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Flüchtlinge II

4. September 2015

Wohl ist mir bei diesen Themen nicht. Es müsste vieles zuerst recherchiert werden bevor man darüber schreibt, aber die Informationen liegen mir nicht vor. Auf dieser Basis kann nur auf historisches zurückgegriffen werden. Um die aktuelle Lage konkret zu bewerten, fehlen mir die Informationen sosehr, dass ich bereits angefangen habe, die besten dummen Sprüche darüber zu sammeln (z.B.: Soll mit Hilfe der Asylpolitik das Brandschutzproblem des Berliner Flughafen gelöst werden?).

Um Aktuelles sinnvoll beantworten zu können, liegen mir nicht genug Informationen vor und sie sind auch nicht (unmittelbar) greifbar. Es wäre nötig auf bessere Kanäle zurückgreifen zu können, kann ich aber nicht. Deshalb bleibe ich lieber allgemein.

Das begann bereits im letzten Post. Dort wurde gezeigt, dass wir (der Westen) zum Teil aus Eigennutz, zum Teil, weil es damals so üblich war und zum Teil, weil wir es scheinbar nicht besser können, viele der Entscheidungen mitgetragen haben, die letztlich (auch) zu den Kriegen führten, und es wurde damit geendet, dass wir (der Westen) dringend ein neues Konzept brauchen, wie Staaten gemacht werden.

Das wurde so hingenommen, war aber für viele – allem Anschein nach – zu weit in die Zukunft geblickt, „was kann unmittelbar gemacht werden?“ ist die meist gestellte Frage. Damit bringt ihr mich in eine Situation, die vom delphischen Orakel wie folgt beantwortet wurde: „Verfahre, wie es vor einer Reise bei deinem Volk üblich ist, opfere den Hausgöttern …“. Die Frage lautete: „Ich reise nach XY. Was soll ich tun?“. Auf die Frage: „Soll ich nach XY reisen?“ hätte das Orakel passendere Antworten geben können, aber da die Entscheidung bereits gefallen war und man vor vollendeten Tatsachen stand, sollte wie es üblich verfahren werden. Viel mehr gibt es da nicht zu sagen.

Es sei denn, es interessiert Euch, wie und warum wer darauf reagieren wird. Im Wir verhaftete freuen sich vielleicht nicht direkt darüber, dass es vielen schlechter geht als ihnen (obwohl das diese Leute sicherlich aufbaut und zum Ruf zur Disziplin und der alten Ordnung genutzt wird), wollen sich aber vor allem vor dem befürchteten „überrannt werden“ schützen. Die Reaktion ist der Ruf nach Zäunen und Mauern – wie überall auf dieser Welt, wenn diese Menschen die Oberhand gewinnen.

Ich bin nicht so davon überzeugt, dass die Trennung von Innen und Aussen, wie im Bilderbuch eine feste Grenze hat. Die Geschichte sagt zudem, dass, wer Grenzen auch Schlepper schafft. Aktio gleich Reaktio, da sind den meisten die Hände gebunden.

Da weder Soldaten noch Grenztruppen eine wirtschaftlich verwertbare Leistung erbringen, fehlen die Menschen, die zur Sicherung der, egal wie grossen, Grenzanlagen benötigt werden, der Wirtschaft. Ab einem bestimmten Umfang wird sie signifikant gestört und geschwächt. Der Punkt wird irgendwann (meist schneller, als es einem lieb ist) erreicht werden, an dem man sich zwischen den wirtschaftlichen Bedürfnissen und denen des aktuellen und austauschbaren Wirs entscheidet. In der Vergangenheit und, wie es sich bei den Politischen abzuzeichnen beginnt, auch heute wieder, wird zu Gunsten des Wirs entschieden werden. Das wird geschwächt, aber daran sind die anderen Schuld, und man kann intern mehr Druck aufbauen, das nützt uns.

Krisen verfestigen und halten Wirs am Leben. Ein Wir wird selten echte Hilfe leisten. Seine Hilfe wird immer auch seinen Vorteil ausbauen. Ausreden, warum das unmittelbar Anstehende und Vernünftige nicht gemacht wird, liefert auch das Wir: Eine Einmischung in ein anderes Wir ist nicht OK: Die wollen das nicht – selber Schuld.

Das Wir denkt territorial, es denkt national, es verliert die Menschlichkeit, wenn enge Grenzen (die Gruppen in den Gruppen in Gruppen) überschritten werden. Mit anderen Worten, wir sind bereits wieder auf dem Weg zurück in die Nationalstaaten. Die Politik hat keine andere Antwort auf diese Frage und sie steuert massiv in diese Richtung und egal in welchem Staat. Vielleicht bleibt ein Nord- und / oder Südeuropa übrig, aber sehr national geprägte, tendenziell polizeistaatliche Konstrukte werden das sein.

Kann man das verhindern? Freilich. Menschen, die einen in eine Wirs gegen Wirs Situation (wie z.B. Syriza) treiben wollen, denen werden andere Lösungen angeboten, nicht nur den herrschenden Wirs, auch der Bevölkerung. Die Deutungshoheit der Herrschenden kümmert sich genau um diesen Punkt: Wir haben alle Informationen, ihr, die breite Masse, nicht; lasst uns nur machen. Diese Deutungshoheit versucht die Unterwanderung der Bevölkerung zu verhindern. Das Internet, so, wie es aktuell aufgebaut ist, erlaubt es erstmals in der Geschichte, einem Staat, andere zu unterwandern – nicht umsonst wollen die Staaten alle die Kontrolle über „ihr“ Internet haben.

Die heutigen Regeln diskreditieren das Internet. Theoretisch kann jeder einen anderen, an den Interessen der Herrschenden orientierte Version, dieses Posts bekommen. Ein glaubwürdiges Internet würde sehr viel nützlicher sein, als ein unglaubwürdiges. Die Wirs-Konditionierung erlaubt das jedoch nicht.

Es ist also festzustellen: Da zur Zeit (immer noch) die Wirs den Ton angeben (und meiner Meinung nach schlechte Sänger und Musiker sind), sind Lösungen nicht zu erwarten eher Verschärfungen der Krisen. Das zeichnet sich bereits ab. Die küstennahe Diktatoren, die bislang die Flüchtlinge in Afrika hielten, werden von ihren südlichen Nachbarn abgelöst werden. Der Türkei werden bestimmte Zusagen gegen Flüchtlingsbremsen gegeben werden. So sollte, geht es nach den Regeln des Wir, die Reaktion aussehen.

Alternativ wäre es, die vorhandenen Strukturen zu nutzen und die Flüchtlinge dort wo sie das erste Mal sicheren Boden unter die Füsse bekommen, zu unterstützten. Dazu gehört es, diese Lager nicht ins Elend zu stürzen sondern sie wirtschaftlich aufzubauen, sie sollen nach Möglichkeit durch Eigenleistung sich selbst finanzieren. Dadurch werden sie wirtschaftlich interessant und können zu einer Bereicherung der Staaten, die sie aufnahmen werden. Eine Folge dieses „Jetzt ist alles gut“ Lagers mit eigener wirtschaftlichen Kraft, werden die Aggressoren in den kämpfenden Ländern immer fragwürdiger: Denen geht es gut und wir erschiessen uns hier gegenseitig? Dem Krieg würde so der Boden entzogen werden. Das führt zu Angriffen auf diese Lager.

Bis dahin war alles nur eine Sache der Nutzung vorhandener und geplanter, verwalteter, organisierter Arbeitsschritte. Ab diesem Punkt wird es offiziell politisch evtl. militärisch. Wichtig wäre es, dass die Politik bereits im Vorfeld aktiv wird und aufzeigt, dass solche Überfälle nichts bringen.

Folgende Reaktionen sind theoretisch denkbar: die Lager werden nur auf leicht zu sicherndem Gebiet aufgebaut, evtl. im Hinterland. Man richtet einen Pufferbereich ein oder man geht tiefer ins umkämpfte Gebiet, errichtet dort die wirtschaftlich autonomen Gebiete und geht, wenn nötig immer weiter vor – irgendwann verlieren die kämpfenden Parteien die Unterstützung der Bevölkerung. Denn geht es den Leuten in den befreiten Zonen akzeptabel besser, als in den Kriegsgebieten, dann stellen sie diese ihre Kämpfe ein und beginnen zu leben, zusammen zu leben. Das konnte man auch an Europa sehen.

Doch es gibt Interessengruppen, die das nicht wollen: Krisen sind nützlich um die alte Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Profiteure werden sich dagegen stellen. Sie sind besser organisiert und können mittlerweile auch die Massen manipulieren.

Fazit: Es gäbe einige Wege, die rasch Abhilfe bringen würde, wirtschaftlich interessant für die Flüchtlinge selbst, die aufnehmenden Staaten und international befriedend wirken würden. Das dumme ist nur, dazu braucht es eine IHR Einstellung – und die ist zur Zeit auf dem Rückzug. Nicht überall, aber vielerorts.

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