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Ukraine, Russland und …

23. März 2014

Die sonntäglichen Gespräche drehen sich wieder um Russland. Wie es weitergeht, brachte einige überraschende, aber – als Potentat gedacht – plausible Lösungen. Die Schwarzmeerflotte bringt recht wenig, solange es die Engstellen beim Bosporus gibt, ist im Ernstfall jedes Schiff im Schwarzen Meer gefangen, zwecklos, nicht einsetzbar. Man ist von anderen abhängig. Militärisch gedacht – und glaubt mir, das fällt mir schwer – ist die Schwarzmeerflotte leicht, sogar von Land aus zu kontrollieren. Sie ist dann auf das Schwarze Meer beschränkt.

 

Russland will von inneren Schwierigkeiten ablenken. Das geht nur, indem Grösse demonstriert wird. Die Wahl in dieser Situation ist und war immer: Äussere Feinde schaffen. Weg vom Inneren hin zum Äusseren, weg von der Wirtschaft hin zum Militärischen. Noch besser wäre es, den Feind für die wirtschaftliche Situation verantwortlich machen und dadurch zu den Schritten, als Macher und Versorger der Nation, gezwungen gewesen sein. Man tat es offiziell nicht gern, aber es musste gemacht werden.

Dieser Weg wurde bereits eingeschlagen. Angeblich – tut mir leid, ich kann kein Russisch und kann das nicht verifizieren – werden von den Russen die USA und der Westen in Lebenszielen und -stilen dem Russen gegenübergestellt und freilich gewinnt der Russe. Man habe sich den westlichen Thesen gestellt, sie ausprobiert und habe festgestellt, dass das beim Russen nicht funktioniere. Man habe sich nach anderen Lösungen umschauen müssen und das Ergebnis, sei ein Katalog von Kriterien, die den Russen ausmachen und man solle sich daran orientieren.

 

Der Versuch eine andere Union statt der westlichen und um dieser etwas entgegenstellen zu können, die eurasische Union, scheint auch nicht wirklich werden zu wollen. Entweder braucht das Verhandeln zu lange, oder die Kandidaten wollen das Ganze so anders machen, dass es – im Sinne des Erfinders – nichts wird.

Man braucht andere Wege. Welcher ist angebracht? Und wo steht man? Was will man? Der Russe will Einfluss haben. In allem, den jeweils Grossen ebenbürtig sein oder zumindest von ihnen gefragt werden müssen.

Aktuell sind das der Westen, geführt von den USA, dann China und nicht zu vergessen, Russland selbst (aber das pflegt man und vergeht im Selbstmitleid dessen, der sich als Verlierer des Geschehens wähnt). Die Verbindung der „Kleinen“ der EU und von Asien funktionierte augenscheinlich nicht. Wie schaut es da mit den grossen „Kleinen“ aus? Allen voran die Türkei?

 

Mit der Krim, habe man zwar die Schwarzmeerflotte „gerettet“, aber sie ist eingesperrt, vor allem, wenn die Türkei tatsächlich „in den Westen“ will. Gut, dass das bislang nicht gelungen ist. Aber nun brauchen die Türken andere Bereiche, in die sie ihre Märkte, ihre eigene Orientierung und den Schmerz der Abweisung lenken können. Mit der Türkei, wären viele Schwierigkeiten aus der Sicht des Russen – soweit ich mich da einfühlen kann – mit einem Schlag weg: Ein bedeutender und freier Zugang zum Mittelmeer und dort ein bedeutendes Areal (ein Dorn im Fleisch der Nato, EU usw.). Die aktuellen Schwierigkeiten schwächen die Türkei, das steigert aber die Bereitschaft für Unterdrückungsmechanismen, und die ersten Anfänge zeigen sich bereits.

Das sind nahezu ideale Bedingungen für einen freundlichen Pakt, der gegenseitig Schutz garantiert (und wie das bei solchen Pakten ist, die zeitweise Annäherung wird nur dafür genutzt, um den Einflussbereich auszuweiten und eines Tages auszuspielen). Man müsste nur ein Bisschen anbieten z.B. Stellungen in Georgien, der Krim (aber auch einige der restlichen Schwarzmeerländer oder des nahen Ostens wären, nach einem erfolgreichen Start – einer simplen Partnerschaft! – rasch in Frage kommen).

Wenn Russland hoch pokert – und das wird es früher oder später – dann wird es sich in naher Zukunft etwas zurückhalten und so tun, als wäre es damit beschäftigt, offiziell ein „blühendes Altenheim“ aus der Krim zu machen. Alle Kriegsveteranen bekommen dort ein Häuschen – wie damals, bei den Römern. Gepaart mit etwas Gastronomie und einer Militärakademie (wahrscheinlich geschichtlich orientiert, damit die Veteranen sich einbringen können). Parallel dazu wird die – an sich eher harmlose, weil eingeschlossene – Schwarzmeerflotte ausbauen. Das wird im Prinzip geduldet werden. Sie kann dort nicht viel anrichten.

Derweil wird die türkische Selbstzerfleischung und Parteienbildung weiter gefördert. Das kann man sogar mit Humanismus begründen. Im richtigen Moment, wenn die eigene Partei im üblichen Spiel diesmal aber ernsthaft in Gefahr gerät, dann wird der gegenseitige Schutz beschlossen, die Türkei befriedet und es beginnt die gute Zeit, in der man gegenseitig auf dem Areal des Anderen Truppen in Stellung bringt, Es beginnt das Ausmachen, wer zum Schluss die Oberhand behalten wird. Als Boni locken dann Zypern und – wenn alles gut geht auch – Kreta.

 

Theoretisch funktioniert das auch mit Syrien. Aber die Türkei wäre eine definitive Ausweitung des russischen Gedankenguts in westlich verschmähte Bereiche, nicht nur ein bereits unter dem Einfluss der Russen stehender, vereinnahmter Staat. Damit könnte bewiesen werden, dass man ein versprochenes neues Bündnis schaffen kann und einen Keil an empfindliche Stellen der ungeliebten und verschmähten Bündnissen treiben kann. Das würde „echte“ Grösse demonstrieren und zeigen, dass man wer ist. Und man hätte wunderbar und weit entfernt vom aktuellen Brandherd den eigentlichen Schritt gehen können – ganz offiziell. Und doch ein nicht nur symbolischer Keil bis ins Mittelmeer.

 

Dies war ein Gedankeneperiment. Ein leidlich vernünftiger Mensch, der in diesen Gebieten sicher nicht zuhause ist, hat binnen kurzer Zeit ein Szenarium erstellt, das z.Z. mit etwas Diplomatie durchaus erreichbar ist. Freilich, da gibt es noch die Einflussnahme in innere Angelegenheiten, die man sich selbst verbittet, aber zum russischen Wohl ist das dann schon ok, was sollte denn dagegen sprechen? Russland bekäme einen Zugang zum Mittelmeer. Einen grossen Handelspartner. Es bekämen Einfluss und könnte es sich sogar erlauben, auch die restlichen Länder des alten Blocks sich wieder einzuverleiben. Viele würden freiwillig kommen. Das neue Bündnis wäre wirklich neu, nennen wir es das kommunistisch arabische Bündnis, als Gegengewicht zum Westen und Osten, zu allem. Und die Hybris schaut um die Ecke. Es würde aber sicher für ein paar Jahrzehnte zumindest irritierend wirken.

 

Die Ausgangsfrage war: Was kann man sich vorstellen? Wie wahrscheinlich das Szenario ist, bleibt jedem selbst überlassen. Ich bin bei den Gedankengängen nur davon ausgegangen, dass imperiales Gehabe und Ablenkung nötig ist und wo mit möglichst wenig Aufwand, zeitnah und effektiv etwas bewegt werden kann. Mit dem entsprechenden diplomatischen Geschick, ist einem durch Aufstände und von Wahlen bedrängtem, zu Gewaltakten neigendem fasst Potentaten und sich selbst als Schützer der Nation verstehender Politiker, der Selbstbedienung betreibt und bei einigen auch duldet, der vom Westen ebenso enttäuscht ist und sich von ihm abwendet, wie es Russland auch tut – nun, dieses Bündnis scheint mir mit weniger Aufwand durchzusetzen sein, als sich weiter um die Ukraine zu kümmern. Im Gegenteil, lasst die, für den Westen mit russischem Gedankengut vergiftete Ukraine, ruhig ein bisschen an die Europäische Brust. Lasst sie sie aufpäppeln. Es schadet nicht, wenn man sich dort gegenseitig etwas kennenlernt – wenn sich die „besseren Russen“ und die besserwisserischen Europäer zusammen raufen. Mit dem freien Zugang zum Mittelmeer wird es selbst für die letzten Ukrainer wieder interessant werde – Stärke macht sexy.

 

Nach so viel Macho, Macht und Moritat, brauche ich etwas Ausgleich. Mal sehen, was die 150er und SynErgy bewirken würden.

Die 150er haben das Potenzial, die Nationalstaaten in eine grosse Gemeinschaft vieler kleiner Gruppen zu verwandeln, die sich im Klaren darüber sind, dass sie sich gegenseitig brauchen und dass für alles Lösung und Unterstützung gefunden werden kann. Abgesehen davon, dass das die meisten Politiker abschrecken dürfte (schliesslich scheinen sie nicht mehr gebraucht zu werden – was freilich nicht stimmt, aber Repräsentieren und Macht sind schon unterschiedliche Dinge), für die 80% der Bürger, die Kontinuität und Perspektive wollen, sind es grossartige und gute Aussichten. Sind sie populistisch? Sicher nicht. Die 150er brauchen mehr als Parolen, sie brauchen immer den ganzen Menschen. Treu-doof darf man da nicht sein. Es braucht etwas Übung, aber die Menschen lernen normalerweise schnell. Sie werden sich austauschen und gegenseitig beraten, andere Gruppen miteinbeziehen und – nun, das wird schlecht für den Fernsehabend werden, aber wenn das mit der NSA so weitergeht, dann trifft man sich halt wieder im Kaffee um die Ecke. Die 150er sind den meisten Dingen (wie Wirtschaft, Wissenschaft …) förderlich.

 

SynErgy – mit Fokus auf Russland – würde die Wirtschaft dort nachhaltig ändern. Heute kann man vor allem dann Geld machen, wenn man von einem der Profitler aus dem Handel mit Gas und Öl Geld gemacht hat, gefördert wird. Mit SynErgy kommt Infrastruktur ins Land. Das belebt das Geschäft. Es beginnt damit, dass Nachfragen entstehen. Diese Nachfragen kann man sehen und bedienen. Man kann es also selbst wieder schaffen. Sowohl als Handwerker, oder Studierter oder Intellektueller oder Künstler, denn mit der Infrastruktur werden die Grundlagen für freie Wirtschaft geschaffen. Es braucht nun eine effektive Weiterbildung und eine gewisse Förderung – selbst dafür haben einige schon brauchbare Ideen entwickelt. Es geht. Auch wenn es noch so tiefe Skeptiker gibt. Bisher hat noch keiner einen Einwand bringen können, der nicht entkräftet worden wäre.

Es fehlt aber ganz offensichtlich am politischen Willen. Im Vertrauen darauf, dass ich keine Namen nenne, wurden von Betroffen gesagt, dass sie sich und dem Dezentralen nicht trauen würden. Und überhaupt: Kein Politiker, der was auf sich hält, würde etwas, durch das andere Politiker gross geworden sind, klein machen wollen. Kein Politiker würde übersehen, dass man ein dezentrales Netz nicht abstellen kann. Wie soll ein Mob zur Räson gebracht werden, wenn man ihm nicht Energie und Wasser abschalten kann? Wenn jeder Lieferservice ins Gebiet der Aufständischen seine Wahren per Post schicken kann? Wie soll etwas nicht Kontrollierbares im Falle des Falles kontrolliert werden? Wie soll man Macht ausüben, wenn man (scheinbar) keine hat?

Kontrollverlust ist eine menschliche Urangst. Beim Politiker wird sie – chronisch, zur Manie, zur Plage. So mancher Manager und Finanzler reiht sich hier ein. Viele werden zum Systemspieler. Viele verstehen unter stabilen Verhältnisse, so etwas wie Starrheit aus Gottesgnaden, Kasten und Feudales – alles andere ist in ihren Augen keine Ordnung, keine geregelte, keine kontrollierbare Welt. Und 80% der Menschen wollten nur eines: Leben. Zusammen leben. Glücklich sein.

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