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Was ich noch zu sagen hätte …

31. August 2013

Leben und Leben lassen

Dieses Prinzip wird weitgehend ignoriert.

Einmal geht das Gerücht um, dass die Zeiten schlechter werden und es bald heissen werde: Jeder gegen Jeden. Manche seien einfach nur etwas schneller dabei.

Zum anderen, weil sich wieder Gruppen bilden, mit denen – in früheren Zeiten – sehr schlechte Erfahrungen gemacht wurden: Die Herrscher, die Besseren, die von Gottes Gnaden.

Diese Eliten bilden sich gern, wenn die Märkte expotentiell werden. In der Anfangsphase scheint es sehr viel Geld im Markt zu geben, anfangs denkt man: da ist für Jeden was dabei, dann merkt man, das bekommt nur eine bestimmte Gruppe ab, dann wird die These geboren, diese Gruppe sei etwas Besonderes. Die Gruppenmitglieder beginnen das zu glauben. Es bilden sich Legenden, die den Unterschied begründen und ihn auch meist verstärken. Der Gruppenegoismus setzt ein. Bestenfalls leben die Gruppen „jede für sich und in ihrer Welt“ weiter, meist aber revoltieren sie gegeneinander, oft mit massiver Gewalt.

Der Fehler ist, dass nicht bedacht wird, dass Geld dort hin fliesst, wo bereits Geld ist. Das kann man anhand einfachster Beispiele aufzeigen und wurde auch schon oft gezeigt, auch in diesem Blog, deshalb wird das hier nicht weiter ausgeführt.

Wer also rechnen kann, der erkennt schnell, dass je mehr Geld es gibt, es sich zunächst in einer Gruppe sammelt und in dieser Gruppe dann eine Spitze bildet. Wer der Gruppe angehört und wer es an die Spitze „bringen“ wird, ist eher zufällig als berechenbar. Denn dies entscheidet sich zu einem bestimmten (im Vorfeld aber nur wage bestimmbaren) Zeitpunkt und durch eine Flut von Daten, die in der geforderten Exaktheit kaum erhebbar sind.

Man ist mehr oder weniger zufällig Mitglied der einen oder anderen Gruppe. Je mehr Bildung und je weniger Unterschiede es anfänglich gab, desto zufälliger ist die Zugehörigkeit. Dies zeigt sich auch daran, dass in alten Zeiten sich die allgemeinen Machtstrukturen durch eine Währungsreform nicht änderten. Im Gegenteil, gleich nach der Reform sind die ehemals Mächtigen reicher als die anderen und das Spiel beginnt von vorne, endet schneller – die Zyklen werden kürzer, bis beim Tetanus dann ein Punkt erreicht wird, ab dem nichts mehr geht. Eine neue Weltordnung muss her.

In dieser wird versucht die Unterschiede auszugleichen – und es beginnt von vorne.

Der Mensch spielt dieses Szenarium seit mehreren Tausend Jahren. immer wieder.  Doch lernt sie nichts daraus. Das ist traurig und nicht sonderlich intelligent. Es gibt immer noch genügend, die denken, dass sie gesegnet sind und ganz allgemein „es einfach besser können“. In der Regel haben sie nur zu einem bestimmten Zeitpunkt mit ihrem Produkt den Zeitgeist getroffen, haben übermässig Überschüsse aufgehäuft und damit viele Marktteilnehmer in Schulden und in Abhängigkeit getrieben.

Wird die Geldmenge immer parallel zum Wert der gehandelten Güter und Dienstleistungen gehalten, dann kann das nicht passieren. Das ist eine der Binsenweisheiten, die ständig im Clinch mit der Verlockung des „Arbeitenden Geldes“ steht. Oder kurz gesagt: Da gibt es welche, die gern auf Kosten anderer leben.

Diese „Welche“ gehören nicht zu den ca. achtzig Prozent der Menschen, die einfach ein sinnvolles Leben führen wollen. Sie gehören zu denen, die sich eher an den Rand der Gesellschaft stellen. Sie werden benötigt um immer genug Ideen zu entwickeln, damit die Gesellschaft auf die ständigen Veränderungen einrichten kann. Sie stellen quasi ein Angebot, das aber nicht automatisch Recht hat. Gerät die Gesellschaft in Schwierigkeiten, dann braucht sie die Möglichkeit, in kleinerem Massstab diese Thesen zu testen und danach zwei, besser mehrere, Gruppen bilden, die dies mit Leben füllen. In diesem Zusammenhang gibt es kein „Entweder“ oder „Oder“, hier liefert die Menge, die Pluralität, das, für die Zukunft, benötigte Potenzial zur Veränderung. Denn jede dieser Gruppen lebt die Theorie anders und in jeder dieser Gruppen gibt es die zwanzig Prozent, die auf Veränderungen reagieren können, die achtzig Prozent leben die Welt so wie sie ist, die zwanzig sind die „Zukunft“ und die Mahnung, dass die achtzig Prozent nicht zu bequem werden, sich immer wieder der Realität statt den Thesen zuwenden.

Wie eine Gesellschaft mit den zwanzig Prozent umgehen, entscheidet ihre Flexibilität – und damit über den Grad an Gewalt in ihr. Überrascht? Dabei ist es ganz einfach: Je besser eine Gesellschaft mit Varianten und Neuem umgehen kann, umso weniger muss sie unterdrücken. Je dogmatischer eine These gelebt wird, umso mehr Gewalt wird benötigt um sie durchzusetzen. Extreme tendieren zur Gewalt, Toleranz zum angeregten Gespräch und Austausch.

Die Wirtschaft floriert in gewaltlosen Zeiten. Geld wird aber gern als Mittel der Dominanz und zur Bildung von Imperien missbraucht. In der Wirtschaft ist jemand erfolgreich, wenn er den Zeitgeist erfasst und bedient – erst ändert sich der Zeitgeist nur langsam (Grundbedürfnisse sind nicht sehr flexibel), dann immer schneller (weil die Grundbedürfnisse befriedigt sind und man Neues kennenlernen will) und schliesslich, geht es nur noch Varianten und Neues, jetzt gibt es kurzzyklische Moden. Die Gefahr, dass man nicht schnell genug Neues erfinden kann, ist allgegenwärtig. Die Textilwelt lebt dieses bereits vor, die Autoindustrie bietet bereit immer individualisierbarere Modelle an und wer kauft eine Kaffeemaschine noch, weil sie Kaffee machen kann?

Wer mit Geld erfolgreich wurde, will, dass alles so bleibt wie es ist. Er variiert so selten, wie nötig. Die Stagnation wird interessanter als Variation und Weiterentwicklung wird zum Gegner. Ab einem bestimmten Punkt, neigt er zur Gewalt, weil die Leute seinem Dogma nicht mehr folgen wollen. Seinen Erfolg nicht mehr anerkennen.

Andere sagen, gerade die Finanzwelt wäre so dynamisch, wie kein anderer Markt. Er bringt aber keine Leistung sondern bedient sich an der Leistung anderer. Er entzieht den Märkten das, was sie am nötigsten haben, ihr Potential zu Veränderungen.

Wer Schulden bedient, wird nur automatisieren, vereinfachen und kürzere Zyklen mit so wenig wie möglichen Änderungen vorziehen. Man verliert sich in und priest Kleinigkeiten. Man bekämpft Ideen, die dem eigenen Markt gefährlich werden, statt weitere Entwicklung anzugehen. Man setzt auf Wiederholung. Am besten braucht man für jeden Kaffee eine neue Maschine. Oder – wieder ist die Textilbranche die erste – die Produkte (hier: Kleidung) wird so billig, dass man sie nicht mehr wäscht sondern einfach neue holt.

Dass wir uns bereits in dieser Phase befinden, sieht man auch daran, dass heute mit Betriebsstoffen der Gewinn gemacht wird, nicht mehr mit Maschinen.

Das könnte auch mit gesättigten Märkte begründet werden, doch die würden ständig neue Produkte erfinden, um neue Märkte zu finden. Heute werden neue Produkte sehr zögerlich unterstützt, meist bekämpft. Was ist stark genug, um diese Invertierung der Interessen der aktuellen gesättigten Märkte zu bewirken?

Wenn das Geld regiert, dann will man den Erfolg vergangener Tage feiern. Wer Geld hat, der war einmal erfolgreich, er oder einer seiner Vorfahren. Wer Neues machen will, wird daran gehindert, weil es alleine nicht geht. Jeder, der es unterstützen könnte, hat auch irgendwo Geschäfte, die durch dieses Neue gestört werden würden. Der Spatz in der Hand ist mehr wert als die Taube auf dem Dach.

Es geht uns ja so gut. Wir verzichten ja auf nichts. Wir haben ja den Spatz in der Hand.

Wirtschaft benötigt Veränderungen. Geld hasst Veränderungen. Es wird eines Tages ohne Geld gehen, doch erst, wenn Geld nicht mehr zur Domination der Märkte und der Schutzbefohlenen missbraucht wird, sondern einfach nur ein Tauschmittel ist. Wenn es von allem genug gibt, kann sich jeder bedienen ohne Tauschen zu müssen. Nur wenn Mangel herrscht oder einer mehr-haben-will.als-die-anderen oder besser-sein-will-als-andere, dann kann Geld zum als Erfolgsmesser mutieren. Diesen Missbrauch des Geldes erkennt man leicht, wenn man sieht, dass es nie genug sein kann. Man ist dann geldsüchtig. Und das bedient zur Zeit fasst die ganze Menschheit.

Es ginge auch anders.

Nicht so-gross-wie-mögliche und homogene Gruppen, sondern mehrere, kleinere, dynamische, undogmatische, sich ständig ändernde und sich gegenseitig durchdringende Gruppen, erst diese Instabilität, diese ständige Bewegung schafft das, was wir uns wünschen: Stabilität. Erst jetzt ist jedem alles offen, nichts und niemand muss überwacht werden, weil er insgeheim etwas planen könnte, was dem Staat oder seinen Wirtschaft schaden könnte, denn er kann es ganz offen tun, er wird aber nur wenige Anhänger oder Unterstützer finden, diese können sich zusammen tun und so leben, wie sie wollen. Die Realität ist meist viel langweiliger und ernüchternd, diese Versuche werden schnell wieder eingestellt.

Jeder hat das Recht Fehler zu machen – man sollte nur daran interessiert sein, dass er es schnell genug erkennen kann, etwas daraus lernt und eine bessere Lösung findet.

Wie beim Geld, wollen wir heute, trotz Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kontrollieren und dominieren. Erwachsen ist das nicht. Kinder wollen ihre Macht erfahren und ausleben, Erwachsene haben gelernt zu interagieren. Geistige Jugendlichkeit ist weltgefährdend.

Dass für ein Massenprodukt wie Fernsehen mit dem Slogan „Ich seh was Besseres“ geworben wird, zeigt, dass das Geschäftsmodel in einer Zeit geschaffen wurde, in der die These „Wir sind alle Elite“ aufgestellt wurde, in der man sich Stein und Bein schwor, dass mehr Geld im Markt Reichtum für alle bedeute. Heute wissen wir, dass dem nicht so ist.

Damals zeigte sich bereits alles, was heute ausgeprägt vor uns liegt: Eliten, sie werden benötigt um eine herrschenden Gruppe etablieren zu können, um die benötigte Gruppengrösse zu erreichen, um willkürlicher vor allem aber: um herrschen zu können. Die Mitglieder der Elite werden mit Gewinnen und Vorteilen korrumpiert und durch kleinere Gesetzesbrechereien, die ein Herrscher nun mal so machen muss, noch fester zusammengebunden werden. Durch Vorteile, die auf Kosten anderer gehen und der Furcht davor selbst zu so einem Anderer zu werden, werden sie allem zustimmen, was als nötig erachtet wird, um den status quo zu erhalten.

Weil wir gerade im Wahlkampf sind. Ich werde nicht gern angeflunkert. Dass die Banken und der Euro einmal zu retten sein wird, war den Geldmärkten lange vor dem Eintreten bekannt, man konnte es absehen (viel Geheimdienst wäre nicht nötig gewesen, um auf dem Laufenden zu bleiben).

Auch, dass sich mit den Eliten wieder eine Gruppe aufgebaut wird, die zum Erhalt der eigenen Vorteile fasst alles tun, abnicken und zulassen werden, was für nötig geachtet wird, ist heute schon absehbar. So wurden schon viele Führungsschichten, die die Werte von Gestern vertreten und / oder sich darauf ausruhen wollen, etabliert. Man braucht nur das Geschichtsbuch aufschlagen, da kann man es nachlesen.

Die politischen Parteien ignorieren dies und bilden somit eine Einheitsbrei, der diese Entwicklung unterstützt und der es vorzieht sich um Marginalien zu streiten. Sie stellen sich nicht den sich deutlich abzeichnenden Aufgaben, sie wollen sich durch politischen Aktionismus in eher unwichtige Details flüchten und sich damit profilieren. Sie übersehen schlicht, was ansteht, sie machen lieber die Augen zu. Vielleicht weil sie Fehler zugeben müssten, die sie wahrscheinlich als politische Dilettanten entlarven würden.

Ich kenne keine Partei, die sich zu den Fehler bekennt, die Aufgaben beim Namen nennt, die sich dagegen stemmen will und sagt, wie sie das vernünftiger Weise tun will. Manche Parteien deuten wage an, dass es da was zu tun gibt. Halten sich aber bedeckt, wie sie das machen wollen – sie verweigern die alles entscheidenden Details, die Enscheidungsgrundlage – und darin sind sie sich einig.

Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera, Typhus und … aber nicht die, ein gutes, wirtschaftlich und geistig offenes Leben zu führen. Wir dürfen nur die Farbe eines ungesunden, übertriebenen Egoismus wählen. Für mich sind das keine echte Unterschiede.

Die Notwendigkeit der Eliten resultiert aus den zu erwartenden Unruhen, die das Geldsystem in dieser Phase verursachen wird (man hat ja nichts anderes, muss also weitermachen, sonst müsste man ja die alten Überzeugungen verwerfen). Letztlich wird auch dieses System zusammenbrechen, keines konnte sich känger halten. Der Elitenhype ist ein gutes Mass, ob es die Gefahr noch gibt.

Ansetzen könnte man mit einer kontrollierten Rückführung des Geldes aus dem Finanzmarkt in den Realmarkt. Aber auch eine Belebung der Demokratie und der Übertragung ihrer Prinzipien in die Wirtschaft ist ein guter Weg und … Es gibt so viele Möglichkeiten, beginnt man nur einmal darüber nachzudenken. Ich könnte es kaum erwarten damit zu beginnen.

Geht es so weiter, dann hören wir nur: „Es geht uns allen gut“. Noch. Und noch könnte man was tun. Mit der aus der Spieltheorie bekannten: „Noch zu früh“ lassen wir uns einschläfern. Gute Nacht, alle zusammen.

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From → Veränderung

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