Skip to content

Was passiert bei einem Grexit?

21. Juni 2015

Um die noch offene Frage „Was passiert beim Grexit“ zu klären, hier ein recht guter, kompakter Überblick, der – sehr unüblich für den Blog, aber irgendwie gerechtfertigt – auf eine andere Site verweist:

http://taz.de/Aus-Le-Monde-diplomatique/!5205095/

Zur Ergänzung und ins aktuelle Thema gestellt:

  • Theoretisch muss Griechenland nicht die Drachme einführen und den Euro auch im Fall eines Austritts beibehalten. Ändern würde das jedoch nichts, denn die Preise und Löhne würden dennoch korrigiert werden.

    Bei einer massiven Entwertung könnte es passieren, dass man Anschreiben muss, um den Cent über ein paar Tage voll zu bekommen.

  • Muss der Schuldenschnitt sein? Er wäre vernünftig. Niemand glaubt, dass es ohne ein drittes Paket mit weiterem Schuldenschnitt gehen wird. So wie es aussieht, ist eines der Probleme dabei, wie er herbeigeführt werden sollte, das war mehr als nur ungeschickt, das hätte mit Stil statt mit Gewalt erledigt werden sollen.

    Die strikte Weigerung der Geldgeber, mag für so manchen nachvollziehbar sein (einfach weil es schon merkwürdig herbeigeführt werden soll), in der Sache aber, scheint sie wenig sinnvoll zu sein, genauso wie das Vorgehen der anderen Seite.

    Aber das ist Politik. Mit sinnvoll kann man da selten argumentieren. Dennoch lohnt sich ein Blick aufs Ende. Das alte System würde massiv unterstützt werden. Eine Chance für die Demokratie sieht anders aus – findet aber keinen Platz in den aktuellen Vorschlägen und Verhandlungen. Das kommt einer Themaverfehlung empfindlich nahe.

  • Kann der Schuldenschnitt gestaltet werden? Beide Seiten sagen Ja, z-B. Indem die Zahlungsziele nach hinten verschoben werden. Der Unterschied liegt im Detail: Die Geber Seite meint, dass es bereits genug nach hinten verschoben wurde, die Schuldner meinen, dass es noch nicht reicht

Bezug auf das im Blog Gesagte.

Manche scheinen daraus zu Lesen, dass ich ein Befürworter des Grexit bin – ich bin der Meinung, dass man Menschen, die gehen wollen, nicht aufhalten kann. So, wie die aktuelle griechische Regierung an die Sache herangeht und was man von aussen davon mitbekommt, funktioniert das nicht. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Wenn jedes vernünftige Argument oder der Blick auf die Realität auf der einen Seite schlicht fehlt. Aktuell scheint es aber so zu liegen, dass das bei beiden Seiten der Fall ist.

Dass Griechenland bei einem Grexit zum Privatbesitz mutieren kann, unterstreicht nur, dass dann viele sehr harte Massnahmen zu ergreifen sind (gleichzeitig ist das Spiel verloren, denn wenn jemand verkaufen muss, findet sich auch ein Käufer und egal, wer der nun sein wird, es kann nur jemand sein, der über mehr Geld verfügt als die anderen: Geld kumuliert eben), wird zusätzlich zu den „Grossgrundbesitzer“ eine Willkürherrschaft errichtet, beide arrangieren sehr gut und durchdringen sich gegenseitig. Die Griechen wird es nicht weiter wundern, denn das sind sie shon gewohnt. Dennoch wird hier sehr wahrscheinlich an einer Diktatur gearbeitet.

Die EU hat mit Griechenland schon viele Fehler gemacht, es kommt nun darauf an, ob Realismus regiert oder ob sie so verfährt, wie es in Krisenzeiten eben oft ist: der Kleinere oder Schwächere wird zum Sündenbock gemacht und ist selber schuld.

Ist das, was mit Griechenland insgesamt passiert fair? Das war es nie. Die EU gab sich grosszügig und der Weg in die Vorhölle war mit guten Vorsätzen gepflastert. Das ist gründlich genutzt worden. Und es scheint, dass hier ein Blick auf die typischen Verhandlungstaktiken erhascht werden konnte. Es steht einfach die Frage an, ob man in Griechenland jemand findet, der es in die von vielen Griechen erhofften „geregelten Verhältnisse“ (bitte genau nachfragen, wie das genau aussehen soll, da gibt es durchaus andere Ansprüche und Ansichten, das darf man nicht Wort wörtlich oder so, wie das hierzulande viele interpretieren würden, verstehen) führen kann.

Da die aktuelle griechische Regierung sich als sehr rustikal erweist, ist ihr eine derartig diplomatische und kommunikative Arbeit kaum zuzutrauen – aktuelle Mehrheiten sind da nicht relevant, denn wenn klar ist, dass mit dieser (präsentierten und für uns sichtbare) Art nur die alten Verhältnisse reetabliert werden werden, wird diese schnell weichen (ist dann aber auch nicht weiter interessant – für die Oberen).

Man kann erwarten, dass sie weiter alle daran arbeiten werden, den alten Aktionismus weiter zu betreiben und letztlich nichts (sinnvoll) zu bewegen. Die extremen Positionen bzw Interpretationen scheinen: Retourkutsche und Strafe durch Privatisierung und schlechte Zeiten auf der einen Seite zu sein und auf der anderen: dasselbe, nur eben andere Figuren. Jetzt wird auch klar, warum jeder letztlich die Oberhand haben will.

Doch ist es sicher nicht ganz so einfach, es gibt durchaus aus Postionen, die nachvollziehbar sind, die aber auch alle ein bisschen realitätsfremd sind. Fehler sind mit Griechenland und der EU ein ständiger Begleiter, es vernünftig zu regeln, wird mit jedem Fehler für beide Seiten schwerer.

Es darf aber nicht verheimlicht werden, dass wenn man das Grundproblem in Griechenland angehen will, das dem Versuch gleicht, Italien binnen Jahresfrist von der Mafia zu befreien. Selbst die administrativen Herausforderungen sind enorm.

Allein die Vermessung Griechenlands ist eine grosse Aufgabe. Könnte man den ditigalen Werkzeugen trauen, dann würde ich vorschlagen, dass man das per Satelit erledigt und die erste Bestimmung der Grenzen von den Heerscharen der Spezialisten in den Stadtverwaltungen und von Universitäten etc. Für die Streitfälle und den Vermessungen vor Ort sollte dann auch auf die Vielen noch rüstigen aber verrenteten Vermesser europaweit zurückgegriffen werden – nur sehr sensible Gegenden benötigen hoch offizielle Vorgehen. Die Vermesser sollten nicht auf Korruption anföllig sein, hier sind leider viele Beobachtungen nötig, damit Griechenland nicht gleich bei der ersten lukrativen Gelegenheit ins alte Fahrwasser gerät.

Beim Aufbau der Verwaltung wird ebenso auf ganz Europa gesetzt.

Die Übergangszeit kann nur mit einer technischen Regierung gelingen, alles andere wird schnell unglaubwürdig.

Die Sicherung der digitalen Komponenten etc. sind eine sehr grosse Aufgabe, von der Investition darin könnte aber ganz Europa profitieren.

Ganz Europa steht vor der Wahl Nägel mit Köpfen zu machen oder mit Sicherheitsnadeln mal wieder zu flicken. Die Erfahrung macht diesbezüglich aber skeptisch.

Advertisements

From → Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: