Skip to content

Fragen und Antworten: Werden

22. Januar 2015

Bei diesem F&A geht es insgesamt ums Werden, das in den Posts seit dem Jahreswechsel einen mir fast zu grossen Anteil gewonnen hat. Im ersten Teil geht es um die Religion, das scheint Euch sehr wichtig zu sein. Danach geht es um Egoismus und ein Gespräch über das Leid im Werden habe ich unten angefügt, vielleicht interessiert es Euch.

Ist Werden eine Religion?

Nein. Das Werden beruht einfach nur auf Beobachtungen, die jeder machen kann. Im Werden wurden sie nur zusammengestellt, schematisiert und konsequent fortgesetzt. Die Entwicklungspsychologie kommt zu ähnlichen Ergebnissen, die jedoch auf anders gewonnen und die nicht so weit führen, wie das Werden. Das Werden hat hier die Freiheit und kann als These der Entwicklung aufgefasst werden, Teile davon finden sich überall wieder.

Ist Werden mehr als eine Religion?

Nein. Religion wird vom Werden in einer bestimmten Situation thematisiert und beschreibt einen Erkenntnis und den Umgang damit – es ist nur ein genereller Punkt unter vielen.

Im Werden wird erkannt und dieses Neue wird integriert. Das kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es zeichnen sich jedoch Schemata ab, wie diese Integration – egal auf welcher Stufe – durchlaufen werden.

Das kann den Eindruck erwecken, als wäre die Religion nur ein kleiner Teil vom Werden. Richtig ist aber, dass dieser Teil integral ist – einer von vielen, die immer mehr werden und mal mehr oder weniger stark gewichtet bzw. ausgeprägt sind, ohne geht es jedoch nicht mehr. Ohne das Wir, Religion ist eine (der ersten) Ausprägungen des Wir und wird als solche bleiben jedoch nicht mehr so zentral wie anfänglich sein.

Religion kann eine Ausprägung des Wir sein und das ist integraler Bestandteil des Werdens. Laufen die Dinge so zusammen, dass eine Religion dabei herauskommt, dann ist auch die Religion ein integraler Bestandteil und wirkt sich mit allen anderen integralen Teilen zusammen aus.

Das Werden, so, wie es hier verwendet wird, beschreibt die Art wie die Dinge zusammenwirken können – grob, Details sollte man hier nicht erwarten, sonst verliert man sich schnell in der freien Assoziation. Nur wer Menschenkenntnis mitbringt, kann ein solches System erstellen und z.B. als Kurzschrift verwenden, Menschenkenntnis erlangen gelingt – bis auf den ersten Schritt, dem Erkennen des Werdens und dass es verstanden werden kann, nicht. Das bleibt der konkreten Erfahrung, dem Umgang mit Menschen vorbehalten.

Religion im Werden eines Menschen ist etwas anderes als im Sinne einer Institution oder eines Instruments der Macht.

Ist Religion nur eine Phase?

Nein. Es ist eine Lebenseinstellung. Diese kann mehr oder weniger lang gelebt werden. Ob es eine Phase ist, hängt von der Beweglichkeit und den Erlebnissen bzw. Erkenntnissen des einzelnen Menschen ab.

Ist Egoismus nur mit „leiden“ erklärbar?

Tut mir leid, das ist mein Fehler bzw. eine Unschärfe. Wer im Sinne des Werden „leidet“, der tut das in der Regel am Anfang, wenn ein Thema neu aufgekommen ist und er es noch nicht handhaben kann. Aller Anfang ist eben schwer. Das kann zu Fehlern und Verzweiflung führen und diese kann im Egoismus enden.

Es gibt weitere Egoismen. Auf der Stufe der Initiation gibt es nur eine Person. Die Schritte können mit Soldat, Bauer und Händler beschrieben werden.

Der erste Schritt im Du macht uns glauben, dass diese anderen nur für unsere Unterhaltung gemacht wurden und die Welt eine Bühne ist.

Der Egoismus des ersten Schritt im Wir wiederholt den Anspruch auf die Macht und der Mensch gibt ausser Anweisungen und sehr harten Aussagen nichts weiter von sich.

Der erste Schritt des Ihr ist kein augenfälliger Egoismus, denn er nimmt sich aus dem allgemeinen Treiben heraus, sucht sich einen ruhigen, kontinuierlichen Arbeitsplatz, er bleibt gerne ungestört. Sein Egoismus ist, dass er sich noch nicht einbringen kann.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Egoismen, die, die schnell aufgezählt werden können. Es sollte jedoch deutlich werden, dass jeder erste Schritt das Potenzial zum Egoismus beinhaltet, Egoismen ist jedoch in jeder Stufe und bei jedem Schritt möglich. Bei der Religion (hier 3. Stufe 3. Schritt) gibt es zum Beispiel die Phase des Missionars (Allen anderen sollen die eigenen Erkenntnisse aufgedrängt werden – der will doch nur teilen (unter Morddrohungen)) auch das ist Egoismus.

Am anderen Ende des Wir gibt es dafür eine Haltung, die gerne als Egoismus eingeschätzt wird, aber keiner ist, denn dort wird die Kommunikation über Gott und die Welt als klare Privatsache erkannt und nur als leb- jedoch nicht als lernbar erachtet.

Wer darüber intensiv schweigt, aber offensichtlich mit dem Punkt gut zurecht kommt, dem wird Egoismus vorgeworfen und er schweigt zu diesem Vorwurf, weiss er doch, dass er mit dem Vorwurf leben kann und der andere, der offensichtlich eine andere Stufe oder Schritt lebt, sich Ratgeber in diesem Umfeld suchen sollte. Er würde für diesen Menschen nur unverständliches Zeug reden.

Leid

Leid leitet eine Lösungssuche ein. Dabei haben wir die volle Freiheit, können alles ausprobieren und selbst entscheiden.

Im Werden spielt Gut und Böse eine untergeordnete Rolle, zentraler steht das Erkennen, Leben und Lösen von – nun, von so ziemlich allem. Das Werden kann dazu ein Werkzeug liefern, ein grobes Schema, das erste Thesen und Vermutungen zulässt, damit mit dem Lösen begonnen werden kann.

Aus den Erkenntnissen, die daraus erwachsen, kann es passieren, dass Leid vermieden werden kann bzw. dass erkannt wird: „aha, ist es mal wieder so weit“ und man die neue Aufgabe erruiert und angeht.

Auch beim Leid gibt es viele Formen, eine hat mit dem Werden (im hier gebrauchten Sinn) nichts zu tun: Naturkatastrophen und Unfälle. Beides kann passieren. Hat mit der Person an sich nichts zu tun, denn diese Dinge entstehen aus einer anderen Entwicklung heraus – viel Regen etc. Wenn der Mensch daraus nichts lernt und er bald wieder im selben Problem steckt, der kann aber schon etwas dafür. Wer sein Haus im Schwemmgebiet eines Flusses baut, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nasse Füsse bekommt. Selbst wenn Deiche gebaut wurden. Der Mensch kann auch selbst die Aufgabe werden – das ist bei der Freiheit nun mal so.

Tod und Sterben verursacht viel Leid. Über die meiste Zeit verdrängen wir unser Leben lang die Tatsache, dass wir sterblich sind. Manchmal werden wir mit dem natürlichsten der Welt konfrontiert. Tut mir leid, aber Fakten zu ignorieren, war noch nie eine gute Strategie. Erstaunlich ist jedoch, dass die Trauer oft die Komponenten Wut und Zorn über den Verstorbenen beinhaltet, weil der sich einfach aus dem Staub gemacht hat, obwohl wir doch noch soviel vorhatten.

Diese Art des Egoismus entsteht, weil durch den plötzlichen, faktischen Entzug der Person sich die Umstände drastisch ändern und ein neues Lebenskonzept erstellt wird – unmittelbar beginnt man damit, fragt sich „und was bedeutet das jetzt?“. Man spielt das alles durch, beginnt von vorne und das bedeutet im Werden nun mal, dass man beim Ich beginnt.

Für unsere Zeiten übersetzt: Persönlich verursachtes Leid ist oft nur die Währung, in der man den Aufwand bezahlt, der geleistet werden muss, um notwendige Änderungen zu vermeiden.

Leid ist ein Motor des Werden, wie viel gelitten werden muss, hat man zum Teil selbst in der Hand. Es ist immer ein Drahtseilakt: Ohne Änderungen keine Erkenntnisse, kein Werden. In der heutigen Zeit ist stehenbleiben schon ein Rückschritt, aber im ständigen Werden gibt es auch keine Konstanz, kein Festhalten, keinen Ruhepunkt.

Der Irrtum besteht darin, dass wer sich dem Werden entzieht meist mehr Kraft aufwenden muss, als wenn er das Werden zulässt. Die ruhigste Art der menschlichen Reise ist die konstante Bewegung im Werden. Alles andere rebelliert gegen das Werden und das kostet nun mal Kraft.

Ein Beispiel aus der Praxis soll das Verständnis erleichtern: Als die Waschmaschine erfunden wurde, dauerte es eine ganze Weile, bis sie sich durchsetzte. Warum? Einige Frauen sagten: Ich brauch doch keine Maschine, mit meiner Wäsche werde ich selbst fertig. Männer sagten, dass es den Frauen ohne Wäschewaschen doch nur langweilig werden würde (das Kaffeekränzchen rettete die Damen). Die Waschmaschine wurde anfänglich nicht angenommen, weil es die Frauen zu sehr entlastete, so sehr, dass sie das Potenzial hatte, den Status Quo zu ändern – was sie auch tat. Vorher wurde Wäsche so geschneidert, dass sie beim Waschen nicht leidet und haltbar ist. Wäsche wurde auch deshalb stabiler gemacht, damit sie repariert werden kann. Auch das Reparieren war Frauenaufgabe, all das entfiel. Weltbilder brachen ein.

Heute sollte solche Revolutionen nicht mehr schrecken. Wenn wir das Werden zulassen, dann ist weit weniger Aufwand zu treiben als wenn wir festhalten und Änderungen im Weltbild sind wir gewohnt, wenn wir uns eines Tages über statische Weltbilder wundern, dann haben wir ein gutes Stück auf dem Weg in die richtige Richtung hinter uns.

Advertisements

From → Egoismus

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: