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Von Menschen und Rollen

17. August 2014

Merkwürdigerweise stoße ich zur Zeit immer wieder auf dieses Thema. Allem Anschein nach gibt es aktuell keine – tja was nun: anerkannten? akzeptierten? vertretbaren? Mannsbilder. Hier zeigt sich bereits dass der Schein trügt. Diese Frage scheint vordergründig eine individuelle, vielleicht pubertäre Frage zu sein, aber stellt sich nicht eine ganze Gesellschaft oder Generation diese Frage? Oder ist es etwa nur der Pausenfüller – vielleicht ein sommerlicher Smalltalk?

Mir scheint die Frage etwas merkwürdig. Meistens bin ich einfach nur mit Menschen zusammen. Einige sind anziehender, anregender oder vielfältiger verwendbarer als andere. Sie machen Lust auf mehr. Aber da dieses „mehr“ – für mich zumindest – eher in einer Partnerschaft als in wechselnden Beziehungen liegt, verteilt man zu oft an sehr Gute Körbe. Der Teil macht weniger Spaß. Andererseits, bedenkt man, alle Angebote anzunehmen – dann würde man viel weniger kennenlernen, das ging!

Vielleicht kommt ein Paradigmenwechsel doch in Frage. Gott sei Dank brauche ich mich nicht vor eine Anklage des Investors Religion vor einem Schiedsgericht verteidigen – mehr Menschen, das kann doch nur in seinem (ihrem?) Sinn sein – oder? Und wenn nicht, dann hat er / sie uns die Kondome und so gegeben. Oder war das jemand anders? Sei es drum – ich schweife ab.

Also der Mann ist zur Zeit von der Rolle, die Frau hat um ihr anderes Bild gekämpft. Sie hat sich aus der männlichen Unterdrückung befreit. Jetzt steht der Mann bedröppelt da und weiß nicht, wie er sich selbst erkennen soll – haben die Frauen denn überhaupt nicht an die Männer gedacht? Sind sie egoistisch geworden? Sind jetzt die Frauen die besseren Männer? Sind Frauen jetzt Männer? Werden wir durch sie ersetzt? – weil sie frei sind? – weil sie gekämpft haben? Ist der Mann überflüssig? Nur weil aggressiv, standfest und durchsetzungsfähig heute Attribute des Menschen im Allgemeinen sind und es nicht mehr eine bessere Hälfte derselben Medaille gibt? Definierten die Rollenbilder die Frau? Definieren sie den Mann?

Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Definiert sich der Mann aus dem Frauenbild – und ist das umgekehrt vielleicht auch so? Wenn dem so ist, dann brauchen wir nur ein bisschen warten, denn dann werden auch die Frauen bald verunsichert sein und wir können ihnen die ganze Arbeit überlassen; die machen das schon, sind das ja gewohnt. Und außerdem: Wem haben wir denn den ganzen Schlamassel zu verdanken?

Solche Thesen hört man heute auf der Straße. Es gibt viel Interessantes zu diesem Thema zu hören, wenn man an den eifrig diskutierenden Gruppen junger Menschen vorbeigeht. Man muss nicht horchen, da wird offen und laut gesprochen. Fast wie im Internet.

Man scheint es gewohnt zu sein und zu schätzen, dass einem die Leute zuhören. Und man geht auf Nummer sicher. Entweder, weil man die ewigen Nachfragen der NSA leid ist (ich weiß aber nicht, ob die so was machen – könnte es mir aber durchaus vorstellen), oder weil man hofft, seine fünf Minuten NSA Aufmerksamkeit zu bekommen. Früher wollten die Menschen in die Zeitung oder ins Fernsehen. Ich denke, die Casting Shows haben diesen Wunsch schwinden lassen. So genau wollte das keiner wissen. Einen gewissen Nervenkitzel produzieren sie schon, das muss man der NSA zubilligen. Bei den Milliarden, die da hineingestopft werden, muss schon was für die Menschen herauskommen. Und die NSA nimmt sich für jeden fünf Minuten Zeit – soviel ist sicher. Und wir bekommen das völlig umsonst! Uups – können die Amis noch mit Geld umgehen? Doch ich schweife ab. Zurück zum Thema.

Zur Zeit scheint das Mannsbild kein Ziel zu haben. Ohne Ziel kann man (und -n) nicht kämpfen und greift vielleicht deshalb zu dem Strohalm: „Schau ma mal, was die Frauen machen“. Das zeigt doch: Irgendwie ist er ein Mann! Solange er die Nähe der Frauen sucht und genießt, dürfte zumindest die Natur (von beiden?) zufrieden sein.

Und welchem Mannsbild weinen wir da nach? Ist der Mann nur dann ein Mann, wenn er seine Frau unterdrückt? Entgegen den Gerüchten wollen Frauen nicht, dass ständig mit ihnen gesprochen wird, nein, sie wollen dass man ihnen zuhört. Und sie wollen, dass man mit anpackt. Rollenbilder machen diesen Teil der (traditionell? familiären?) Organisation wesentlich leichter.

Damit der Mann das nicht muss, unterdrückt er eben die Frau. Er dominiert sie. Wie jeden Sklaven. Es ist ein Machtspiel, bei dem der Ausgang offen ist. Denn die Waffen könnten nicht unterschiedlicher sein.

Dass das die Römer nicht in den Zirkus gebracht haben?! – aber ja, Giftmord hat so wenig Heroisches, ist gemein und hinterhältig. Und er treibt die Kosten in die Höhe, schließlich braucht man jetzt einen (oder mehrere) Vorkoster. Und die Dialoge, das sind auch keine echten Waffen. Die können zwar weh tun, aber nur seelisch. Die kann man so schwer sehen und um das Sichtbare, das Reale, das Körperliche geht es schließlich im Zirkus.

Das mit dem Unterdrücken stammt aus alten Zeiten. Es ist ganz einfach. Mann gleich Jäger, Frau gleich Kinder, Haus und Sammeln (rund ums Haus). Das ergibt: Mann nie da und Frau hat das Sagen – zuhause, drinnen; der Mann draußen. Deshalb darf die Frau dem Mann in der Öffentlichkeit nicht widersprechen. Das ist wie bei den Kindern, ihnen zuliebe streiten und widersprechen sich die Eltern nicht vor ihnen – oder der Öffentlichkeit. Macht es die Frau dennoch, dann dominiert er im selbstgebauten domus (im Lateinischen bedeutet dieses Wort „Haus“ und ist weiblich. Das ist wie die Haus. Bei der Wohnung sind die Verhältnisse dann wieder gerade gerückt, der kleine Mann scheint da weniger auf den Schein zu achten, wie der Große). Im Grunde stellt er nach außen die längst verlorene Ordnung wieder her.

Für manche Frau ist der Mann auch der Beschützer. Er steht für die Gewalt. Manche wünschen sich, diese selbst zu spüren. Heute wird das Fetisch genannt. Früher hieß das: Selber schuld.

Es geht auch ohne Gewalt, aber die viele Rollenbilder kennen und integrieren Gewalt. Wer Regeln aufstellt und damit Rollen definiert, der kennt auch Sanktionen. Wer also Rollen sucht, der sollte auch die Kehrseite bedenken. Und sich immer im Klaren darüber sein, dass es keine Rolle ohne Gemeinschaft gibt, die auch den Verstoß ahnden kann.

Dass der Mann nach außen kommuniziert und die Frau nach innen, lag auch daran, dass der Mann mit anderen Männer Jagt-Gesellschaften pflegte, während Frauen Gesellschaft machten (in allen Sinnen des Begriffs). Mann konnte mit Mann das Thema schnell und präzise abarbeiten, man (-n) kennt sich, man (-n) versteht sich.

Mann mit Frau, da muss der Mann schon Übung haben, um nicht abgelenkt zu werden und das Thema zu wechseln. Mancher komplimentiert sich aus diesen Diskussionen heraus, meist mit dem Ergebnis, dass sich die Frauen die Show abholen und ihn dann ungenutzt stehen lassen. Hat er keine Übung, dann könnte der Mann sich nehmen, worum es ihm eigentlich geht. Theoretisch. Doch praktisch gibt ihm die oft klare körperlich Unterlegenheit der Frau dazu einen entscheidenden Vorteil. Das macht Frauen scheinbar devot. Und sie wahren den Schein. Sie wissen, man sieht sich immer zweimal. Sie dominieren nicht, sie lassen die Puppen tanzen. Wehe, wenn sie dich kennen! Heute schon gespielt (worden)?

Wie Ihr seht, bei dem Thema kann ich nicht ganz ernst bleiben. Sollte jemand wirklich ein Problem mit seinen Rollen haben, dem sei gesagt: Suche nicht die Rolle, suche den richtigen Partner. Für diesen Partner wirst Du genau den richtigen Rollenbilder entsprechen. Den richtigen Partner findest Du, indem Du machst, was Du gerne machst, und interessante Leute fragst, was sie gerne machen und es ausprobierst. Rollen spielen bei zwei Leuten eigentlich keine Rolle. Sie erleichtern vielleicht das „sich Kennenlernen“ und können bei einigen organisatorischen Fragen helfen (Warum trägt der Mann den Müll raus? Weil er für alles was draußen ist zuständig ist und die Frau nur nach draußen geht, wenn sie sich entsprechend vorbereitet hat – da draußen sind die Rollen, drinnen, ist sie ganz anders) aber das kann man auch ganz anders machen. Rollen, das sind gesellschaftliche Probleme.

Wenn die Gesellschaft ein Problem mit den aktuellen Rollenbildern hat, dann doch nur deshalb, weil sich die Welt verändert und einige Rollenbilder heute nicht mehr passen. Das Problem der Rollen ist das Werden, die Entwicklung und die Evolution – so gesehen, die ganze Welt. Rollen sind zeitlich beschränkt. Sie sind nicht auf ewig gültig. Sie gelten nur solange, wie die Umstände gelten, für die sie gemacht wurden. Doch heute ändern sich die Zeiten so schnell, dass Rollen kaum etabliert werden können. Wer heute in Rollen denkt, denkt immer in den Kategorien von gestern. Doch gelten die heute oft nicht mehr. Zudem sind Rollen so etwas wie Fragen nach dem Prinzipiellen. Das kann nur beantwortet werden, wenn vieles ausgeschlossen wird. Rollen scheinen die Welt einfacher zu machen, letztlich sind sie utopisch. Entweder zu allgemein, oder zu detailiert.

Rollen sollen dabei helfen, sich in einer Welt zurecht zu finden und sie entstehen – ganz nebenbei – wenn sich die Menschen Regeln geben. Wenn eine Gesellschaft Probleme mit den Rollen hat, dann hat sie auch ein Problem mit den Regeln. Man kann nun alles hinschmeißen und behaupten, dass gestern die Welt noch in Ordnung war und dass das einem lieber war, oder man engagiert sich und versucht die neuen Regeln mitzugestalten.

Worum geht es da im Einzelnen? Nur um wenige Punkte: Unsere Gesellschaft hat eine sehr lange Friedensphase erlebt – das ist gut. Doch viele Rollenbilder stammen noch aus (Vor-) Kriegszeiten. Und diese Rollen tragen auch heute noch den Krieg zurück in unsere Zeit.

Übrigens: Gerade dem Krieg haben wir eine der größten Veränderungen zu verdanken (zum Freund des Krieges wurde ich deshalb aber nicht): die Frauen sahen, dass sie Männerarbeit leisten können und einige wollten sich das nicht mehr nehmen lassen. Auch hatten viele Frauen erkannt, dass sie mit Geld umgehen können und dass das alles durchaus von ihnen erledigt werden kann. Einige erwiesen sich als wahre Naturtalente. Viele Frauen standen ihren Mann. Als dann die Religion in Friedenszeiten und in Zeiten geregelter Arbeitszeiten (die Menschen damals hatten nie frei, nur in der Kirche, hatten sie ihre Ruhe) immer mehr Anhänger an den Fußballplatz und den Stammtisch verloren, und die Pille den Frauen weniger Vorsicht bei der Partnerwahl und sich gelegentliche Naschattacken hemmungslos, kinderlos und wenn es unbemerkt blieb evtl. auch folgenlos hin geben konnten, konnten sie aus den zu eng gewordenen Normen ausbrechen, auch weil sie sich durch ihrer Hände Arbeit selbst versorgen konnte, da ändern sich dann auch Weltbilder.

Doch sie tun das nicht immer auf dem vernünftigen Weg. Viele wollen an den alten Regeln festhalten, haben die Hoffnung: Was lange währt, wird irgendwann mal gut werden. Andere sehen kaum einen Sinn darin – und können sich das Lachen nicht verkneifen. Das sind oft die Jüngeren. Und sie übertreiben es gerne. Das weiß ich, weil ich das selbst durchgemacht habe. Auch wird das Thema gern sexuell diskutiert (die Pflicht mit dem Angenehmen kombiniert). In dieser Zeit wird alles auch auf dieses Thema bezogen. Viele der aktiven Frauen dieser Zeit, haben sich eigentlich nicht unbedingt befreit gefühlt. Sie hatten immer die Verpflichtung zum Sex, mit jedem und jeder – schließlich war man frei. Heute, als selbstbewusste Frauen, würden viele vieles anders machen. Aber irgendwie ist da auch immer etwas Wehmütiges dabei, gefolgt von dem Spruch: Heute genieße sie den Sex, damals haben sie ihn nur gemacht. Auch das heutige Frauenbild ist nicht perfekt. Es hat sich bereits mehrfach gewandelt. Vielleicht hat der Mann da einfach den Anschluss verloren. Vielleicht wäre es besser, eine Menschenrolle statt Mann / Frau Rollen zu definieren.

Diese alten Regeln und die Veränderungen der Rolle der Frauen, stellen die Rollen des Mannes nicht unbedingt in Frage, machen sie nur unpassend evtl. antiquiert. Hier ein paar der aktuellen Alternativen.

Traditionell gibt es den Macho, der ist reizbar, kurz angebunden und aggressiv, wie jedes in die Enge getriebene Tier. Dieser Dominator wird von seinen Regeln dominiert. Frau bekommt keinen Mann sondern einen Unterworfenen, mag sein, dass sich die eine oder andere Frau da Chancen ausrechnet.

Dann gibt es da den Naturburschen. Das ist einer der die Dinge, die er selbst in die Handnehmen kann, auch in die Hand nimmt, der alles selbst regeln kann und will. Das ist dann aber auch einer, der gern für sich ist und selten große gesellschaftliche Ambitionen hat. Sein Heim ist seine Burg und die verlässt er nur, wenn er in eine andere Burg gehen kann. Alles andere wird gemieden.

Dann der Karrierist. Sie wollen nur aufsteigen. Sie leben nicht zu hause, sondern in der Arbeit, wenn Frau ihre Ruhe haben und versorgt sein will, ist das der richtige Kandidat. Gelegentliche gemeinsame Auftritte in der Firma und der gehobenen Gesellschaft machen es aber nötig, dass man sehr viel Zeit auf sich, sein Auftreten und seine Manieren verwendet – viel Zeit bleibt ihr da nicht, aber was macht sie nicht alles für ihn?!

Der Clown ist einer der angenehmeren Mitmenschen, er ruht in sich, in seiner Gegenwart gibt es immer etwas zu lachen, man ist gesellig beisammen, ohne Grund und ohne übertriebene Regeln und Ziele. Der Clown kann auch dafür bezahlt werden, dann wird er oft Künstler. Wenn er sich auf das aktuelle Geschehen einlässt, dann nur als Karikatur und Satire. Er nimmt sich und die Welt nicht ernst, dafür seine Mitmenschen, Pflichten / Aufgaben und den Humor. Er liebt den Humor und das Lachen. Er ist offen, und nur wenn es unbedingt sein muss ehrlich, ihn treiben die Geschichten und Erlebnisse in der Realität und manchmal auch die der Phantasie. Er kann aber gut zwischen beidem unterscheiden, macht das aber nur, wenn er muss. Quasi unter notarieller Aufsicht. Der Clown zieht die Notlüge und den Flirt der langen Rede über harte Fakten vor. Man darf ihn nie ganz ernst nehmen, das will er auch nicht, aber wenn er ernst wird, sollte man sich besser etwas Zeit nehmen.

Eine Mischform ist der Moralist. Er nimmt von den Rollen Clown und Macho das Schlechteste und erwartet sich auch nichts Besseres – von sich und der Welt. Redet aber gern über das Bessere. Er kennt nur eine Regel und nur Schwarz und Weiß. Weder grau noch bunt. Vieles wird im schnell zu bunt. Er lebt etwas, das man oft bei Kindern sieht, die noch die Welt entdecken müssen, Kinder freuen sich riesig über gefundene / erkannte / bestätigte (einfache) Regeln (z.B. dass Eier, die auf den Boden fallen, kaputt gehen). Und sie besorgen sich die Bestätigung der Regel wieder und wieder (sie machen die ganze Eierpalette kaputt). Bis das kleine Scheibchen Wahrheit solide und tragend in ihre Welt integriert wurde. Der Moralist hat sich ein paar Scheiben herübergerettet. Alles andere kann und will er nicht sehen, oder macht es passend, redet es sich schön. Leider gehören solche Menschen als eine Daseinsform des Menschen zum Menschen. Ich sage das mit dem tiefsten Bedauern, zu dem ich fähig bin. Diese Menschen tun mir sehr leid.

Wenn sich jemand dabei erwischt, so zu werden und es nicht will, dann kann eines helfen. Gebe dich nie mit nur einer Lösung zufrieden. Ich weiß, es ist hart. Die erste Lösung war schon nicht leicht, die zweite geht dann etwas schneller, die dritte und vierte flutschen meist wie von selbst – aber wer hat schon so viel Geduld und Durchhaltewillen? Am besten Du. Tu es für Dich selbst. Denn wenn Du alles nur schnell erledigen möchtest – und scheinbar auch immer konntest – dann hast Du meist am Leben vorbeigelebt. Das scheinbar Spielerische, das Du an Deinen Vorbildern gesehen und bewundert hast, das ist Teil der Show. Diese Menschen haben die Rolle des Auftretens – immer Lächeln, alles ist einfach, ein Kinderspiel: mach du mal! – verinnerlicht und hart dafür gearbeitet. Das Publikum soll verzaubert, nicht an die Arbeit erinnert werden. Man tritt nur dann auf, wenn man mit den Dingen spielen kann.Wenn man die Dinge beherrscht. Und das geht eben erst, wenn man mehr als nur eine Regel kennt. Dann kann man auch aus dem Vollen schöpfen. Dann kann man den Dingen entgegentreten. Wer nur mit einer Regel daherkommt, der wird nur erfahren, dass die anderen nicht mitspielen wollen. Der kann kaum mit anderen Sprechen. Der kann kaum sich selbst vergessen und auf andere eingehen.

Eine andere Mischform ist der Macher. Nichts ist ihm zu groß oder zu klein. Er macht aber auch meistens selbst nichts. Er ist ein Netzwerker, oft ein Blender. Er mimt den Naturburschen, der vor Kraft strotzt, ist immer gesund und jugendlich – doch alles kommt aus der Dose bzw. dem Sonnen- und Anabolikastudio. Er ist ein Karrierist, selten ein Arbeiter. Im besten Fall kennt er jemanden, der jemanden kennt der genau das machen kann, was man gerade braucht. Wenn er ihn dann noch bekommen würde, wäre ja alles in Butter, aber leider hat man dann meist zu wenig Geld bieten können (schließlich macht er sich nicht wegen eines Apfel und eines Eis auf). Diese Leute kennen aber die Kraft des Lobes und der Geselligkeit. Sie sind ein bisschen Clown, nehmen aber die Aufgaben nicht ernst und sind selten zuverlässig. Ein Macher macht / erfindet sich – und alles andere ist nur um ihn herum. Ist ein Macher erfolgreich, dann ist er tendenziell eher Naturbursche oder Clown, die die Abgeschiedenheit ihrer Welt etwas gelockert haben.

Es gibt scheinbar viele Rollenbilder. Da müsste doch für jeden etwas dabei sein?! Warum also braucht der junge Mensch von heute neue Rollen? Haben die Alten was falsch gemacht? Bei näherer Betrachtung fällt vielleicht auf, dass sie nur ein Thema variieren: Durchsetzung. Erst ich, dann lange nichts, dann nochmal ich und irgendwann, erst ganz da hinten – du Opfer – da kommst du.

Im Krieg (oder in der wie ein Krieg erlebten Wirtschafts- und Arbeitswelt) mag das sinnvoll erscheinen. Egoismus ist eine Überlebensstrategie keine Familienidyll. In vielen Organisationsformen des Menschen, gibt es solche, die im Krieg führen und solche, die im Frieden führen, weil die, die im Krieg führen, immer den Frieden meiden und verhindern. Egoisten sind in diesem Bild die Kriegsherrscher.

In vielen Firmen sind merkwürdige Erfahrungen gemacht worden. Ein Gespenst ging um. Eines, das alles bedrohte. War man vorher schon im (Artillerie) Krieg, so lernte man nun, was es bedeutet direkt an der Front zu stehen, das Bajonett aufzustecken, während man sich die Granattrichter vor einem ansah und versuchte, das lebensrettende Muster zu finden, das es einem ermöglichen sollte dahinter anderen den Tod zu bringen. Allein der Beschuss bot Grund, Motivation und Testosteron genug.

Das Gespenst hieß „Team“. Da war es ein paar Leuten gelungen, das Unmögliche wahr werden zu lassen und sie haben Dinge geschafft, die normale Leute nichts schaffen. Ihre Wunderwaffe war das Team. Was ist das? Befehl und Dienst nach Vorschrift, das bedeutete, dass man knapp die Hälfte der Zeit eine ruhige Kugel schieben konnte, denn die Ansager oder Befehlsschreier spielten gern Quartett und wer mehr Mitarbeiter hat, der gewinnt. Da jeder auf seinen (persönlichen) Befehl wartete, war immer Zeit genug noch etwas Sinnvolles (meist Privates, ein Nickerchen vielleicht) zu erledigen, bevor man wieder an der Reihe war. Im Grunde genossen alle ihr Leben. Das Alte war gut genug, Neues brauchte eigentlich niemand – geht doch. Teams drohten nun diese Akkordarbeit zu ändern. Da wurde doch glatt behauptet, dass es möglich sei Neues zu machen oder neue Wege zu finden, indem man sich in einer Gruppe zusammentut um hierarchielos(!) zusammen zu arbeiten. Wofür werden die denn bezahlt? Denken die, fürs Kaputtmachen? Verhindern hätten sie es sollen! Außerdem war Mitarbeitern derart orgiastische, die Arbeit zur Lust werden lassende Thesen, nicht zuzumuten. (Man animiert den Staat mit solchen Hirngespinsten nur dazu, die Arbeit mit einer Vergnügungssteuer zu belegen). Im Büro schwitzt und wettet man nicht (zugegeben, das war vor den neo liberalen Tagen).

Ich möchte diese hübschen Bildfolgen nun nicht weiter ausführen, denn ich schweife wieder ab. Wichtig war nur, dass Teams, Leistung bedeutete. Leistung, die sich für die Firma bezahlt machte, aber auf Kosten der allgemeinen kriegerischen Befehlskettenmentalität ging. Da dachte so mancher, dass er um seinen täglichen Heroismus gebracht wird – und statt dessen Leistung zeigen sollte. Wo kommt man denn hin, wenn man so was zulässt? Entsprechend erfolglos wurden die verordneten Teams und sie verschwanden wieder in der Schublade.

Manche Kollegen fahnden die Idee mit den Teams sei nicht schlecht. Das waren die Jungen. Die, die sich beweisen mussten. Es dauerte nicht lange, bis sie begriffen, dass sie erst mir zu beweisen hatten, dass sie mir nicht in die Quere kommen und nicht in die Parade fahren. Aber in Teams machten sie sich gut. Bei den Frauen. Diese Jungs hängen noch immer am Rockzipfel und wissen nicht, was man mit einer Frau (in der Öffentlichkeit) tut – noch nicht. Ich werde es ihnen schon beibringen. Aber ich sc diese Geschichte erzähle ich ein andermal, denn sonst schweife ich zusehr ab.

Teams brachten Leistung indem die Leute nicht wetteiferten und konkurrierten sondern einfach Aufgaben besprachen, Lösungen suchten, nicht aufgaben und die Arbeit erfolgreich erledigten. Teams nutzen einfach jede Chance. Nichts ist zu verrückt oder ungewohnt oder abwegig. Jede Idee wird einfach notiert und dann Punkt für Punkt auf Tragfähigkeit abgeklopft. Wenn jemand zu einem einem Thema etwas einfällt, dann hat sein Gehirn hier eine (versteckte) Verbindung erkannt. Die gilt es zu suchen und auszuwerten.

Klar, dass auf diesem Weg Alternativen und sogar Neues aufkommen kann. Was wurde nicht alles gegen diesen Unfug ins Feld geführt: Diese zusammengewürfelten Teams hätten nur Glück gehabt, Anfänger Glück. Als man das nicht mehr behaupten konnte, war es dann Schwarmintelligenz, bis irgend so ein Schwärmer behauptete, dass es das wirklich gäbe. Teams zu diskreditieren ist Schwerstarbeit, wie das ganze Kriegswesen eben. Klar nutzt man die Naivität des Bombenfutters aus und sagt Sachen wie: „zusammen mit Deinen Kameraden für die gute Sache“ – äh übrigens, wir hätten euch den Wunsch nach den weißen Hüten wirklich gerne erfüllt und zu Zeiten mit den tollen schicken Uniformen wäre das auch gegangen, aber heute würde eure Tarnung auffliegen. Aber vergesst nie, ihr seid die mit den Weißen Hüten (wenn ihr wieder zurückkommt) und vielleicht bekommen wir es hin, den Krieg in die Arktis zu verlegen, dann bekommt ihr eure Hüte.

Also um es kurz zu machen: Man gab sein bestes, aber es kommt soviel Jugend nach, da war mit diskreditieren nicht mehr viel zu machen, schnellere Lösungen sind in dieser Zeit aber nicht erlaubt und wer feuert schon gern auf die eigenen Linien – auch, wenn es sich nur um Leistungserbringer statt um anständiger Soldaten handelt, aber im Alter wird man eben weich.

Das Dumme an der Wirtschaft ist – wie am Krieg auch – dass man immer genau informiert sein und rechnen können muss. Leider lohnt sich Leistung. Nicht für die Moral der Truppe! Nein, sicher nicht! Die werden verweichlicht und bekommen sogar noch die Möglichkeit, dass sie was zu sagen haben. Dieser ganze kommunistische Spuk sollte endlich mal beendet werden. Aber wer stellt sich schon gegen die eigene, wenn auch eine kommunistisch verseuchte und verweichlichte, Brut? Und Leistung wird leider honoriert – wenn es gar nicht mehr anders geht. Schöne gute alte einfache Zeit. Ade. Ich geh.

Vielleicht kommen wir jetzt mit dem Thema weiter. Solche geschwätzigen, sich selbst darstellenden Erzählprodukte können ganz schön nervig werden. Jedenfalls: Die Mannsbilder von gestern waren Soldaten und blieben Soldaten. Einmal einer, immer einer. Und viele von diesen – ich habe noch etliche live erleben dürfen – würden auch alles geben, damit es wieder so wird. Es scheint nun so, dass es auch Jüngere gibt, die dieses Leben haben wollen. Diese Leute stellen heute die Gesellschaft vor die Frage: Wollt ihr den totalen …! Und ein paar leise Stimmen antworten: Nö! Leistung und Arbeit wären mir lieber. Im Team schreit man nicht – und wird deshalb trotz dieses massiven Protestes vom Frager schlicht überhört.

Also, die zentrale Frage ist: Wollen wir uns weiter militärisch oder wirtschaftsfreundlich und effektiv aufstellen? Eine kurze, mächtige und heroische Zeit steht einem langen, arbeitsreichen aber zufriedenstellendem und (durch Zusammenarbeit) erfolgreichen Leben gegenüber.

Dass die jungen Männer keine passende Rolle finden, könnte daran liegen, dass es zur Zeit wohl fifty fifty steht, dass echte gute Arbeit und damit auch Leistung das Leben sichert oder ob man es auf dem Schlachtfeld Vaterland oder Firma opfert. Es wird viel dafür getan werden, dass ihr wieder wie die Soldaten werdet. Krise, Kriege, Konkurrenten ist und soll die Devise bleiben. Aber mit den alten Rollen kommen wir nicht mehr lange hin. Das hierarchische Ordnung ist für die aktuellen Arbeiten nicht flexibel genug. Es braucht Friedensrollen für den Frieden und die Wirtschaft.

Wählt man den Krieg, dann wird es wieder 60 Jahre dauern, bis sich die folgenden Generationen sicher genug sind, dass es Friedenszeiten geben kann und sie genug wissen, um zu sehen, dass es auch andere Organisationsformen als die des Krieges gibt. Wir dürfen hier nicht vergessen, die Effizienz des Einzelnen ist sehr viel größer als die der damaligen Menschen. Auch die Verantwortung stieg. Heute entscheiden kleine Mitarbeiter Dinge, die früher nur der Chef oder das gehobene Management getan hätten. Heute werden Menschen eingekauft, wegen des Wissens – und diese Leute entscheiden dann für andere. Und sie machen das gut. Wie würde das funktionieren, wenn man ständig in Krieg denkt? Es ginge, wenn man will. Dazu sollte nur das Ziel im Auge behalten werden und sich vergegenwärtigen, dass diese Firma bzw. die Abteilung aktuelle der Schläger ist, den man zu verwenden hat. Der erste Schritt ist immer der schwerste. Aber jetzt könnt ihr Euch vielleicht entscheiden. Zwischen Leben und Tod, zwischen Leistung und Dienst nach Vorschrift, zwischen Werden und Warten.

Egal ob Mann oder Frau. Rollen definieren niemanden. Und Ideale sollen meist nicht erreicht werden können. Seid, wer ihr sein, damit ihr erlebt, was Euch prägen kann. Sucht Euch Freunde. Vielleicht werden es Partner. Geschäftspartner oder Lebenspartner. Rollen machen die Sache zu einfach. Ihr seid nun Mensch, nicht nur Mann oder Frau. Und Ihr solltet versuchen Euer Leben in die Hand zu nehmen, wartet nicht, bis jemand vorbeikommt und Euch abholt. Frauen dürfen vom Ritter in goldener Rüstung auf einem Schimmel träumen. Als Kinder. Es gibt biologisch einige Unterschiede und daraus könnte auch der eine oder andere psychologische Unterschied erwachsen, aber Erwachsen sein heißt nicht klein bei geben und es heißt nicht ständig Krieg zu führen. Dass man sich seine Freunde selbst wählen kann, eine gut Wahl trifft, dass man neugierig ist und bleibt, dass Grenzen getestet werden, dass man sich bei der Wahl von Freund und Feind sicher ist, dass der andere der Mühe wert ist und dass man selbst geben und nehmen kann. Der Feind ist nicht kriegerisch zu sehen. Der Feind ist man oft selbst, zumindest erkennt man im Feind oft einen ungeliebten Teil von sich selbst. Aggression und andere Gefühle können in Kraft, sogar in konstruktive Kraft verwandelt werden. Sie können Krieg oder Leistung bringen. Wer die Leistung wählt, der hat meine Stimme.

Fazit: Es ist ein gutes Zeichen, dass es keinen gesellschaftlichen Rollenzwang gibt. Mann und Frau werden heute tendenziell als Mensch gesehen. Was sie in ihrem Sexualleben treiben, bleibt meist ihre Sache. Die Sache mit dem Kinderkriegen, Familie und wie die Wirtschaft organisiert ist, ist heute zum Teil offen. Gerade die wirtschaftlichen Themen sollten geklärt werden. Die Wirtschaft begreift schön langsam, dass die Kampfthesen das wirtschaftliche Leben selbst behindern, dass andere Einstellungen tragfähiger sind. Im Blog wurden ein paar Thesen besprochen, die hier helfen können.

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