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Wo verorte ich PeGiDa in den Phasen des letzten Posts?

23. Dezember 2014

Angeblich sei das kein aktuelles Thema. Es soll darum gehen, wo im Kontext des letzten Posts diese Gruppe zu verorten sei? Diese Einschätzung macht mich sicher weder zum Sprecher noch zum Gegner. Darauf lege ich Wert, denn ich war auf keiner dieser Veranstaltungen und habe die Sites nicht besucht. Hier wird nur darauf eingegangen, wann und warum eine sonst schweigende Masse laut wird. Ich gehe davon aus, dass es nicht einfach nur eine „rechte Sache“ ist. Das wäre eine klare Sache, denn ich bin sicher nicht rechts (übrigends auch nicht links, ich bin für Wirtschaft, aber nicht für die von wenigen für wenige gesteuerte Wirtschaft, die ist nicht besser als extrem Rechts oder Links). Ich gehe davon aus, dass es da mehr gibt.

Doch die Frage verwundert mich ein bisschen, denn ich dachte, es wäre eindeutig. Deshalb haben ich nachgefragt. Ein kurzes Gespräch ergab, dass doch etwas ausführlicher sein sollte.

Eine erste Antwort ist: Im Jetzt. Also mehr oder weniger unmittelbar vor einer sehr grossen Krise (-nkette) oder eben dem Zusammenbruch. Sie markiert aber auch die Stelle, an der es der Masse allmählich nicht mehr koscher erscheint, was da getrieben wird. Sie wird misstrauisch und einige wollen die Sache selbst in die Hand nehmen.

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Dies hat einen guten Grund: Sie spüren es am eigenen Leib und befürchten, dass wieder sie die Rechnungen zu zahlen haben werden. Das wollen sie nicht und wollen mit dem Protest darauf hinweisen.

Meiner Meinung nach werden diese Gruppen sich bald aufsplitten und anwachsen, denn sie machen der Masse klar, dass der Einzelne nicht alleine ist. Jeder lernt, dass seine Beobachtungen und Empfindungen von anderen geteilt werden. Er ist plötzlich nicht mehr der Spinner, der Dumme, er ist nicht mehr die leibhaftige Verunglimpfung der menschlichen Existenz, sondern plötzlich wieder Teil einer Gruppe. Das motiviert. Das wird von anderen bemerkt und reisst sie mit.

Die erste Aufsplittung sind die Gegendemonstrationen. Das mag sich merkwürdig anhören, wird aber sinnvoll, wenn das wichtigste Resultat bedacht wird: Sie stellen fest, dass sie nicht allein sind. Das passiert auf beiden Seiten. Das ist ansteckend, das werden mehr und mehr und so weiter.

Ausserdem stellen beide Parteien fest, dass demonstrieren gewünscht ist. Und beide Parteien bemerken, dass „sich Luft machen“ gut tut. Der sich selbst verstärkende Effekt, treibt immer mehr auf die Strasse. Es ist eine Schwemme von Demonstrationen zu erwarten, die viele kleine Gruppen bilden.

Die folgenden Aufsplittungen resultieren aus der Tatsache, dass einige merken, dass sie doch auch ein eigenes Thema haben und dass sie eine Gruppe bilden können. Sie entdecken sich selbst und pochen auf den Egoismus der Gruppe, protegiert durch den propagierten Egoismus der Wirtschaft.

Etliche dieser Gruppe werden sich euphorisch organisieren und, da es in dieser Gemeinschaft viele gute Organisatoren gibt, werden sie sich nicht nur finden, sondern auch etablieren. Sie werden sich aber selten politisch organisieren. Denn die (etablierte) Politik ist der (gemeinsame) Gegner.

Die Grünen wollten sich anfangs nicht dem System anschliessen, darin aktiv werden, das sei nicht möglich, ohne sich zu korrumpieren. Doch die Grünen waren nur eine Gruppe, die mehr oder weniger in dieselbe Richtung zogen. Hier sind es viele Gruppen, die in verschiedene Richtungen ziehen werden.

Viele Grundsatzfragen werden gestellt aber nie beantwortet werden. Sie bleiben offen. Das wird eher wie in der Weimarer Republik – pseudodemokratisch und eine einzige Demonstration der Macht.

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Der Masse fehlt die Stimme, der Redner und Organisator, deshalb werden es viele sein. Auch deshalb werden sie sich aufsplitten.

Viele der Demonstranten werden sich auf die Dauer nicht auf rechts oder links reduzieren lassen wollen – diese Schemata greifen heute nicht mehr recht, denn die Welt ist etwas komplizierter geworden. Es werden sich rechtzeitig neue finden.

Bisher haben wir gesehen, wie sich das weiterentwickeln kann. Grob zusammengefasst: Es werden immer mehr. Diese werden ihren Mitgliedern nach langer Zeit das Gefühl geben, etwas wert zu sein und etwas bewegen zu können. Es wird erbittert – und wahrscheinlich auch gesteuert – gestritten werden. Politiker erkennen in so einer Situation nur eines: „Divide et impere“ „Teile und Herrsche“. Sie werden sich das mehr oder weniger heimlich unter den Nagel reissen und steuern (wollen).

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Aber was ist es, was die Masse bewegt? 2013 riefen Politiker auf, dass die Bürger sich Vorräte anlegen sollten; 2014 verkündeten die Politiker, dass Deutschland sich aktiver an den weltpolizeilichen Aufgaben des Westens beteiligen werde. Die Masse merkt, dass sie seit „Fordern und Fördern“ immer häufiger und regelmässiger den Kürzeren ziehen. Fasst systematisch den Kürzeren ziehen. Für viele ist das sehr konkret. Viele könnten es direkt vorrechnen. Viele könnten mit dem Finger auf die Wunden zeigen, viele wissen heute schon, wo es morgen weh tun wird – sie haben darin Erfahrung. Und sie wissen, dass diejenige, die ihnen das angetan haben, nicht darauf aufmerksam gemacht werden müssen, denn sie wissen es selbst, sie waren ja dabei. Eine weitere Erzählung ist ihnen schlicht und einfach – noch – peinlich.

Aber vielen geht es auch nur darum, zu zeigen, dass sie denken, dass die Politik – aus welchen Gründen auch immer – die überantworteten Aufgaben nicht mehr regeln können. Man sieht und spürt die Hilflosigkeit gegenüber der Globalisierung und dem Umgang mit Europa. Die Masse greift dieses diffuse Misstrauen gegenüber Europa auf. Wer Europa schlicht zum Sündenbock macht, nur um selbst besser da zu stehen, erweist sich, anderen und Europa aber auch seinem eigenen Land einen Bärendienst.

Wie soll man sich verhalten, wenn die Politik sich nicht zwischen Globalisierung, Europa und dem eigenen Land entscheiden kann? Man übernimmt die Aufgabe selbst und entfernt sich von der Politik.

Manche sehen auch die Legitimation der Politik als fraglich an. Sie fragen sich: wann verliert eine Regierung die Unterstützung der Gesellschaft? Wenn nur noch 60%, 50% oder ab bzw. unter 40% der Bürger zur Wahl gehen? Und wie sieht das in den USA aus, dort soll nur ein kleiner Teil wählen? Ab wann werden solche Regierungen einfach nicht mehr ernst genommen? Ab wann wird jeder tun, was er will?

Es gibt keinen typischen Vertreter von XY, jede Masse setzt sich aus vielen kleinen zusammen. Zur Zeit haben sie nur eines gemein: sie sind definitiv unzufrieden, wollen, dass nicht blind in die Gefahren gerannt wird. Sie wollen ein Konzept und Lösungsvorschläge sehen. Sie wollen ernst genommen werden, und sie werden dem Nachdruck verleihen. Wie, das kann heute noch nicht gesagt werden.

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Bis jetzt wurde verdeutlicht, was es verursacht hat und wie es sich entwickeln kann. Offen ist noch, ob und wenn wie es abgewendet werden könnte.

Da die Politikverdrossenheit auf der einen Seite Hand in Hand mit der Bürgerverdrossenheit der Politiker einhergeht, beruht diese Einschätzung leider auf Gegenseitigkeit. Auf der einen Seite macht es das wesentlich einfacher, denn die Regel: „der andere wird über mich genauso reden, wie ich über ihn“ greift hier.

Wer entgegenkommen will, sollte nur begreifen, dass zwei unterschiedliche Ausdrucksformen aufeinander treffen, die Gefühle dahinter sind gleich. Manche sagen: Es kann aufeinander zu gehen, denn die Gefühle der Masse reflektiert nur die Gefühle ihrer „Führung“. Ist Globalisierung wirklich sinnvoll, wenn doch Europa nur zum Sündenbock reicht und wäre es nicht wesentlich besser, wenn wir alles so wie früher machen? Wo gibt es Sündenböcke, denen der nun scheinbar notwendigen Blutzoll abgefordert werden kann? Andere meinen, dass beide Gruppen sich getrieben fühlen. Die einen von der Wirtschaft, die anderen von der Politik (Mal ganz ehrlich: Globalisierung ist nicht neu, die gab es schon immer. Nur in den Phasen während und nach einer der grossen Katastrophen,

gibt es reine agrar- und regionale Wirtschaften. Der Umfang ist tatsächlich gestiegen, aber die Probleme waren schon immer dieselben).

Wir bewegen uns auf eine abergläubische, magische Phase der Reinigung zu. Die Elite will das Geschwür Bürger wieder zur Handels- und Verfügungsmasse machen und die Bürger merken, dass sie wieder die Rechnung für alles zahlen werden, sie sehen zumindest, dass die ersten Rechnungen bereits ausgestellt werden.

Diese Demonstrationen sind wahrscheinlich nur eine Episode, aber auch ein potenzieller Anfang. Es sollte deutlich werden, dass sich ernsthafte Meinungsunterschiede zeigen und wer nun ein einfaches rechts / links Spiel daraus machen will, der verspielt die Möglichkeit, die anstehenden Dinge zu klären. Nur, wer nicht anders kann, verharrt und beharrt.

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Die Einordnung in die Phasen des vorhergehenden Posts, ist im unteren Drittel. Es ist auf jeden Fall so, dass sich zwei Gruppen gebildet haben, wobei eine eine Elite sein muss, die sich von den anderen abheben will, und die anderen, die – noch – mehr oder weniger fassungslos und planlos darauf zeigt, dass da was nicht in Ordnung ist. Sie zeigen unscharf auf mehr oder weniger alles. Begonnen hat es sicher auf der rechten Seite. Im Osten hat es sich aber gezeigt, dass es da vielleicht auch andere Gruppen gibt.

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From → Politik, Wirtschaft

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