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Koordiniertes Wirtschaften

15. April 2014

Folgende Frage wurde mir die Tage ein paar mal gestellt: Wie ist das mit dem „Aufbrechen“ der Firmenstrukturen gemeint?

Als mir das erstemal die Frage so oder so ähnlich gestellt wurde, sah ich verdutzt aus der Wäsche? Welche Firmenstrukturen? Welches „Aufbrechen“ ? „Na, dieser Vorschlag, dass Idee, Ausarbeitung, Vorbereitung, Produktion und Vertrieb irgendwie aufgeteilt werden sollen – und wie soll das genau funktionieren?“ war die Antwort. Die Frage zielte auch einige Beiträge dieses Bloks, in denen darauf hingewiesen wird, dass die viel gescholtene Stagnation und Innovationsschwäche der schlicht Teil unseres Wirtschaftssystem sei – und wie man den Knoten lösen könnte: Indem auf Arbeitsteilung statt auf alleskönnende Firmen gesetzt wird. Der Markt würde dynamischer, würde Änderungen freudig begrüßen, der der politische Teil wiürde aus der Wirtschaft schwinden. Aus einem zum Verdrängen und Kämpfen neigender Markt, würde ein flexibler und dynamischer werden.

Man kann die Hauptunterschiede unter den Begriffen Konzern- und Mittelsstandswirtschaft aufführen.

Eine Mittelstandswirtschaft setzt darauf, dass dezentral und vor Ort die Leistung erbracht und verbraucht wird. Die höchstoptimierte Konzentration von Arbeiten an einem Punkt und damit der Logistikaufwand und Koordinationsarbeiten bei Ein- und Verkäufen machen den Vorgang wesentlich weniger komplex, es können mehr daran teilnehmen und sie können sich leicht einarbeiten. Bei Zentralen gibt es zwar eine Spezialisierung aber auch eine starke Reduktion der Mitarbeiter. Bei einer Mittelstandswirtschaft neutralisieren sich die Löhne und Gehälter, da sie marktüblich sind. Sie bleiben eine lokale Größe und ist dort normal.

Eine Konzernswirtschaft ist das, was wir heute haben.  In der Regel bedeutet dies: Es gibt große Marktteilnehmer, die das Marktsegment dominieren und dadurch für Neuentwicklung und Investitionen uninteressant machen. Das ist ein geschützter Bereich, der gut „verteidigt“ werden kann. Leider stagnieren solche Märkte, da das Prinzip der Gewinnmaximierung verlangt, dass Veränderungen so lang wie möglich in Gewinne umgesetzt werden und dass Investitionen in Markting und Werbung zu diesem Zweck sinnvoller sind, als eigene Neuentwicklung, die in einem Notfall besser aus dem Topf der bereits zum Schutz der eigenen Produkte eingekaufte Neuerungen genommen und variiert werden sollte.

In der Wirtschaft gibt es folgende Thesen, die, ins Extrem getrieben, zu einer Konzernwirtschaft führen:

– Kunden kaufen lieber bei „Großen“.  Die These dahinter ist, dass der Kunde immer auch die Firma, deren Sicherheit und Wartung (-smöglichkeit) miteinkauft. Das führt dazu, dass der Kunde in Krisen den größeren Anbieter bevorzugt – und kleinere dadurch noch schneller in Schwierigkeiten bringt.

– Sicherheit und Stabilität ist nur durch Größe erreichbar. Man kann damit rechnen, dass ein Geschäft, das keine Rücklagen hat, bei der ersten kleinen Krise kaputt geht. Während der ersten, der Entwicklungsphase leiden fast alle Firmen chronisch unter Geldmangel. Selbst während das Produkt sich auf dem Markt etabliert, herrscht Geldmangel. Erst, wenn die Entwicklung (und Optimierung) des Produkts soweit automatisiert ist, dass größere Stückzahlen ohne Mängel verkauft werden können, erst dann fährt ein Unternehmen Gewinne ein, die es in dieser Phase sparen sollte, damit Krisen aufgefangen werden können. Erst jetzt wird aus einer Risikofirma ein stabiler, glaubwürdiger Marktteilnehmer – aus Sicht der Investoren.

– 20% und mehr, das ist das untere Ende des Marktanteils, darunter ist man eine Zeitbombe, die jederzeit vom Markt gefegt werden kann. Aber gilt das für den lokalen oder globalen Markt? Sind Marktnischen hier ein Teil des globeln Markts oder ein eigener Markt? Diese 20% Regel ist etwas weicher, als man denkt. Deshalb ist man allgemein der Meinung, dass je größer der Anteil ist, umso besser sei das für die Firma. Wenn der Markt unter gleichgroßen aufgeteilt wäre, dann gäbe es 5 führende Firmen. Die meisten gehen aber von 4 und etlichen Nischenprodukten aus. Die 4 sehen sich sofort in einem Verdrängungsmarkt und die in den Nischen, werden nur schwer Unterstützung finden. Ein Verdränungsmarkt ist ein sich konsolidierender, ein sich bereinigender, manche sagen ein sterbenden Markt. Verdrängt eine Firma die anderen 3, dann ist der Markt der Willkür dieser Firma ausgesetzt. Sie wird kaum Neuerungen zu lassen, sie kann die Preise und alle Zyklen selbst bestimmen. Dieser Monopolmarkt ist ähnlich kaputt, wie jeder andere dominierte und von den Gesetzten des Marktes befreiter Markt. Oft werden sogar die Nischenproduktfirmen vollständig integriert. Es kann aber auch sein, dass durch Markterschütterungen eine der Nischenfirmen schnell die 20% oder mehr erreicht, diese Firma kann nun mit der anderen konkurrieren. Sie wird es auch, weil die andere sie dazu zwingen wird. Die Ältere gilt als die stabilere und hat somit einen Marktvorteil. Der – trotz veralteter Produkte und verkrusteter Strukturen – für den jüngeren Konkurrenten nur schwer zu durchbrechen ist.

Die aktuellen Märkte haben alle Parameter so gesetzt, dass sie Göße und Langlebigkeit begünstigen. Das bedeutet auch, dass Neuerungen sogar Flexibilität als gefährlich und schadend angesehen werden. Das ist eine einfache Tatsache, die, wenn sie zugelassen wird, die schöne Eigenschaft hat, einen die Dinger einfacher und konkreter beschreiben lassen zu können, als wenn man die meistvertretenen Ansichten (Größe, Domination, Kampf und Glorie) wiederholt.

Ein Marktteilnehmer an diesem Markt ist fast gezwungen sich bewußt gegen die Interessen der Märkte und der Wirtschaft zu stellen und sich selbst so groß und stabil wie nur irgendmöglich zu machen.

Wirklich? Unter den aktuellen Umständen Ja. Also wenn die Qualität seines Produktes durch einen großen Anteil manueller Arbeit direkt von der Qualität seine Mitarbeiter abhängt, kann er dieselbe und seine sichernden Überschüsse nur erhöhen, wenn er seine Arbeitsprozesse und Produktion parallel mit seinen Mitarbeiter (Zahl und Qualität) optimiert. Dadurch ergibt sich ein zentraler Produktionsort für sein Produktion, Management, Ein- und Verkauf und das stetige Drängen auf immer weitere Märkte.

Jeder, der auch auf den Markt drängen will, hat diese Größe und Hürden zu nehmen. Das lohnt sich oft nicht, selbst wenn man das bessere Produkt hat. Außerdem: Die größte Schwierigkeit war immer die Mitarbeiter, deren Unterstützung für das Produkt und Firma, deren Qualitätsbewußtsein und die handwerklichen bzw. technischen Kenntnisse sind unter diesen Umständen charakterisierend und die eigentliche wirtschaftliche Kennzahl des Unternehmens. Die allerdings als gegeben hingenommen werden (weil sie oft nur schwer zu beeinflußen sind. Und zu bedenken ist auch, dass wenn dieser Umstand bekannt werden würde, das die Rolle und Verhandlungsposition der Mitarbeiter stärken und die eigene schwächen würde) andere Kennzahlen stärken dagegen die eigene Verhandlungsposition und machen einen wichtiger.

In Zeiten der Automation sieht das anders aus: derselbe Roboter liefert immer die gleiche Arbeit und Qualität. Und das wirkt sich auch auf den Markt aus, das ergibt neue Regeln. Aber wir bearbeiten einen sich deutlich geänderten Markt mit den Regeln von vorgestern und wundern uns, dass die, früher immer wirksamen, Maßnahmen nun im Sande verlaufen.

Dazu kommt, dass die Automation allgemein bekämpft wurde. Die Mitarbeiter fürchteten um ihre Arbeitsplätze und die Politik und Wirtschaft um die Vormachtstellung, die die Veredlung der Rohstoffe den großen Industrieländer einbrachte. Doch die Automation war nicht unterzukriegen, sie schlich sich immer wieder ein. War bald überall und es wird so weiter gehen.

Heute ist die Produktion von der Qualität der manuellen Arbeit fast schon unabhängig. Mit hochflexible Produktionsrobotern wären bald nahezu 100% erreichbar. Baut man viele kleine diese Roboter, standardisiert die Rohmaterialien und einige wenige Zulieferprodukte, dann können diese vor Ort zusammengebaut und / oder produziert werden. Dies wird möglich, weil die Automation die zentrale Produktion, deren Qualität unmittelbar von der der Mittarbeiter abhängt, unabhängig wurde.

Und was bedeutet das nun für den Markt. Er dezentralisiert sich. Statt fleißig jede Münze mehrfach umzudrehen gibt es viele von einander unabhängige Märkte parallel, zum teil ineinander verwoben. Grundsätzlich aber sind sie unabhängig von einander. Das bedeutet für die Teilnehmer, dass sich die Märkte selbst organisieren und dadurch gibt es sehr viel mehr sinnvolle Arbeitsplätze als die Automation auch nur ruinieren konnte.

Die Produktion vor Ort wird immer interesanter vor allem, wenn das Produkt auch noch individualsiert werden könnte, ergeben sich Beratungspotenzialia, Testes, Versuche und Varianten, die anderswo aufgegriffen werden können und dort Probleme lösen, an die der Originator nie hätte denken können. Eine zentrale Produktion scheint in diesem Zusammenhang sogar kontraproduktiv, da die individualsierten Produkte oft mehrfach erstellt werden, bis, sie passen. Das ständige Hin- und Herschicken dieser Produkte würde diese kreative Phase der Kunden nur stören. Auch schafft die Distanz Missverständnisse, die kaum bebebbar sind.

Dies war eine Skizze, wie sich der Markt wahrscheinlich in der nächsten Zeit entwickeln wird. Eine koordinierte Wirtschaft geht ein paar Schritte weiter. diese ergeben sich zum Teil direkt aus dem, was gerade beschrieben wurde, sind nur logische weitere Schritte oder es sind Maßnahmen, die diese Entwicklung unterstützen.

Zunächst aber, was würde das bringen? Kennen Sie TTIP? Kennen Sie die These, dass nur Größe sicherstellt, dass man was am Markt zu sagen hat? Wissen Sie, dass die Investitionsregeln, die da angewendet werden sollen, praktisch alle aus der Zeit der handarbeitlastigen Industiealisierung stammen? Und von vorgestern sind? Also was wäre, wenn der Markt sich dezentralisieren würde, überall individualsiert produziert werden würde?

Dann wären alle Bestrebungen nach der alten Größe nichts mehr wert. Denn die Produktion wäre überall gleich teuer / billig, die Möglichkeit der Individualisierung, der Kombinationen etc. spricht für eine Produktion vor Ort. Große Produktionsstecken wären eher hinderlich und sehr bald auch wesentlich teuerer, da die vielen kleinen und flexiblen Roboter schneller und günstiger produziert werden können, als die wenigen Einzelstücke! Die Regeln der Automatisierung und Globalisierung laufen auf diese Lösung hinaus.  Größe, so wie sie bislang gemessen wird, anhand von Stückzahlen, ist zentral nicht mehr möglich und nötig. Die Verträglichkeit mit anderen Produkten und der relativ freie Umgang mit Ideen, die gern auch aus weit entfernten, völlig anderen Kontexten stammen dürfen, diese Eigenschaften und Möglichkeiten beleben nun den Markt. Der freiere Umgang und Nutzung ermöglicht auch Querverbindungen, die heute übersehen werden und sie werden Neuigkeiten zu neuer Produktion bringen.

Dies ist ein Markt, der selbst auf die Arbeitsteilung und viele weitere Gesetzte der Märkte achtet – weil er sonst nicht funktioniert. Die Regeln der Wirtschaft werden globalisiert und die zentralen, konzentrierten Arbeiten verteilen sich über das ganze Land. Dadurch bleiben lokale Löhne und Gehälter auch lokale Größen und sind somit neutralisiert. Das Wirtschaften wird sehr viel einfacher.

Wer Ideen hat, darf diese publizieren. Wenn die Nachfrage stimmt, dann werden sich Leute daran machen, die Vorarbeiten für die Produktion zu leisten. Diese können dann überall verwendet werden und die Produkte können erstellt werden. Die Nachfrage kann unmittelbar und unabhängig von Auslastungszeiten der speziellen Maschinen befriedigt werden, sie muss nicht gestreckt und gesteuert werden, damit man lange genug Kunden hat, damit sich die Maschinen auch rentieren. Im Gegenteil: Jede Neuerung ist willkommen, weil sin nun die kleinen Alleskönner auslasten. Alle werden Neuerungen begrüßen und – solange es keine gibt eben von Wartung und den Austauschprodukten leben. In solchen Zeiten steigen die Preise, aber jeder hat auch das Geld dazu es auszugeben. Diese Art von Markt niveliert vieles, was uns heute sehr problematisch vorkommt.

Worin besteht nun das „Koordinierte“? Man könnte es besser „selbstorganisierend“ nennen. Aber im Kontext dieses Blocks wird der Begriff bereits anderweitig verwendet (150er). Also, die Koordination der Märkte (mit angepasster Geldpolitik) geschieht nahezu automatisch. Aktuelle Wirtschaftssysteme benötigen immer viele Koordinatoren und Organisatoren und Netzwerker und Multiplikatore und so weiter. Letztlich gelten für diese (in diesem Übermaß) dass sie nur den Markt belasten und nichts bringen. Viele dekoordineren bewußt. Das alles wäre in einem „von Natur aus“ koordinierter Wirtschaft nicht möglich. Er entlarft kostspieligie Nutzniesser und stabilisiert sich selbst.

Für die 80% die einfach nur Leben wollen, sind das traumhafte Aussichten. Für die, die dadurch ihre Wichtigkeit verlieren, weniger. Wer ist das Volk?

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