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Griechenland: Stichworte und kurze Erklärungen

12. Juli 2015

Wieso sparen? Wer mehr ausgibt als er einnimmt, braucht Geld von aussen. Bekommt man das nicht, dann bleibt nur Sparen.

Woher bekommt man das Geld? Von Banken oder von Privatleuten.

Wieso geben diese Geld? In der Regel, weil sie Zinsen dafür bekommen. Hohe Zinsen stehen für ein hohes Risiko, niedrige für ein geringes Risiko. Wenn die Banken an die Weisungen des Staates gebunden sind, dann geben sie Geld, wenn der Staat das verlangt – die Zinsen steigen dann.

Wie stark hätte Griechenland ohne die Hilfspakete der EU sparen müssen? Sehr viel härter. Insofern sind die Hilfen (zum Teil) faktisch Investitionsprogramme und liessen Griechenland weit besser aussehen, als die Wirtschaft tatsächlich war.

Was hätte Griechenland besser machen können? Nachzocken ist immer müssig, aber empfohlen hätte es sich, die ausgemachten Gegenleistungen zu bringen – das hätte die gr. Wirtschaft kurzfristig hart belastet, mittel- und langfristig wäre es besser für sie gewesen. Dies ist besonders hart für das griechische Volk, denn dem Volk wurden die Zumutungen zugemutet, Regierung und Oligarchen schlemmten, etliche nutzten die Gelegenheit dem Volk mehr zuzumuten, als ihnen von der EU zugemutet wurde.

Die Aufgaben wurden verschleppt und damit nur schwerer. Möglich war das, weil die EU ihren Staaten trauen muss, sie kann die Angaben die ein Staat ihr gegenüber macht, nicht prüfen, und der Euro erleichtert es den Mitgliedsstaaten, an billiges Geld zu kommen.

Warum verbilligte der Euro die Zinsen für Griechenland? Die Antwort ist mehrteilig:

  • Die Regeln innerhalb des Euro verlangen, dass die Banken sich an Regeln halten und vom Staat unabhängig sind. Die vorgesehen Regeln stabilisieren die Preise bzw. favorisieren eine geringe Inflation. Hält sich ein Staat und seine Wirtschaft an diese Regeln, dann ist er stabiler aufgestellt, als Staaten, die dies nicht tun. Stabile Staaten / Wirtschaften haben ein geringes Risiko und deshalb bekommen sie Geld für niedrige Zinsen.
  • Der Euro spiegelt nicht nur die Wirtschaft eines Landes, sondern stellt ein Durchschnitt mehrerer Wirtschaften dar. Das nivelliert die Zinssätze für die Ausreisser nach oben und unten: aus sehr harten und sehr weichen Währungen wird eine stabile Währung.
  • Bei einer Währungsunion stellen die (Finanz-) Märkte die Frage, wie Staaten miteinander umgehen, wenn einer in Schwierigkeiten kommt.

    Ohne wirtschaftliche und politische Union, sind die Staaten für diese Kriterien selbst verantwortlich, das steht in den Papieren der EU. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist das so (Staaten können ihre Wirtschaft auf Schuldscheine umschalten).

    Dennoch wurden die Staatsanleihen jedes EU Landes lange Zeit so gehandelt, als gäbe es keine Unterschiede. In diesem Punkt gingen die Märkte selbst höhere Risiken ein und testen auf diese Weise die EU, was ihr wichtiger ist: „Einbahnstrasse EU oder wirtschaftliche Stabilität?“ mit Erfolg: „Believe me, it will be enough.“

Warum soll ein Eintritt in die EU eine Einbahnstrasse sein? Das beantworten die Parteien in verschiedenen Phasen (des Aufbaus der EU) unterschiedlich.

Ein wichtiger Aspekt war: „ein Zurück zu alten Fehler ist unmöglich und führt unweigerlich in eine tiefe wirtschaftliche Depression / Rezession“.

Andere interpretierten es so: „wenn ein Staat in Schwierigkeiten gerät, ist dadurch eine sogenannte Transferunion unausweichlich“.

Auch das wurde getestet, Kandidaten gab es genug, das würde sich kurzfristig klären. Und in der Tat steht die EU seit ein paar Jahren vor dieser Frage – und bleibt die Antwort schuldig, will sich freikaufen und gleitet damit immer weiter in die Transferunion.

Mythos Macht der EU. Kann die EU per SMS einem griechische Minister oder Abgeordneten etwas befehlen? Wie man sieht, wehrt sich die Führungsschicht Griechenlands durchaus, wenn es ihre Umstände betrifft. Ob Erfolg gewünscht ist, ist fraglich, kann man Härten doch nicht mehr anderen in die Schuhe schieben.

Tatsache ist, dass die EU nur Vereinbarungen treffen kann, da jeder Mitgliedsstaat ein souveräner Staat ist, kann die EU nichts überprüfen sondern auf die Richtigkeit der Angaben angewiesen. Dies kann missbraucht werden.

Der EU sind bei Mitgliedsstaaten die Hände gebunden, die Verhältnisse basieren auf Treu und Glauben.

Was soll die EU tun? Ihre Hausaufgaben erledigen und die offen Fragen klären.

Was soll Griechenland tun? Sich der Wahrheit stellen. Das betrifft jedoch mehr die Nutzniesser der EU Gelder, das Volk tut das schon sein ein paar Jahren – mehr als genug. Einem souveränen Staat, wie es Griechenland nun mal im Kontext der EU ist, sollte von Aussen keine Ratschläge erteilt werden. Alternativen und deren Folgen kann man jedoch – unparteiisch – listen. Die Frage sollte umformuliert werden:

Was kann Griechenland tun? Es gibt gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Schieflagen. Ob alles auf einmal stabilisiert werden kann ist fraglich.

Deshalb ist die Wahl des ersten Schritts, ist der entscheidende Schritt. Wenn dieser gut gewählt wird, dann wirkt sich dieser Schritt verbessernd auf alle Bereiche aus.

Wirksamkeit von Massnahmen. Es gibt mindestens drei Areale, auf die mit Massnahmen eingewirkt werden können. Jeder Fehlstand in einem Areal kann Ursache oder Symptom anderer Fehlstände sein. Änderungen an Symptomen sind nicht maximal wenig wirksam:

  • Wirtschaftliche Massnahmen sind effektiv, wenn sie sich gegen konkrete wirtschaftlich falsch gelaufene Justierungen richten. Wenn z.B. zu viel Geld gedruckt wurde, kann das Problem (bis zu einem bestimmten Punkt) durch Reduzierung der Geldmenge gefangen werden.
  • Unter politischen Massnahmen werden hier nicht Wahlen und Referenden verstanden sondern Änderungen des politischen Gefüges. Das ist historisch geprägt und wird gesellschaftlich als korrekt angesehen und getragen.

    Effektive politische Massnahmen ändern die Machtverhältnisse – gibt es kein Gleichgewicht der Kräfte, verschieben sich die Verhältnisse immer mehr zugunsten der Stärkeren. Dies hat wirtschaftliche, soziale und (gruppendynamisch bedingt oft) religiöse Konsequenzen bzw. Symptome.

  • Gesellschaftliche Massnahmen. Die meisten stellen hier zunächst die Frage: „was ist eine gesellschaftliche Massnahme?“. Erkenntnisse, die reflektiert werden und eine Änderung der allgemeinen Meinung bewirken. In Griechenland ist das folgendes: historisch trainiert / fasst schon konditioniert ist das griechische Volk in Bezug auf die „Entscheider“. Diese waren über weite Strecken (weit verbreitet ist die Aussage: fasst ausschliesslich) „Andere“, das Wir der Griechen schliessen Machthaber / Tyrannen jeglicher Art aus, diese dürfen betrogen werden.

    In einer Demokratie bescheisst sich ein Volk mit dieser Einstellung selbst. Es sei denn, es gibt verdeckt eine gegen das Volk und Demokratie gerichtete „Führungsschicht“.

Hilfspakete. Sie verschieben und vergrössern die Probleme nur. Letztlich wird es einfach nur teurer und schwerer. In Kombination mit anderen Massnahmen können Hilfspakete jedoch die Härten mildern und die Ursachen neutralisieren.

Ähnliches bezweckte die EU mit ihren Hilfspaketen. Doch reduzierte die EU ihre Aktivitäten auf die wirtschaftlichen Aspekte – alles andere kann gefordert aber nicht geprüft und kaum sanktioniert werden. Das kann besser gemacht werden – allerdings nur dann, wenn Griechenland das auch trägt und selbst will – ansonsten sind Hilfspakete nur eine Dämpfung des scheinbar notwendigen Leidensdrucks des griechischen Volks.

Investitionen. Theoretisch wären Investitionen hilfreich. Doch nur, wenn das wirtschaftliche Umfeld stimmt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Investitionen allein nur wenigen nutzen wird, das Volk würde davon wenig abbekommen – Arbeitsplätze würden sie nicht schaffen, denn diese würden bei grossen, industriellen Projekten (wie üblich) ins billigere Ausland verlagert (das politisch auch noch stabiler erscheint).

Hilfreiche Investitionen in Griechenland sind nur von kleinen bis mittleren Firmen aus der EU zu erwarten – die in der ganzen EU praktisch nicht unterstützt werden (zu bürokratisch, zu kleine Beträge, zu viele Köche und Mitentscheider usw.). Diese würde Filialen und zweite Standbeine in Griechenland aufbauen bzw. Produktionsschritte auslagern (den Bausatz liefern und die Filiale übernimmt den Aufbau vor Ort (teilweise Italien, Serbien, Bulgarien, Türkei). Konferenzhotels könnten in Griechenland (wie EU weit) Tagungsstädten und Rückzugareale anbieten etc.

Was ist leichter Grexit oder Hilfspaket? Wirtschaftlich ist der Grexit, bzw. die Drachme oder Schuldscheine eine Erleichterung für das griechische Volk durch Konzentration auf den eigenen Markt und Kräfte. Die Verhältnisse von Lohn und Arbeit, staatlichen und privaten Leistungen können (vorerst) bleiben wie sie sind, nur die Verhältnisse der inneren und äusseren Parameter werden korrigiert.

Das Ergebnis ist: teure Import, interessante Exporte. Einige sagen auch, dass das bedeutet, dass was intern als gefeierte Leistung betrachtet und geachtet wird, im Aussen nicht entsprechend gewürdigt wird. Das ist ein Katalysator für Neid, der nur aufgefangen werden kann, indem im Land alles selbst hergestellt werden kann. Dann ist man unabhängig und ein Vergleich ist nicht mehr nötig.

Hilfspakete steigern die Abhängigkeit von aussen und stellen gleichzeitig Forderungen, die Leistungsfähigkeiten anzupassen. Das kann, das muss nicht gut gehen; besonders schlecht stehen die Karten, wenn die (notwendigen?) Änderungen nur gefordert werden.

Das gleiche Geld seines Hilfspakets wäre in den konkreten Aufbau der fehlenden Wirtschaftsteile in Griechenland wesentlich effektiver – würde aber das Veto aller betroffenen Wirtschaftsbereiche be ihren Staaten zur Folge haben (mit allen Androhungen).

Das bedeutet, dass die Staaten dann wieder für (doch diesmal für echte) Hilfspakete stimmen werden, weil davon die eigenen Firmen profitieren statt eine Konkurrenz vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Wirtschaftliche Folgen. Wird alles nur wirtschaftlich betrachtet, dann konzentriert sich alles auf wirtschaftliche Effekte. Werden die (richtigen) Änderungen nicht angegangen, dann profitieren nur die wirtschaftlich potenten. Das kann plausibel zwei Seiten unterstellt werden:

  • Den effektiven griechischen Machthabern und Gewinnlern, denn je härter die wirtschaftliche Lage ist umso härtere Massnahmen können getroffen werden. Härtere Massnahmen machen es dem Geld leichter sich an bestimmten Punkten zu sammeln.
  • Externe Geldpotentaten können in kaputten Wirtschaften extrem günstig einkaufen.

In Griechenland wurde bislang der Schwarze Peter ausschliesslich zu den Anderen, die Nichtgriechen, geschoben. Realistisch ist das max. Zum Teil. Das kann darann beobachtet werden, dass es durchaus in Griechenland viele gibt, die sehr gut in der Krise (auch der der letzten Monate) verdient haben.

Wirtschaftliche Gewinnler gibt es immer. Keine Gruppierung ist frei davon. Es kommt nur darauf an, dass diese keine freie Hand bekommen – dann kann Wirtschaft funktionieren; ansonsten ist jegliche Form von Wirtschaft nur ein Instrument der Machtausübung.

Es ist Zeit, nicht die wirtschaftlichen Automatismen zu beklagen und sich mit der Behandlung von Symptomen zum Aktivismus zu bekennen, sondern echte Änderungen anzustreben:

Bekämpfung Korruption und Schwarzmärkten (Steueroptimierung), Es wird immer behauptet, dass das nur über Jahre und Jahrzehnte umgesetzt werden kann. Es gilt aberauch , dass der Wille zählt. Mit anderen Worten: hat das Volk die Wahl (die ihm geboten werden muss!), dann kann das sehr schnell gehen – auch, weil es heute digital und vom Personal und Wissen der EU getragen werden kann und nur der Rückfall in alte Gewohnheiten zu vereiteln ist.

Bei den Steuern wird in Griechenland davon ausgegangen, dass wenn, dann nur jeder zweite oder dritte Euro gezahlt wird (mancher sagt, dass das bereits eine optimistische Schätzung sei). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die aktuell hohen und steigenden Steuersätze massiv gesengt werden können, wenn dem Problem beigekommen wird.

Korruption ist ein Preissteigerer erster Klasse (ähnlich effektiv wie Schulden). Die meisten exemplarischen Rechnungen zeigen, dass Korruption die Preise mindestens verdoppeln. Unterstellt man diesen Wert, dann würden die Preise in Griechenland (für Inlandsprodukte) um die Hälfte sinken und wären damit konkurrenzlos billig – auch in der EU.

Eine gesellschaftliche Entscheidung gegen Korruption und Schwarzmärkte wäre das tragfähigste Instrument um wirtschaftliche und politische Schieflagen zu korrigieren zu können und, wenn es effektiv durchgezogen wird, ist es eine sehr schnell wirksame Massnahme.

Alle anderen Massnahmen sind demgegenüber ein Tropfen auf dem heissen Stein, sie verschleppen die Lösungen nur und sind praktisch unwirksam.

Ob das im Rahmen der EU geht oder Griechenland für eine Zeit pausieren sollte, ist umstritten, das sollte die EU klären.

Wirksame Mischung von Massnahmen, Die Griechen sollten sich zur Bekämpfung von Korruption und Schwarzmärkten, dominierten Märkte entscheiden. Darauf können politische (in Griechenland und in der EU) und wirtschaftliche begleitende, unterstützende Massnahmen vereinbart werden.

Z.B. kann mit der EU eine Anti Korruption und Schwarzmarkt IT relativ kurzfristig und prototypisch angeboten werden. In Griechenland bräuchte es eine Regierung, die das effektiv übernehmen kann (eine technische Regierung wäre sehr geeignet, ansonsten nur eine Regierung, die intensive begleitende Kontrollen von innen und aussen zulässt und unterstützt).

Relativ geringe Überbrückungskredite um den Geldkreislauf wieder in Gang zu bringen, kombiniert mit einer höheren Gewichtung des eigenen Markts, der gepuscht wird, durch die Tatsache, dass Ideen eine echte Chance bekommen (auch durch Urlauber), würden den Binnenmarkt stärken, die nötigen Perspektiven und Zuversicht schaffen, die dringend nötig sind.

2015 würde turbulent aber bereits die Entscheidung – falls das griechische Volk das will – würde in kurzer Zeit viele Ideen und viel neue Kraft in den Markt bringen. Vielleicht sollte eine offiziell unterstützte Crowd Plattform ala States-Supports-Peoples-Power (S2P2). Wenn Griechenland will, kann es bereits ein gute Weihnachtsgeschäft geben.

Jeder Tag zählt. Da sollte nicht gezögert werden. Eine relativ einfache aber eingängige vorläufige Wirtschafts- und Steuerregelung, Zeit für Gr. Um sich eine neue Verfassung zu geben (das ist nicht nur technisch notwendig, das ist ein wichtiges Symbol für den Willen des Volkes zur Erneuerung und Wiedergeburt des Landes, besser als der, der soeben beschworen wurde.

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