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Kommentar zu Kriegsrhetorik

26. Februar 2015

Habe auf https://perspektivenlogik.wordpress.com/2015/02/26/gegen-die-kriegsrhetorik-die-abscheuliche-zeit-der-eindeutigen-aussage/comment-page-1/#comment-1083 kommentiert und bin darüber gestolpert, das das auch mich betrifft, desshalb poste ich es auch hier:

Ja, auch mir missfällt dieses „Zurück in die Einfachheit“ eines scheinbar „dualen Lebensregelwerks“ – obwohl ich Programmierer bin, oder vielleicht gerade desshalb; denn falsch verwendetes Ditigales ist einer der Hauptgründe, warum manche Kundenwünsche sich nicht wirklich umsetzen lassen und endlose Diskussionen einsetzen, weil der Kunde gelernt hat, dass sich Hartnäckigkeit oft auszahlt.

Der Grund für die Schwierigkeiten ist immer derselbe: Eine einfache Regel ist etwas, das manche Quintessenz nennen und meinen, dass sich alles darauf zurückführen lässt. Wenn man es nicht so genau mit der Realität nimmt (wenn viele andere Einflüsse schlicht ignoriert werden oder, wie in einem Labor, eine ideale Situation konstruiert werden kann), dann lässt sich alles auf ein paar wenige Regeln reduzieren. Doch diese Regeln stellen ein System auf und in einem System gibt es nur Dynamik durch Interaktionen – es gibt keine „wichtige“ oder „oberste Regel“, die machen wir uns selbst und welche das sind, hängt von unserem „Werden“ ab.

Das Werden habe ich um den Jahreswechsel 2014 im Blog skizziert und hier scheint mir eine kleine Erweiterung angebracht zu sein. Im Werden wird eine Entwicklung beschrieben, die der beim Menschen gefunden werden kann: Aus der Tatsache des Seins wird das „Ich“ und „das grosse (böse) Andere“. Aus der Angst vor dem Anderen (auf der ersten Ebene ist das die direkte Umgebung), wird Neugier, aus Neugier ergeben sich Nutzungsmöglichkeiten, aus diesen Kommunikationsbedarf, aus Kommunikation das Anerkennen eines anderen Ichs, das Du genannt wird. Damit sind die Dämme gebrochen und neben dem DU werden immer mehr DUs erkannt, ein Wir entsteht und darüber hinaus gibt es dann noch die IHRs, das sind die Menschen, die nicht in der eigenen unmittelbaren Umgebung, Gruppe zuhause sind.

Religionen sind Teil bzw. eine mögliche Umsetzung, ein mögliches Ergebnis, des WIRs, da das WIR das Zusammenleben von Gruppen beschreibt, und Religionen auf zwei Säulen ruhen:

– Der Erkenntnis Teil eines Grösseren Ganzen zu sein. Das zunächst nur vage empfunden, dann zu einer Regel in einem neuen Thema (Spiritualität, Sinn, Leben und Tod) wird – als Idee und Verkörperung (der Mensch denkt in Bildern und Personen!), des grösseren Ganzen -, das dann per Ethik, Manieren und Phiosophie immer weiter abstrahiert wird.

– Die Organisation des Zusammenlebens.

Beides kann getrennt von einander gehandhabt werden, wird es vermischt, dann wird aus einer Überzeugung und eher pragmatischen, weil gerade notwendigen neuen Regeln (z.B. weil Schweinefleisch in der neuen Umgebung, oder weil die Gruppen zu klein wurden, zu schnell schlecht wird, darf es nicht mehr gegessen werden; oder weil immer Milch zu haben besser ist, als einmal viel Fleisch zu haben), eine, auf religiösen Regeln basierende Organisationsform, die, wenn sie als allgemeingültiger Kontext angelegt wurde, die konkrete Umgebung und Veränderungen, ignoriert oder passend machen muss. In diesem Fall wird aus dem Gefühl Teils etwas Grösseren sein zu wollen (manche benötigen dies so sehr, dass sie ein Teil von XY sein müssen), eine Möglichkeit, eigene Vorstellungen und Wünsche als Wunsch des Grösseren und Ganzen verkaufen zu können, eine instrumentalisierte Dogmatik, oder einfach nur ein zur Tradition gewordenes Regelwerk, dessen Geschichte und Motivationen keine Rolle mehr spielt.

Soviel zur Vorstellung des Werdens und der Rolle der Religion darin. Jetzt zum Thema Regeln. Die sind Teil des IHRs. Eine andere Beschreibung des IHRs beschreibt folgende Entwicklungsstufen:
– eine neue Regel wird erkannt und sie bestätigt immer wieder, bis sie als allgemeingültig akzeptiert wird.
– Unzufriedenheit macht sich breit, weil neben der Regel und den einfachen, verifizierbaren Situationen, immer wieder andere Regeln „mitspielen“ und die Sache verfremden (anfängliches Ignorieren scheint zu helfen, aber irgendwann ist die Summe der Ungereimtheiten so gross, dass die Existenz anderer Regeln und deren Interaktionen mit den eigenen akzeptiert wird).
– Regeln kommen und gehen, können umgeformt und in einander überführt werden. Die Freiheit kann zur Beliebigkeit und kann, über die Auflösung und das Verwerfen des Konzeptz Regel, bis zur Haltlosigkeit getrieben werden oder man geht pragmatisch aber aufbauend damit um.

Solange es Menschen gibt, wird das Thema WIR und IHR ein Hauptthema sein. Bislang haben wir als Jäger und Nomaden das ICH gelebt, dann das DU als Clan und Gruppe (Jagt aber auch beim Sammeln und Anbauen), dann, mit der Verstädterung das WIR mit der Angst vor dem IHR und der Idee des Krieges erlebt, mit den Staaten wurde das IHR und damit die Zusammengehörigkeit vieler, auch unterschiedlicher Gruppen ermöglicht und erlebt.

Zu jeder Zeit gab es Menschen, die die verschiedenen Stufen lebten und zu jeder Zeit gab es eine Hauptgruppe, die von den Gegebenheiten unter Nutzung der Gedanken und Welten derer, die den nächsten Schritt erklären konnten, sich versuchten den aktuellen Unbill zu entziehen.

Dabei passieren immer wieder Fehler. Einer bassiert darauf, dass es nicht einfach ist, den / die Richtigen zu erkennen und zum anderen, dass man den oder die Richtigen nicht erkennen will, weil man noch zuviel zu verlieren hat. Pure Nutzung kommt (in der Entwicklung) vor Kommunikation. Wer noch (und ausschliesslich das gestern erworbene) nutzen will, redet nicht, er kontrolliert, straft und unterwirft, falls nötig und empfindet das (oder möchte es so darstellen) als gerechtfertigt und nötig – die anderen zwingen ihn dazu.

Genau das erleben wird heut.

Aber man kann ein anderes Leben führen. Es wird nicht Teil der Umgebung und Gesellschaft sein. Vielleicht bleibt etwas von einem übrig und es wird vielleicht später darauf zurückgegriffen werden, aber der Mensch, der sich für ein Leben jenseits des Mainstreams entscheidet, darf die Rituale nicht einfach abtun, sondern sollte – solange es geht und bei entsprechender Gelegenheit, erwähnen, dass das auch anders gelöst und gelebt werden kann.

Ich denke, dass ich hier über einen Menschen gestolpert bin, der das, in Teilen, ähnlich sieht, aber auch über jemanden, der das Leid statt die Entwicklung zuerst sieht – vielleicht konnte ich ein bisschen aufbauen und daran erinnern, dass es weitergehen kann.

Was mich aber am meisten überrascht ist die Tatsache, dass ich selbst gestern einen Post machte, der ähnlich ist und im Grunde verweigert, ständig über das: es geht auch anders und wie dieses andere aussehen kann zu reden.

Die Zeiten scheinen ermüdend zu sein.

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