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Gemeinsamkeiten von Flüchtlingen und LZAs

25. September 2015

Diesmal hat er am Donnerstag angerufen. Die Aussicht auf ein ungestörtes Wochenende stiegen in der inneren Statistik erfreulich weit in den grünen Bereich. Die Frage, die er stellte, liess vermuten, dass Grübeln am Wochenende angesagt ist: Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge – was haben die gemein? Oder anders: Ihm sei aufgefallen, dass sie gleich behandelt werden – warum?

Die gute Nachricht zuerst: Mein Wochenende ist gerettet! Deswegen hier, nur die schnelle Antwort: Die beiden haben wenig gemein. Sie haben nur eines gemein: Den, der sie verwaltet.

Dieser Verwalter grenzt sich gerne von den „anderen“ im Inneren und Äusseren ab. Er zieht gerne Grenzen und verteidigt diese massiv. Die meisten Grenzen sind jedoch willkürlich und emotional gezogen, echte Grenzen gibt es sehr wenige – letztlich gibt es Unterschiede, doch die sind immer auch Chancen, die man auch vergeben kann, derer man sich selbst berauben kann. Das ist mitunter einer der Gründe, warum manche Gruppen sang und klanglos verschwinden: Sie konnten sich nicht mehr anpassen.

Diese Abgrenzung führt dazu, dass die Welt schwarzweiss wird. Sie ist leichter zu leben, aber sehr begrenzt. Sie ist oft zu eng und verliert leicht den Boden unter den Füssen. Kompensiert wird das gerne mittels Schuldzuweisungen. Schuld hat der, der nicht so gut ist, wie man selbst – und gut ist, dass der Mächtige sich dieses Klientel selbst schaffen kann. Es sind nur ein paar Steine in den Weg zu legen und der Anwärter wird entsprechend der Manipulation handeln. Er kann gar nicht anders. Der Verwalter könnte anders, aber er will es nicht anders.

Wer sich gern nach unten vergleicht, um sich zu überhöhen, macht sich die Welt schön, verliert aber die Realität mehr und mehr. Die ersten Fehler sind gemacht.

In den Schulen gilt die Gausche Normalverteilungskurve: Es gibt wenige Gute, wenige Schlechte, viele in der Mitte. So mancher Lehrer, der seinen Stoff gut weitergeben kann, wird dadurch gezwungen, gute und schlechte Schüler zu generieren. Versetzen Sie sich bitte in diese Situation und wählen Sie Schüler aus, die gute Noten bekommen sollen und die, die schlechte bekommen sollen? Übrigens sind alle halbwegs objektiven Wege verbaut: Wer einmal zu den Guten/Schlechten gehört, der bleibt dort.

Gute Lehrer haben es nicht leicht; mittelmässige schon. Damit wird nur erreicht, dass die Leistung der Lehrer auf ein niedriges und tendenziell fallendes Niveau eingestellt wird.

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Dieses Beispiel „Schule“ kann Schule machen, da es nahezu auf alle anderen Arbeitssituationen übertragen werden kann, es ist nur eines unter vielen. Es gibt sie überall: Die Versager. Es gibt sie nicht, weil sie Versager sind, es gibt sie, weil ihre Umgebung Versager benötigt. Würde sie sich von dieser Sucht befreien, würden die Menschen sich einfach eingliedern. Sie würden das tun, weil jeder Mensch sich so verhält, wenn er kann. Manche stehen aber vor der Wahl: Das Verhalten dieser Menschen ist für mich und deren eigenen Regeln nicht tragbar – in diese Gruppe kann ich mich nicht integrieren. Die Gruppe wird mit grosser Zuverlässigkeit diese Kandidaten erkennen und weiter in die Ecke stellen. Sie werden ihr Verhalten als Erziehung begründen oder als, von den Kandidaten selbst erzwungene Härte, um deren Leidensdruck zu erhöhen, um sie heilen zu können.

Flüchtlinge werden zunächst einfach nur auf der untersten Stufe eingegliedert, denn der amerikanische Traum ist in jeder Gruppe möglich. Man kennt sie nicht und schätzt sie vorsichtshalber als Gesocks ein. Ausserdem will man keine Zuwanderer, es gibt schon zu viele Einheimische im Land, wir bräuchten eigentlich mehr Land (auch dann, wenn alle Zahlen bände sprechen),

Diese Einstellungen wurden verinnerlicht, sie funktionieren auch ohne Verstand. Wird dem nicht entgegengewirkt, dann sammeln sie sich weiter an: Irgendwann kippt in diesen Gesellschaften die Stimmung. Davor stagnieren sie, werden gemütlich

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Und was hat das alles mit Langzeitarbeitslosen zu tun? Mein Bekannter hat scheinbar die Aufgabe bekommen, Verfahren zu entwickeln, wie „solche Leute“ (das ist sehr nahe an: „die Anderen“) reintegriert werden könnten. Im Gespräch sind wir an einem anderen Punkt stecken geblieben: Besser wäre es, sie nicht zu generieren.

Doch zuerst: Was ist ein Langzeitarbeitsloser oder wie wird er gemacht?

Manche meinen, dass Langzeitarbeitslose faul sind. Ich kenne keinen Menschen, den „faul sein“ nach einer gewissen Zeit nicht fürchterlich nervt: Langeweile ist ein sehr belastender Zustand. Zwingt man jemanden dazu (wie z.B. die Flüchtlinge), dann kann man den Menschen krank machen, indem man ihm alle Perspektiven nimmt. Hat ein Mensch (oder denkt er sich, dass er) keine Aussichten mehr (hat), dann wird er untätig. Nennen wir diese ohne jede Perspektive: Dauerfaule. Gibt man ihnen Perspektiven, dann werden sie aktiv.

Dauerfaule kann man nicht durch Forderung aktivieren oder durch die Anweisung „endlich einsichtig zu werden und sich zu ändern“, sondern nur durch konkrete (passende oder interessante) Aufgaben. Sie liefern in der Regel Überraschungen und sie brauchen Menschen, die damit umgehen können. Dann sind sie bereits „reintegriert“. Es kann allerdings sein, dass Dauerfaule gesundheitlich aufgepeppelt werden müssen (immer in Begleitung leichter Tätigkeit bzw. Aufgaben).

Die Schmarotzer. Wenn ich die Daten richtig werte (es sind einfach zu wenige), dann sind das die „gesellschaftlich“ Aktiven. Menschen sind ihr Ding. In aller Regel sind sie einfach nicht an den richtigen Arbeiten – sie zu finden dürfte manchmal schwer werden. Wenn sie nicht zur Gemütlichkeit neigen eignen sie sich meist als Gruppenkit: Sie schweissen die Gruppen zusammen. Wenn sie zur Gemütlichkeit neigen und kreativ sind, dann kann man von ihnen lernen, wie man es schneller und besser machen kann (das kann man auch, wenn sie „nur“ kreativ sind).

Dauerkranke. In der Regel liegt es an der Perspektivlosigkeit, gepaart mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Auch sie werden mit Aufgaben und Aufstieg reintegriert.

Insgesamt kann man sagen: Dauerarbeitslosigkeit ist ein Symptom, das verschwindet, wenn es wieder Perspektiven in deren Leben gibt – allerdings sind sie in der ersten Zeit intensiv zu trainieren.

Fazit: (Das Wochenende ist gerettet!) Das Thema ist überzogen vom Symptom des Wir. Aktuell kann sogar gesagt werden, dass etliche der Flüchtlinge „selbst gemacht“ sind. Ausgeschlossene sind ein Gruppenergebnis, seltener Selbstverschulden.

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