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Innovationen II

22. Juni 2013

Warum ist Innovation wichtig? Warum kann man es nicht einfach so weiterlaufen lassen? So, wie es bisher ging, so kann es doch weitergehen – oder?

Nicht immer. Jedes Produkt bedient einen Markt. Produkte haben einen Anfang und ein Ende. Oft steht am Anfang eine Innovation und am Ende die Innovation eines Dritten. Im Idealfall erschliesst eine Innovation einen neuen Markt, oft beleben sie einen stagnierenden, aber manchmal verdrängen sie ein oder mehrere Produkte. Wer immer nur so weitermacht, der wird irgendwann verdrängt.

Wann wird das sein? Produkte leben heute immer kürzer. Man kann es am Beispiel der Fernseher gut sehen: Die Fernseher meiner Grosseltern kosteten einiges, hielten aber auch mehrere Jahrzehnte (einer fasst dreissig Jahre). Und das war auch gut so, nur wenige hatten einen Fernseher, wäre der nach kurzer Zeit kaputt gegangen, dann hätten andere auf ihren ersten warten müssen. Irgendwann hatten dann alle einen Fernseher. Die Verkaufszahlen brachen ein. Die Produzenten mussten sich etwas einfallen lassen, damit die Kunden wieder kaufen. Aus schwarz weiss wurde farbig, aus dem quadratischen Bild wurde ein rechteckiges, aus niedrig auflösend wurde hochauflösend, aus Röhre wurde Plasma, LED, … aus 2D wurde 3D … to be continued.

Aber sind das alles Innovationen? Mehr Punkte, anders angeordnete Punkte? Ist ein anderes Format mit marginalen Änderungen bereits eine Innovation? Was ist an DIN A 5 besser oder schlechter als an DIN A 4? Ist feiner Sand besser als grober Sand? Das sind Materialfragen, die nicht generell sondern nur in Zusammenhang mit weiteren Eigenschaften, Aufgabe und den anderen Materialien beantwortet werden können. Einigen wir uns vorläufig auf indirekte oder abhängige Innovation. Aber Innovation gefällt mir hier nicht wirklich, denn es hat etwas von Neu – diese Änderungen sind aber nur neue Absprachen, Festlegungen. Sicher, es braucht technische Änderungen, aber es braucht keine neue Technik.

Der Umstieg von Schwarz / Weiss auf Farbe brauchte neue Technik (mehrere verschiedenfarbige Strahlen, die unabhängig von einander gesteuert werden sollen). Der Umstieg auf 3D auch (z.B. eine Brille). Aber sind das Innovationen? Man kann das alles auch als pure Variante der Protokolle sehen – mit technischen Verbesserungen: Vier statt einem Bild für die Farbe und acht statt vier für 3D. Dazu und / oder dazwischen jeweils mehr Punkte. Wäre eine Projektion um die man herum laufen, oder die für jede Position im Raum ein 3D Bild projiziert eine Innovation? Schon eher. Jedenfalls bräuchte das ein neues Format (Protokolle) und eine neue Technik. Da die Übergänge fliessend sind, nennen die Leute jede Varianten gleich eine Innovation – man kann es aber auch strenger sehen.

Was treibt den Markt zu Varianten und Innovationen? Wer mit seinem Produkt einen neuen Markt erschliesst, hat wahrscheinlich einen neuen Markt eröffnet. Er kann aber auch andere Märkte (teil-) verdrängt haben und auf anderen Märkten die Parameter verändern. Wenn der Fernseher nicht mehr an der Wand sondern in der Mitte des Raums aufgestellt wird, dann bekommt auch die Möbel Industrie eine neue Aufgabe – das können echte indirekte Innovationen sein.

Unter dem Gesichtspunkt eines Wettstreits wäre ein wichtiges Kriterium: welche Innovation beschert den meisten anderen Märkte einen Innovationsschub?

Was aber treibt den Markt (nicht den Erfinder) zu Varianten und Innovationen? Gesättigte Märkte. Erst wenn die Nachfrage sinkt, die Produkte nicht mehr verkauft werden können, dann ist man gewillt, zuerst mit Varianten und wenn es ganz dick kommt über Innovationen nachzudenken. Vom etablierten Markt Innovationen zu erwarten, bedeutet vom einem hungrigen Jäger zu verlangen auf den Nachwuchs der Beute aufzupassen. Dies gilt im Besonderen dann, wenn sich grosse etablierte Firmen auf dem Markt bewegen.

Es ist deren Aufgabe, ihre Produkte zu schützen. Es ist die Aufgabe der Volkswirtschaft darauf zu achten, dass Innovationen möglich sind, damit nicht alle Märkte gleichzeitig stagnieren. Denn das bedeutet, dass keiner mehr etwas verkaufen kann, deshalb braucht keiner mehr Mitarbeiter, es werden alle gleichzeitig entlassen – aus dem Wohlstand geht es direkt in die Massenarbeitslosigkeit.

Heute werden Forschungsgelder und Unterstützungen vor allem an grosse Firmen vergeben. Das kann man historisch begründen. Um alle Berechnungen für den Flug zum Mond machen zu können brauchte es Heerscharen von Mathematiker, die selbst rechneten. Die Berechnungen für die Flüge zu anderen Planeten werden heute von wenigen Menschen mit einigen Computern durchgeführt. Man kann es aber auch formal erklären, die Anträge sind recht kompliziert – man will Missbrauch vermeiden – der kleine Erfinder von XY ist selten auch der trainierte Rechtsanwalt und Steuerberater, der er sein müsste um an solche Gelder zu kommen. Und die grosse Firma kann mehr Einfluss auf die Regierung nehmen, als der kleine Erfinder von XY, der Einzelkämpfer, der sich einer Gluckenlobiismus, der den Regierungen den Kamm schwellen lässt, gegenübersieht.

Politisch sind die Aufgaben jetzt erkennbar: Eine Lösung wäre es, die Innovation denen, die sie machen wollen, zu überlassen. Diese Leute wollen nur in Ruhe arbeiten können, sie sind persönlich meist recht genügsam. Ein paar Labore, Werkstätten, Verbindung zu anderen, die Helfen können, etwas Organisation, Infrastruktur und Verwaltungsprofis – das reicht. Echte Innovationen bedürfen der Forschung und Entwicklung, Universitätsstädte und Städte mit Industrie oder hochentwickelten Handwerk brauchen nur ein paar leerstehende Hallen reaktivieren, die richtigen Leute dort Ideen verwirklichen lassen. Man bringt die zusammen, die sich einbringen und ergänzen können. Es gibt Leute, die sehr gut Verkaufen können, aber kein Produkt haben, die sehr gut Wirtschaften können, aber kein Produkt haben, die sehr gut organisieren können, aber kein Produkt haben, die … sich einbringen möchten und nochmal was stemmen wollen, es nochmal wissen wollen …

Wie sieht das wirtschaftlich aus? Wer eine Innovation auf den Weg bringen will, der braucht viele Qualitäten und viel Wissen. In der Regel ist nur ein Teil dieses zusätzliches Wissen vorhanden. Sich dies alles zu erarbeiten ist einer der grössten Aufgaben neben der Produktentwicklung – und sehr viele Versuche scheitern daran. In den Staaten gibt es den Spruch: Wer dreimal Geld verloren hat, dem kannst Du Geld geben, denn er kann jetzt mit Banken, Mitarbeiter und Kunden.

Mit anderen Worten: Drei gute Ideen gehen drauf und nur die vierte bekommt eine reale Chance. Es ist nicht klar ob es die beste war und ob sie es schafft. Dennoch: wer 10 Gründungen finanziert, der macht i.d.R. nichts verkehrt – die meisten, die das gemacht haben, machten Gewinn.Und bedenkt man, dass hinter den zehn vierzig stehen und vorsichtig gerechnet acht davon funktionieren werden, dann wurden aus zehn zwanzig Prozent gemacht. Finanziell ist das recht interessant. Es dürfte sich zumindest selbst tragen. Es bedarf nur einer Anschubfinanzierung, um die benötigten Innovationen zu bekommen.

Aber was wenn die Etablierten sich wehren? Sie werden es – und es wird welche geben, die sich sagen: ist nicht mein Segment, da kann ich rein. Man sollte beide lassen. Denn Innovationen brauchen Mitarbeiter, grosse Firmen brauchen Automation – mit ein bisschen Vernunft und wenigen Änderungen, dem Willen zur Zusammenarbeit, werden aus grossen Firmen Produzenten, die ständig neue Ideen umsetzen können, das benötigt Berater und Verkäufer vor Ort, diese brauchen etwas Infrastruktur und Personal. Und kann überwiegend vor Ort produziert werden (die grossen Firmen, machen die Apparate, die die kleinen Produzenten benötigen), dann entsprechen die Löhne dem lokalen Niveau und sind damit neutral.

Das ist, was Innovationen machen könnten. Wer macht was?

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