Skip to content

Google Chef: Das Internet geht kaput

9. Oktober 2014

Es ist gut, dass die grösseren Internetfirmen feststellen, dass das Internet unter den Aktionen der NSA & Co. leidet. Es ist schliesslich nachvollziehbar dass Menschen ihre Daten schützen – und Firmen.

Generell stimme ich dem zu. Eine Kleinigkeit soll aber geklärt werden:

Eine der Grundideen des Internet war, dass es nicht ausfallen kann. Dieses Prinzip ist fallen gelassen worden. Verteilung der Daten auf verschiedene Server und in verschiedenen Ländern wäre der Grundidee entsprechend. Viele mittlere und kleine Server überall und gleichmässig verteilt, die sich in den Daten überschneiden und ersetzen können, sind das Idealbild. Werden diese auch als Zwischenspeicher genutzt, könnte das die Netze entlasten und die Antwortzeiten beschleunigen.

Um es deutlich zu sagen: Das Internet, das aus ein paar grossen Rechenzentren besteht, so, wie es vom Chef von Google dargestellt wurde, entspricht nicht dem Internet, wie es gestartet ist. Und es entspricht auch nicht dem Grundgedanken, dass „Informationen gefunden werden können, von denen man nicht gewusst hat, dass man sie sucht“, denn je weniger grosse Rechenzentren es gibt umso wahrscheinlicher sind Zensur, Meinungsmache und Manipulation.

Wie müssen uns entscheiden, ob das Internet ein neues Kommunikationsforum sein soll und freie Meinungsäusserung unterstützt, oder ob wir es reduzieren auf ein Arbeitsmittel für Firmen (die ihre Daten sichern!) – oder darauf verzichten.

Da das Internet zum zentralen Kommunikationsmittel wurde, sollten Daten im Internet gut verschlüsselt werden. Zumindest ist so ungewolltes Zuhören unmöglich und der unrechtmäßige Zugriff liegt klar auf der Hand. Damit wäre Abhören klar rechtswidrig.

Bleibt der unkontrollierte Zugriff auf Benutzerdaten und -verhalten und die ungewollte Kontaktaufnahme in Form von Spam, Anzeigen, Werbung etc. Sie sind untersagt.

Um die Anbieter von Diensten aus der Pflicht zu nehmen, dass sie sich selbst um die Einhaltung dieser Regeln kümmern müssen, werden die Aufgabe Anonymisieren übertragen. Die Dienstanbieter bekommen von ihnen nur verschlüsselte Daten, er kennt nur den Anonymisierer, nicht den Benutzer selbst.

Der Benutzer kann bestimmte Daten freigeben. Deren Weitergabe wird aber nicht von den Anbietern durchgeführt, sondern so nahe wie möglich direkt beim Benutzer. Am besten wäre es, wenn der Browser oder der Anonymisierer diese Aufgabe übernehmen. Es gibt viele Anonymisierer, die Daten eines einzelnen oder weniger Anonymisierer sind meist wertlos.

Praktisch jedes aktuelle (und legale) Geschäftsmodel kann ohne grossen Aufwand weiter betrieben werden. Die Anonymisierer können gut kontrolliert werden.

Kann weiter Werbung im Internet betrieben werden? Da der Benutzer selektieren kann, über was er wie informiert werden will, ist Werbung möglich – wahrscheinlich sogar erfolgreicher als bisher. Gewinne können anteilsmässig verteilt werden.

Die Anonymisierer und Auswerter sollen einen Puffer zwischen Benutzer, Anbieter und Staaten aufbauen und die Rechte der Benutzer wahren, dürfen deren Einhaltung überprüfen und vertreten.

Um dies machen zu können sind die Anonymisierer selbst mit Rechten auszustatten, die ihnen erlauben auch gegenüber Staaten (egal welcher Grösse) massiv aufzutreten.

Vieles vom hier Geforderten kann technisch (Hardware) gelöst werden, was die Überprüfung der Regeln etwas einfacher macht. Diese Lösungen sollen vorgezogen werden.

Wie kann Journalismus, Polizei und Staat bei Ermittlungen geholfen werden? Sie erhalten über die Anonymisierer kontrollierten Zugriff auf die Daten. Die Anonymisierer wahren die Rechte der Benutzer gegenüber den Staatsorganen.

Das Internet liefert Daten, die von Interesse für Gesundheitsamt und Statistiken des Staates und der Wirtschaft sind. Bei beiden ist aktuellen ein Hype zu bemerken, der aber wenig Konkretes liefert. Welche Daten wann wem zur Verfügung gestellt werden sollen, ist öffentlich zu Diskutieren. Auch, ob mutmassliche Straftaten angezeigt werden müssen, eine erkannte Lücke in der Sicherheit des Netzes zu melden ist oder ob zur Eindämmung einer möglichen Epidemie usw.

Des weiteren ist zu klären, wie mit den Mitteln und Ressourcen der NSA und der grossen Internetfirmen umgegangen werden soll.

Generell kann gesagt werden, dass ein Umbau des Internet nötig wurde. Die Hardware so gestaltet wird, dass Abhören erschwert und bemerkt wird. Von der aktuellen Lösung weniger grosser Rechenzentren hin zu vielen kleinen Servern. Die Dienste bekommen nur verschlüsselte und anonymisierte Daten. Die Anonymisierer werden eingeführt und der Benutzer kann selbst vor Ort entscheiden, welche Daten er wem zur Verfügung stellen will und ob und wenn welche Werbung er beziehen möchte.

Erhalten wir das Internet nicht als Kommunikationsform und digitales Land ohne nationalstaatliche Grenzen, dann wird es früher oder später nur noch zur Wahrung und Durchsetzung derer genutzt werden, die gerade an der Macht sind oder es sich leisten können. Dieses Internet wird sehr viel weniger attraktiv sein, als eines, indem man sich frei und anonym bewegen kann. Dennoch: Wer sich daneben benimmt, ist immer bekannt, man kann zur Rechenschaft gezogen werden. Rechtsfrei ist der Raum nicht. Welches Recht dort gelten soll, das ist die Frage.

Ist Spionage möglich? Ganz sicher kann man sich da nie sein, denn die Rechner der Benutzer sind neben den Diensten ein wichtiger Angriffspunkt. Man kann viel machen, aber das geht auch immer auf Kosten anderer Notwendigkeiten.

Sicherheit als ein Superrecht. Gerade die Amerikaner sollten es besser wissen. Sie sind dem (Bundes-) Staat gegenüber misstrauischer als viele andere und niemand steht so für das Recht der Selbstverteidigung ein wie sie. Dennoch legen sie die Grundlagen für einen Polizeistaat – und sie werden diese Möglichkeiten nutzen. Bei Aufständen riskieren die Bürger die öffentliche Ordnung. Sie können als Terroristen bezeichnet werden und schon darf der Apparat eingesetzt werden.

Es gibt kein Superrecht. Das wird einseitig. Einseitiges eskaliert und schafft, was man vermeiden wollte.

Ein Staat, der seinen Bürger Sicherheit bieten möchte, der setzt auf freie Meinungsäusserung und Gleichgewichte, er setzt auf WinWin.

Es kann dann immer noch Neid und Missgunst geben. Aber bei freier Meinungsäusserung kann man Dampf ablassen. Und wenn der Staat im Gleichgewicht ist, dann kann er auch solche Menschen integrieren. Gut, Neid muss man sich verdienen. Aber was ist der Wert, wenn er auf Unrecht basiert?

Advertisements

From → Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: