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Werden: Macht und Gruppe

4. Januar 2015

Das Werden ist nicht einfach. Wer einen Punkt im Werden erreicht hat, der relativ stabil ist, der erlebt, aus den Augen des Werdens, etwas erstaunliches: die Welt scheint still zu stehen. Sie erlebt geradezu einen Flow-Moment. Es scheint, als hätte man alles erreicht – mit Schönheitsfehler, aber Perfektion ist eh nicht anstrebbar. Zufriedenheit. Ruhe. Kontinuität. Ewigkeit. Eine Welt im Gleichklang. So soll es auch bleiben. Bewahren, Sichern, Schützen.

Jeder der Wird, der hat das mehrfach erlebt. Das erste Mal ist das, als würde man für all die Mühen, Arbeiten und Änderungen belohnt werden. Man fühlt sich bestätigt, wird euphorisch und hält sich für alles mögliche – Selbstüberschätzung und Allmachtsphantasien sind nicht selten.

Doch das ist nur das erste Mal so. Nach der ersten Euphorie stellt so mancher fest, dass sich die Schönheitsfehler entwickeln. Sie werden grösser und trüben die Klarheit des Momentes. Das zweite Mal weiss man, dass der sich neu bildende Sumpf sich nicht aufhalten lässt und wird sich nicht mehr lange damit aufhalten, gegen das Unvermeidliche anzukämpfen.

Beim dritten Mal gesellt sich zum anfänglichen Glücksgefühl unmittelbar die Aussicht auf den neuen Sumpf. Aber man weiss, man hat fünf Minuten, um durchzuatmen.

Viele bleiben an dem trügerischen, weil scheinbarem, Lob und Zustimmung des Lebens der eigenen Genialität gegenüber hängen. Sie verharren, wollen den Moment festhalten. Weigern sich, die neuen Aufgaben zu erkennen. Sie stellen sich ihnen nicht mehr. Sie wollen nur noch zurück. Doch das Werden ist nach vorn orientiert.

Dennoch ist ein Zurück möglich. Es ist eine Option. Aber es wird immer eine besudelte, schmutzige Option bleiben. Wer einmal zurückgegangen ist – das bleibt praktisch keinem der Wird erspart – der kennt die Enttäuschung, wenn man „zuhause“ angekommen ist. Anfangs meint man noch, dass sich die Zuständigen einfach nicht mit Ordnung machen und halten auskennen, und packt an. Schnell lernt man, dass der Lack ab, das Chrom gesprungen, das Metall verrostet und dass im Holz die Termiten sind. Das schöne Bild, die hübsche Erinnerung fällt in sich zusammen und es entsteht eine neue alte Heimat.

Aus den glorreich überwundenen Aufgaben der Vergangenheit, werden Kleinigkeiten, die – nicht nur mit dem heutigen Wissen, auch mit dem von damals schon – man hätte leichter überwinden können. Die emotionale Distanz bewirkt dies.

Auch fällt auf, dass vieles vernachlässigt wurde, was der Pflege bedurft hätte, damals aber einfach nicht auffiel. Damals hätte wenig Aufwand gereicht und die Sache wäre schnell geregelt worden, in der zurückgelassenen Zukunft ist daraus ein riesen Berg geworden, der alles kaputt machte.

Fünf Minuten in der Vergangenheit hätten gereicht. In der alten Heimat verzweifeln viele und viele wollen dann immer tiefer zurück in die Vergangenheit. Sie suchen das Glück in dem, was nachgewiesener Massen nach, gut war. Und sie müssen immer besser werden, immer tiefer zurück, geben immer mehr auf, bis sie sich selbst verloren haben. Bis sie sich selbst nicht mehr empfinden können, bis sie sich selbst aufgelöst haben.

Vorne ist mehr los. Geht man aber zurück und kann man den kompletten Abstieg verhindern, dann verliert sich die Vergangenheit, zumindest verändert sie sich, wird objektiver betrachtet. Versucht man es besser zu machen, gelingt das selten, einmal, weil man im heute, die Dinge von gestern besser machen soll und so Schattenspiele vollführt, die auch die aktuelle Zeit verdunkeln. Es ist eine dunkle Phase, denn ausser der Erkenntnis, dass man sich ständig selbst etwas vormacht und dass man das nicht wahrhaben will, kommt nichts dabei heraus.

Erlaubt man sich jedoch die Erkenntnis, dass man sich nur etwas vorgemacht hat und weiterhin vormachen wird, kann man sich befreien, aber es stellt sich die Erkenntnis ein, dass man nun seiner Zeit hinterher hinkt. Es bleibt ein Schatten. Viele versuchen, das Verpasste nachzuholen. Das aber funktioniert nur selten. Man wird zwar besser im Werden, weil man das mit dem „sich etwas vormachen und dieses zu verdrängen“ kennt, aber man müsste schon sehr gut im Werden sein um schneller als das allgemeine Werden zu sein.

Das allgemeine Werden ergibt sich aus dem Werden der Einzelnen. Es ist die Summe der vielen einzelnen Werden. Und da gibt es etwas, das einem den Glauben an das Werden vergehen lassen kann. Viele im Werden entwickeln sich einen Schritt und halten ihn fest. Das allgemeine Werden kann recht statisch sein. Das wird aber ausgeglichen, weil immer mehr erst die Stagnation, dann die Fehlentwicklungen erkennen und sich weiterentwickeln (wollen).

Dann verliert das Werden das Kontinuierliche; es beginnt sich in Gruppen und in Schritten bzw. in Wellen zu entwickeln. Tsunamis sind nicht bekannt. Aber Wellen reichen auch. Das Aufkommen und Vergehen von Völkern z.B. ist eine solche Welle, aber auch die Einordnungen in Phasen zeichnen oft Wellen nach.

Aus dem gleichmässigen Werden des Einzelnen, wird ein Gruppenereignis. Wer sich jemals gefragt hat, worin der Entwicklungsvorteil vom Glauben liegt, der bekommt hier eine erste Möglichkeit das zu verstehen, denn wenn Zweifelde aber Gleiche sich findet können, können sie sich gegenseitig stützen. Das Werden wird erleichtert. Die Gruppendynamik ist jedoch nur in den erschreckenden, ängstigenden ersten Phasen des Werdens von Vorteil. Weil die Gruppenbildung das Werden unterstützt. In den mittleren und weiteren Phase ändert sich der Vorteil zum Nachteil, wird aber auch immer weniger benötigt. Irgendwann steht man auf den eigenen Beinen und kann die letzten paar Schritte alleine gehen.

Gruppenbildung ist nur in den Phasen wichtig, wenn der Mensch sich unsicher ist, wenn er die ersten Schritte geht. Man kann sich dann gegenseitig stützen. Danach gibt es immer noch Gruppen und man ist und bleibt Mitglied in Gruppen, aber das ist selten mehr als eine formale Zuweisung. In schlechten Zeiten steigt die allgemeine Angst wieder an und damit werden die Gruppen wieder wichtiger. Sie können von heute auf morgen wieder wichtig, wieder richtig wichtig werden. Angst schweisst zusammen. Gruppe macht stark.

Dass das nur ein „so tun als ob“ ist, zeigt sich daran, dass grosse Gruppen gern gegen kleinere vorgehen, sie zum Sündenbock machen und sich dadurch selbst die Möglichkeit nehmen, zu Werden. Wiederholung folgt nun auf Wiederholung. Wer kleinere Gruppen oder irgendetwas anderes als Blitzableiter verwendet, der verbaut sich selbst das Werden – und freut sich oft darüber, dass er es ein weiteres Mal fertiggebracht hat und er den Teich wiedereinmal filtern konnte.

Wir sind heute in einer solchen Phasen der endlosen Wiederholungen. Es dreht sich um Macht, Einfluss und Geld. Macht und Einfluss hat man nur, wenn die Leute sich gruppieren, also in Phasen der Angst. „Sie müssen mich nicht lieben, solange sie mich fürchten“ es gibt unendlich viele solcher Zitate.

Dass Macht und Einfluss so stark im Menschen wirken, kann man daran erkennen, dass nur der mächtig und einflussreich wird, der es einmal richtig gemacht hat – der einmal den Abschluss eines Schritts im Werden erlebt hat – alle anderen, die es versuchten habe es meist nicht überlebt. Dieses Erlebnis prägt sich sehr tief ein. Man versucht dann, den Status Quo aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis wurde im Post bereits vorweggenommen. Es endet entweder im Schlamm, den man für das Paradies hält, oder in Wiederholungen durch Blitzableiter.

Wer Opfer bringt, der sichert den weiteren Bestand des „So, wie es sein soll“, des Status Quo. In der Regel werden andere geopfert. Wenn es persönlich wird, wird Geld gegeben.

Die Erfindung des Blitzableiters ist sehr alt. Sie schützte ursprünglich vor dem Geistesblitz der Erkenntnis und des Werdens. Könige opferten die Bauern als Soldaten und Kanonenfutter. Wer Opfer bringt, der versucht ein Geschäft mit dem Schicksal abzuschliessen – statt zu handeln. Handel statt Handeln.

Wie auch immer, wer einmal Macht hat, gibt sie selten selbst wieder ab. Im Gegenteil, die meisten wollen mehr davon. Zumindest wollen sie den Status Quo halten. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das nun ein paar tausend Jahren so geht. Das bestätigt das Funktionieren des Blitzableiters, aber auch, dass Führungsschichten selten etwas dazulernen. Woran liegt das?

Wer führt muss nicht geeignet für das Führen sein, er muss nur bewiesen haben, dass er bereit ist alles für ein Ziel zu opfern. Damit ist er von anderen abhängig bzw. wurde er manipulierbar. Traditionen, Benimmregeln, Riten, Rituale und Geschichten werden so zum Quell, zu Wiedergänger der alten Ideen.

Oder anders: der Mythos von Artus, dem edlen Ritter, hängt an, dass die Ritter damals eben nicht edel waren. Erst die Geschichten über die edlen Aufgaben und Verhaltensweisen, propagierten unter den Rittern dieses Regeln. Es wurde ein Übel beseitigt, die Welt wurde etwas besser dadurch – aber auch auf ein Ideal auf alle Zeitalter hin festgelegt. Zu gute Geschichten halten sich zu lange. Sie können nur durch eine Fortsetzung, Persiflage oder durch das Werden an sich überwunden werden.

Die Rittersagen wurden erst durch Don Quichotte, einer Persiflage auf die damals kursierenden Flut von Ritterromanen, auf eine Phase in der Jugend reduziert. Die Geschichten, die in einzelnen Wirtschaftszweigen und Gruppierungen wie „Reich und Mächtig“ bzw. Elite kursieren, sind nicht entkräftet worden; sie halten sich trotz Aufklärung und Gesetz, denn in diesen Kreisen gilt, dass sie sich ihre eigenen Regeln machen – also keine haben und ein Vertrag ist nur ein Mittel den eigenen Vorteil festzuschreiben, beide verkaufen eine Win-Win Situation, aber beide versuchen auch, für den Fall, dass nur einer gewinnt, das meiste für sich herauszuholen.

Für viele, die sich Elite nennen, bleibt schlicht die Aufgabe, dass sie sich in dieser Gruppe etablieren wollen – und das geht zunehmend nur, indem man zeigt, dass man sich aufeinander verlassen kann und gemeinsam anfangs nur über die Strenge schlug, mit jeder Generation wird mehr gefordert, da bleibt es nicht aus, dass einige kriminell werden. Die Gerüchteküche berichtet bereits von Initiationen, die aufgrund von Härten gegenüber „Untergebener“, die nicht selten – und das soll durchaus erwünscht sein – erst mit dem zum Suizid des Untergebenen endeten.

Wenn eine Gruppe sich Elite nennt, dann stellt sie sich über „die anderen“. Sie unterscheidet sich nicht nur von anderen, was sie unter besten Umständen zu so was wie einer Säule der Gesellschaft machen würde, nein, sie stellt sich bewusst über sie und das muss sie tun, denn sonst könnten die Härten gegenüber dieser unfähigen Truppe nicht gerechtfertigt werden. Diese Härten werden nötig, weil der zunehmende Unterschied zwischen Reich und Arm zu sozialem Unfrieden führt. Die Härte wird benötigt, um die Durchsetzung von Recht und Ordnung, des Status Quo zu gewährleisten. Die aktuellen Prüfungen selektieren nur die, die alles andere übersehen können und Härte weit über jedes legale zumindest weit über alles, was nicht im Sinne der aktuellen Ordnung, des aktuellen Rechts und Ordnung, ist. Sie benötigen die absolute Kontrolle – denken sie. Dazu ist ihnen auch jedes Mittel recht.

Es ist hier nochmals klar herauszustellen: viele Beteiligten tun dies alles, in besten Treu und Glauben, was sie tun, verstehen sie nicht, sie halten sich nur an die Regeln, die eben immer härter werden. Viele setzen sich Grenzen, und viele verschieben dieselben, weil es Ausnahmesituationen gibt und überhaupt, wer hätte schon gedacht, dass so was mal nötig wird – die spinnen doch alle. Die sind selber Schuld.

NSA und Co schaffen die Kontrollmechanismen und dass wir darauf aufmerksam wurden, liegt vielleicht nur daran, dass es so manchen gibt, der das auch haben will – die Entwicklungen beim BND gehen jedenfalls in diese Richtung und auch der Wunsch, ein europäisches, ein deutsches Internet zu bekommen, mag durch guten Treu und Glauben geweckt worden sein, dass es unrecht ist, dass dieses Wissen nur die Amerikaner und Engländer und Australier und so weiter haben, wir brauchen das auch. Auch, wenn wir den Datenschutz, die Privatsphäre und so weiter hochhalten – einem reinen Verkaufsargument – wird das benötigt. Schliesslich gibt es auch hierzulande eine Elite, Leute, die besser sind als die anderen und die sich gegen deren Neid eines Tages werden wehren müssen.

Dabei übersehen sie, dass die meisten nicht mit Neid sondern nur fassungslos auf diese Gruppe mit der scheinbar grenzenlosen Bereitschaft und sehenden Auges den Karren gegen die Wand zu setzen, blicken und versuchen das Schlimmste – leider viel zu spät – zu verhindern.

Viele sind gegen TTIP, weil sie schlicht sehen, dass es schlicht und nur gemacht wird, um die alte Macht aufrecht zu erhalten, es geht darum, sie zu sichern. Die Menschen sehen nicht, dass es nicht viel hilft, die alten Regeln zu verschärfen, sondern darum zu Werden. Wir brauchen etwas anderes, nicht die xte Wiederholung von Zerstörung um eine kurze Zeit wieder aufbauen zu können.

Wenn der Mensch sich dem Werden in Bezug auf Organisation, Gesellschaft und Wirtschaft, im Sinne des Werden weiterhin entzieht, wird er weitere Runden drehen – schade und es wird unendlich langweilig werden, wieder und wieder und noch einmal. Das kann ich definitiv nicht gut heissen. Aber ich habe das nicht zu entscheiden, es ist die Masse, die hiermit etwas Material bekommen hat, sich frei und selbst zu entscheiden, der Blog bietet einiges, macht Vorschläge und zeigt ein paar Zusammenhänge auf.

Es wird sich weisen, ob die Menschen weiterhin das Macht Karussell fahren wollen, oder Werden werden. Es liegt bei Euch.

PS.

Analogien sind keine Regeln. Sie können gerade mal die Idee zu einer noch aufzustellenden These liefern (Thesen und Ideen können aber auch aus anderen Quellen stammen). Wer aus Analogien Regeln macht, der ist wissenschaftlich nichts anderes, als ein Scharlatan (Big Data ist in einigen Bereichen nur als statistische Analogie zu sehen).

Dennoch gibt es die Analogien, der Mensch arbeitet intern intensiv damit. Es ist eine Überlebensstrategie und eine Möglichkeit, erste Ansätze zu finden, um Sachverhalte klären zu können. Sie sind ein erster Schritt, wir bleiben heute nach diesem ersten Schritt wieder stehen. Die alten Wege und Verfahren lassen grüssen.

PS II

Kaum schreibt man, dass mit dem erneuten Einzug des in Analogien Denken, problematisch ist und dass damit letztlich nur die Willkür zurückkommt und damit die Unterdrückungmechanismen „legal“ werden, liest man in der Zeitung, dass USA und EU ausgemacht haben, dass Mitarbeiter regelmässig auf Terrorverdacht zu prüfen sind und diese unmittelbar und ohne Lohn entlassen werden können. Das bedeutet, dass jeder jederzeit entlassen werden kann. Auch eine Möglichkeit, den Arbeitnehmerschutz zu entgehen und es wird nicht lange dauern, bis diese Regelung missbraucht wird. Im Sinne des Terrorschutz wäre es, den Mitarbeiter unter Beobachtung zu halten.

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