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Konsequenzen des Lauschens

6. Juli 2013

„Wer nichts zu verbergen hat, dem ist es egal“, dieser Spruch gilt für Firmen nicht. Sie wissen sehr genau, dass und was sie zu verbergen haben. Gilt er auch für Privatpersonen? Nun, stellen Sie sich mal vor, Sie wären Katholik und wollen beichten, der Pfarrer legt ihnen alle Sünden vor, sie ergänzen ein paar Sünden, die den Lauschern entgangen sind. Sie bekommen die Absolution und die Lauscher gute Tipps, woran sie noch arbeiten sollten.

Traut man sich noch eine Beziehung mit jemanden einzugehen, von dem man weiss, dass er sich da einhaken könnte? Oder mit dem, von dem man weiss, dass er sich die kleine Bestechung leisten kann? Glauben Sie, dass das noch rechtsstaatlich ist? Vertrauen Sie noch jemandem? Und wenn alles von diesen Daten abhängt – wer sagt denn, dass sie dann nicht „angepasst“ werden? Fehler passieren bekanntlich überall? Und auf die Grabsteine der Justizirrtümer wird in einer Regennacht ein Stempel angebracht mit: „Sorry Justizirrtum“ – und der Stempler bekommt ein dickes Trinkgeld, wenn ihm der Fehler unterläuft, Wasserfarbe dazu verwendet zu haben?

Glauben Sie wirklich, dass sich warten lohnen könnte? Dass sich was tun wird, wenn noch klarer wird, dass es hier eher um Überwachung geht und nicht um die vorgeschobenen Dinge? Diese Menschen werden in kurzer Zeit die freie Welt in die komplette Abhängigkeit und Stagnation führen. Sie werden das herbei führen, von dem sie immer behauptet haben, dass sie es bekämpfen. Kommunistische Zustände. Statt Räte sagt wer reich ist, wo es lang geht.

Und dennoch werden sie nur zeigen können, dass sie nur Lehrlinge in Sachen Freiheit sind: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böses schafft!“ – oder wie war das nochmal gleich? …

Wirtschaftlich

Es werden sich nun viele Firmen darum bemühen, die lang vernachlässigten Sicherheitstechniken nachzuziehen. Das bedeutet, der Markt wird viel Kraft aufwenden, um an sich Selbstverständliches und Vorhandenes nachzuholen. Die Kraft geht an anderer Stelle verloren.

Es wird sich auch zeigen, dass es neben dem einen Netz für alle, weitere, private geben muss, zur Not heimlich. Wenn es sie noch nicht gibt, dann wird es sie bald geben.

Innovationen werden vertagt – man weiss nicht, wer alles mithört oder informiert werden wird. Aber auch, weil Sicherheit nicht einfach ist und deshalb dauern kann bzw. dauern wird, bis alles gut ineinandergreift und getestet ist. Drittens, die Firmen werden, um ihre eigene Kommunikation aufrecht erhalten zu können, damit beginnen selbst Codes etc. zu entwickeln, gut zu Verklausulieren will aber gelernt sein, deshalb wird die Nutzung der Medien zunächst und angeblich auf Zeit zurück gefahren und die direkte Kommunikation in sicheren Räumen und Arealen bevorzugt werden.

Die Firmen ziehen sich vom Markt zur Introspektion auf sicheres Terrain zurück.

Die Gedanken dort werden in ungefähr folgende sein: Zunächst brauchen wir Freizeiteinrichtungen. Und bald auch Wohnblocks für die Mitarbeiter, später auch für deren Familien, dann folgen Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen, Ausbildung und Universitäten – alles nur für Mitarbeiter und Angehörige. Deren Kinder sind über mehrere Jahre hinweg bekannt, sie werden bei Neueinstellungen bevorzugt. Auf der anderen Seite, wird es wichtig werden, dass die unerwünschte Kommunikation mit der Aussenwelt zu verhindern ist (es gibt einige Firmen, bei denen scheint das heute schon so zu sein). Und das Mitten in New York?!!

Der Aufbau der Infrastruktur und … ist ein grosser Aufwand. Bald wird sich herumsprechen, dass das einiges kosten wird. Um sich unabhängig vom Gängelband der Staaten zu machen und wieder sicher fühlen zu können, werden sie sich darauf einlassen und, als gute Wirtschaftler, zusammen mit anderen Firmen die neuen Areale irgendwo im Nirgendwo aus dem Boden stampfen.

Sie werden dort die beste heutige Techniken und die – ihnen bereits bekannten – von morgen einsetzten, sie als geheim einstufen und nicht nach aussen abgeben, die aktuellen Forschungsgelder sind damit verloren.

Einen Bauboom wird es aber nicht geben, ganz im Gegenteil: die Besten werden dem Markt entzogen werden (Architekten und Sicherheitsbeauftragte laufen wieder Gefahr, dass in den Bauwerken für sie schöne, aber türlose Räume vorgesehen werden), ausserhalb des Areals werden ein paar Leute Module aufbauen dürfen, sie sind aber nur auf Zeit da und werden amazonisch gehalten werden. Sie werden eher verlieren als etwas davon haben.

Es kann gut sein, dass es einen Exodus der grossen Firmen geben wird. Die Firmen können sich keinen Vertrauensverlust leisten, sie werden handeln, sie werden dem Staat / den Staaten die Schuld anlasten, in letzter Konsequenz verlassen sie ihn. In Afrika oder … wären sie willkommen, erst bringen sie Geld ins Land, bauen die Infrastruktur auf und sie können sich sich diese Staaten zurechtlegen, wie sie wollen. Nach aussen wird auf „vertrauenerweckend“ geachtet, die Regeln aber machen sie selbst.

Finanzwirtschaft

Man sollte erwarten, dass da Geld abgezogen wird, weil doch so viel zu machen sein wird. Aber das Gegenteil wird richtig sein, denn es gibt zunächst die Ausgaben vorzufinanzieren – also richtig gute Gewinne zu machen. Und gleich loslegen kann man ja auch nicht, weil man auf die Vorgaben der Politik, auf die neuen Gesetze warten muss (die beste Ausrede für den Exodus der Firmen, sie werden aktiv, nicht der Staat, sie sind vertrauenerweckend, nicht der Staat, sie haben die Sache (wieder) im Griff, nicht der Staat …).

In letzter Konsequenz bedeutet dies: der Realmarkt wird zumindest stagnieren und sich evtl. Neuerungen von Drittfirmen, die sich bei einer Stagnation des Marktes sicher ergeben, werden schnell und effektiv unterdrückt.

In der Wirtschaft bedeutet Sicherheit übervorsichtig werden, langsam machen und alles mehrfach absichern – das wird dauern …

Terrorbekämpfung

Warum alles speichern? Ganz einfach: Wenn was passiert ist, kann man Vermutungen darüber anstellen welche Codeworte verwendet wurden. Vielleicht kann man so auf weitere schliessen. Das Speichern dient der Rekonstruktion und dem Nachvollziehen, soll eine Chance liefern, Fehler und Übersehenes wieder gut machen zu können. Sie wollen ihre Theorien ständig verbessern.

Da man nicht weiss, ob das jemals wirksam war und wenn wie oft oder nicht, kann man darüber nur Vermutungen anstellen. Sie gehen gegen Null, denn wer weiss, dass nach Codeworte gesucht wird, weiss auch ungefähr wie und wird sich entsprechend verhalten. Ausserdem gibt es so viele Möglichkeiten etwas zu verstecken, dass man sich dumm und dämlich suchen kann. Sollte trotzdem etwas gefunden werden, dann funktionieren deren Bomben nicht? Wer wurde da vorgeführt? Der Terrorist oder der, dem wahrscheinlich die Brotkrumen vorgeworfen wurde? Ob das nun die Geheimdienste sind oder der Bürger, dies zu beurteilen bleibt Ihnen überlassen.

Wer sich verstecken will, für den wird die Welt nun fasst ideal. Da alle verdächtig sind und sich durch Schützen verdächtig machen, steigt der Aufwand und immer mehr werden durch die Maschen rutschen. Wären die Massnahmen offen angegeben worden und von jedermann überprüfbar gewesen, dann wäre es als Terrorabwehr erkennbar und in Massen und auch verständlich gewesen. So aber gab es Leugnen, Lüge und immer mehr Details und Skandale – das wahre Ausmass ist nicht abzuschätzen, es ist vom Schlimmste auszugehen, es entstehen Misstrauen und Ängste.

Letztlich generiert man so Extremisten und macht es ihnen leichter. Wer Sicherheit statt Freiheit will, schafft Unsicherheit, Misstrauen und letztlich Rückzug auf das Nötigste.

Geheimdienste

„Wir sind die, die die Kommunisten jagen – und dasselbe bewirken, wie sie“. „Sind wir nicht alle ein bisschen Stasi?“

Politisch

Mit Ruhm haben sie sich nicht bekleckert. Und sie müssen sich fragen lassen: Wer regiert denn da: Geheimdienste oder Politiker?

Dabei wäre eine politische Lösung für dieses Problem sehr einfach: Da praktisch jeder seine Daten (auch) digital besitzt und diese für längere Zeit speichern möchte und manche speichern muss, hat der Benutzer ein Interesse daran, dass dieses Speichern von Profis gemacht wird. Einem geregelter Zugriff und über einigen Mittler weitere anonymisiert, wären alle Interessen und Notwendigkeiten erfüllt gewesen – wenn es klar wäre, dass nicht gelauscht und nicht direkt auf die Daten zugegriffen werden würde – ab jetzt: kann.

Die vernünftigste, preiswerteste und technisch gut umsetzbare WinWin Lösung wurde erfolgreich verhindert. Der Infrastruktur Internet wurde empfindlich geschadet und, mit den erprobten Mitteln des Mittelalters, wurde sie in eine ferne Vergangenheit genötigt. Es wurde unnötig viel Porzellan zerschlagen. Gekittet werden könnte es nur, wenn nun erlaubt wird, dass jeder sich maximal absichert und dazu die Provider verpflichtet werden. Alternativ könnte das FAnNet zum Einsatz kommen.

Viele Politiker werden darauf bauen, dass es jetzt etwas Sturm im Wasserglas gibt, die meisten aber die Entscheidungen erst nach dem Urlaub treffen werden – und dass alles beim Alten bleiben wird. Schliesslich sind neue Freunde dazugekommen und der Aufwand … und was wäre denn sicher? Hier ein kleiner Tipp:

Das FAnNet kombiniert mit eigenen Servern. Am besten tun sich ein paar Nachbarn zusammen, um eine erste Anonymisierung noch vor den ersten Schritten im Internet zu erreichen und dann die Daten durch ein MIX Netz zu schicken und …

Ansonsten sollte der Benutzer bei jedem Verlassen des – vielleicht noch – sicheren Inlandsnetz, darauf aufmerksam gemacht werden, dass er keine verfängliche Daten weitergeben soll, denn es können alle Daten gegen ihn verwendet werden. Es wäre die Pflicht eines Staates seine Bürger zu warnen – aber wahrscheinlich reicht ja auch ein Kommentar zu einem Unterpunkt in den Tiefen der eigenen Sites …

Privat

Die beste Lösung für den Privatmann ist der eigene Server. Sehr gut ist auch, wenn mehrere über eine gemeinsame Leitung ins Internet geht, dann stehen bei zwei die Server und alle Daten der Berechtigten gehen über sie ins Internet – es sind nur ein paar Leitungen zu legen.

Was es auf den ersten Blick den Lauschern leichter macht, macht es ihnen letztlich schwerer, denn die Zuordnung der Datenpaket zu den Benutzern wird schwerer. Auf diese Art werden selbst die ersten Schritten im Netz – die den Benutzer bislang eindeutig identifizierbar machten – anonymer. Geht es dann direkt durch ein MIX Netz, kann man davon ausgehen, dass man anonym surft.

Auf den Servern kann jedoch protokolliert werden, wer wann was gemacht hat. Aber auch das kann verhindert werden.

Auf diesen Servern werden alle Daten gespeichert, private Sozial Networks können installiert werden und man hat es selbst in der Hand, wer welchen Zugriff bekommt. Damit die Lücke zu den „Internationalen“ Netzen geschlossen werden kann, kann man einen entsprechenden Dienst anbieten, der nur die Daten, die für ihn vorgesehen sind, ausgegeben kann.

Schlusswort

Egal ob nun die Firmen den Exodus vorbereiten, damit den Finanzmarkt hochstilisieren und wir nur noch die Möglichkeit haben werden, uns irgendwie aber im wahrsten Sinn des Wortes durchschlagen zu können, oder ob die Staaten sich vom Lauschen und Auswerten zurückziehen und es den Firmen überlassen oder ob es eine wie auch immer geartete aber gesunde Lösung mit einer WinWin Situation für alle gibt. Ich wünsche jedenfalls allen einen schönen Urlaub – einigen gern auch nachträglich.

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