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150er, Stämme, Städte und Staaten

27. März 2014

Auf dem Blog http://guidograndt.wordpress.com/2014/03/17/nachrichtensperre-kurz-vor-der-europawahl-verschwiegenes-referendum-mitten-im-herzen-der-eu/#comment-2176 entwickelte sich eine kleine Diskussion, in die die 150er involviert wurden. Diesen Teil möchte ich hier wiedergeben.

Es geht im Post darum, dass sich mehrere Bereiche von der EU und / oder von ihren Mütterländern abspalten wollen. Dass aktuell Referenden zu diesem Thema laufen und einige Bürger der EU aufgefordert sind, ihr Kreuzen bei: „Separieren“ oder „Bleiben“ zu machen. Worum es im Post aber eigentlich geht, ist, dass das in der Presse keinen Widerhall findet. Es wird vermutet, dass das per Nachrichtensperre durchgesetzt wird. Gut, in Zeiten, in denen sich z.B. das ZDF von politischen Einfluss freikämpfen muss, scheint das fasst schon wieder plausibel. Es kann aber auch sein, dass diese Ereignisse von denen auf der Krim verdrängt wurden oder, dass die Medien der Meinung sind, Politik statt Meinungsbildung betreiben zu müssen, indem sie den „Gespinnerten“ nicht auch noch eine Plattform bieten. Man kann da zu allen Seiten positionieren wie man will. Mich hat letztlich nur gewundert, dass die 150er, die ich letztlich nur für ein kleines Stellrädchen im politischen Betrieb Getriebe hielt, doch massiven und positiven Einfluss haben würden.

Begonnen hat es hiermit:

Ja, das Verlangen nach Unabhängigkeit steigt mit dem vermeindlich “eigenen” Erfolg. Manchmal aber auch einfach, weil es einem “ehrlicher” erscheint. Wenn man [als kleinere Nation]  in einem Nationalstaat lebt und die eigene Nation unterdrückt wird, dann fordern machne “Gerechtigkeit”.

Aus Sicht der EU kann man mehreres anmerken. Das Wichtigste zuerst: Prinzipiell ist die Zahl der eingebundenen Staaten eher unwichtig. Verbleiben diese Staaten in der EU, dann steigt für diese nur der Verwaltungsaufwand. Und für alle, die böse Kräfte am Werk sehen: Je kleiner die Einheiten sind, umso leichter kann man sie führen, denn umso abhängiger werden sie. Das bedeutet letztlich, dass die paar Großen das Sagen haben und die Kleinen folgen müssen. Solange diese neuen Staaten also in der EU bleiben (oder rasch aufgenomen werden), macht es das Führen von Europa nur einfacher.

Bleiben sie nicht in der EU, begeben sich die meisten in die direkte Abhängigkeit von ihr. Das spüren sie sehr bald (Zölle und Gebühren für Anbindungen ans Straßennetz ect.) Diese Staaten werden rasch in die EU kommen wollen (bedenkt man, dass sie komplett von ihr umgeben sind und oft nicht die nötige Infrastruktur haben, die ein Staat zum überleben braucht. Ohne Anbindung an die große weite Welt lebt ein Staat, von dem, was seine Leute allein schaffen können. Das ist meist zu wenig. Und bei den benötigten Gütern wäre man vom “good will” der Lieferer und Duchgangsländer abhängig.) Einfacher kann man es den grossen Dominatoren nicht machen (immer vorausgesetzt, dass diese wirklich alle und jeden beherrschen wollen – was im freien, wilden Kapitalismus aber immer verlockend ist. Hier scheinen Leute danach zu betteln, freiwillig in die wirtschaftliche Sklaverei zu gehen. Die extreme Wirtschaft sagt dazu gerne Ja.).

Es gibt aber Organisationsformen, die einen grossen, funktionierenden Wirtschaftsraum liefern und in der sich jeder nennen und zugehörig fühlen darf, wie er will – prinzpiell. Aber in einem Nationalstaaten freien Bereich, führt dies nicht mehr zur Separierung, sondern zu einem persönliche Detail, der eigenen Person und des Gegenüber. Die üblichen Animositäten sollten sich rasch verflüchtigen, ein bischen Necken wird übrig bleiben.

Es sei denn, man will dadurch die Separation erreichen. Nur, das würde keinen Sinn machen, denn man ist immer mit anderen verbunden und benötigt die Gegenseitigkeit. Solange man mitentscheiden kann, ist das handhabbar und zufriedenstellend. Beginnt man aber Sinnvolles mit Animositäten wie: “Das kommt von X! X kann und darf nichts rechtes fertigbringen. Also sind wir prinzipiell dagegen.” zu boykottieren, beginnt die politische und wirtschaftliche Unvernunft. Ähnlich ist es bei Innovationensunterdrückung, Kartellbildung und und und.

Und an anderer Stelle das hier:

Wow! Nur ein paar Anmerkungen zur Größe. Einer hat mal ausgerechnet, dass die kleinste wirtschaftlich Einheit bei 7 500 Menschen liegt. Doch diese würden währscheinlich viele der aktuellen Produkte nicht selbst herstellen können. Sie müßten sich zusammentun. Wo dann die kleinste sinnvolle Einheit liegt ist schwer zu ermitteln, das wäre vorallem von den Preisen der Produkte und den Löhnen abhängig. Vollautomation wäre hier also sinnvoll, wenn die Menschen von Beratung und kleineren Spezialfällen, Handwerk ect. leben können.

Je kleiner man ist, umso teuerer werden Militär, Infrastruktur und so weiter. Insgesamt kann man die wirtschaftliche Pauschallösung geben: Je größer, desto billiger und einfacher wird alles. Politisch ist die kleinste Einheit bei biszu 150 Menschen. Die können sich selbst verwalten. Danach wird Verwaltung im großen Stil nötig und die Kosten steigen. 150 Menschen können alleine wieder nicht alle Aufgaben lösen. Sie werden sich wieder zusammentun. Wo hier die kleinste, funktionierende Gruppenstärke liegt, ist wieder offen. Doch diese Verbünden könnten ungezwingen sehr gross werden, da sie lose gebunden sind und schnell auf jede Situation individuell reagieren können. Dann gäbe es keine Nationalstaaten, sondern nur viele solcher Gruppen, die sich zusammenraufen, weil sie es allein nicht können, aber es immer auch andere Gruppen gibt, die es ähnlich sehen. Man kann seinen Weg gehen. Scheitert man, ist es nicht weiter schlimm, man kann rechtzeitig umschwenken.

Die Wünsche, die fast schon Ideale sind, könnten also mit solchen 150er Gruppen realisiert werden. Das braucht aber Leute, die arbeitteilig denken und vorgehen, und Verantwortung übernehmen. Solche Menschen zu finden ist in einer Zeit, in der die Menschen noch durch hierarchische Strukturen geprägt sind und in diesen Denken, keine leichte Aufgabe auch nur 150 von diesen zu finden. Wer meldet sich freiwillig?

Der Teil brachte also die 150er ins Spiel, Ein Kommentar von Frankenstein hielt das für „bestechend“ aber letztlich würden die Tatsachen verdreht. Nicht 150er wäre die Gruppengröße, die hält er für typisch für die Zeit, in der der Mensch in Stämmen herumlief, nein seine nätürliche Größe wären 10 bis 12 Mil. Menschen. Dann wären die ersten Menschen freilich unnatürlich gewesen und – man könnte da viel darauf antworten. Geschrieben habe ich aber:

Gut, ich versuche direkt auf den Beitrag von Frankenstein einzugehen. Erstmal danke für das „bestechend“. Dann zu der Frage, ob die 150 Gruppen realisierbar sein? Sicher. Praktisch alle größeren Strukturen setzen sich heute bereits aus 150er zusammen. Man findet sie überall. Selbst bei FaceBook haben die meisten 150 Freunde. Die 150 findet sich auch beim Militär und so weiter. Die Wissenschaft ist davon überzeugt, das anhand der Gehirngröße bei allen Primaten nachweisen und ausrechnen zu können.
Die 150 braucht nicht realisiert werden, sie ist heute schon der Baustein von größeren menschlichen Gruppen. Diese Tatsache wird aber nicht laut verbreitet. Von allem nicht von denen, die sich der 150 bedienen müssen. Es wäre nur vernünftig, auf die 150er zu bauen statt sie zu verschweigen.
Stichwort Stammesgesellschaft. Was da beschrieben wurde, ähnelt eher dem Mittelalter, dazu später mehr. Auf Stammesebene und den ersten Agrargesellschaften, auch dort finden sich die 150er wieder. Wurden Dörfer zu groß, machte man zwei daraus. Wann wurden Dörfer zu groß? Wenn die 150 überschritten wurde. Übrigens, in diesen Gruppen war die Arbeitsteilung ect. so strukturiert, dass jeder alles können musste. Selbst das Bild: „Frau-Höhle, Mann-Jagt“ wird durch Funde immer wieder in Frage gestellt. Es scheint eher so zu sein, dass jeder alles konnte. Und wie groß waren diese Gruppen? Nun die Größe ist von vielen äußeren Faktoren abhängig. Aber bei 150 scheint endgültig Schluss gewesen zu sein. Was gehen nun die großen Bauten der Epoche an, die benötigten weit mehr Menschen als 150. Nun, sie beweisen nur, dass die 150er sich zusammen tun können, wenn sie gemeinsame Ziele verfolgen – genauso wie die größeren Strukturen, die sich heute der 150er bedienen.
Funde unterstreichen, dass in der Stammeszeiten die Menschen zusammen arbeiteten, Kranke und Alten pflegten – schlicht Fürsorge betrieben und auf die Gruppe setzten statt auf Individualität. Ihre Umgebung war der Grund: Es braucht schlicht X Personen um ein Mammut von der Gruppe zu trennen und mit Feuer über die Klippe zu jagen. Und es brauchte auch eine bestimmte Zahl von Personen, um ein bestimmtes Areal wie einen Rastplatz zu bewachen und zu verteidigen. Sank die Zahl darunter, wurde man angreifbar. Das bedeutete damals wahrscheinlich einen schnellen Tod.
Erst mit der Stadt entwickelte sich so etwas wie Individualität, wurde sogar wichtig. Wer bessere Pflüge herstellen konnte, als die anderen, konzentrierte sich darauf – und wurde dadurch vielleicht noch besser. Alle profitierten vom:“jeder kann etwas (eine Sache oder Aufgabe lösen) besser, als die anderen“. Er machte nur noch das, er spezialisierte sich darauf und alle konnten nun die höhere Qualität nutzen. Das geht aber nur, wenn der Vertrag eingehalten wird und dieser Mensch leben kann. Aber wird er durchgefüttert oder erhält er großzügige Gaben für sein Können? Irgendwann gab es dann Geld über das man tauschte.
Was heute unter Arbeitsteilung verstanden wird (das ist dein Platz, mach Sitz und das, was dir gesagt wird) hat also wenig mit der Grundidee zu tun. Diese Dinge resultieren auch nicht aus der Arbeitsteilung sondern aus der Organisationsform, wie etwas erstellt wird. Während das Prinzip Arbeitsteilung evolutionär ist, auf Entwicklung und Veränderung setzt, neigen Organisationsformen dazu, Strukturen zu bilden und diese neigen wiederum dazu, sich zu verfestigen. Beide Ideen haben den gleichen Ursprung, ihre Ergebnisse sind aber gegensätzlich.
Die 150er sind tendenziell evolutionär. Staaten setzen auf Organisation. Diese ergeben letztlich feste Strukturen, an denen nicht gerüttelt werden darf. Erst jetzt machen Begriffe wie: Unwillige und Faule einen Sinn. Es ist also der Staatenbildung zuzuschreiben, dass sich die von Frankenstein erwähnte Eskalationsspiralen bildet. Auch die „Deckungsgleichheit“ – ich interpretiere das als wir sind uns zum verwechseln ähnlich, gehen im Gleichschritt und sind als Gruppe unschlagbar – ist der Organisationsform zuzuschreiben und ähnelt eher dem Stamm und der Steinzeit als der Phase der Städtebildung.
Mich würde interessieren, wie Frankenstein auf die 10 bis 12 Millionen kommt. Letztlich ist es aber nicht relevant, denn die 150er sind in der Größe nicht eingeschränkt. In wenigen Stufen könnte sich die gesamte Welt abstimmen (genaueres siehe: roseny.wordpress.com Stichwort 150er).
Selbstverständlich ist Gewaltenteilung unerlässlich! Die 150er gehen in diesem Punkt viel weiter als die heutigen Modelle.
Bei den letzten Sätzen wird dann sehr deutlich, dass Frankenstein letztlich ein Stammeshänger ist und in den Schutz der Gruppe flüchten will. Leider werden die Menschen heute immer noch so konditioniert. Sie sind dann einfacher zu beherrschen. Aber aus dem Stamm wurde durch die Qualitäten der Städte und Individualität letztlich etwas, das einige Zeit gut funktionierte, dann aber an widrigen Umständen scheiterte und in die Stammesphase zurückfiel.Die heute noch von vielen als das einzig wahre, anzustrebende Ziel, den sicheren Hafen, weil Höhle und Herde angesehen werden.
Um es also deutlich zusammenzufassen: Nein. Gruppen sind dynamisch nicht statisch. Es ist das (Menschen-)Recht(!) des Individuums, sich seine Gruppe selbst zu wählen. Die Gruppe ist der Werber und darf das Individuum nicht binden (findet aber immer wieder Wege dazu. Das „wir“ macht Menschen unterwürfig. Das kann missbraucht werden. Die Menschheit hat darin Übung).
Was ist jetzt real? Die wissenschaftlich nachweisbaren Fakten dieses Kommentars oder die Emotionen, die viele unter die Flügel der Glucke locken? Beides. Aber man kann sich darüber unterhalten. Und manche schaffen es sogar, sich zu entwickeln.

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