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Mail für mich – Fragen.

27. November 2014

In der Post waren Fragen. Die erste hat mich überrascht, es dreht sich um Innovationen, die zweite dann was ein Staat besser machen kann, damit die Leute mehr Innovationen liefern und wie findet man heraus, was eine gute, erfolgreich verkaufbare Innovation ist? Ich dachte bei mir: Ein Programmierer wird zum Wirtschaftler. Es gipfelte dann in ein paar Zitaten aus dem Block in der netten Frage, ob SynErgy wirtschaftsfeindlich sei, weil es als Kombiplattform doch vielen den Arbeitsplatz weg rationalisieren würde.

Erste Gefühle keimten auf. Doch da ich ein Überleger bin, kam es nicht zu dem Hauen und Stechen, dem Zerfleischen und Eingeweide herausreissen – statt dessen gab es Antworten.

Für die Schnellleser, habe ich hier eine Zusammenfassung:

Es wird gezeigt, was hier unter Innovation verstanden wird, wie sie erkannt und wie sie staatlich sinnvoll, ohne dass politische oder wirtschaftliche Entscheider benötigt werden, die beurteilen, was gute Innovationen sind und was nicht, unterstützt werden kann. Innovationsinseln sind die Klausur der Düsentriebs, so hätte es ein ehemaliger Auftraggeber formuliert. Sie reizen die Wirtschaft, weil sie gute Fachleute wie einen Schwamm anziehen, weil die Leute dort etwas machen und bewegen können. Ausserdem sind sie Innovationsschmieden, die, da sie überall vorhanden sind, hervorragend vernetzt sind, und die meisten Ideen aus dem Bedarf im richtigen Leben entstanden sind, sind sie effektiv. Forschung und Entwicklung wird so zum Thema Nummer eins der Firmen, die sich das leisten können. Und das alles, mit einer Anschubinvestition.

Bleibt noch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Kombiplattform für Infrastruktur. Als erstes betrachten wir das Endergebnis: Die Städte und Gemeinden bekommen Geld, weil vor Ort Energie gewonnen und verbraucht wird. Alles, was heute durch die Tankstellen fliesst, würden zu Gelder fürs Lokale (übrigens, die Tankstellen könnten als 24 Stunden MiniMarkt weiter bestehen, sie finanzieren sich heute schon über diese Produkte, kaum noch über das Benzin). Das ist sehr wirtschaftlich und es rechnet sich. Die Entlastung der Bürger von Lärm und Feinstaub macht sich in ihrer Produktivität bemerkbar; auch das ist wirtschaftlich und es rechnet sich. Die höhere Mobilität ermöglicht es, dass aus einem Umkreis von 200 bis 300 km die Mitarbeiter rekrutiert werden können, das ist eine enorme Entlastung des Arbeitsmarktes. Und es entlastet die Innenstädte, deren Grundstückspreise jedoch nicht leiden, weil die Entlastung bei Lärm und Feinstaub das mehr als nur ausgleichen. Auch das ist wirtschaftlich und es rechnet sich. Ist es aber wirtschaftlich oder rechnet es sich, wenn die Region Arbeitsplätze beim Bau verliert, weil die neue Infrastruktur fast neu ist? Ja. Denn zunächst sind zunächst die TopLines zu bauen und die aktuelle Infrastruktur den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ob danach Arbeitsplätze abgebaut werden oder nicht, das kann heute keiner sagen. Aber es ist wirtschaftlich und es rechnet sich. Und die Arbeitgeber haben Zeit sich auf diese Situation vorzubereiten. Mir wurde gesagt, dass Bonn blüht – weil es sich rechtzeitig auf den Umzug der Regierung einrichtete. Es geht. Packen wir es an.

Was sind Innovationen? Da es leider mehrere Definitionen für den Begriff gibt und alle mit der Zeit verwässert wurden, such ich nach einer eigenen Definition und denke sie in den Worten „Innovationen schaffen Nachfrage indem sie neue Märkte schaffen oder alte ersetzen“ gefunden zu haben. Alles andere sind „nur“ Variationen. Diese sind sich ähnlich, haben aber mehr mit Moden, Optik evtl. mit Qualitäten zu tun, als mit Innovationen.

Dennoch kann eine echte Innovation, z.B. ein neues Getriebe, im Fahrzeug eine Variation sein. Man kann es überprüfen: Wie oft wurden Fahrzeugen mit Innovationen variiert, die nicht aus dem eigenen Haus stammen? Wie viele Innovationen gab es? Viele. Die Autofirmen haben aber die Möglichkeit, diese Varianten nicht für ihre Fahrzeuge anzubieten – nicht der Kunde hat die Qual der Wahl, die wird ihm abgenommen. Wie schon so oft in diesem Block sei daran erinnert, dass das durchaus rechtens und von unserem Staat und der westlichen Wertegemeinde so gewollt ist. Es ist aber nicht gut für die Wirtschaft, ein freier Markt wäre es, wenn der Kunde die Entscheidung treffen könnte und Meinungsmache vorher nicht möglich wäre. Ist der freie Markt ein Ideal? Gibt es ihn? Wollen wir ihn? Das erste Resümee ist: Viele Innovationen bleiben auf der Strecke.

Daraus kann auch geschlossen werden, dass es Innovationen heute nur dann geben wird, wenn ein ganz neuer Markt erschlossen wird, der nicht im Verdacht steht, jemand anderem etwas wegzunehmen. Es besteht eine Chance, wenn das Neue etwas Altes derart überlegen ist, dass man gar nicht anders kann, als sich für das Neue zu entscheiden. Hier schwächelt Deutschland. Fax usw. wurden hier entwickelt, auf den Markt brachten es aber die USA. Innovationen, die anderes verdrängen, werden (hier) selten angeboten. Ausserdem ist es nötig diese Innovationen auf recht hohem Niveau anzubieten, das können meist nur Firmen, die Gewinne aus anderen Gebieten in diese Branche investieren.

Es gibt mehrere Möglichkeiten gute Innovationen zu entdecken. Meist reicht ein offener, wacher Geist. Auf der anderen Seite ist es genauso leicht, gute Innovationen klein zu reden – im Prinzip kann man sich darauf verlassen, dass je mehr Gegenargumente gefunden werden, umso besser ist die Innovation. Doch funktioniert das nur ein paar Mal, das Schema fällt auf und man stellt sich darauf ein. Alternativ kann man eine Simulation machen, wie verändern sich die Märkte, wenn diese Produkte auf den Markt kommen? Die Märkte lieben und benötigen diese Bewegungen, erst sie ermöglichen es die Nachfrage aufrecht zu erhalten. Alles andere läuft zwingend auf stagnierende, enger werdende Märkte hinaus.

Es braucht also etwas Vorstellungskraft und zwei Beine auf dem Boden; Kontakt zu den Menschen und die Bereitschaft, was hilft auch helfen zu lassen, was wird auch werden zu lassen. Unsere Wirtschaft ist darauf ausgelegt, dass, was einmal gut war, immer gut sein wird. Wer Marken statt Märkte, wer ewiges Verweilen dem Werden vorzieht – wie wir das tun – dessen Märkte können sich nur durch Krisen entwickeln. Im Blog wurde bereits beschrieben, wie ein anderer Markt aussehen kann, der näher an den konkreten Interessen von Markt und Wirtschaft aufgebaut ist – da es „nur“ Abmachungen sind, an die sich alle halten, kann man das so machen. Der politische Wille ist nötig, sonst nichts.

Aktuell gibt es nur wenig Chancen den Markt durch Innovationen zu erneuern. Die beste erscheint mir, über das ganze Land verstreut Innovationsinseln aufzubauen. Hier können Menschen zusammen leben und arbeiten, ihre Ideen entwickeln. Sie unterstützten sich gegenseitig, kann der eine, was der andere braucht, dann wird das geliefert werden. Neben den Ideen gibt es die Macher. Die Produkte, die daraus entstehen, finanzieren neben sich selbst, auch in einem gerechten Anteil und wenn es ihnen möglich ist, die Innovationsinseln – finanziell und mit (Auftrags-) Arbeit. Es ist sehr wahrscheinlich, dass, ausser der Anschubinvestition, keine weitere Unterstützung nötig sein wird. In der Regel ist nur eines von zehn dieser Projekte auf dem Markt erfolgreich, dann aber so erfolgreich, dass der Investor alle Investitionen und mehr zurückbekommt – es lohnt sich, es trägt sich, es wird Gewinne geben.

Da es scheinbar nicht sehr weit verbreitet ist, will ich es hier einmal aufzeigen: Ideen haben sich früher sehr leicht verbreitet. Wie Steine und Metalle verarbeitet werden, hat sich schnell herumgesprochen. Neuerungen sollen sich in die bestehenden Prozesse einarbeiten und verbessern, wenn sich eine Verbesserung ergibt. Da war man objektiv. Heute erkennen viele nur die Veränderung und vermuten dadurch eine Verschlechterung. Das ist subjektiv. Sicher deshalb, weil wir aus (scheinbar zwingenden) wirtschaftlichen Überlegungen heraus, auf zentral produzierte Produkte mit billigem Transport und Export setzten. Das geht auch anders. Eine Wirtschaft kann auch sehr gut funktionieren, wenn sie dezentral produziert.

Doch alles dezentrale hat auch den Nachteil, dass es nahezu autark ist. Es gibt Verwebungen der Märkte durch den Austausch von Ideen und Verfahren, die gut sind. Und es gibt Verwebungen, die wie geschaffen dafür sind, gegenseitige Abhängigkeit zu schaffen.

Ich weiss, das alles wirft riesige Themen auf und die meisten wollen sich nicht darauf einlassen. Aber es ist durchaus etwas daran: Warum geraten wir alle paar Jahre – das letzte Mal weltweit kurz vor der Wende – in gesättigte Märkte? Warum geht seit ein paar tausend Jahren ein oder zwei Mal im Jahrhundert Länder pleite? Warum braucht es jedes mal eine Gruppe, die sich für etwas besseres, für von Gott gesegnet oder gleich gottgleich sein will? Weil wir diese Schemata seit damals wieder und wieder einsetzen und scheinbar nichts dazulernen. Solange es auf der Erde noch wirtschaftlich „unterentwickelte“ Gebiete gibt, solange wird das weitergehen. Und viele denken, dass es auch wandeln kann: Dass einst blühende (Herrschafts-) Landschaften verelenden werden um dann von anderen dominiert zu werden. Alles, was Richtung TTip und „damit wir auf dem Weltmarkt noch etwas zu sagen und zu gestalten haben“ geht, schlägt in diese Kerbe. Es gibt viele, die befürchten, dass der Westen im globalen Massstab bald nichts mehr zu sagen hat. Weil die Märkte nach eben solchen Regeln spielen. Doch wir haben die Möglichkeit, die Regeln zu ändern. Beginnen wir doch einfach damit, einen Markt wie er hier im Block mehrfach gezeichnet wurde für alle, die arbeitslos sind zu installieren. Ausser, dass Kosten gesenkt werden (weil viele die Chance ergreifen und sehr wahrscheinlich auch erfolgreich sein werden), kann doch nicht viel passieren! Nur ein Testmarkt. Aber ich schweife ab.

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From → Politik, Wirtschaft

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