Skip to content

Beschreibung, Prototyp oder Endprodukt – wie präsentiert man einem Investor sein Produkt?

28. Oktober 2015

Ehrlich gesagt: Das wüsste ich auch gern. Bislang zeigt sich nur, dass jeder, der Geld einbringen könnte auch eigene Ziele verfolgt. Z.B. will er sein Geld zurück. Oft versucht er darum, bei befreundeten oder bekannten Fachleuten, deren Meinung einzuholen. Das kann nach hinten losgehen.

Denn auch diese haben Interessen, aber auch Gewohnheiten. Und sie haben oft (im Team) selbst schon über die Aufgabe nachgedacht und kollektiv verworfen: Jeder Vorschlag in diese Richtung wird in die gleiche Schublade gesteckt, zumindest wird davor gewarnt werden.

Wenn ich nur die Präsentationsschicht meines Produkts betrachte, dann kann ich (übrigens selbst ein Fachmann und aus eigener Erfahrung) mindestens zwanzig Punkte nennen, die gut begründet gegen das Unternehmen stehen könnten.

Diese Punkte führten letztlich dazu, dass praktisch alle bekannten Vorgehen und Verfahren auf den Prüfstand kommen und (erfolgreich) überdacht wurden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt macht jeder Profi dicht. Mit einer objektiven Antwort kann nicht mehr gerechnet werden. Beim besten Willen: das kann er sich nicht mehr vorstellen!

Einer soll all das, was X andere, was X Vorbilder nacheinander aufgebaut haben, quasi im Alleingang überarbeitet haben? Würden sie sehen, was gemacht und wie es zusammenwirkt, dann könnten sie es nachvollziehen – aber sehen wird verweigert. Das darf nicht sein, Weltbilder und Wissenschaft vor praktischen Lösungen. Für manchen wird das zu einer quasi existenziellen Frage.

Ich kann es menschlich nachvollziehen. Wirtschaftlich und sogar politisch ist das jedoch fatal. Es liegt auch daran, dass der Kunde den Leidensdruck hat, nicht die Entwickler. Entwickler sehen sich sogar bestätigt: Das kann man nicht besser machen (zumindest hat der Lehrer das behauptet und die vielen Kollegen, die vorher daran gearbeitet hatten, hätten den anderen Weg sicher gefunden! Und sie würden vor den Kopf geschlagen! Das macht man nicht.).

Das führt zu Gruppendynamiken, die zu Entwicklungsschritten in Generationen (20 Jahre) führen, z.B: je 20 Jahre lang Assembler, Prodzedurale dann Objektentwicklung. DSL und deskiptive Sprachen sollten nach der offiziellen Lesensart folgen. Doch das machen die nächste Generation, die objektive hat noch das Sagen.

Neben konkreten technischen, den nachvollziehbar menschlichen gibt es nun auch noch Gruppendynamik und gesellschaftliche Aspekte, die eine Entwicklung der Programmierung nur in langsamen Schritten zulässt. Das sind viel gute Gründe, nicht in Software zu investieren. Und es sind gleichzeitig die besten, denn da liesse sich ein Schritt gehen, der eine Firma ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, das alle anderen abhängt.

Das Geld käme sicher und schnell zurück. Hätte man nicht die gefragt, die diese Änderungen nicht wollen und die gar nicht anders können als auf all die Schwierigkeiten und Eventualitäten und die sicheren Probleme hinzuweisen, die das Unterfangen auf dem herkömmlichen Weg sicher haben würde. Nur zu dumm, dass nicht der herkömmliche Weg gegangen wird und deshalb all diese Einwände auf tönernen Füssen stehen.

In Sachen Software ist es oft schwer, eine objektive Meinung zu bekommen. Das gilt bei fasst allen Themen der Informatik. So erstaunlich das auch klingen mag: Auf harten Fakten beruhen die wenigsten Entscheidungen. Meisten sind es Erfahrungen (Verdrängungsstrategien), Schätzungen und Vorlieben, die hinter den Entscheidungen stehen. Das kann alles korrekt begründet werden, führt aber aktuell zu weit weg vom Thema.

Alles in allem: Was man selbst machen kann, das kann auch vermarktet werden, alles grössere, kann man praktisch vergessen, wenn die ersten Investoren – aus welchen Gründen auch immer – es nicht machten. Hier ist das nächste Stolperbein: Es gibt nur wenige Investoren, die sich untereinander gut kennen und sich leider gegenseitig nachmachen, verweigert der eine und der andere, dann verweigern alle.

Zudem kennen Investoren Moden. Zur Zeit der ersten Versuche brauchte man ein bestehendes, eingespieltes Team, dann konnte man sich KnowHow eine zeit lang einkaufen, dann brauchte man wieder ein Team und so weiter. Auch beim anzubietenden Format gibt es allgemeine Moden und stetig wechselnde individuelle Anforderungen der Einzelnen.

Dass das bestimmte Probleme mit sich bringen kann, soll hier an einem konkreten Beispiel (meinem Produkt) aufgezeigt werden: Es gibt Investoren für verschiedene Kategorien und für Projekte in bestimmten Phasen, den richtigen zu finden ist in diesem Fall nicht gerade einfach: Es kann mit kleinem Geld angefangen werden (ca. fünf Mann für drei bis sechs Monate), mit entsprechenden Meilensteinen, das reduziert das Risiko weiter. Man kann es aber auch ganz gross beginnen. Beides ist möglich (die Gesamtlösung ist über alles gesehen auch die günstigste), es gibt also viele Möglichkeiten, Varianten etc..

Mir scheint es wesentlich effektiver zu sein, sich darauf zu konzentrieren, die Eigenschaften des eigenen Produkts herauszustellen und das im entsprechenden Stil. Das muss dann nicht ganz perfekt sein, die Investoren wollen lediglich wissen, dass man in der Lage ist, bei so etwas mitreden zu können, denn letztlich werden die Werbeprodukte von Spezialisten erstellt werden. Der Investor will einfach nur viel über den Bewerber wissen: Kann er mit Menschen, führen, motivieren anleiten? Kann er sich ausdrücken und erreicht er seine Ziele oder zieht er sich schnell zurück? Kann er mit Zahlen umgehen und mit seinem Fach?

Sein Vortrag soll zeigen, dass er es fachlich und wirtschaftlich versteht, einen Plan hat und zielstrebig genug ist und die Dinge bewegen kann und will. Das hat zumindest bei mir mehrfach funktioniert. Dazwischen gekommen sind dann Kleinigkeiten wie Finanzkrisen oder schiefgegangene Börsengänge von grossen Internetfirmen. Irgendwann war ich dann verbrannt. Schade.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Wenn es möglich ist, dann steht man mit einem Produkt auf der sicheren Seite. Aktuelle Projekte sind jedoch zu gross. Prototypen und Beispiele führen regelmässig dazu, das man meint: Ist doch alles fertig. Der „prüfende Programmierer“, der Sachverständige des Investors zeigt dann, dass da noch viel zu machen ist – ein Programmierer reagiert auf diesen Einwand kaum, für ihn ist die Feststellung trivial, denn keine Software ist je fertig, deswegen braucht man ja das Aufbau und Wartungsteam; Investoren verschreckt diese Einschätzungen. Sie sehen nur noch, was nicht ist und übersehen das demonstrierte Wesentliche.

Wenn das Produkt fertig ist, dann weisen Sie darauf hin. Wenn nicht, dann sagen sie einfach nur die zu erwartenden Entwicklungszeiten. Wenn mit herkömmlichen Mittel gearbeitet wird und die Schätzung nach diesen plausibel ist, dann werden sie keine Schwierigkeiten haben. Bei Änderungen des Arbeitsprozesses, insbesonders, wenn er Beschleunigt wird, werden die Sachverständigen skeptisch und verweigern die Zustimmung. Das ist sicher auch eines der Hindernisse meines Produkts: Mit herkömmlichen Mitteln und wenn alles von der Pike auf selbstgemacht wird, dann sind das viele Mannjahre aufwand. Um die internen Werkzeuge auf diesem Weg herzustellen und sie anzuwenden, braucht es nur wenige Mannmonate. Was glauben Sie, was wird der Gutachter sagen?

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: