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Macht bloggen Spass oder ist es nur Arbeit?

22. November 2015

Die kurze Antwort ist: Beides. Der Spass ist die Auswahl und das Formulieren, die Arbeit ist es, die Sache so aufzubauen, dass es in sich stimmig und einen inneren Aufbau und Folgerichtigkeit gibt. Das Dumme daran ist, dass alles ständig umformuliert wird und sich mit der Zeit eine Art Memoryeffekt einstellt. Während man beim Memory nach ein paar Runden der festen Meinung ist, dass die paarige Karte genau dort liegt, weil sie dort vor x Runden lag, deckt man die nun dort liegende nicht passende auf; wird ein Text mehrfach umgebaut, dann ist man der festen, dass alles richtig gestellt ist. Bei mir kann es Stunden bis Tage dauern, bis ich wieder objektiv Lesen kann. Das macht die Sache langwierig. Anderen fallen die Fehler schnell auf. Wenn die Texte schnell gepostet werden sollen (z.B. weil sie aktuelles besprechen), dann suche dir immer einen, der Korrektur liest. Sonst leidet die Qualität darunter. Ich kann ein Lied davon singen.

Ausserdem ist einiges anders wenn man schreibt statt redet.

Im Gespräch unter vier Augen (und evtl. x-Mikrophonen), kann das Gegenüber einen Fehler leicht nehmen, wenn man darauf hinweist, dass das genauer zu recherchieren wäre. Im Blog glaubt jeder, dass es bereits recherchiert ist. Selbst wenn man es vermerkt. Nur ein Beispiel:

Der Innenminister sagte, dass man nicht alles diskutieren könne, da ein Teil der Informationen, das Volk verunsichern würde“. Der Spruch wurde im Internet breit diskutiert. Bald kursierte ein Bild das Merkel und ihren Innenminister bei einem vertrauten Gespräch in der Regierungsbank zeigt; auf die Frage des Innenministers „Wie siehst Du mich als Innenminister?“, antwortet Merkel: „ … ein Teil meiner Antwort könnte Dich verunsichern“. Irgendjemand setzte den Dialog mit dem Innenminister fort: „Weil ich die Meldungen selbst erfunden habe?“.

Da es eine spontane Eingebung war, die ihn dazu trieb, und reine Phantasie ist, quasi eine Erzählung ist, entspricht das journalistisch einem Kommentar, einer Meinungsäusserung – hier steht klar und eindeutig, dass dies keine Meldung ist.

Es wird aber immer einen Teil Leser geben, die das für eine Tatsache halten. Jeder, dem das Beispiel plausibel erscheint, hat es in dem Moment, in dem er es gelesen hat auch – erlebt. Zwar „nur“ vor dem inneren Auge, aber wenn es plausibel genug ist, dann kann das verwechselt werden. Gut erzählt, kann etwas realer wirken als es ist, sogar Irreales oder Erfundenes. Passt man nicht auf, ruht die Betonung schnell auf etwas, das nur Beiwerk sein sollte.

Überlässt man es den Menschen, sich das, was sie am meisten verunsichert, auszusuchen, dann tun sie das. Unter uns ist das kein Problem, ein Blick ins Gesicht und die Mimik sagt alles. Aber im Blog kann es nötig werden, ein riesen Brimborium darum zu machen:

Ein Witzbold schrieb, aus einer Laune heraus, eine Zeile dazu, die dem Innenminister die Worte (die er selbst so nie öffentlich gesagt hat und es ist auch nicht bekannt, dass er sie inoffiziell jemals gesagt haben soll) in den Mund legt. Selbstverständlich wurde die Aussage nicht recherchiert oder sonst wie bestätigt. Es ist wohl ein Witz, den er machte, weil der Raum für diese Aussage gelassen wurde. Und so weiter und so fort.

Was man sagt, sollte man belegen können. Das bedeutet intensive Recherchen, das ist zeit- aber auch kostenintensiv. Eine gewisse Zeit habe ich das auch gerne gemacht – weil es interessant und neu war. Dann zeigte sich aber, warum Journalismus Arbeit genannt wird: Die Geschehnisse in Griechenland wurden im Internet (z.B. auf den offiziellen WebSites der Akteure) minutiös vor angemeldet. Jeder einzelne Schritt und im Detail. Warum das nicht genutzt wurde – es hätte uns alle viel Zeit gespart – war für mich persönlich enttäuschend.

Letztlich war es einfach nur eine, durch das politische Prozedere vorgegebene, Schrittfolge, von der die Medien vollkommen „überrascht“ wurde. Darüber kann man denken wie man will, das soll im Moment nicht das Thema sein, es zeigt aber, dass diese Vorgänge mit – zugegebenermassen: zeitintensiven – Arbeit (man wühlt sich quasi durch das ganze Internet), von vielen geleistet werden kann. Und auch von vielen geleistet werden sollte.

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2 Kommentare
  1. Schöner Beitrag 🙂

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