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Einfach Schreiben

15. Juni 2013

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Auch weil: „Einfach Schreiben“ nicht einfach ist. Und Einfach verwirrt, denn wir sind Komplexes gewohnt. Wir wissen nicht mehr, dass Einfaches die härtere Arbeit ist.  Doch alles der Reihe nach.

 

Warum bereitet es zur Zeit soviel Mühe, Menschen sehr einfaches wie den Zinseszins zu erklären? Es braucht nicht viel dazu:

Wer den Ertrag seines Geldes wieder investiert, der gerät nach einer gewissen Zeit oder ab einem bestimmten Betrag in eine expotentiale Entwicklung. Das wird der Zinseszinseffekt genannt. Woher kommt das Geld? Es werden Schulden gemacht. Werden diese nicht beglichen und die Zinsen mit weiteren Schulden bezahlt, dann steigen die Zahlen auf beiden Seiten expotential. Neben viel Geld wurden auch viele Schulden gemacht. Jeder hat etwas mehr Schulden als Gewinne, denn von diesen ist ein Teil abzugeben. Dieses „etwas mehr Schulden“ steigt schneller an, als die Gewinne. Nur der Reichste ist sein eigener Schuldner – und wird sich die Schulden grosszügig erlassen. Der zweite in der Reihe gibt bald alle Gewinne ab und macht Schulden um … Das Zinseszinssystem verteilt nach oben.

Da nur zurückgezahlte bzw. zurückzahlbare Kredite gute Kredite sind, ist dieses Geld nichts wert. Man hat aus Nichts Alles gemacht.

Wer es nicht glauben mag, dem kann es mit einem Beispiel schnell gezeigt werden. Es stimmt. Da lässt sich nicht daran rütteln. Es gibt noch viele weitere ebenso einfache und eindrückliche Beispiele – aber hier soll darüber geredet werden, warum es so schwer ist, dass diese angenommen werden?

Es hat was von „des Kaisers neue Kleider“. „Das kann ich nicht glauben, dass das so einfach sein soll! Mein Banker brauchte ewig um es mir zu erklären und jetzt – Das?!?, Nein!“ Es hat auch was von „Es kann nicht sein, weil es nicht sein darf“ – diese Einstellung ist so ziemlich das Gegenteil von der integeren, wissenschaftlichen Arbeitsweise. Also werden die Mittel und die Art der Wissenschaft angewendet, um es zu erklären – klar, dass das dauert, es soll dauern, man erwartet das! Und wenn etwas dauert und kompliziert sein darf, kann man das Ergebnis frei definieren. Diese Erkenntnisse und Ergebnisse liefern nun einen sicheren Mantel, der gegen die Kälte der grossen bösen Welt schützt. Und wer die Brille des Systems noch nicht trägt, der erkennt, dass der Mantel nicht existiert.

Jetzt mal ehrlich: Wem glauben Sie eher: der Zwei – Minuten – Aussage von oben, oder dem mehrere Jahre Studium des Finanzwissenschaftler?

Warum sind wir geistig so unbeweglich geworden? Warum können wir die Welt nicht sehen wie sie ist, sondern ziehen Umwege und Komplexität vor? Weil es uns so gelehrt wurde. Und warum ist das so?

Als Programmierer kennt man es: Die erste Version funktioniert, nach einer schier endlosen ersten Phase, plötzlich. Es sind noch tausend Fragen offen – aber es funktioniert. Warum weiss man nicht. Im zweiten Durchgang versteht man die Zusammenhänge und nach dem dritten hat man ein Ergebnis, mit dem man an die Öffentlichkeit gehen kann: Es ist erweiter- und wartbar.

Das spiegelt sich in den ausgelieferten Versionen: die erste ist was für Technikfreaks, bei der zweiten kann man erkennen, was das soll und wofür es gut ist. Aber erst die dritte Version überzeugt den Endkunden.

Wird bei einer Intellektuellen Arbeit die erste Version ausgeliefert, dann ist diese chaotisch. Wird aber die gelehrte bleiben und immer edler sein, als die Dritte … In diesem Punkt steht sich die gelehrte Welt selbst im Weg. Teilweise hat sich ein verwirrendes Gespinst der Erstversionen entwickelt. In dem jeder alles beweisen kann. Man möchte ihnen zurufen: „Zieht Euch mal anständig an“ – wenn man / sie wüsste(n), was anständig ist, mit Mode kenne ich mich nicht so aus …

Wenn man Politiker in den seltenen privaten, Momenten – ohne Rollengehabe – erlebt, dann sagen sie immer: „Wenn ihr wüsstet, wie kompliziert das alles wurde. Um jedes Wort eines Gesetzes gibt es harte Auseinandersetzungen und die Millionen Meinungen der Menschen machen es auch nicht leichter …“. Vielleicht begreifen die Politiker schön langsam, dass das, was sie meinen, wohl geordnet zu haben, nur eine Erstversion ist und es an der Zeit ist, die zweite Version zu entwickeln.

Auch guten und einfache Texte entstehen in mehreren Durchgängen und sie brauchen Feedback. Dieses Blog ist das Testgelände, die Erstversionen der Vereinfachungen – um an Feedback zu kommen. Was ja auch fleissig passiert. Nur weiter so. Kommt genug zusammen, dann gibt es die zweite und dritte Version. Es ist viel Arbeit und es wird nur Aufgeräumt, aber es wirkt.

Die Welt wird einfacher, als Sie glauben.

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