativen? Die zentrale Frage scheint zu sein, was empfindet der Benutzer als Alternative? Wer das beantworten kann, hat eine echte Chance, FaceBook & Co. abzulösen, oder eine echte Alternative zu bieten.

Da es bei den Sozialen Medien darum geht, möglichst viele zu erreichen, aus volkswirtschaftlicher Sicht Monopole aber zu vermeiden sind, wäre eine Vereinbarung / Regulierung nötig, die z.B. eine allgemeine SM Schnittstelle beschreibt, so dass die Daten aus den Beständen verschiedenen Anbieter dargestellt werden können. Alternativ wäre es, die Daten aller Anbieter, zentral oder dezentral aber in einem bekannten Format abzulegen. Nun könnten unterschiedliche, spezialisierte Dienste angeboten werden: Die persönliche WebSite mit allem, Dienste, die Personenfotos, Gebäude, Luftaufnahmen etc. anbieten, oder Blogs oder Tweets etc..

Doch wer glaubt, dass z.B. FaceBook oder Google die „eigenen“ Daten – pures Geld – freigibt? Im Sinne der Allgemeinheit wäre das gut, aber nicht im Sinne der einzelnen Firmen.

Doch da gibt es einen kleinen Hacken, denn die Daten an sich sind nur Daten (deren Eigentümer unklar ist), (belastbare und damit nutzbare) Informationen sind (mehr oder weniger sinnvolle) Interpretationen der Daten. Das Geschäftsmodel, solange es pure Daten sind, ist fraglich, weil evtl. Raubkopien verkauft werden, und bei den Interpretationen ist heute ein Test der Seriosität solcher Auswahlen nötig.

Die ersten Anwendungen stammen von Börsenspekulationen, die sich mit Ähnlicheiten und Wahrscheinlichkeiten zurecht geben, die Einschätzung eines Menschen aufgrund solcher Oberflächlichkeiten scheint mit dem Grundsatz der Würde des Menschen nicht vereinbar: Ohne konkrete und nachvollziehbare Entscheidungen, sollte auf diesen Gebieten nichts gehen.

Wirtschaftlich sind viele dieser Interpretationen nicht effektiv. Auch gibt es viele offene Fragen, wie: welche Daten gehören zusammen? Ein Mensch arbeitet neben einer grossen Buchhandlung, lebt aber auf dem Dorf, am Wochenende versorgt es mit Lesestoff. Selbst, wenn sie alle Daten über alle Bewohner des Dorfes haben, wird die Frage wer welches Buch (wann) bekommen und / oder gelesen hat, kaum zu klären sein. Und, falls er nicht als Zwischenhändler erkannt wird, wird die Werbung, die ihm angeboten wird, sicher wenig mit seiner Person zu tun haben.

Gerade bei Werbung sollte man vorsichtig sein, denn der Rücklauf ist sehr gering. Vielleicht nicht bei Schuhen, aber sonst praktisch überall, kommen auf sehr viele Angebote nur wenige Klicks und noch weniger Verträge zustande. Einzig zum „Bekannt machen“ eines Produkts / Marke und um es gelegentlich wieder ins Gespräch zu bringen, scheint Werbung einen nachweislichen Effekt zu haben; in allen anderen Bereichen scheint der Werbung Mund zu Mund Propaganda (heute gern: Multiplikatoren genannt) überlegen zu sein.

Dummerweise kann man beides nur schwer auseinanderhalten: Der Multiplikator kann (und wird) seine Informationen aus anderen Quellen haben als aus der Werbung. Dennoch kann auch er nur das Produkt loben, das es bereits gibt und das aktuell auch beworben wird. Selbst, wenn man an sie Prototypen verschickt und sie das Produkt im Vorfeld reservieren könnte, stellt sich die Frage: „Wurde der Multiplikator korrekt beworben und hat er die richtigen Informationen bekommen?“. So mancher Multiplikator hat auch keine andere Chance als den Prototyp noch als fehlerhaft zu beschreiben, der Prototyp des Mitbewerbs war jedoch besser – war es Werbung, die Qualität des Prototypen oder die persönliche Vorliebe des Multiplikators?

Multiplikatoren können aus Metadaten ermittelt werden, ebenso die Produkte für die sie Multiplikatoren sind und wie viele ihnen jeweils folgen.

Selbst mit den umfänglichsten und exaktesten Daten, liessen sich letzte Unsicherheiten nicht aus diesen Eventualitäten ausschliessen, denn aus welchem Grund der Follower dem Multiplikator folgt, ist eine persönliche Entscheidung, diese sind nicht immer logisch. Ab einer bestimmten Detailstufe wird die Realität aus Sicht der Statistik willkürlich und / oder zufällig. Das ist ein mathematisches Fakt, das nicht wegdiskutiert werden kann.

Dennoch scheinen nur Produkte auf den digitalen Markt zu kommen, die Daten sammeln: Es gibt zahlreiche Produkte, die Wert auf Privatsphäre setzen, alle Werbung verpufft, in den Suchmaschinen erscheinen sie erst ab der X-ten Seite, auf die keiner mehr geht, weil die Ergebnisse längst im Irgendwo gelandet sind. Zum anderen gibt es Produkte, die eigenen z.B., die besser und wiederholt präsentiert werden.

Die aktuellen Web-Produkte haben eine Position, die es ihnen erlaubt, den Markt zu manipulieren. Bei Google (und FaceBook?) wurde nachgewiesen, dass sie Wahlen beeinflussen können, weil sie es (angeblich) bereits taten.

Das bedeutet, dass auch die Marktgesetze ausser Kraft gestellt werden können. Das gefährdet den Ruf des Kapitalismus und ruf damit die Hüter desselben auf. Wenn aber die Hüter des Kapitalismus eine Macht denunzieren, die stärker als der Kapitalismus ist, dann stehen sie zum einen als die Guten da, denn sie waren es nicht. Auf der anderen Seite, zeigen sie, dass der Markt nicht alles kann, fordern indirekt Regulationen ein. Beides ist für diese Menschen keine erste Wahl. Es stellt sich wieder die Frage: Warum tun sie das und warum gerade jetzt?

Es wird wohl etwas grösseres sein, sonst würden sie nicht versuchen ihre Haut zu retten. Bevor man sich in Vermutungen verliert, sollte geprüft werden, ob nicht sehr viel trivialeres dahintersteckt. War einfach etwas Platz und der wurde gefüllt?

Viele Zeitungen brachten die Meldung nicht. Es kann sein, dass eine mehr oder weniger launige Antwort oder Bemerkung etwas überstrpaziert wurde. Es kann aber auch sein, dass nur einem etwas aufgefallen ist, das er nur vermelden aber nicht weiter verfolgen konnte. Schade.

Fazit: Was haben wir bislang? Eine erstaunliche Auswahl von digitalen Produkten, die Datenschutz kleinschreiben bzw. nicht praktizieren; einen Hype in der Wirtschaftswelt, um persönliche Daten, die mathematisch nachweislich, nur grobe Tipps geben können, zumal in den Massen, in denen sie verarbeitet werden; eine Individualisierung der Werbung scheint in weite Ferne gerutscht zu sein; Vorteile haben die Benutzer keine, aber praktisch alle Daten sind wenigen Firmen bekannt, die Öffentlichkeit hängt in einem Informationsdefizit – auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob diese Daten Informationen liefern können. Warum passiert all das und warum wird es gerade jetzt fokussiert?

Betrachtet man die Theorie, dass die bisherigen Designfehler, keine Fehler sondern Absicht waren, dann rücken die Dienste in den Vordergrund, denn sie sind die Nutzniesser dieser Fehler, für sie, in ihrem Auftrag, wurden sie begangen. Dies taten sie zusammen mit den Herstellern.

Staat und Hersteller taten sich zusammen, trafen geheime Absprachen, um die schwarzen Schafe zu finden und zu kontrollieren, diese Aufgabe sollte digitalisiert werden. Gross wurden nur Firmen, die mitmachten. Alle anderen blieben klein – einige mussten vom Markt gehen, andere wurden angeblich boykottiert (Internet – Sites wurden manipuliert etc. – das kann jeder Hacker, ist aber Aufwand).

Wenn gerade heute der Finger in die Wunde gelegt wird, dann kann das Zufall sein, aber auch, um der erste zu sein, der den Fehler meldet und um sich rein zu waschen, denn es droht aufzufliegen, an was man beteiligt war. Dass die Märkte seit langem manipuliert werden und auf dem was war beharren und dass ihnen dazu jedes Mittel recht ist, sollte allgemein bekannt sein. Dass es jetzt thematisiert wird, dürfte daran liegen, dass es droht aufzufliegen. Was genau kann auffliegen? Dass Staat, Konzerne und deren (konzentrierte) Marktmacht und deren Motto und Parolen gebender Einfluss zusammen nutzten, um ein ihnen angenehmes Forum und Kommunikationsplattform zu schaffen, die, ohne Rücksicht auf alles andere, hinter scheinbaren Fehlern, die Absicht verschleiern.

Irgendwann werden die Zeichen unübersehbar. Entweder ist das nun der Fall und man will, dass die anderen Schuld sind, oder es nur Füllstoff oder Zufall.

Was folgt? Das wird sich zeigen. Ob etwas folgen wird, hängt davon ab, was genau „aufgedeckt“ wird und wie dagegen vorzugehen gedacht ist. Wir werden wahrscheinlich die Wahl haben zwischen: „Der Staat ist an allem Schuld, weg mit ihm oder doch so wenig wie möglich“ und „die Wirtschaft war Schuld, weg mit ihr oder doch so wenig wie möglich“. Mit anderen Worten: Die alten amerikanischen Grabenkämpfe werden wiederbelebt bis aufgebläht. Das mitten in einer Wahl. Es könnte auch politisch motiviert sein – oder?

Die Streitereien werden auf jedem Fall an den Bedürfnissen des Volkes, der Bürger vorbeigehen. Man kann zeigen, dass die gewonnen Informationen aufgrund dieser Daten immer statistischer und unschärfer werden, die gewünschten Ergebnisse sind aktuell nicht erreichbar, dennoch werden sie weiterverfolgt werden. Die theoretische Basis für die Aufwendungen ist kaum mehr gegeben, politisch und gesellschaftlich sind die Dinge in Verruf geraten. Ebenso der Kapitalismus an sich, der angeblich weder Staat noch Gesellschaft benötigt.

Doch wenn er es ist, der die Missstände anzeigt und thematisiert, dann hat er bessere Chancen, dass sich die Öffentlichkeit letztlich dafür entscheidet, zu seinen Gunsten statt zu den des Staates und der Konzerne zu entscheiden: Die Wirtschaftsform kämpft dann um ihr Überleben und Vorteile. Sie tut das, in einer Zeit, in der sich z.B. in den USA eine Frustration der Öffentlichkeit gegenüber den aktuellen Regelungen deutlich abzeichnet, sie tut dies in einer Zeit, in der sich deutlich zeigt, dass die Notwenigkeit zu Ausbeutung anderer mehr auf einem Weltbild als auf wirtschaftlichen Gegebenheiten fusst und somit eine weltweite, gleichmässige wirtschaftliche Entwicklung möglich ist usw.. Sie tut evtl. das einzig richtige und bereitet die Korrektur des Systems vor – und wird doch versuchen so viele Hintertüren einzubauen, damit der – aktuell leider notwendige – Schritt später wieder korrigiert werden kann. Das war immer so und wird wahrscheinlich auch diesmal so sein.

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From → Politik

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