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Köln Gesellschaft Gewalt

8. Januar 2016

Was passieren kann, wenn man das mit der Integration vermasselt (da sich das jeder denken konnte, kann das auch bewusst benutzt werden, damit Stimmung gemacht werden), zeigte sich in Köln.

Zwei Reaktionen sollen genannt werden. Mit „Weiter so“ wird weiterhin gemeldet, was gehört werden soll, mit ’sich ehrlich machen‘ ginge man die anstehenden Aufgaben an. Doch wenn kein Ziel und Plan verfolgt werden, dann endet solche Versuche wieder im weiter so, weil der Mensch in solchen Fällen, schlicht nach der Reaktion sucht, die bisher etwas bewegt haben (auch negative Reaktionen werden als positiv angesehen, da sich etwas tut – nur das soll erreicht werden übrigens, auch der Selbstmörder will nur, dass sich etwas ändert). Sich ehrlich machen ist nicht einfach und kann das Gegenteil vom Guten bewirken.

Zum ’sich ehrlich machen‘ gehört jedoch auch, dass es in Deutschland Gebiete gibt, in denen die Regeln – sagen wir – ortsunüblich sind. Es ist nur konsequent bei den alten Regeln zu bleiben, wenn die neuen nicht bekannt sind und nicht (vor-)gelebt werden. Oder, wenn man den Eindruck gewinnt, dass die erlebten (z.B. extrem kapitalistischen) Regeln, den eigenen alten unterlegen wirken.

Übrigens, die meisten, die nach einer Flucht irgendwo ankommen, wollen sich integrieren. Das muss man dann fast mit brutaler Gewalt verhindern. In dem Fall wäre weniger schon mehr.

Die Regeln, auf die zurückgegriffen werden, stammen aus der Stammphase. Jeder Hausherr ist dort das oberste Gesetz (er entscheidet über Leib und Leben), der Stamm sind die, die ’so sind wie wir und die wir kennen‘. Die Masse des Stamms richtet über Abweichler und Übertretungen (unter den Hausherrn).

Wenn sich, wie z.B. zu Silvester in Köln, eine Gruppe Stämmler bildet, dann greift die Gruppendynamik gleich aus mehreren Gründen: In der Gruppe sind wir stark, in der alkoholisierten Gruppe noch stärker; der zukünftige Hausherr muss Gewalt üben und sich gegenüber seinen zukünftigen Kollegen beweisen; üblicherweise werden sich dazu die Schwächsten ausgesucht, Einzelne, Frauen und Kinder, wenn diese aus einem „anderen“ Kulturkreis stammen, dann gilt das nicht als sträflich, denn Schwachen kann soetwas passieren, dafür sind sie da – da kümmern sich nur wenige darum; kümmert sich Polizei darum, dann braucht es nur eine kritische Masse, die ergibt sich zu bestimmten Anlässen fast von selbst. Facebook und Co erleichtern das auch.

In einem bestimmten Umfang machen auch unsere Jugendlichen eine solche Phase durch. Theoretisch haben wir das Rüstzeug das handzuhaben – vielleicht könnte man da auch das eine oder andere verbessern. Warum? Weil es auch bei uns Gruppen gibt, die diesen Status anstreben und da die Bürger der Politik überdrüssig sind, werden sie beginnen, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Köln zeigt, wie eine solche Welt aussiehen kann.

Warum passiert das dann nicht bei jedem Fussballspiel? Falls es dort Stammverhalten gibt, dann wird es durch die zwei Parteien kanalisiert und durch das Spiel ritualisiert. Zudem ist man ganz auf das Spiel fokussiert. Im Rahmen der Fussballspiele kann es jedoch zu solchen Erscheinungen kommen. Der Grund ist, dass es dort viele Kleingruppen gibt, die aufeinander treffen können (und manchmal auch wollen), die durch Gruppendynamik und Alkohol enthemmt sind und sich hervortun wollen.

Wie gut das mit dem Ritualisieren funktioniert, kann bei so manchem Gespräch zwischen Fussballern beobachtet werden: wird das Gespräch aggressiv, wird das Thema geändert und auf eine spannende Stelle in einem Spiel umgestellt – da das längst vergangen ist und niemand mehr etwas daran ändern kann, bleibt physische Gewalt meist aussen vor.

Was kann man machen? Raus aus dem WIR rein ins IHR ist das grosse Ziel. Das jedoch nicht in einem Schritt sondern in mehreren erreicht wird.

Ein wichtiger Schritt ist die Thematisierung der Gruppendynamik. Die Hauptaussage dort ist:

Gewalt und Krieg werden durch Gruppenbildung geschaffen. Wer nicht kämpfen muss, tut gut daran nicht zu kämpfen. Kämpft er doch, dann gibt es einen Zwang, seit einiger Zeit (seit ca. 10 000 Jahren) ist das meist einen Gruppenzwang.

Z.B. wenn diese Gruppen sich über andere stellen wollen. Das passiert bei fast jeder Gruppe, die sich neu bildet (auch in jeder Generation), da sie etwas eigenes haben wollen, etwas, das sie „identifiziert“. Das kann auch passieren, wenn die Gruppe ihr Ziel erreicht hat und sich auflösen müsste, das aber nicht gewollt ist.

Je „normaler“ es ist, einer Gruppe beizutreten und auszutreten, umso weniger Konflikte ergeben sich, da man sich die Gruppe aussuchen kann. Auch wenn man mehreren Gruppen gleichzeitig zugehören kann, ist hilfreich, da so Brücken zwischen den Gruppen gebaut werden, die immer auch vermittelnd wirken. Kommunikation und Austausch zwischen den Gruppen ist das Ziel.

Integration. Durch erklären, wie diese Dinge hier geregelt sind. Zeigen, wie die Welt hier ist. Dass der Mensch nicht des Menschen Feind ist (wer Neigungen dieser Art hat, darf gerne zur Domina gehen), wie man sich hier streitet (verbal und sachlich), Konfliktbewältigung im Allgemeinen und dass es verschiedene Sozialisationen gab, da, in den verschiedenen Ländern und Gebieten, sich die Dinge anders entwickelten. Damit wird die Sozialisation zu einem Konstrukt, das durch die Menschen vor Ort gebildet wird, es ist menschlich, wandelbar und wählbar. Wer alte Regeln am neuen Ort pflegt, pflegt mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Andere Rituale bieten und je früher mit der Integration begonnen wird, umso erfolgreicher kann sie sein.

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2 Kommentare
  1. die männer dürfen das – frauen sind nie sicher:
    wie viele deutsche männer nehmen denn die frauen in deutschland als wirklich gleichwertig und gleichberechtigt wahr, so wie es im grundgesetz steht?
    frauen und männer sind strukturell auch in deutschland nicht gleichberechtigt, auch wenn es auf dem papier so aussieht. daran wird sich nichts ändern, solange die frauen nicht wieder anfangen, sich für ihre rechte einzusetzen. wieder ist mehr mehr feminismus in deutschland nötig, in den köpfen, im individuellen handeln, in zwischenmenschlicher, beruflicher und politischer hinsicht.
    die frauenfeindliche position des islam ist für mich genauso unerträglich wie die haltung der katholischen kirche zur gleichberechtigung der frauen. welche moderne frau mit bildung und gesunder persönlichkeit findet es (nach etwa 100 jahren frauenemanzipation) noch in ordnung, an eine institution kirchensteuer zu zahlen, die frauen diskriminiert?…..https://einsiedlerblog.wordpress.com/2016/01/09/die-maenner-duerfen-das-frauen-sind-nie-sicher/

    • Es ist durchaus richtig, dass mit dem Stamm auch die Genderfrage neu gestellt wird und damit auch die Rollenbilder insgesamt wieder zur Diskusion stehen.

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