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Lauschen und Lausen

30. Juni 2013

Ja, Geheimdienste machen so was. Ja Politiker wollen diese Daten und ja, die Wirtschaft hat auch Interesse daran. Dass es diese Interessen gibt, ist immer und überall bekannt gewesen – und auch, dass die Politik hier in einem Interessenskonflikt steht. Schliesslich sichert der Geheimdienst die Existenz der politischen Eliten als letzte Bastion ab: Man kann Probleme und Lösungen beliebig und jederzeit liefern.

Das muss nicht für jede Regierung gelten, aber es war schon immer ein probates Mittel und wird auch heute noch gern verwendet: Jede Regierung, die in Schwierigkeiten gerät macht die grosse böse Welt dafür verantwortlich und weist auf massive Bedrängungen hin, einfach um die Leute zusammen zu schweissen, um von den internen Problemen abzulenken.

Es sind immer die anderen, in Syrien, auch in der Türkei wurde das behauptet, aber auch Terroristen und Radikale taugen gut zum Feind gegen die inneren, heiligen Strukturen. Sie sollen das Volk zusammenschweißen und Kröten schlucken lassen, die sie ohne Feind von aussen nicht schlucken würden.

In diesen Kreisen dreht es sich nicht um Politik im eigentlichen Sinn, es dreht sich um Domination gepaart mit der dazugehörigen Paranoia. Alles wird instrumentalisiert, alles ist nur Mittel zum Zweck. Wer dominieren will weiss, dass es den meisten Betroffenen nicht gefallen wird. Er rechnet mit Widerstand und ist darauf gewappnet. Er wünscht ihn sich und ist enttäuscht, wenn er nicht eintritt, er wird es immer extremer treiben, bis es endlich zum erhofften Showdown kommt. Alles nur Show oder Beschäftigungstherapie, weil es schon immer so war oder weil normales Leben langweilt.

Warum taucht der Mitschnitt über die irischen Banker gerade zu einer Zeit auf, in der man sich über das Lauschen und der Ineffektivität berät auf? Von wem stammt der Mitschnitt? Und wenn er von den Geheimdiensten stammt, ist das dann die Bestätigung, dass sie mehr als ein paar Metadaten über Verbindungen speichern sondern auch die Gespräche selbst? Als Journalist sollte man sich die Herkunft genauer betrachten. Wäre es lanciert, dann wäre es ein Ablenkungsmanöver, eine Beschwichtigung und ein Blitzableiter zu den Banken hin – alles in einer Aktion. Das ist synergetisch, aber auch irgendwie kindisch. Man sollte mal einen Psychologen bitten, das aus seiner Sicht zu beschreiben.

Es werden Allianzen zwischen Politik und Geheimdienst gebildet und immer ist die Wirtschaft dabei, weil sie Lieferant und reich ist. Man pflegt die Zusammenarbeit. Bildet eine eigene Gruppe, nennt sich selbst die Elite und versucht unter sich zu bleiben – die anderen, wie das Volk, werden ausgeschlossen. Für die Ausgeschlossenen gelten andere Regeln, die wissen gar nicht, was abgeht und überhaupt, man steht über ihnen. Die herrschaftlichen Zeiten lassen grüssen. Ist das noch demokratisch? Jedenfalls pflegen die Affen mit Lausen ihre soziale Strukturen – und es ist zu erwarten, dass alles was sich aus diesen „Skandalen“ ergibt, nichts weiter als sehr streng wirkendes Lausen sein wird, vielleicht sind auch ein paar Sado Maso Geniesser für die Show engagiert worden.

Dass „sich was tut“, ist nicht sehr wahrscheinlich. Man kann das an der Antwort eines, der CDU nahestehender Journalist auf die Frage, was man als normaler Bürger machen soll und verschlüsseln vorgeschlagen wurde, antwortet: „Nein, als Bürger habe ich das Anrecht, dass der Staat mich vor solchen Übergriffen schützt“. Man bedenke: Die CDU will, dass der Bürger untätig bleibt und die Aufgabe dem Staat überlässt. Das ist eigentlich das von ihnen so oft gescholtene Vorgehen der SPD. Beliebigkeit und einschläfernd wirken … damit alles bleibt, wie es ist. Mit anderen Worten: „Leute, lasst uns weiter zuhören“.

Geheimdienste sind das Mittel, mit dem man sich in andere Länder einmischen kann und im eigenen Land Probleme verursachen kann. Man kann potenzielle Terrorzellen mittels V Männer finanzieren, sie führen und ausbilden und von der Leine lassen, wann immer man will. Die Amerikaner misstrauen dem Staat generell. Er wird als notwendiges Übel angesehen, als genauso potenziell korrupt wie Herrscher – sie haben es vor nicht allzu langer Zeit noch selbst erlebt: Korrupte Polizei und Politiker prägen sich ein. Und es soll so was auch in der jüngeren Vergangenheit in Europa gegeben haben.

Was die Daten selbst angeht, so ermöglichen sie Insiderwissen. Wer damit aktiv auf den Markt geht (und sich erwischen lässt), der wird in der Wirtschaft hart dafür bestraft. Weil er die Märkte manipulieren kann und immer einen Vorsprung hat. Das ist nicht freie Wirtschaft, das grenzt an Planwirtschaft. Sollte sich das bestätigen – und das dürfte nur eine Frage der Zeit sein – dann kann man sagen, dass alle Verträge nicht mehr verbindlich sind, weil sie wahrscheinlich mit erpresserischen Mitteln zustande gekommen sind. Es ist nur eine Frage offen: Würden die neuen besser werden?

 

Das Problem bei den Daten ist, dass man den Bock zum Gärtner macht. Der Staat sollte es nicht machen, weil er in einen Interessenkonflikt gerät und die Wirtschaft freut sich offen über den „Zugewinn“ – über den kann man sich zwar streiten, aber das ist ein anderes Thema.

Zur Gewaltenteilung gehört heute eine unabhängige Institution für persönliche Daten und deren Auswertung. Sie soll unabhängig von Staat und Wirtschaft sein. Das hier kann Teil der technischen Grundlagen sein: https://roseny.wordpress.com/2013/06/23/fannet/. Es basiert darauf, dass Daten Strukturen bilden, es wird immer beides benötigt, allein sind sie fasst nicht zu gebrauchen (Medien bilden allerdings eine Ausnahme). Trennt man sie, ist das schon sehr viel wert. Wird versucht die Strukturen zu rekonstruieren, dann fallen die dazu notwendigen Datenmengen auf – das kann vollautomatisch überprüft werden.

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