Skip to content

Praktikable Koordination Vieler – eine Skizze

4. August 2013

Viele kleine Gruppen regeln alles, was sie selbst regeln können.Vieles sprengt ihre Grenzen. Dann bilden diese Gruppen grössere, die das leisten können. Hier werden gleich mehrere negative Faktoren der Gruppenbildung eliminiert:

  • Gruppen brauchen „Alleinstellungsmerkmale“. In schlechten Zeiten erlauben sie so etwas wie „Gruppenegoismus“, durch den das Überleben der eigenen Gruppe gegenüber anderer Gruppen legitimiert wird. Das Prinzip wird hier umgekehrt, denn die Bildung grössere Gruppen ist die Lösung.
  • Dass sich nicht nur grössere Blöcke bilden, die aufeinander einschlagen, wird verhindert indem die grösseren Gruppen nichts konkretes Entscheiden können. Ideale können sich so nicht verselbstständigen und zu Grabenkriege führen.
  • Je mehr Gruppen beteiligt sind, umso weniger entscheiden sie, denn ihre Aufgabe ist es, frühzeitig Probleme zu erfassen und Lösungen auszuarbeiten, die dann von den Gruppen aufgegriffen und konkretisiert werden. Die anstehenden Themen werden frühzeitig, noch bevor sie „ernst“ werden durchgesprochen und durchdacht, man ist vorbereitet und es kann frühzeitig agiert werden, statt – wie heute meist „Wer hat gedacht, dass wir mal den Euro retten müssen?“ – nur zu reagieren.
  • Dabei kann jede Gruppe die „Theorien“ nutzen, variieren oder eigene Aufstellen und diese sofort umsetzten, sie „testen“. Bewähren sich die Entscheidungen, werden andere Gruppe diese aufgreifen. Bewährtes wird verteilt alles andere kann schnell verworfen werden.
  • Es entsteht Flexibilität und es kaum etwas kaputt gehen.(Wenn man weiss, wann man aufhören muss).

Wie gross sind die Anfangsgruppen? Der Mensch scheint sich selbst in Gruppen von ca. 150 Menschen zu organisieren. Das geht ohne grosse Verwaltung, diese Gruppen sind nahezu selbstorganisierend. Diese Eigenschaft wird weiter genutzt. Werden grössere Gruppen benötigt, dann entsendet jede Gruppe einen Repräsentanten. Sind mehr als 150 Gruppen beteiligt, werden mehrere maximal 150 starke Teilgruppen gebildet und diese entsenden wieder Repräsentanten auf die nächste Ebene. Weniger als 10 Ebenen repräsentieren die Weltbevölkerung.

Wichtig ist hier, dass von Kindesbeinen an allen Mitgliedern „klar“ ist, dass man immer Mitglied mehrerer Gruppen ist, dass Gruppen auf Freiwilligkeit beruhen und dass man Gruppen wechselt. Und dass bei jeder Entscheidung alle Interessen aller Gruppen gehört werden.

Gruppen dürfen nicht dogmatisch oder undurchlässig werden, dazu kommunizieren und interagieren sie untereinander. Man kann es so beschreiben: Wer religiös ist, kennt und redet auch mit den anderen Religionen. Wer Wissenschaftler ist, sollte wenigstens einen Künstler, Politiker … zu seinen Freunden zählen. Gruppen sind das Bindemittel der Gesellschaft, die über temporäre Erscheinungen und Rollen, aber auch durch konkrete Entscheidungen einer Person gebildet. Sie sind nicht statisch und nicht absolut. Durch ihre Dynamik sind sie gestaltender Teil der grösseren und grössten Gruppen. Gruppen sind eine Momentaufnahme, kein Zustand (selbst scheinbar fixes wie das Geschlecht ist max. eine Rollenkriterium, das aber auch gewechselt werden kann. Schliesslich kann sich jeder Mann wie eine Frau und jede Frau wie ein Mann verhalten – ob er / sie das will, entscheidet jeder selbst).

Fasst alles was „sozial“ ist, kann von den ersten paar Ebenen dieser Gruppen geregelt werden. Lediglich die grossen Aufgaben wie Infrastruktur oder wissenschaftliche, technische Experimente für Bildung und Technik benötigen die obersten Gruppen.

Wie kann das organisiert werden? In der Tat sind solche „Gesellschaften“ sehr intensiv und benötigt ständigen Austausch zwischen Personen und Gruppen und … Richtig gut wird das erst, wenn sich ständig Interessens- und Austauschgruppen bilden und wieder verschwinden. Wenn die Gruppen Fluktuieren. Nur wenige, eher nominale Gruppen sind fasst statisch also sehr langsam fliessende wie: Geschlecht, Familie … . Es ist für die Beteiligten essenziell, dass sie gut und einfach kommunizieren können. Erst seit es technische Hilfen gibt, die jederzeit weltweite Kommunikation erlaubt macht dies möglich. Nutzen wir doch das Internet für den Kommunikations-“zwang“. Mit FAnNet kann es das benötigte Vertrauen zurückgewinnen.

 

 

Wirtschaft

Was ist „wirtschaften“? Nötig wurde es geschichtlich betrachtet erst gestern. Meine Grossmutter pflegt zu sagen: „Geld?!? Das brauchten wir nur in der Stadt. Auf dem Land brauchte man es nie.“ In der Tat waren die ersten Bauern eher an Statussymbolen als an Geld interessiert. Als sich die ersten Städte entwickelten entwickelten sich auch Wirtschaftssysteme. Der Grund war simpel: In Städten gibt es Arbeitsteilung. Der eine Backt, der andere Braut, der andere macht Möbel oder baut und repariert Häuser ….

Sicher hat es mit Tauschen begonnen und war schnell unzufrieden, denn man kann selten direkt tauschen, man braucht meist eine ganze Kette von Tauschgeschäften, die organisiert werden will – versuchen Sie es ruhig mal eine Woche lang. Sie werden sich bald nur noch das nötigste ertauschen.

Auf die Arbeitsteilung folgt zwingend ein allgemeines Tauschmittel, das wird Geld genannt. Anfangs war Geld etwas, das jeder hatte, sagen wir die Hühnchen vom Hof. Man traf sich am Markt, tauschte und wahrscheinlich ass man am Abend die Hühnchen in einem grossen Fest auf.

Hühnchen haben aber einen Nachteil: Man kann sie nicht horten. Für den Bauernmarkt vor Ort ist das kein Problem, aber für den Händler, der neben seinen Wahren ständig hungriges und fliehendes Wechselgeld bewachen muss, der ist da anderer Meinung. Sie wichen auf andere, bleibende Werte aus: Salz, Gold und Silber … Aus Gold und Silber wurden Münzen geprägt, für das erste Papiergeld in China bekam man Salz.

Solange das Sache der Händler war, funktionierte es prima. Als alle auf Münzen wechselten, stellten sich schnell Probleme ein. Wenn Geld seinen Wert behält und keine Körner mehr frisst, dann kann man mit Geld ganz anders agieren. Ein- und Verkäufe werden taktischer und optimiert. Erst jetzt kommen die ersten Marktmanipulationen und -gesetze auf. Erst jetzt kann man von einem Wirtschaftssystem sprechen, wie wir es kennen. Und seit dem gibt es immer dieselben Probleme.

Da Geld gehortet werden kann, gibt es den Spargroschen (von Sparhühnchen habe ich noch nie gehört). Jetzt gibt es weniger Geld auf dem Markt, die Preise sinken. Kauft man grosse Mengen, dann steigen die Preise. Ein optimierter Einkauft kauft, wenn die Preise tief sind und kauft soviel, dass es ihm sicher bis zur nächsten Preissenke reicht.

Um eben diese Manipulationen zu entgehen, war es nötig gehortetes Geld ständig wieder in den Markt zurückzubringen. Banken und Kredite waren die Lösung. Wer zu viel Geld hatte, brachte es zur Bank. Die vergab Kredite und brachte somit das Geld wieder in Umlauf. Das Ergebnis war: die Märkte beruhigten sich, die Preise blieben stabil. Anfangs konnten die Banken nur das Geld vergeben, dass eingelagert war.

Mit dem Buchgeld änderte sich das: Jetzt konnten die Einlagen mehrfach vergeben – freilich nur um evtl. Ausfälle abzusichern. Bei einer gut geführten Bank sind Ausfälle selten, jetzt waren sie fasst unmöglich. Und man hatte ein perfektes System entwickelt. Kredite werden abgebaut, dann verhalten sie sich neutral. Heute werden Kredite bzw. deren Zinsen wieder mit Krediten beglichen. Parallel mit der Geldmenge steigt die Verschuldung. Dieses System kollabiert irgendwann. Man versucht es heute mit parallelen Finanzmärkte, die aus den Berechnungen herausgehalten werden zu dämpfen – aber das verschiebt das unausweichliche Ende nur.

Bald bemerkte man Konjunkturen. Märkte sind nicht stabil. Ein Produkt liefert dem Käufer eine Lösung für ein Problem (von dem er bislang noch nicht wusste, dass er es hat). Anfänglich kann die Nachfrage nicht gestillt werden, man optimiert die Produktion nur um eines Tages festzustellen, dass jetzt alle das Produkt haben und es niemand mehr kaufen will. Durch Varianten soll neuer Bedarf geweckt werden.

Das hat zur Folge, dass sich Produkte regelrecht manifestieren. Z.B. glaubt man daran, dass immer alle Menschen Autos haben wollen. Also werden andere Techniken verworfen und behindert. Diese künstlich geschaffenen Konjunkturen haben eines gemeinsam: Sie werden zulange betrieben und kollabieren meist. Die Spieltheorie sagt genau, warum das so ist.

Gibt es nicht genügend Märkte gleichzeitig, dann ist alles von wenigen Märkten abhängig. Diese können nicht ewig stabil sein, irgendwann bricht er ein – und nimmt alle mit.

Grösse ist aus Sicht des Einzelnen faszinierend. Aus Sicht der Märkte ist sie fatal. Monopole und Kartelle, trickreiches Absichern des eigenen Markes bis in andere Märkte hinein, echtes Beherrschen des Marktes ist der Bankrott der Wirtschaft. Hier geht es nicht mehr um den (meist völlig überzogenen) Erfolg des Einzelnen, hier geht es um das Überleben des gesamten Marktes, evtl. einer ganzen Gesellschaft.

Begrenzungen, Steuerung und Regelung sind hier nötig. Und nur die Gesellschaft kann das regeln. Welches Wirtschaftssystem verwendet wird, ist im Prinzip egal. Theoretisch würde das sogar ganz ohne Geld funktionieren, aber da gibt es letztlich diese 20%, die einem immer einen Strich durch die Rechnung machen.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen 80% wollen einfach nur ein gutes, geregeltes Leben führen. Die restlichen 20% sind quasi die evolutionäre Absicherung, dass der Mensch überlebt. Die Hälfte ist für Rückschritt (zurück in bekannte Gewässer), die anderen sinnen auf Veränderungen. Leider zeigen sie ständig die eigenen Mängel auf, sind unbequem und finden immer etwas. Sie finden auch folgende Fehler des Geldsystems:

Der Zinseszinseffekt und der Vermögensvorsprung sichern die gegebenen Machtverhältnisse. Der Zinseszinseffekt sichert die nächste Krise und der Vermögensvorsprung, dass man auch nach der Krise auf hohem Niveau und unkritisch „wieder“ beginnen kann. Die Zyklen werden immer kürzer bis ein Zusammenbruch auf den nächsten folgt – und sich längst andere Wirtschaftssysteme im Geheimen etabliert haben. Ewig gestrige werden dennoch „zurück ins Glied, ins bewährte System“ fordern. Übrigens, die erste Runde kann es bald geben.

 

Zusammenfassung. Ohne Arbeitsteilung kann jeder alles was braucht selbst herstellen, erst die Arbeitsteilung macht ein allgemeingültiges Tauschsystem nötig. Wenn dieses selbst keinen echten Wert darstellt, dann funktioniert das solange gut, bis die ersten Geld horten. Banken und Kredite können das ausgleichen, dürfen aber nur in einem bestimmten Umfang diesem Geschäft nachgehen. Gibt es keine Grenzen, dann ist das Ende absehbar. Es wird immer versprochen werden, dass es kontrollier- und beherrschbar ist. Bis dann was Überraschendes passiert.

 

Alternativen

Es könnte ganz ohne Geld gehen, jeder geht seiner Arbeit nach und gut ist. Aus Sicht der 80% ist ein Tag ohne Aktivität, selbst ungeliebter ein sehr sehr langer Tag. Die meisten würden Arbeiten gehen, einfach um beschäftigt zu sein. Stagnation ist nicht zu erwarten, da die kleinen Konkurrenzkämpfe mächtig anstacheln. Man könnte ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Zwänge frei arbeiten. Es würde sogar fasst so bleiben, wie es heute ist, nur etwas unbelasteter und entkrampfter. Würde sich in dieser Situation eine Vollautomatisierung ergeben, dann wäre das nicht weiter schlimm, einmal würde sich jeder seine Produkte mit etwas Beratung individualisieren oder es gäbe mehr Produkte von Menschen für Menschen – Kulturprodukte nennt man das.

Das ist aber so progressiv, dass Besitzenden und die Konservativen halben 20% das boykottieren würden. Es wäre einfach, man braucht nur aufzeigen, dass die alten Regeln noch tief selbst in den Progressivsten stecken. Das können sie gut, denn sie machen sonst auch nichts anderes.

Behalten wir also das Geld bei. Aber was ist der Wert des Geldes? Heute berechnet er sich aus Produktion, Geldmenge und Geldumlauf. Das ist frei definierbar. Man könnte genauso gut definieren, dass jeder der Arbeitet Geld bekommt. Auch könnte man festlegen, jeder bekommt einen fixen Betrag, von dem er gerade so leben kann und kann sich mit Arbeit etwas dazu verdienen. Da nun die unbeliebtesten Jobs am meisten einbringen würden, wäre eine typische Karriere, mit Reinigungsjobs sich ein gutes Polster schaffen und dann auf zur Ausbildung und den schönen Jobs. Geld wäre kein Problem mehr.

Braucht es Sozialsysteme? Ohne Geld würde sich das erübrigen. Die 150er Gruppen organisieren das in den ersten paar Ebenen selbst. Geparktes Geld würde einen dritten, nicht zurück zu bezahlenden Kredit eröffnen, der in das Gemeinwesen fliesst und entsprechend der aktuellen Geldmenge von den vergebenen Kredite abgezogen werden.

Wie man sieht, macht man sich die Welt mit Geld nur schwerer. Aber es gibt allen, für die Erfolg in Geld umgerechnet werden kann, das Gefühl, erfolgreich zu sein. Diese Leute wurden wegen dem Geld aus der Gesellschaft gedrängt um Geld zu verdienen als eine Art Alternative für die Gesellschaftliche Anerkennung – eine funktionierende Gesellschaft sollte das anders regeln können.

Letztlich könnte man mit ein paar Grenzwerte für die Kredite und Verschuldung, das Problem des zu viel Geld auf der einen und zu viel Schulden auf der anderen Seite besser regeln – müsste dann nur alle paar hundert Jahre einen Reset fahren statt alle paar Jahrzehnte – ob wirklich was dabei gewonnen wurde, ist zu bezweifeln.

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: