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NSA, TTIP und die Beweggründe

2. Juni 2015

NSA in den Staaten abgeschaltet. Ist das nun gut oder schlecht?

Das hängt davon ab, was passiert. Passiert etwas, dann ist es schlecht, passiert nichts, ist es gut. Passiert etwas, dann ist das Geschrei weil das riskiert wurde gross und – wie es oft in diesen Fällen ist – dann wird noch mehr gemacht.

Zur Erinnerung. Die Sauerlandgruppe wird immer als Paradebeispiel angeführt, dass die Dienste der USA effektiv sind. Aus welchen Quellen die US Dienste die Informationen haben, ist – meines Wissens nach – nicht bekannt. Betrachtet man dann die Aussage von denen, die sich die Tätigkeit der NSA angesehen haben und deren Ergebnis: „Sie habe keine Erfolge vorzuweisen“, dann ist es wahrscheinlich, dass die Informationen nicht von der NSA stammen – aber er gilt: „nix gwisses weiss man nicht“ und damit im Zweifel für die Beschuldigten.

Zur Erinnerung: Teil der Abhörmassnamen ist die Manipulation von Daten zur Diskreditierung von Persona non grata. Alle Aktivitäten über das Netz (inkl. Buchungen etc.) können manipuliert werden. Kein Post, kein Statement, keine Abfrage oder Internetaktivität, die sie nicht manipulieren können.

Zur Erinnerung: Dazu werden Einfallstore geschaffen, geheimgehalten und damit gehandelt. Für die, denen der Begriff „Einfallstor“ nichts sagt. Damit kann man sich Zugang zum Rechner verschaffen und diesen im „besten“ Fall übernehmen, die Daten darauf abgreifen und Geräte nutzen z.B. Kamera und Mikrofon. Ausserdem kann man alle Aktivitäten aufzeichnen – und simulieren.

Dieses Vorgehen ist einer der schwerwiegenden, denn das Netz ist auf das Melden von Schwachstellen angewiesen. Das Verhalten der Dienste, der Umgang mit den Schwachstellen, öffnet auch dem Kleinkriminellen und der organisierten Kriminalität Tür und Tor. Erpressung (das beginnt bei Firmengeheimnissen und endet nicht bei Peinlichkeiten und Dingen, die, wenn sie nur gut genug zusammengestellt werden, ein Geschäckchen haben und Leute diskreditieren können, weil es so scheint, dass jemand etwas auf dem Kerbholz haben könnte (und das kann man bei praktisch jedem konstruieren). Praktisch jeder, der sich mit Netzwerk, Computer und Betriebssystemen auskennt, kann und muss(!) sich nun auf den Weg machen und sein Equipment durchforsten. Findet er etwas, dann steht der vor der Frage die Sache zu offiziell zu melden – oder für einen hohen Betrag zu verkaufen. In so manchem Gesetzbuch wird der Anstifter und Verführer gleich schwer wie der Täter bestraft und da Geld im Spiel ist, kommt der Vorwurf der niedrigen Beweggründe dazu. Für einen Rechtsstaat und eine Demokratie ist die Korrumpierung der Bürger (einer bestimmten Schicht) ein schwerer Schlag, denn sie kündigt den Gesellschaftsvertrag auf.

Zusammenfassung NSA: Wenig effektiv. Hochgradig gegen die Grundlagen des Rechtsstaats und der Gesellschaft gerichtet durch Bildung einer sich der Gesellschaft nicht mehr verpflichtet fühlenden Gruppierung.

Die Gründe für diese Aktivitäten sind: Man war es vom Telefon her gewohnt, dass man das machen darf, kann, soll und muss. Die Metadaten gab es, da die Telefongesellschaften pro Gespräch, Dauer und Land bezahlt wurden, man musste nur darauf zugreifen. Alternativen wurden nicht entwickelt.

Gibt es ein Superrecht auf Sicherheit? Nein. Aber der Mensch hat sich in Gesellschaften organisiert, die das Maximum an erreichbarer Sicherheit bieten. Mit anderen Worten: Wenn die Gesellschaft und der Gesellschaftsvertrag (incl. Der Umgang mit Dritten) Sicherheit nicht bieten, dann ist gegen diese eingebaute Unsicherheit kein Kraut gewachsen – auch nicht Unterdrückung, denn Druck baut Gegendruck auf. Man bewirkt und fördert damit das, was man bekämpfen will.

Eine offene Gesellschaft, die ihre Bürger integriert (und die Bürger anderer Staaten nicht ausgrenzt) statt zu dominieren oder zu erziehen, ist der beste Garant der Sicherheit. Selbstverständlich gilt der Spruch: „Es kann der friedlichste nicht in Ruhe leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“. Doch diese Gesellschaft sollte menschlich fit genug sein, auch mit diesen Umgehen zu können. Kommt es dennoch zu Aggressionen, dann ist diese Gesellschaft von innen her stark und sollte gute Chancen haben, die Sache für sich zu entscheiden und ritterlich mit Besiegten umzugehen. Bestes Beispiel war einmal die USA als sie vorschlug, Deutschland aufzubauen statt es mit Reparationen zu unterdrücken.

Die Geschichte lehrt uns Kooperation. Unser eigenes Leben und Erziehung zeigte, dass wenn Kinder und Eltern sich arrangieren (auch, wenn die Kinder von Zeit zu Zeit ihre Macht testen) alle am besten zu Recht kommen.

Wenn wir einen sicheren Staat haben wollen, dann ist es nötig eine offene und tolerante Gesellschaft aufzubauen. Das ist keine einfach Aufgabe, aber die, die das Ziel erreichen und halten kann.

Und was in der Zwischenzeit? Stopfen wir die technischen Löcher nicht, dann werden wir über kurz oder lang auf das Internet verzichten müssen oder es gibt ein zwei Klassen Internet, die eine Klasse kann sich Sicherheit leisten, die andere nicht und diese ist gläsern.

Gläserne Menschen sind angreifbar und (der Diskreditierung) ausgeliefert. Sind wenigestens die gesammelten Daten brauchbar? Nein. Einer der Hauptunterschiede zwischen Normalen Daten und BigDate ist nicht die (suggerierte) Grösse, es sind die Strukturen. Normale Daten sind strukturiert und belastbar, da man weiss, wie die Daten erfasst wurden und wie sie strukturiert werden um die gewünschten Antworten zu bekommen. BigData arbeitet mit unstrukturierten Daten. Man weiss nur, dass und wann sie erhoben wurden aber bereits der Kontext ist zu ermitteln oft wird nur geraten. Dann werden die Strukturen gesucht, mit denen sie kombiniert werden könnten und dann die daraus ablesbaren Antworten gelistet. Heute gleich das Verfahren von BigData (verallgemeinerte Erfahrungen anhand vermuteter Zusammenhänge anderen, vielleicht ähnlichen Situationen überzustülpen) dem der Astrologie.

In der Tat, einige der Aktiven in diesem Geschäft bezeichnen sich selbst scherzhaft als „Statisk-Astrologen“ – die jung sind und das Geld brauchen. Andere bezeichnen sich selbst als süchtig auf die Suche nach Strukturen, geben aber auch zu, dass sie bislang wenig bis keine gefunden haben. Dennoch verbucht BigData viele Erfolge. Wie kommt es dazu?

Erfahrung ist an sich nichts Schlechtes. Erfahrung zu automatisieren ist allerdings eine nette Herausforderung, die so manchen faszinieren kann. Heute gelingt es BigData vorallem die trivialen Dinge, die jedem nicht involvierten Beobachter leicht fallen zu beobachten und zu interpretieren. Dazu gehört z.B. die Gruppenbildung. Für die Betroffenen sind es nur ein paar Telefonate gewesen, der Algorithmus erkennt aber ob Zuneigung oder Faktenaustausch einer der Beweggründe sind. Dann „weiss“ der Algo, relativ zuverlässig – vor den Betroffenen, ob sich da etwas anbahnt oder nicht. Man kann aber auch falsch liegen. Nehmen wir eine Kegelgruppe als Beispiel, die sich regelmässig im Keller eines Hotels zum ernsthaften Ligakegeln treffen. Handys sind im Keller tabu. Da der Chef des Hauses mit kegelt stellt er zur sicheren Verwahrung der Handys ein nicht genutztes Hotelzimmer zur Verfügung (war früher mal Etagen – Haushaltsraum und soll umgebaut werden). Alle schalten ihre Handys aus, nur zwei lassen sie immer an.

Dem Lauscher fällt auf, dass die beiden sich auf gewisse Zeit regelmässig im Hotel treffen. Was schliessen Sie daraus?

Die Interpretation strukturierter und verlässlicher Daten ist manchmal schon schwierig genug. Aber die Interpretation nicht strukturierter Daten ist nicht tragfähig und man macht bei der Verifikation häufiger die Erfahrung, dass wesentliche Daten nicht erfasst sind und im Nachhinein auch nicht mehr erfasst werden können. Das Dilemma der Datenmessies ist, dass ihre Datenbasis unzuverlässig ist und die Ergebnisse nicht mehr als Vermutungen sind. Selbst wenn eines der Handys im Hotelzimmer eingeschaltet wird und man deutlich sexuelle Aktivitäten hört, können die aus dem Nebenzimmer stammen oder von dem Porno, der sich ein Angestellter regelmässig anschaut, wenn der Chef beim Kegeln ist.

Niemand hat gesagt, dass das Spionagegeschäft leicht ist. Leichter wäre es in meinen Augen, eine offene und tolerante Gesellschaft aufzubauen. Aber eine organisierte krimminelle Organisation, die von einer eifersüchtigen Partnerin gebeten wird, den Partner zu überprüfen, der dürften die Ergebnisse reichen – auch der Partnerin, vor allem, wenn der Partner nicht mehr Kegeln darf oder es eine Überraschung sein soll, dass er Kegeln gelernt hat.

Wir werteten einmal in der Arbeit die Daten einer ganzen Firma aus (die Leute waren informiert und hatten zugestimmt, sie waren vorgewarnt und es ist sicher nichts passiert), aber nach den Daten, die wir bekommen haben, hatten wir mindestens 7 Pärchen im Haus, die sich mehrfach am Tag für ein paar Minuten in einer Besenkammer trafen, circa 20 Angestellten, die auffallend oft und lang mit der Konkurrenz telefonierten und mehrere Menschen, die scheinbar mehr Zeit in der Kaffeeküche und der Toilette verbringen als bei der Arbeit.

Wenn man schneller schiesst als man ziehen kann, trifft man den eigenen Fuss. Wirklich unangenehm ist aber, dass man es mit einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ zu tun bekommt oder mit anderen Worten: War man nicht schon vorher paranoid, dann war man es nach der Auswertung der Daten. Die Daten waren zwar anonymisiert, wir wussten nicht, wer welcher Punkt war, aber beobachtete man noch Tage später ein gefundenes Muster – das auch zufällig passieren konnte – dann stellten sich automatisch Vermutungen ein. Es ist definitiv keine gute Idee, das zu tun. Überwindet man die anfängliche Scheu , dann stellt sich rasch ein Suchtfaktor ein, der schwer zu beherrschen ist. Das zeigte sich zumindest bei einem anderen Kollegen, der – wegen konkretem Verdacht und auf Anweisung – einen bestimmten Personenkreis eine Woche lang beobachtete. Er wertete die Daten nur einmal pro Tag aus, was sehr schnell ging, da er es automatisiert hatte – aber er sagte, dass der Testlauf, die Entwicklung der Analysen und die kurze tägliche Beschäftigung die interne Anspannung und das „wissen wollen, wie es weitergeht“ ihm die Soapsucht seiner Frau nachvollziehbar machten.

TTIP wurde in diesen Post aufgenommen, weil viele Fragen dazu gekommen sind aber auch, weil der Herr Innenminister heute wohl sagte – ich hab nur ein Mail, das auf eine Fersehsendung verweist, was ich nicht habe prüfen können -, dass der erste Grund für TTIP war, die Terrorbekämpfung zu organisieren. Weiter meite er, dass dies zumindest mal eine Aussage ist, die nachvollziehbar ist und vieles verständlich macht, die aber auch aufschreckt, weil bei dieser Gemengelage die Vermutung nahe liegt, dass die Wirtschaft eingeladen ist, damit sie ihre auch ihre Kosten für die Mitarbeiten deckeln kann. Die Prioritätenlage zeige, dass Sicherheit gekauft werden. Er schloss mit der Frage, ob das möglich sei?

Möglich ist viel. Wenn es wahr ist (dass es so gesagt und so gemeint war und es nicht nur eine Meinung sondern Fakt ist) dann würde es zumindest erklären, warum wir mit so fadenscheinigen Vorteilen vorgeführt werden und es ist plausibel, dass die Bundesregierung bei diesem Thema ein schlechtes Gewissen hat. Mich würde es erstaunen, wenn das so gesagt worden ist (und die daraus gezogenen Vermutungen wahr sind – was nicht bewiesen ist), denn das Risiko, dass die lang erhoffte Offenheit mit (berechtigter) Empörung vergolten wird, ist gross.

Aber fassen wir zusammen, wenn TTIP auf der Idee basiert, die (gemeinsame) Terrorbekämpfung zu organisieren, dann scheint ihnen aufgefallen zu sein, dass das nicht ohne weitere Angleichungen geht und da die USA in Sachen Terrorbekämpfung nach Lesart der Regierungen von Europa und des Bundes, uns etwas voraus ist (und die BND etc. endlich mit den Grossen spielen will), dürfte die Politik daran interessiert sein, sich hier anzupassen. Wer sich wem im Zweifelsfall anpasst dürfte damit geklärt sein.

Zum Abschluss deshalb nochmal: Das Superrecht auf Sicherheit gibt es so nicht, und wenn, dann ist das Gesellschaftssystem und der Umgang mit Dritten das angebrachte Mittel des Menschen dies, so weit es geht, zu gewährleisten. Da die favorisierten Mittel ganz nach dem Geschmack der organisierten Kriminalität sind, rückt man in deren Richtung und dass ein Schwarzmarkt der Lücken und Werkzeuge aufgebaut wurde, gleicht man sich noch weiter an. Es sind definitiv nicht die Mittel, die in der Lage sind, eine Gesellschaft zu schützen, im Gegenteil, sie haben das Potenzial, die Gesellschaft zu spalten und den Gesellschaftsvertrag aufzukündigen – das führt entweder zu einem neuen Vertrag oder aber zu Unterdrückung, Bürgerkrieg und anderen Verschwendungen.

Wenn es aber soweit ist, dass die Politik zum Bürger zurückfindet und ihm nicht mehr ein X für ein U vormacht, dann sollte wir die gebotene Hand annehmen und nicht einen Shitstorm starten. Das setzt aber auch voraus, dass die Karten auf den Tisch kommen und, dass die Gegenmassnahmen offen sind und die Belange des Bürgers wieder in das Zentrum rücken.

Das Internet ist dennoch verloren, wenn nicht massive Änderungen folgen. Die Lücken sind zu schliessen und das Design der IT Produkte ist wesentlich zu verbessern. Die Anonymisierer (oder Ähnliches) können helfen die Daten und Privatssphären von Bürger und Firmen zu sichern und einen wissenschaftlich belastbaren Verfahren einer anständigen Forschung zu unterstellen.

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