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Kommentar zu Werner Sinns Verteidigungsschrift der Ökonomie

23. November 2014

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kritik-an-oekonomen-der-grosse-irrtum-1.2198333

Hin und wieder ist es ganz nett, sich wieder mit den wirtschaftlichen Theorien zu beschäftigen. Aber hier geht es nicht um diese Theorien, es geht mehr um Stil und versteckte Ziele.

Der Versuch Herrn Sinn zu kommentieren, bezieht sie jedoch nicht auf sein Fach, das er nach Kräften zu verteidigen sucht und seine Sache gut gemacht hat. Es war nicht anders zu erwarten, denn sein Fach zu kennen und andere auf mehr oder weniger kleine Fehler aufmerksam zu machen, sollte er können – zumindest kann ihm das unterstellt werden.

Hier geht es um etwas anderes. Denn Herr Sinn kritisiert die gängige Praxis durchaus, tut das aber nicht offen, nennt sie aber zu rational und instrumentalisierend, weist auf die ehernen, arbeitsreichen Verfahren der Ökonomen hin, sagt, dass es ständig Fehler gibt und geben wird, dass sie sogar gesucht werden (was vielleicht auch dazu führt, dass welche gefunden werden, wo keine sind). Er gibt sogar an, wann gegen welche Regeln in die Praxis verstossen wurde.

Im Grund verteidigt er sein Fach nicht gegen die Kritiker – wie sollte er, er ist einer von ihnen (wie jeder gute Fachmann das sein sollte) – sondern gegen die Praxis. Sein Argument ist, dass die Ökonomie von der Praxis missverstanden würde, da sie aus Modellen einfachste und egoistische Rezepte für die Realität machen, statt ihnen gerecht zu werden und sie in ihre Überlegungen einzuarbeiten, sie zu einem Teil statt zum Gebetsbuch ihrer Überlegungen zu machen.

Gleichzeitig zeigt er auch, warum das so ist. Seine Arztvergleich stellt den Fachvertreter mit diesem gleich, macht ihn zum Helfer in der Not, dem Helden, letztlich zum Gott – der mit einfachen aber entschlossenen Regeln und Mitteln, alles wieder gut machen kann. Ökonomen und die Ökonomie scheinen allmächtig zu sein. Wer kann bei diesen Versprechen – sollte er ihnen glauben – der Versuchung nicht widerstehen und diese einfachen Regeln einfach nur anwenden – Gott will es so!

Zugegeben, die Ökononie ist allgegenwärtig, ist alltäglich, denn sie ist ein Teil von allem. Sie ist nur Teil vom Ganzen. Sie ist ein Teil. Dieser Teil kann alles kaputt machen. Sie ist gefährlich. Deshalb sollte man gut überlegt handeln und integrieren statt ausgrenzen oder sich zurückziehen. Dazu gehört auch, darauf hinzuweisen, dass es Wirtschaftssysteme gibt, die ohne Geld funktionieren, solche, die nur wenigen helfen und solche, die das Potenzial haben, allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Und darauf hinzuweisen, dass jedes Wirtschaftssystem von allen getragen werden muss – wenn man auf Unterdrückung und Sklaverei verzichten möchte. Alle anderen Wirtschaftssystemen bauen oder enden sonst in Unterdrückung und Sklaverei.

Vieles von dem, was Herr Sinn schreibt, ist richtig, vieles interpretierbar; wichtig ist hier aber nur, dass er sich auf sein Fach zurückzieht, scheinbar die Kritiker kritisiert, im Endeffekt aber nur der Realität den schwarzen Peter zuschiebt.

Er weist sich im besten Fall als Wissenschaftler im Elfenbeinturm aus, im schlechtesten Fall sagt er schlicht, dass die Ökonomen für die Realität nichts kann, dass die anderen Schuld sind. Das ist nicht hilfreich.

Wenn er also etwas nützliches mit seinem Wissen anfangen will, dann sollte er zusammen mit den Vertretern anderer Wirtschaftszweige und -schulen und mit Vertretern aller Gesellschaftsgruppen (also auch Politiker) die Grenzen der Wirtschaft, deren Eigenschaften und Eigeninteressen und den Auswirkungen modellieren um daraus ein paar brauch- und einsetztbare Thesen aufzustellen, wie Wirtschaft im eigentlichen ökologischen Sinn betrieben werden soll. Dies mit dem Ziel, dass allen (gute) Zusammenfassungen der Gespräche bzw. Themen zugänglich sind, evtl. sich beteidigen können.

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From → Politik, Wirtschaft

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