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Griechenland und worum es geht

4. Juli 2015

Im letzten Post ging es nur um „verhandelt Griechenland hart“. Es kommt sehr darauf an, was man unter einer harten „Verhandlung versteht“. Manche wollen eher wissen wie man „Druck aufbaut“. Auch hier gilt wieder: vorbereitet sein. Wer die Konsequenzen kennt, kann diese mehr oder wenig dramatisch darstellen. Übertreibt man das, geht das schnell nach hinten los.

Es ist immer besser, genau das Gegenteil anzustreben – nur nicht am Anfang. Das ist wie beim Verkaufen: Wenn der Kunde keinen Bedarf hat, dann schafft man den – das ist der einzig legitime Druck, der vom Kunden akzeptiert wird: es wird etwas aufgezeigt und in den Fokus gerückt, was vorher unbeachtet und als neutral betrachtet wurde.

Harte Verhandlungen werden – wie alle Verhandlungen – daran gemessen, wie erfolgreich sie sind. Eine „harte“ Verhandlung fordert dem Partner mehr ab als, als eine „normale“ – sie gibt ihm aber auch mehr, sonst würde er es nicht machen. Asymmetrisch Verhandlungen sind keine Verhandlungen, da sie eher einem Diktat gleichen. Der Arbeitgeber kann härter verhandeln, wenn der Arbeitgeber unter Druck steht – z.B. weil sich glaubhaft versichern lässt, dass es viele andere geben wird, die den Job für diese Konditionen machen werden. Deshalb bilden sich Gewerkschaften, die diese Asymmetrie aufheben.

Griechenlands Position gleicht etwas der, eines (von vielen) allein verhandelnden Arbeitnehmern. Die Folge war, es musste grösser werden, damit die Verhandlungen erfolgversprechend werden. Gewählt wurde die „grosse internationale soziale Gemeinschaft“. Vergessen wurden folgende Punkte: In anderen Ländern gab es ähnliche Vorgaben und sie wurden eingehalten – ob sie erfolgreich waren, steht auf einem anderen Blatt ist ist vom Blickwinkel abhängig: die Verlierer dieser Massnahmen sehen das gewiss anders als die Gewinner. Objektive Bewertungen sind dagegen selten.

Die grosse (kapitalistische / kommunistische / sonst irgendwelche) Internationalen zu beschwören, ist eine Sache, die vorbereitet werden müsste, da evtl. Anhänger ihre Situationen synchronisieren müssten, um gemeinsam handeln zu können. Hier wurde auf die Wirkung weniger charismatischer Menschen gesetzt und darauf, dass es überall genügend Menschen gibt, denen es schlecht genug geht, dass sie alles andere riskieren würden. Weder sind die Akteure charismatisch genug, noch haben sie ausser Parolen, Hurra-Patriotismus (wenn X für Land A steht und dessen nationalen Interessen vertritt, welchen Grund sollte ein Vertreter eines anderen Landes haben, sich ihm anzuschliessen?) und Emotionalisierung etwas anzubieten, schon garnicht einen Plan, ausser dem Merkel Imitat: lasst uns mal machen.

Die Internationalen wurden in letzter Zeit zwei mal beschworen: Die kommunistische während dem zweiten Weltkrieg (sie ist deshalb immer noch diskreditiert) und die kapitalistische nach dem Zusammenbruch der Sowjet Union. Damals schwächelten beide Systeme, die Sowjet Union war einfach nur schneller. Doch unmittelbar nach dem „Sieg“ hörte man wieder vom „gottgewollten System“, das natürliche weil es das stärkere System ist. Wirtschaftlicher, politischer bzw. systematischer Darwinismus incl. der Instrumentalisierung aller verfügbaren Kräfte.

Die kapitalisitische Internationale heisst Globalisierung. Nur zur Erinnerung: Hier geht es nicht darum, Wirtschaft abzuschaffen oder sie einzelnen (z.B. zur Planung) zu überlassen. Doch genau aus diesem Grund ist es auch nötig, gewisse Mechanismen des Kapitalismus, wie die Konzentration des Geldes an bestimmten Punkten, entgegen zu wirken. Ungezügelte Märkte bewirken das. Ausserdem ist der Staat einer der grössten Marktteilnehmer und dominiert bestimmte Teile. Er ist selbst Interessent und Teilnehmer also Akteur des Marktes. Dieser Akteur kann auch gleichzeitig die Gesetze selbst machen – der Interessenskonflikt schlägt bei der Datensammlung voll durch.

Die Vorteile (für Wirtschaft und Bevölkerung) der damals neuen Techniken wie Postkutschen statt Kuriere (viele anonyme Briefe pro Pferd statt einem pro Kurier etc.), die Beschränkung auf Geschäfts auf den Transport, nicht auf die Auswertung der transportierten Informationen, ermöglichten es den Unternehmern, erfolgreich zu sein. Die Anonymisierung der Sendungen durch die Masse und die Erhöhung des Aufwandes, dass man mehrere Postkutschen überfallen müsste, um einen bestimmten Brief zu bekommen (den man vielleicht nicht erkennen kann), etablierte einen neuen Markt: Informationstransport. Heute sind wieder Räuber auf der Strasse, bzw. es sind alle Zugänge weit offen auch für Missbrauch.

Das Thema wurde breit ausgetreten, weil hier eines deutlich wird, das wesentlich für die heutige Gemeinschaften ist: Sie halten sich an Regeln (auch, weil sich der Aufwand sich die entsprechenden Informationen zu erschleichen, schlicht nicht lohnt), weil sie für alle gut sind, entweder, weil sie elementar für das Konstrukt sind (z.B. Infrastruktur) oder weil jeder einen gleichwertigen Vorteil hat (das Postgeheimnis schützt beide Parteien) oder weil es z.Z. einfach keine bessere Lösung gibt.

Der letzte Punkt ist der, über den man die Sache in Bewegung setzen kann – das geht aber nicht von jetzt auf gleicht. So etwas braucht seine Zeit – leider.

Im aktuellen Thema Griechenland, werden sehr alte Fragen der Gesellschaftsordnung bis hin zu den Diskussionen um den zweiten Weltkrieg, reaktiviert und wiederholt – allein dieses Unterfangen ist wenig erfolgversprechend, weil sehr alte und über lange Zeit diskreditierten, niemals rehabilitierte sondern nur stereotyp heruntergebeteten Argumente wiederholt werden – so funkioniert das kaum, denn zumindest die politischen Akteure kennen die alten Parolen und können diese leicht beiseite schieben.

Im besten Fall endet das Thema in einer Art Aufarbeitung der Geschichte – einer emotionalisierten Form, die in aller Regel kontraproduktiv ist. Um der möglichen Diskussion eine andere Richtung zu geben, hier ein Einstieg ins Thema:

Freigelassener Kapitalismus konzentriert die Macht im Geld, dieses konzentriert sich an der Spitze, diese entscheidet (versteckt, wie heute, oder offen, wie morgen) über alle Produkte, die es schaffen werden und in welchem Ausmass sie es schaffen werden. Der Unterschied zur Planwirtschaft verwischt. Die Effekte werden dieselben sein, bis auf die Tatsache, da jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, der Kampf jeder Gegen jeden, wieder zur Glorifizierung des öffentlichen Kampfs auf Leben und Tod führen wird.

Die Systeme unterscheiden sich im Endeffekt kaum. Heute stehen wir (wiedereinmal) vor so einem Ende, das Geld ist bereits Konzentriert auf wenige hundert Menschen / Firmen, es kann jetzt sehr schnell gehen, dass sich Zeiten etablieren, die – um es in einem Bild zu sagen – den alten feudalen Verhältnissen sehr ähnlich sind. Selbst die wenige Klassengesellschaft formiert sich bereits wieder, es gibt wieder die gottgewollten Herrschenden (Eliten), die Ritter (durch Treueeid an Firmen und Personen gebundene, von diesen voll abhängigen und durch möglichen Aufstieg motivierten Erfüllungsgehilfen), der akademische Adel (der die wenigen Konstruktions-, Entwicklungs- und Designaufgaben liefert, die in einer vollautomatischen Produktion nötig sind), bestimmte Städte werden andere dominieren, die Arbeitnehmer werden wie die Leibeigenen jener Zeit sein. Die unteren Schichten gibt es bereits, die obere auch, der Mittelteil wird gerade etabliert, die Kostentreiberei beim Studium ist ein gutes Indiz dafür.

Ein Gegenentwurf wurde im Blog bereits aufgezeigt. Es gäbe viele Möglichkeiten. Doch das soll hier nur am Rande erwähnt werden. SynErgy kann bei sehr vielen aktuellen Aufgaben helfen und kann zur integrierende Kraft Europas werden. Wie ein Netz (aus Sicht der Software) für alle besser werden würde, wird mit den Anonymizer skizziert, eine interne Organisationsform wird mit den 150er aufgezeigt. Ebenso ein wirtschaftliches System gezeigt, das die Vorteile kombiniert und aus dezentraler, individualisierter, vollautomatischer Produktion in dynamischen und lokalen Wirtschaftseinheiten besteht und Handarbeit und automatische Produktion parallel zulässt und unterstützt.

In dem Gegenentwurf geht es nicht um das Prinzip so oder so, sondern es geht darum, das Beste von allem zu kombinieren. Alles kann schrittweise eingeführt werden und es kann eine Übergangsphase organisiert werden, die das aktuelle Vorgehen mit dem Ziel unaufgeregt in einander übergehen lässt. In Krisensituationen (Massenarbeitslosigkeit etc) kann der Übergang lokal forciert werden, in guten Zeiten, der Übergang etwas langsamer angegangen werden.

Doch das wird aktuell beim Thema Griechenland nicht diskutiert. Diskutiert werden sehr alte systematisch bereits veraltete Konstruktionen, die sich ähnlicher sind, als der aufgebauschte Unterschied es heute einen vermuten lässt, lässt letztlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu. Der Gegenentwurf ermöglicht eine Weiterentwicklung durch Verallgemeinerung der besten Eigenschaften nicht der individuell gewünschten, der Verhandelnden.

Leider stellen die Neuen aus Griechenland einige gute und wichtige Fragen (ich sage nicht, dass sie die richtigen Antworten liefern), auf die Art und Weise, wie sie das Gegenteil erreichen, diskreditieren sie leider diese Ziele und stabilisieren die Position der Gegenposition bzw. erreichen ein Spaltung Griechenlands, die sich dort leicht zu einer echten Teilung Griechenlands steigern kann, denn Regionen und Städte sind Kondensationspunkte der Meinungen. Ich bin mir recht sicher, dass bereits an dem Ergebnis der Volksbefragung sich die zukünftigen Areale ablesen alssen werden können. Ob sich eine erste Vermutung bestätigt, dass Städte zu Nein, touristische Gebiete zu Ja tendieren, wird sich zeigen. Aber auch Jung zu Ja, Mittel und Alt zu Nein.

Die vielbesprochene Würde der Griechen ist ein sehr widersprüchliches Thema. Würde ist ein Begriff, der mit der Ehre verbandelt ist und der wiederum ist mit der Familie verbunden. Die Familie (aber auch die Stadt, Region und Religion) sind organisatorische Vorformen zum Staat, in den Übergangsphasen werden Politiker wie die alten Ansprechpartner bei Problemen behandelt: man macht mit ihnen ein Geschäft. Meine Stimme gegen deine Leistung – liefere und du wirst wiedergewählt. Das widerspricht dem Grundgedanken des Staates: allgemeine, gerechte, integrierende Regeln, keine individuellen Regelungen.

Man kann sich das deshalb auch so erklären: Egal wie alles ausgeht, wenn ihr mich wählt, dann werde ich dafür sorgen, dass wir alle gemäss unserer, frei gewählten Welt und unserem Recht und Ordnung leben werden. Die Betonung der Würde bedeutet in diesem Fall, dass Griechenland die Wahl hat, es nach den eigenen – wie auch immer gearteten – Regeln und Gesetze leben wird oder sich nach den Regeln anderer zu richten hat (dass diese integrieren können wird konterkariert und als diskreditierend abgestempelt). Das hätte man verhandeln können, wenn man die Regeln und seine Möglichkeiten genutzt hätte – so ist einfach ein Gegenkurs und Trotz gesteuert worden, der sich durch widersprüchlichen politischen Aktionismus auszeichnet. So wird das auf dem Verhandlungsweg nichts. Und das weiss auch die gr. Reg. Sie verschweigt aber, dass der Kurs, den sie steuert kaum noch Alternativen aufweist: Banken brauchen Geld, wenn es keine Euros sind, dann eben eine andere Währung. Die Schulden werden bleiben (Griechenland kann zwar sagen, dass es die Schulden nicht bedient, doch diese können jederzeit von jemandem zu günstigen Konditionen gekauft werden und, da sie gültige Verträge sind, die in diesem Sinn nicht gekündigt wurden, jederzeit wieder mit Zinsen geltend gemacht werden können), neue werden anfallen, können aber nicht bedient werden, die Verarmung der Bevölkerung wird sie zum Verkaufen aller Besitzstände nötigen (durch das Nein) usw. Die gr. Bevölkerung hat demnach die Wahl, die Befürchtungen, die durch die Emotionalisierung geweckt wurden, zu erfüllen, oder den Ball flach zu halten.

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