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Wir und Ihr im Werden

4. Juni 2015

Ein paar freie Tage für Euch drohen zu Arbeitstagen für mich zu werden. Euch beschäftigt das Werden und da speziell der Unterschied zwischen dem Wir und dem Ihr.

Ein Hauptunterschied ist, dass das Wir immer ein die „Anderen“ benötigt und diese mehr oder weniger ausschliesst, das Ihr schlicht integriert, einschliesst – das Ihr braucht weder Widerpart noch Unterschied, das Wir baut darauf.

Für alle, die mit dem Begriff Werden nichts anfangen können. Es ist ein alter Begriff, aus Zeiten, in denen das menschliche Denken durch Allegorien und Analogien getrieben war, heute ist das Treibmittel der Bewies – Analogien und Allegorien spielen eine kleinere Rolle, aber sie spielen noch eine Rolle.

Die Grundregel des Werdens ist ein Schema, das ein Thema vollständig aber schrittweise durchwandert. Grob verallgemeinert beginnt man ängstlich und mit den schlechten, abweisenden, den aggressiven Komponenten um über eine neutrale Haltung bei den positiven Komponenten das Thema ausklingen zu lassen. Aus dem Thema wird dann eine interne Komponente zum neuen Thema. Eine typische Kette sieht wie folgt aus: Das Ich wird „entdeckt“ dadurch auch die Umgebung, über die Schritte: „Ich oder die Welt“ und „mein Teil von der Welt“ wird Austausch und Kommunikation,. Eine andere Kette lautet: Ich / Du / Wir / Ihr. Die erste Kette zeigt die inneren Schritte der Ich-Werdung, die Zweite, wie es mit dem Ich weitergeht. Am Ende der ersten Kette kann kaum noch eine Unterscheidung zwischen Ich und Du gemacht werden, der ständige Austausch macht aus Zweien Eins. Dasselbe passiert dann in grösserem Stil, aus der Ich / Du Einheit wird ein Wir und dieses letztlich zum Ihr, das alle Menschen umfasst.

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Obwohl der Eindruck entsteht, dass es sich beim Werden um eine aufsteigende Entwicklung handelt, gibt es keine Hierarchie. Der Grund ist simple: Praktisch jeder Schritt ist intensiv mit seinen Aufgaben beschäftigt. Ob man sich bei einem anderen Schritt leichter tun würde, ist unwichtig, es gilt, den ganzen Weg zu gehen.

Was passiert, wenn man am Ende angekommen ist, wird nun gefragt. Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, dass es nahtlos mit etwas Neuen weitergeht, sie vertreten oft die Meinung, dass das Werden nicht ein insich geschlossener Kreis sondern eine in sich geschlossen Spirale sei, ein Teil dieser Gruppe meint, dass damit die Entwicklung abgeschlossen sei und einfach etwas Neues beginnen kann aber nicht muss.

Wieder andere sind der Meinung, dass das nur ein Bild sei und der Mensch mehrere Entwicklungen parallel erführe und so ständig in Entwicklung bleibt, weil jede neue Entwicklung sich auch auf die anderen Entwicklungen auswirke und diese ändere.

Wie man sieht, ist das Werden eine recht offene Sache und man kann sehr intensiv darüber diskutieren. Aber da es so offen ist, taugt es letztlich nur dazu, ein grobes Bild vom Sein für sich selbst zu zimmern, es bleibt wage, ist dafür offen und tolerant.

In diesem Blog wurde es ein paar mal angesprochen, als etwas Besinnliches zu den Feiertagen und weil es gut zum Thema Egoismus / Altruismus oder „Was ist der Mensch?“ passt, das häufiger angesprochen wird.

Man sollte es mit dem Werden nicht allzu ernst nehmen, wir sind heute kaum gewohnt in diesen Kategorien zu denken und es hat die Tendenz zu wuchern, und egal, wie verlockend es – gerade für Programmierern sein mag – wenn man sich die geringe Zahl der Regeln und deren Einfachheit ansieht, dass man damit eine Art Weltformel oder -simulation machen könnte, entzieht sich dieses Schema – wie jedes andere auch – bald der Kontrolle und es bräuchte schon die Materialien einer ganzen Welt um diese Simulation durchführen zu können. Zeitlich gesehen, ist das keine praktische Lösung.

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Die meisten Fragen zum Werden beziehen sich auf das Wir / Ihr und vor allem auf Religion. Wichtig ist dabei: Wir reden über das Werden und in diesem Zusammenhang über die anderen Themen. Da es aber kaum ein flüssiger Text wird, wenn jeder Satz mit: „Aus Sicht des Werdens ist zu diesem Punkt folgendes zu sagen“ beginnt, lasse ich ihn hier stehen, einer für all die Gelegenheiten, an denen die Einleitung angebracht wäre, damit klar ist, dass weder über Religion, Politik oder Gesellschaft aus deren Sicht gesprochen wird, sondern nur aus Sicht des Hauptthema Werden.

Folgende Punkte sind Euch wichtig:

Unterschied Wir / Ihr?

Wir und Religion sind eine Einheit – warum?

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Die einzelnen Kettenelemente sind nicht klar und deutlich von einander getrennt, die Grenzen sind fliessend. Allein schon der Umstand, dass aus einem inhärenten Thema das nächste grössere wird, zeigt auf, dass selten eine klare Grenze zwischen den Kettengliedern gezogen werden kann. Diese Frage bleibt immer etwas offen, man muss schätzen und kann so sehr schnell sehr schief liegen – davon sollte man die Finger lassen. Aber das Werden eignet sich dazu, zu dem Blickwinkel anderer eine Art ersten Zugang, erstes Verständnis aufzubauen. Nur aus diesem Grund, lasse ich mich ein weiteres Mal auf das Werden im Blog ein.

Der Mensch begreift sehr schnell, dass er bestimmte Sachen nicht alleine schaffen kann, dass er Gesellschaft braucht und dass bestimmte Verhaltensweisen ihm als Gruppenwesen nicht gefallen. Dennoch ist es nicht einfach Urinstinkte wie Kampf / Fluch Alternativen, die das einzige Werkzeug des ersten Schritts sind, wenn die Umgebung Überraschendes aufwartet, zu beruhigen, die Worte: „Das gehört zu mir“ ist jedoch wirksam. Wird dann das Du integriert, ist eine Vergrösserung der Gruppe fast unausweichlich. Meist wächst man bereits in der Gruppe auf und in einem Wir.

Das Wir benötigt nur plausible Mythen und / oder Legenden, die die Welt irgendwie erklären. Es sanktioniert jedoch jeden Versuch, dieses Konstrukt zu hinterfragen oder es zu ändern. Das Wir benötigt immernoch die Bedrohung von aussen und schliesst diese durch die Beschwörung der eigenen Kraft und Macht der Gruppe aus. Diese Art des Wir kann nicht anders und wird immer wieder aggressiv – stets mit der Begründung, dass der andere das nicht versteht, deshalb zur Gefahr der eigenen Sache wird und diszipliniert oder gar beseitigt werden musste. Diese Art des Wir kann kaum Selbstkritik üben. Der Überbringer schlechter Nachrichten wird gerne mal umgebracht ebenso wird die Wut, die durch das Erkennen der eigen Fehler und Fehlbarkeit entstehen, gerne mal an einem „minderwertigen Mitglied einer kleineren Gruppe“ ausgelassen.

Typisch für diese Art des Wir ist, dass sie anderen die Welt erklärt und jeden, der diesen Erklärungen nicht folgen kann oder will, definitiv ausschliesst, evtl. sogar zum Feind erklärt und sicher nicht zögern wird, die Tat zu vollbringen.

Ein Mann der Kirche hat sein Leben einmal so beschrieben: „Am Anfang war ich voll des Lobs über das Wunder der Welt und redete gerne und oft mit jedem darüber, um ihn daran teilhaben lassen zu können. Der Überschwang konnte nicht jeden erreichen und es konnte sein, dass ich mich an solchen verbiss, das steigerte sich manchmal zu sehr unchristlichen Gedanken. Dann bemerkte ich, dass die innere Aussprache das war, was mich erfüllte und ich wurde schweigsam“.

Ähnliche Geschichten hört man von vielen Menschen, die diese Phase durchleben: Extrovertiert und missionarisch zu beginn und nach und nach werden sie ruhig und introvertiert, wollen nicht mehr über Gott und die Welt sprechen, sondern machen diese Themen lieber in und mit sich aus Sie sind meist gute Zuhörer und werden tolerant. Das Thema des Ihr ist die Toleranz.

Allerdings beginnt diese Phase ebenso wie das Wir endete: Der Mensch denkt über das Leben nach und ist gerne für sich. Er erkennt immer noch nur eine Regel und weiss doch, dass das nicht alles ist, kann es sich aber nicht erklären. Nur allmählich wird im klar, dass zur Regel immer die Situation und die Interpretation der Regel in der Situation gibt. Dadurch wird ihm klar, dass es mehr als nur eine Regel gibt, der dritte Schritt erlaubt ihm dann souverän mit vielen Regeln umzugehen.

Kirchen und Religionen sind schon vom Äusseren klar in der Wir Phase zu verorten. Doch ist Religion und Kirche von einander zu trennen. Es gibt ein sogn. religiöses Bedürfnis. In den Anfangszeiten der Psychologie etc. wurde versucht eine Tabelle aller Fehlentwicklungen zu erstellen, die Religion wurde freilich auch darauf hin untersucht – konnte jedoch nicht als krank eingestuft werden. Daraus zog man den Schluss, dass, wenn es nicht krank sein kann, dann eben zu dulden ist. Erklären konnte man sich das nicht so richtig – mit den damaligen Mitteln.

Zu dieser Lebensphase gehört die intensive Überzeugung, Teil von etwas Grösserem zu sein. Die Rituale und Erklärungsversuche der Kirchen spiele dabei kaum eine Rolle, wichtig ist nur, dass diese Überzeugung ein Ventil oft in Form einer Bühne bekommt und von und mit anderen geteilt wird.

Andere erleben diesen Schritt als eine Art technische Bauphase, als Konstruktion der Gesellschaft. Warum beide Erscheinungsformen vorkommen ist umstritten und führt zurück zu den oben erwähnten Theorien, was passiert, wenn eine Phase beendet wurde. Eine Theorie besagt, dass der Euphorische diese Phase das erste mal erlebt, der Konstrukteur das Nachfolgethema durchmacht. Das sind die Vertreter der Spiraltheorie. Viele andere zucken mit den Schultern. Lassen wir das hier.

Eine der gestellten Fragen war: Mafia, Fifa etc. Wir oder Ihr? Ganz klar Wir. Sie „lösen“ die bestehenden Probleme, indem sie zwei Gesetze aufstellen: Eines für die eigene Gruppe und eines, das meist alles erlaubt, für die Anderen. Sie brauchen auch andere Gruppen, integrieren aber auch gerne kleinere Gruppen, schliessen sich jedoch nie zu einer grossen Gruppe zusammen, da sie die anderen Gruppen brauchen um Druckmittel, Angst und Schrecken zu begründen. Dann die unausweichliche Frage: NSA und Co. Klar ist, dass ich da nicht hineinschauen kann und es sicher viele dort gibt, die es ehrlich gut meinen – das allgemeine Thema ist aber das Ihr und sie bearbeiten es mit den Mitteln des Wir.

Viele Kirchen und Staaten haben bereits erkannt, dass die Mittel des Wir in einer globalen Welt nur für Ärger sorgen und sie beginnen, diese Mittel nicht mehr einzusetzen. Viele wissen aber auch nicht, was darauf folgen wird – sie stehen dazu, wie der sprichwörtliche Ochs vorm Scheunentor. Da es aber auch dort Menschen gibt, gehen sie instinktiv in die richtige Richtung. Was passiert, wenn man in die falsche Richtung geht, zeigt sich heute am besten bei Russland und bei denen, die die wirtschaftliche Komponenten aller menschlichen Aktionen zum Gebetsbuch machen.

Das Ihr kennt Unterschiede, sie sind dort nur nicht so wichtig. Kokettieren mag erlaubt sein, in gewissem Umfang, aber weder der eigene Vorteil (der immer der Nachteil anderer ist) ist wichtig, noch sind die eigenen Überzeugungen wichtiger, als die des anderen. Man redet gelegentlich miteinander und packt gemeinsam an, ansonsten nutzt man die sich umzuschauen und auszutauschen.

Nicht umsonst will der Wirtschaft keine Bildung und Kultur, sie integriert und zeigt, dass alle nur mit Wasser kochen. Das ist schlecht für das Geschäft. Denn wenn Individualität akzeptiert wird, dann will keiner mehr haben, was der andere hat – die zu leistende Arbeit wird grösser, der Aufwand für individuelle Gerätschaften schlägt auf den Preis und diese Produkte befriedigen den Kunden vollständig – der kauft morgen nicht wieder. Auf der anderen Seite sollen ein paar wenige gute Schulen haben (alle anderen Schulen bitte nur die Unterwürfigkeit), damit diese paar die Dynastien am Leben halten können. Das Wir ist tiefstes Mittelalter im schlechtesten Sinn des Wortes.

Das Ihr endet damit, dass jeder alle Regeln spielen kann, wie er mag. Das Ihr endet damit, dass der Mensch nicht mehr mit den Regeln kämpft und hadert, sie sind integriert und werden gelebt. Was darauf folgt, beleibt weiter offen.

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